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8.555024 - RODGERS: Sound of Music (The): Enchanting Melodies of Rodgers and Hammerstein
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Richard Rodgers (1902-1979)
The Sound of Music: Bezaubernde Melodien von Rodgers und Hammerstein II

Der Pianist, Komponist und Produzent Richard Charles Rodgers, der namentlich durch seine Musical- und Film-Musical-Beiträge hervorgetreten ist und der zu den größten Komponisten populärer Songs des 20. Jahrhunderts zählt, wurde am 28. Juni 1902 in Long Island, New York geboren. Seine Eltern, der promovierte Mediziner William Abraham Rodgers und die Pianistin Mamie Levy, förderten das Klavierspiel und die ersten Kompositionsversuche ihres Sohnes bereits früh, und schon als Schulkind gab ‚Dick’ sein Taschengeld nachweislich für den Besuch der Samstag- Matineen von Jerome Kern-Musicals aus. Seinen ersten Song soll er mit elf Jahren geschrieben haben. Den ersten erhaltenen Song, ‚My Auto Show Girl’, schrieb er jedenfalls als 14-Jähriger. Bis sein Talent schließlich um 1917 herum von Max Dreyfus vom Musikverlag Harms entdeckt wurde, beschränkten sich seine Aktivitäten freilich auf das Schreiben von Musik und gelegentlich auch Texten für die Shows in den sogenannten Social Clubs. Im Jahr darauf, mit sechzehn, schrieb er sich an der Columbia University ein, wo er seinem ersten wichtigen Partner, dem ebenfalls aus New York stammenden Textdichter Lorenz Hart (1895-1943), begegnete.

Hart verfügte bereits über Erfahrungen als ‚Ghost’- Dichter für Billy Rose und andere, ehe er als Co-Autor von Rodgers eine einzelne Nummer zum kurzlebigen Broadway-Musical A Lonely Romeo (1919) beisteuerte. Die ernsthaftere Arbeit des Teams Rodgers-Hart für den Broadway nahm dann 1920 mit Poor Little Ritz Girl ihren Anfang, ehe 1925 dann der eigentliche Durchbruch am Broadway mit ihrer Arbeit für die Revue The Garrick Gaieties gelang. Schon bald sollten sie, was Bühnen- und Filmmusik anging – von 1931-35 lebten sie in Hollywood – das beliebteste Autoren-Duo in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen werden, und bis Hart nach langer Krankheit, viel zu früh, am 22. November 1943 starb, schufen die beiden in ihrer 25 Jahre währenden künstlerischen Partnerschaft Musik und Texte zu 35 Musicals und 23 Filmen, darunter freilich auch Arbeiten als Co-Autoren.

Immerhin lebte Hart lange genug, um die Premiere von Oklahoma! mitzuerleben, jener Show, die den Anfang der Zusammenarbeit mit einem alten Freund, der Rodgers zweiter grosser Textdichter werden sollte, markierte: Oscar Greeley Clendenning Hammerstein II., der als Enkel des gefeierten deutschstämmigen Veranstalters und Opern-Impresarios Oscar Hammerstein I. das Theater einfach im Blut hatte. Zudem hatte er in den 1920er und -30er Jahren auf dem Feld der Operette eine Reputation erworben, die der von Rodgers im Bereich der Musical-Komödie gleichkam. Am 12. Juli 1895 in New York City geboren, wuchs Oscar Jr. als Spross einer der einflussreichsten Broadway-Dynastien heran sein Onkel, der überaus angesehene Arthur Hammerstein, produzierte unter anderem Shows wie Naughty Marietta, Firefly und Rose Marie, interessierte sich gleichwohl, bis er ans College kam, nicht sonderlich fürs Theater.

Bis 1904 studierte er am New Yorker Hamilton Institute, ehe er sich 1912 an der Columbia University einschrieb, wo er 1916 mit einem B.A. in Recht abschloss. Schon während seiner Zeit an der Columbia University übernahm er verschiedene Hauptrollen in Theaterstücken und schrieb sogar Bücher und Texte für die Produktionen der Columbia Players, praktizierte jedoch zunächst als Anwalt, bis er sich – nicht zuletzt durch Zureden seines Onkels – ganz dem Theater zuwandte. Nachdem er zunächst als Bühnenarbeiter und –manager etwas Theaterluft geschnuppert hatte, begann er eigene Stücke zu schreiben, die freilich allesamt floppten. Und auch sein Broadway-Debüt als Librettist und Textdichter für Herbert Stotharts kurzlebige Show Always You (1920) war nicht sonderlich erfolgreich. Nach weiteren Arbeiten mit Co-Autoren wie Otto Harbach und anderen, konnte er schließlich mit dem Text für Vincent Youmans Musical Wildflower (1923) sein Genie unter Beweis stellen, das – wie Nicolas Slonimsky es formulierte – darin bestand, dass er „gefälliges Sentiment und kultivierte Nostalgie, wie sie dem modernen Theater besonders gut anstehen“, miteinander zu kombinieren verstand.

Zu den Meilensteinen von Hammersteins Bühnenwerken vor seiner Zusammenarbeit mit Rodgers gehören Rose Marie (mit Sigmund Romberg) – 1924, Sunny (mit Jerome Kern) und Song of the Flame (mit Stothart und George Gershwin) – beide 1925, The Desert Song (mit Romberg) und The Wild Rose (mit Rudolf Friml) – beide 1926, Show Boat (mit Kern) – 1927, The New Moon (mit Romberg) – 1928, Music in the Air (mit Kern) – 1924 und Carmen Jones (auf die Musik Bizets) – 1943. Zu seinen Arbeiten für den Film gehören, abgesehen von Adaptionen der erwähnten Broadway-Shows, Viennese Nights (Musik von Romberg, 1930), Give us this Night (Musik von Erich Wolfgang Korngold, 1936), High, Wide and Handsome (Musik von Kern, 1937) sowie The Great Waltz (Musik von Dimitri Tiomkin, 1938).

Mit 2.212 Aufführungen – ein Rekord, den 1956 erst My Fair Lady einstellen konnte – gehört Oklahoma! (1943), das 1944 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet wurde, zu den am längsten gespielten Musicals der Vereinigten Staaten. Als erstes Beispiel jenes unverhohlen romantischen neuen Genres, für das man den Begriff ‚Musical Play’ (Musical-Schauspiel) prägte, war das auf Lynn Riggs Stück Green Grow The Lilacs (1931) basierende Oklahoma! eine hybride Fusion von Musical, Komödie und Operette, zugleich aber auch die Kulmination der althergebrachten Musical-Tradition im Stile von Show Boat. In London wurde Oklahoma! erstmals 1947 gegeben (1.548 Aufführungen), und die Filmmusik zur Technicolor- Produktion von 1955 wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. Die Fortsetzung, Carousel (1945), die Brooks Atkinson als „das grossartigste unter den Werken von Rodgers und Hammerstein“ bezeichnete, stellte allegorisch und in einem modernen Idiom den Triumph der Liebe über das Böse dar. Als Vorlage diente Hammerstein dabei ein 1909 entstandenes Stück des ungarischen Romanciers und Dramatikers Ferenc Molnár, Liliom, das in New York ab 1921 oft gespielt wurde. Die erste, mit einem Donaldson-Award ausgezeichnete Produktion von Carousel hielt sich immerhin für 890 Aufführungen am Broadway. Twentieth Century Fox verfilmte die Show, die 1950 erstmals in London gegeben wurde, dann 1956.

Die einzige Zusammenarbeit von Rodgers und Hammerstein, die nicht als Bühnen-Show ihren Anfang nahm, war der Film State Fair (Twentieth Century Fox, 1945, mit Charles Winninger, Jeanne Crain, Dana Andrews, Vivian Blaine und Dick Haymes). Neben dem Oscar für den Song ‚It Might As Well Be Spring’ wurde auch die Filmmusik unter Leitung von Alfred Newman für einen Academy Award nominiert. 1996 lief eine von Tom Briggs und Louis Mattioli vom Film- Musical 1992 adaptierte neue Produktion am Broadway an. Nach Allegro von 1947 (315 Aufführungen), war der nächste Wurf von Rodgers und Hammerstein am Broadway dann 1949 das herrlich idyllische South Pacific. Das Libretto von Hammerstein und seinem Co- Produzenten Joshua Logan (1908–88) im Verbund mit der zwingenden Handlung (basierend auf zwei separaten Episoden aus James Mitcheners Tales Of The South Pacific), vervollkommnet von einigen unvergänglich nostalgischen Melodien Rodgers’, dazu noch mit Mary Martin und Ezio Pinza, dem Emeritus- Bass der Metropolitan Opera, in den Hauptrollen, machten South Pacific zu einem sicheren Gewinner. Nachdem es 1.925 Aufführungen am Broadway hinter sich hatte, tourte die außergewöhnlich beliebte Produktion noch durch 118 amerikanische Städte, startete im November 1951 in London und brachte es auf weitere 802 Aufführungen. Die lang erwartete Verfilmung von 1958 – ein Fünfmillionen-Dollar- Spektakel der Magna mit Mitzi Gaynor und Rossano Brazzi und dem nachsynchronisierten Gesang des Baritons Giorgio Tozzi – verblasste dann allerdings gegen die Originalshow.

Zwei Jahre nach South Pacific war die Geschichte von The King And I bereits durch die Filmfassung der Twentieth Century Fox von 1946 mit Rex Harrison und Irene Dunne einer breiten Öffentlichkeit vertraut. Der Film basierte auf Margaret Landons Roman Anna And The King Of Siam, der auch die Vorlage für das Broadway–Musical von Rodgers und Hammerstein war, das ab März 1951 mit 1.246 Aufführungen über die Bühne ging. Die Idee, den Stoff für eine Show zu verwenden, kam dabei von Gertrude Lawrence, die dann auch die Rolle der Anna Leonowens übernahm. Yul Brynner wurde für seine gewissenhafte Darstellung des Kaisers mit einem Tony ausgezeichnet. Die sich anschließende Londoner Produktion lief 1953 mit Valerie Hobson und Herbert Lom an und brachte es auf weitere 946 Aufführungen. Die von Twentieth Century Fox im Cinemascope-Verfahren verfilmte Musical- Version von 1956 mit der für einen Oscar nominierten Deborah Kerr und dem mit einem Oscar ausgezeichneten Yul Brynner in den Hauptrollen erhielt insgesamt vier Nominierungen und wurde mit vier Academy Awards prämiert. Die Bühnenfassung war freilich nicht minder erfolgreich, was nicht zuletzt die häufigen Wiederaufnahmen belegen (namentlich die am Broadway von 1977 und 1985 sowie die in London von 1979).

Eine Reihe klangvoller, wenn auch weniger erfolgreicher Werke schloss sich an, darunter Me And Juliet (1953; 358 Aufführungen), Pipe Dream (1955; 246 Aufführungen), Cinderella (zuerst fürs Fernsehen produziert, wurde es für das gleiche Medium 1965 noch einmal wiederbelebt und zudem zweimal – 1958 und 1960 – in London auf die Bühne gebracht, beide Male jedoch ohne Erfolg) und Flower Drum Song (1958; 600 Aufführungen).

Auch wenn einige Kritiker es als die ‚Apotheose sentimentalen Rodgers und Hammerstein Eskapismus’ verurteilten, sollte The Sound Of Music doch das finanziell ertragreichste Werk des Autorenteams und überhaupt eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten werden. Die erste Broadway–Produktion unter der Regie von Vincent Donahue mit Mary Martin in der Hauptrolle brachte es auf 1.443 Aufführungen und wurde mit einer längeren ‚Parallel’-Tour durch Amerika ergänzt. 1961 schloss sich dann die alle Rekorde brechende Produktion im Londoner West-End mit 2.385 Aufführungen an. Die Filmfassung von 1965 (Twentieth Century Fox, mit Julie Andrews und Christopher Plummer) erhielt drei Nominierungen und wurde mit drei Oscars ausgezeichnet. Sentimental oder sonstwie: Sowohl was die Karten- und Schallplattenverkäufe angeht (der Soundtrack zählt zu den bestverkauften Filmmusiken aller Zeiten), als auch im Hinblick auf die Langlebigkeit (die Show wurde erst 1997 wieder in London und 1998 am Broadway neu aufgelegt), stellt The Sound Of Music das dauerhafteste Zeugnis in der 16-jährigen Broadway- Erfolgsgeschichte des Duos Rodgers-Hammerstein dar.

Der Tod Hammersteins am 23. August 1960 in Doylestown, Philadelphia fiel mit dem raschen Niedergang des traditionellen Broadway-Musicals zusammen, und der letzte Koloss unter den amerikanischen Theater-Komponisten verlor ohne die seine Melodien befruchtenden theatralischen Gaben seines früheren Partners allmählich an Publikumsgunst. Und tatsächlich zeigen die Kartenverkäufe, dass Rodgers’ verschiedene Versuche, an seine früheren Erfolge anzuschliessen (beginnend 1962 mit No Strings, für das Rodgers sowohl die Musik als auch den Text verfasste, was ihm zwei Tonys einbrachte), eher mutig als durchschlagend waren. Rodgers’ nächstes Projekt sollte 1965 eigentlich I Picked A Daisy werden, gemeinsam mit dem Textdichter Alan Jay Lerner. Doch blieb es bei der Idee, und als die Show schliesslich unter dem Titel On A Clear Day You Can See Forever realisiert wurde, stammte die Musik von Burton Lane.

Ebenfalls 1965 entstand Do I Hear A Waltz?, basierend auf Arthur Laurents Stück The Time Of The Cuckoo. Doch auch wenn es im allgemeinen noch als das beste Werk Rodgers’ nach Hammerstein gilt, was nicht zuletzt dem gelungenen Beitrag des Textdichters Stephen Sondheim (1930 in New York City geboren) zuzuschreiben ist, muss es letztlich mit nur 220 Aufführungen als Misserfolg betrachtet werden. Es folgten zwei weitere Flops: Two By Two (1970; das Thema war Noahs Arche, der Text stammte vom Regisseur Martin Charnin) und Rex (1976; der Stoff über Henry VIII. mit einem Text von Sheldon Harnick überlebte gerade einmal 49 Aufführungen). Die sinkende Kurre des Richard Rodgers mit I Remember Mama ihre natürliche Ende 1979, mit Charnin und Raymond Jessel. Basierend auf einer in den 1950er Jahren erfolgreichen Fernsehserie und einer Musicalversion eines noch früheren Stücks Van Drutens, das im San Francisco vor dem großen Beben spielte und das Rodgers und Hammerstein selbst bereits 1944 produziert hatten.

Als Richard Rodgers am 30. Dezember 1979 in New York starb, hinterliess er ein in der Theatergeschichte bis dato unerreichtes Lebenswerk. Gemeinsam mit Hammerstein hatte er 34 Tonys, 15 Oscars, zwei Pulitzer-Preise, zwei Grammys und zwei Emmy Awards gewonnen. Zudem war das Duo 1998 vom Time Magazine und den CBS News in die Liste der 20 einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts aufgenommen worden. 1990 kam eine postume Ehrung hinzu, als das 46th Street Theater am Broadway in dem mittlerweile die Richard Rodgers Gallery ihre bleibende Heimstatt gefunden hat umbenannt wurde in Richard Rodgers Theater.

Peter Dempsey
Deutsche Fassung: Matthias Lehmann


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