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8.554806 - HAYDN / HUMMEL / NERUDA: Trumpet Concertos
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Trompetenkonzerte

Joseph Haydn (1732-1809): Konzert Es-Dur
Johann Nepomuk Hummel (1778-1837): Konzert E-Dur
Jan Křtitel Jiří (Johann Baptist Georg) Neruda (c1707-c1780): Konzert Es-Dur
Bedřich Diviš (Friedrich Dionys) Weber (1766-1842): Variationen F-Dur

 

Nach längerer Unterbrechung hatte Joseph Haydn 1796 seine aktiven Verpflichtungen als Kapellmeister der Esterházy-Familie wieder aufgenommen. Nach dem Tod seines alten Dienstherrn Fürst Nikolaus I. im Jahr 1790 von seinen höfischen Aufgaben entbunden, war er als freischaffender Komponist zu zwei ausgedehnten und höchst erfolgreichen Reisen nach London aufgebrochen. Der neue Fürst, Paul Anton, hatte seinen Vater um nur vier Jahre überlebt, und sein Sohn, Fürst Nikolaus II., behielt Eisenstadt als Residenz bei, wohin sein Vater den Hof von Eszterháza verlegt hatte; in Eisenstadt hatte Haydns musikalische Karriere für die Fürstenfamilie im Jahre 1761 begonnen. Die meiste Zeit des Jahres verbrachte er jedoch in Wien und hielt sich in Eisenstadt nur während der Sommermonate auf, während derer er eine Reihe von Messvertonungen produzierte; in Wien beschäftigte er sich mit der Komposition von Oratorien und seiner letzten Streichquartette. Die Inspiration für sein 1796 vollendetes Trompetenkonzert Es-Dur lieferte die kurz zuvor entwickelte sog. Klappentrompete. Auf dem bis dahin gebräuchlichen barocken Clarino war es noch unmöglich gewesen, aufeinanderfolgende Tonschritte in tiefer Lage zu produzieren, sodass der Spieler auf die Naturtöne angewiesen war – mit größeren Tonabständen im tiefen und kleineren im hohen Register. Man hatte, nach dem Vorbild der Posaune, auch bereits mit einer Weiterentwicklung der Zugtrompete experimentiert sowie mit der Technik, wie beim Waldhorn die Tonhöhe durch Stopfen mit der Hand zu verändern. Aber erst das 1793 von Haydns Freund und Mitglied des Wiener Hoforchesters Anton Weidinger entwickelte Klappeninstrument eröffnete (nach weniger erfolgreichen Dresdener Experimenten in den 1770er Jahren) weitere Möglichkeiten. Klappen wurden hinzugefügt, die von der linken Hand des Spielers bedient wurden und welche die Löcher bedeckten, wodurch die Tonhöhe um jeweils einen Halbton angehoben wurde. 1813 wurde die Klappentrompete schließlich durch die Ventiltrompete abgelöst. Weidinger machte das Wiener Publikum mit seinem neuen Instrument und mit Haydns Konzert in einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Jahre 1800 bekannt. Das Konzert beginnt mit einer Orchesterexposition, die dem Solisten vor seinem ersten Soloeinsatz die Gelegenheit zum Einspielen gibt. Das von ihm vorgestellte Hauptthema wird durchgeführt und kehrt in der Reprise zurück, die zu einer virtuosen Kadenz führt. Im langsamen Satz in As-Dur, in dem Haydn auf Hörner,

Orchestertrompeten und Pauken verzichtet, zeigt das Klappeninstrument die Fähigkeit zu chromatischem Spiel im tieferen Register. Das Konzert endet mit einem lebhaften Rondo, das Haydns unfehlbare Erfindungskunst und Weidingers technisches Können beweist

Johann Nepomuk Hummel wurde 1778 in Pressburg, dem heutigen Bratislava, als Sohn eines Musikers geboren. Im Alter von acht Jahren ging er mit seiner Familie nach Wien, wo er bei Mozart Klavierunterricht nahm, bevor er 1788 seine Karriere als reisender Virtuose begann. 1793 kehrte er nach Wien zurück und studierte, wie Beethoven, bei Albrechtsberger, Salieri und Haydn. Vermutlich auf Empfehlung des letzteren stellte Fürst Niklolaus von Esterházy ihn als Konzertmeister an und übertrug ihm die Aufgaben, die Haydn trotz Beibehaltung seines Kapellmeistertitels inzwischen niedergelegt hatte. Hummel blieb bis 1811, als sein Vertrag nach einer Reihe von Beschwerden beendet wurde, im Dienst der Esterházys. Danach nahm er seine Virtuosenkarriere wieder auf, bevor er sich in Stuttgart und später in Weimar als Kapellmeister niederließ. Soweit es seine Zeit erlaubte, trat er aber auch weiterhin als reisender Pianist in Erscheinung. Sein Trompetenkonzert E-Dur entstand ebenfalls für das neuartige Klappeninstrument, dessen Erfinder Anton Weidinger am Neujahrstag 1804 auch die Uraufführung spielte. Das wegen seiner ungewöhnlichen Tonart häufig auch in Es-Dur gespielte Werk ist leichter instrumentiert als Haydns Konzert und nutzt in noch größerem Maße die Möglichkeiten des neuartigen Instruments. Die Orchesterexposition des ersten Satzes führt zum Einsatz des Solisten mit seiner Version des Hauptthemas, gefolgt von der Rückkehr des zweiten Themas in der Exposition des Solisten, einer zentralen Durchführung und einer Reprise. Der in Moll beginnende langsame Satz gibt dem Solisten vor der Vorstellung des Hauptthemas Gelegenheit zu einem ausgehaltenen Triller. Vor dem Satzende hellt sich die Musik nach Dur auf. Das von Tonrepetitionen der Trompete eingeleitete brillante Schlussrondo stellt hohe technische Anforderungen an die Virtuosität des Solisten.

Der böhmische Komponist Johann Baptist Georg Neruda wurde um 1707 geboren und erhielt seine Ausbildung in Prag. 1750 wurde er Mitglied der Dresdener Hofkapelle, zu deren Konzertmeister er später aufstieg. Auch während der schweren Zeit, die der Siebenjährige Krieg für Sachsen bedeutete, blieb er in Dresden. Der englische Musikschriftsteller Charles Burney, der die Stadt an der Elbe während seiner Deutschlandreise 1772 besuchte, bemerkt, dass Neruda noch immer Mitglied des Orchesters war, in dem bereits seine beiden Söhne tätig waren, und wo er zunächst unter Johann Adolf Hasse und danach unter dessen Nachfolgern gespielt hatte. Neruda hinterließ eine Vielzahl verschiedenartiger Kompositionen, u.a. vierzehn Konzerte. Das Trompetenkonzert Es-Dur gehört einer früheren musikalischen Welt als das Konzert Hummels an. Geschrieben für Streichorchester ohne Continuo-Cembalo, beginnt dieses seiner Form nach vorklassische Werk mit einer Orchestereinleitung, gefolgt von der Solotrompete mit dem Hauptthema und der charakteristischen Verwendung von Sequenzen

in Motiven, die von aufeinander folgenden Wiederholungen erweitert werden. Das Hauptthema kehrt in einem Orchester-Ritornell in der Dominante zurück, bevor die Trompete neues Material vorstellt – ein Verfahren, das im folgenden Ritornell und in der abschließenden Wiederkehr des Hauptthemas in der ursprünglichen Tonart wiederholt wird und über die Trompetenkadenz zur Coda führt. Das Hauptthema des langsamen Satzes erscheint zunächst im Orchester; anschließend erweitert das Soloinstrument das thematische Material. Eine Kadenz geht dem zweiten Orchesterabschnitt des Satzes voraus; danach kehrt der Solist zur Ausgangstonart zurück und erreicht die zweite Kadenz, bevor das Largo ausklingt. Den Abschluss des Konzerts bildet ein Vivace im Dreiertakt, dessen Hauptthema vom Orchester vorgestellt wird – ein Ritornell, das in verschiedenen Tonarten zurückkehrt und den Rahmen für eine Reihe von Soloepisoden bildet, die in einer Kadenz kulminieren.

Friedrich Dionys Weber, ebenfalls aus Böhmen stammend, hatte ein spezielles Interesse an neuen Entwicklungen bei Blechblasinstrumenten. Geboren 1766 bei Karlsbad, studierte er Philosophie und Rechte in Prag, bevor er sich endgültig der Musik widmete. Sein Stil wurde hauptsächlich von Mozart (den er persönlich kennenlernte) und vom vielseitigen Abbé Vogler, Carl Maria von Webers späterem Lehrer, beeinflusst. 1811 wurde er zum ersten Direktor des neugegründeten Prager Konservatoriums ernannt und hatte diesen Posten bis zu seinem Tod im Jahre 1842 inne. Sein Geschmack war konservativ, und er mißbilligte Beethovens und auch Carl Maria von Webers Musik. Gegen Wagners C-Dur-Sinfonie hatte er hingegen anscheinend nichts einzuwenden, denn er führte sie mit seinem Orchester auf. Er bekleidete ebenfalls den Direktorenposten der Prager Orgelschule, sodass er über einen langen Zeitraum das musikalische Hochschulwesen in der gesamten Region kontrollierte. Webers Variationen für Trompete und Orchester scheinen das Ergebnis seiner eigenen Experimente mit Klappeninstrumenten, u.a. einem Klappenhorn, zu sein, das sein Prager Schüler Joseph Kain in Wien vorstellte. Ein gewisser Herr Chlum soll Webers Variationen auf einer von Kail entworfenen chromatischen Trompete, vermutlich der Ventiltrompete, gespielt haben, was dieses Stück zum frühesten überlieferten Beispiel für solche Musik macht. Die Komposition beginnt mit einer langsamen Einleitung, der das mit Larghetto überschriebene Thema folgt. Die erste Variation wartet mit schnellerer Figuration, die zweite mit virtuosen Triolen und die dritte mit chromatischem Spiel auf. Die vierte und letzte Variation ist ein Tempo di Polacca. Eine lebhafte Coda beschließt das Werk.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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