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8.554772 - Italian Oboe Concertos, Vol. 2
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Italienische Oboenkonzerte

Platti, Salieri, Besozzi

Giovanni Platti (vor 1692-1763)

Oboenkonzert g-moll

Antonio Salieri (1750-1825)

Konzert für Flöte und Oboe C-dur

Carlo Besozzi (1738- nach 1798)

Oboenkonzert C-dur

Über Giovanni Benedetto Plattis Herkunft wissen wir kaum mehr, als daß er vor 1692 in Padua oder Venedig zur Welt gekommen sein muß. Im Jahr 1711 ist sein Wirken als Musiker in Venedig belegt. Sein Vater Carlo Platti spielte in der Kapelle der Basilika von San Marco die „Violetta", ein Instrument, das man verschiedentlich als Bratsche, dreisaitige „viola da braccio" oder Violine identifizierte. 1722 folgte Giovanni Platti einer Musikergruppe unter der Leitung des deutschstämmigen Fortunato Chelleri, der zum Hofkapellmeister des Fürstbischofs Johann Philipp Franz von Schönborn in Würzburg ernannt worden war. Platti heiratete im folgenden Jahr eine Sängerin der Würzburger Hofkapelle und lebte mit seiner bald zehnköpfigen Familie fortan in Deutschland. Berühmt als Oboenvirtuose, war Platti jedoch offenbar ein vielfältig begabter Instrumentalist, denn bei Hof hatte er überdies Geige, Violoncello, Flöte und Cembalo zu spielen. Nach dem Tod des Herrschers im Jahr 1724 scheint die Hofkapelle von seinem Nachfolger Christoph von Hutten aufgelöst worden zu sein. Der Bruder des verstorbenen Philipp Franz, Graf Rudolf Franz Erwein, übernahm die Würzburger Hofmusiker an seine Residenz in Wiesentheid. Unter Fürstbischof Friedrich Carl blühte die Hofkapelle 1729 jedoch prächtiger als zuvor wieder auf: sie umfaßte nun 46 Musiker, unter denen sich auch Platti befand. In dieser Anstellung verblieb er bis zu seinem Tod im Jahr 1763 und wurde von Tiepolo auf dem berühmten Fresko im Treppenhaus der Würzburger Bischofsresidenz verewigt.

Als äußerst vielseitiger Komponist hinterließ Platti Kirchenmusik, Konzerte und Sonaten für Cembalo und für Violoncello sowie zahlreiche andere Instrumentalwerke, die stilistisch großenteils den Übergang vom Barock zur Klassik markieren. Sein Oboenkonzert g-moll beginnt mit einem lebhaften Orchesterritornell. Die Oboe tritt mit einer Verarbeitung desselben Materials hinzu, das nun abwechselnd vom Solisten und vom Orchester weitergeführt wird. Im langsamen Satz bereitet eine stimmungsvolle Orchestereinleitung auf die empfindsame d-moll-Arie der Oboe vor. Der dritte Satz wartet mit einer Überraschung auf: eine plötzliche Generalpause läßt aufhorchen, bevor eine weitere kurze Orchesterintroduktion zum Einsatz des Solisten überleitet; diese Unterbrechung des musikalischen Flusses tritt vor der letzten Orchesterphrase erneut auf. Angesichts der reichen modulatorischen und thematischen Verarbeitung des Ausgangsmaterials wird man zu der Überzeugung gelangen, daß der Komponist Platti von den folgenden Generationen stark unterschätzt wurde.

Antonio Salieris Ruf litt lange Zeit unter dem Vorwurf des Neides auf seinen genialen Kollegen Mozart. Es kursierte sogar das Gerücht, er sei an Mozarts Tod nicht ganz unbeteiligt gewesen - eine Vorstellung, die unter anderen Puschkin zu seiner Novelle Mozart und Salieri und Peter Shaffer zu seinem Theaterstück Amadeus inspirierte. Salieri kam 1750 in Legnano zur Welt. Dort und später in Venedig erhielt er eine solide musikalische Ausbildung, bevor der böhmische Komponist Florian Gassmann ihn 1766 nach Wien brachte. Gassmann wirkte dort als Nachfolger Glucks und war folglich für die Opern- und Ballettmusik des Hoftheaters verantwortlich. Als Schützling Gassmanns lernte Salieri den berühmten Hofdichter Metastasio kennen, traf 1769 Gluck und schlug eine vielversprechende Karriere als Opernkomponist ein. Nach Gassmans Tod im Jahre 1774 wurde Salieri zu seinem Nachfolger als Hofkomponist und Leiter der Italienischen Oper ernannt und 1788 hatte er es bereits zum Hofkapellmeister gebracht. In den 1780er Jahren - der glanzvollsten Dekade in Salieris Biographie - feierten seine Opern nicht nur in Wien, sondern auch in Mailand, Venedig und Paris außergewöhnliche Erfolge. Als 1790 sein Gönner Kaiser Joseph II. starb, trat Salieri von der Leitung der Italienischen Oper zurück, schrieb allerdings noch 14 Jahre lang Opern für dieses Haus und blieb Hofkapellmeister bis 1824 - ein Jahr vor seinem Tod. Überdies genoß er hohes Ansehen als Lehrer der folgenden Komponistengeneration: zu seinen Schülern gehörten Beethoven, Schubert, Liszt, Meyerbeer und Mozarts Sohn Franz Xaver Wolfgang.

Salieris üppiges Schaffen umfaßt etwa 45 Opern, geistliche und weltliche Vokalmusik, Orchesterwerke und Kammermusik. Sein Konzert für Flöte und Oboe C-dur entstand 1774. Die Partitur sieht zusätzlich zum üblichen Streicherapparat Fagotte, Hörner und Trompeten vor; die Holzblasinstrumente können allerdings auch weggelassen werden, da sie weitgehend begleitende Funktion haben. Auf die Orchesterexposition folgen der Einsatz der beiden Soloinstrumente, ein angeregter Dialog zwischen Oboe und Flöte und schließlich der Übergang zum Seitenthema. Der Satz nimmt im weiteren Verlauf neues Material auf und gipfelt in einer ausgeschriebenen Kadenz für beide Soloinstrumente. Das Largo in F-dur wird vom Orchester eingeleitet, bevor Oboe und Flöte gemeinsam ein Thema entwickeln und mündet wiederum in eine Doppelkadenz. Im Rondofinale stellen Flöte und Oboe das Hauptthema vor, das die folgenden Episoden umrahmt: die Flöte dominiert die erste Episode und läßt sich auch in der zweiten Episode in c-moll vernehmen, indem sie jede Phrase der Oboe wiederholt; die dritte Episode bietet eine enge Verflechtung der Solostimmen. Ungewöhnlich sind die geteilten Bratschen in der Wiederaufnahme des Themas vor der knappen Coda.

In der italienischen Musikgeschichte taucht die Familie Besozzi immer wieder auf: angefangen bei dem Sänger und Opernkomponisten Alessandro Besozzi des späten 17. Jahrhunderts über mehrere Generationen von Oboisten, von denen viele im Dienst des Herzogs von Parma standen, bis zu späteren Nachfahren, die sich im Frankreich des 19. Jahrhunderts auf verschiedenen musikalischen Gebieten einen Namen machten. Carlo Besozzi kam 1738 in Dresden zur Welt. Sein Vater Antonio Besozzi war im selben Jahr zum ersten Oboisten am Dresdner Hof ernannt worden, nachdem er zunächst - wie Vater und Onkel - in der herzoglichen Kapelle zu Parma und später am Hof von Neapel angestellt gewesen war. Wie viele andere Familienmitglieder zeigte Carlo Besozzi eine frühe Begabung als Oboist und stand als solcher zwischen 1755 und 1792 im Dienst des Dresdner Hofes. 1757 trat er mit seinem Vater bei den Pariser Concerts Spirituels auf. Bevor er nach Dresden zurückkehrte, verbrachte er einen Teil des Jahres in Stuttgart, wo der Vater eine neue Anstellung gefunden hatte. Leopold Mozart beschreibt in einem Brief vom Mai 1778 an seine Frau und seinen Sohn in Paris einen Besuch Carlo Besozzis in Salzburg. Besozzi hatte in einem Konzert zwei eigene Kompositionen gespielt, die Leopold mit denen Michael Haydns verglich; sie erschienen ihm etwas altmodisch aber gut gearbeitet. Voll des Lobes war er für Besozzis Interpretation, seine hervorragende Blastechnik und seine Fähigkeit, auf langen Noten subtile Crescendi und Diminuendi auszuführen. Besozzi hatte auf dem Weg nach Turin in Salzburg Station gemacht, um die Bürgerrechte zu erwerben, damit er seine Onkel Alessandro und Paolo Girolamo beerben konnte, die seit 1731 Mitglieder der dortigen Hofkapelle gewesen waren. Carlo Besozzi schrieb zwei Oboenkonzerte und zwei Dutzend Bläsersonaten. Sein Sohn Francesco wurde sein Nachfolger an der Dresdner Hofkapelle.

Der klassischen Form folgend beginnt Besozzis Oboenkonzert Nr. 1, C-dur mit einer Orchesterexposition, der die Exposition des Solisten folgt. Hier ist nicht nur der mezza voce-Effekt zu hören, den Leopold Mozart an Besozzis Vortrag übrigens wenig schätzte, sondern auch jene dynamischen Nuancen, die seinen Beifall fanden. Nach der Kadenz endet der Satz ordnungsgemäß mit einer Orchestercoda. Das getragene Andante in F-dur wird von der melodischen und dynamischen Finesse des Soloinstruments beherrscht, die Vater Mozart hervorgehoben hatte. Der Satz enthält wiederum eine Kadenz, in der die selben Eigenschaften noch klarer zu Tage treten. Im finalen Allegro umrahmt das von der Oboe vorgestellte Hauptthema verschiedene kontrastierende Episoden, darunter eine eindrucksvolle moll-Passage und ein langsamer Abschnitt mit langen, nuancierten Haltenoten. Nach einer hochvirtuosen Kadenz endet der Satz mit der letzten Wiederaufnahme des Hauptthemas.


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