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8.555093 - LALO: Symphonie Espagnole / RAVEL / SAINT-SAENS / SARASATE
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Edouard Lalo (1823-1892): Symphonie espagnole • Maurice Ravel (1875-1937): Tzigane Camille Saint-Saëns (1835-1921): Havanaise •

Edouard Lalo (1823-1892): Symphonie espagnole • Maurice Ravel (1875-1937): Tzigane Camille Saint-Saëns (1835-1921): Havanaise • Pablo de Sarasate (1844-1908): Carmen-Fantasie

 

Edouard Lalos Symphonie espagnole gehört zu den bekanntesten Werken des Violinrepertoires. Lalos Name klingt zwar Spanisch, doch die Familie ließ sich bereits im 16. Jahrhundert in Nordfrankreich nieder. 1823 in Lille geboren erhielt Lalo den ersten Geigen- und Cellounterricht am Konservatorium von Lille und ging dann nach Paris, um für kurze Zeit bei dem Geiger und Dirigenten Habeneck zu studieren und Privatstunden in Komposition zu nehmen. Da der Vater, der seinem Berufswunsch ablehnend gegenüber stand, ihm jegliche Unterstützung versagte, musste er sich seinen Lebensunterhalt als Geiger und Geigenlehrer verdienen. Mit seinen Kompositionen konnte er zunächst nicht den Erfolg erreichen, den er sich erhoffte. In den 1850er Jahren spielte er als Bratschist im Armingaud Quartett und später in seinem eigenen Quartett; beide Ensemble bemühten sich, das klassische Quartett-Repertoire von Haydn, Mozart und Beethoven der französischen Öffentlichkeit wieder näher zu bringen. Erst in den 1870er Jahren gelang es Lalo, als Komponist auf sich aufmerksam zu machen. 1874 wurde sein Violinkonzert von dem spanischen Virtuosen Pablo de Sarasate aufgeführt, dem im selben Jahr auch die Symphonie espagnole gewidmet wurde. Darauf folgten weitere Orchesterwerke, darunter auch das erfolgreiche Cellokonzert sowie eine Reihe von Stücken für Violine solo und Orchester. Einen noch größeren Erfolg konnte er schließlich 1888 mit der Produktion der Oper Le roi d’Ys an der Opéra Comique erzielen, der eine Reihe früherer Enttäuschungen in diesem Genre vorausgegangen waren. Lalo starb 1892. Die Symphonie espagnole ist nur dem Namen nach eine Sinfonie. Die Atmosphäre des Werks wird zu Beginn durch eine kurze Orchestereinleitung festgelegt, darauf folgt der Einsatz des Solisten und der charakteristische Rhythmus des Hauptthemas. An den zweiten Satz, Scherzando, der einen kontrastierenden Mittelteil enthält, schließt sich ein typisch spanisches Intermezzo an sowie ein lyrisch bewegter langsamer Satz, der durch die idiomatischen spanischen Wendungen der Phrase an Intensität zunimmt. Das Werk endet mit einem abschließenden Rondo, das Eleganz und Charme ausstrahlt und reichlich Gelegenheit für die Zurschaustellung von Virtuosität bietet.

           

Als Sohn eines Vaters mit schweizerischen Vorfahren und einer Mutter, deren Familie aus dem Baskenland stammte, erlebte Ravel eine umstrittene Karriere am Pariser Conservatoire. Er kehrte schließlich 1897 an das Institut zurück, um mit Gabriel Fauré zu studieren, der zu guter Letzt in den Lehrkörper berufen wurde. Obwohl er sich als Komponist bereits einen Namen gemacht hatte, gelang es ihm nicht, einen der begehrten Kompositionspreise zu gewinnen. Alle seine Versuche, sich den begehrten Prix de Rome zu sichern, scheiterten und lösten am Konservatorium einen Skandal aus und führten zu zahlreichen Veränderungen, darunter auch die Ernennung Faurés zum Direktor. Ravels berühmte Tzigane entstand 1924 für die ungarische Geigerin Jelly d’Aranyi, deren eigene improvisierten Ergänzungen der Komponist dem bereits vollendeten Werk hinzufügte. Ravel soll geäußert haben, dass er keinen Schimmer davon gehabt habe, was sie da tue, als sie das Stück gespielt habe, aber es habe ihm gefallen. Sowohl in der Originalfassung für Violine und Klavier, als auch in der Fassung für Violine und Orchester gehört die Zigeuner-Tzigane zu den großen Show-pieces des Geigenrepertoires. Das Werk spiegelt die Intention des Komponisten wider, die musikalischen und technischen Fähigkeiten des Interpreten unter Beweis zu stellen, und wurde später von einem Freund Ravels als das „Minenfeld eines Geigers“ bezeichnet. Die Tzigane fängt den Geist der Zigeuner-Improvisation ein und überträgt diese Kunst erfolgreich in die Kunstmusik.

 

Das Leben von Camille Saint-Saëns erstreckt sich über einen Zeitraum mit zahlreichen musikalischem Veränderungen und reichte von der Zeit Schumanns und Mendelssohns, mit denen er oft verglichen wurde, bis zu Ravel und Debussy. Seine unterschiedlichen Werke umfassen nahezu jedes denkbare Genre. Dazu gehören auch zwei Violinkonzerte, die für Sarasate geschrieben wurden, und die sehr spanische Introduktion und Rondo Capriccioso. Die gleichen spanischen Elemente bestimmen auch die bekannte Havanaise aus dem Jahr 1887. Das Werk wurde zwei Jahre zuvor in Brest begonnen, als Saint-Saëns auf einer Tournee mit dem Geiger Raphael Diaz Albertini war, dem es auch gewidmet ist. Sie soll die anmutigen Bewegungen und die Haltung eines jungen Mädchens aus Havanna schildern.

           

Der spanische Geiger Pablo de Sarasate studierte in Paris, und im Alter von 15 Jahren begann er eine Konzertkarriere, die ihn in ganz Europa und Amerika berühmt machen sollte. Zu den Komponisten, die für ihn schrieben, gehörten Bruch und seine Geigen-Kollegen Joachim und Wienawski. Seine Carmen-Fantasie, eine der zahlreichen Fantasien, die auf den populären Melodien dieser Oper beruhen, entstand 1883. Sie stellt ein Medley aus Bizets Oper zusammen, die nach anfänglichen Kontroversen nach der Uraufführung 1875 ein großer Erfolg war. Sarasate schrieb Variationen über das Material, während er die ursprüngliche Instrumentation von Bizets Oper weit gehend unangetastet ließ. Das Vorspiel zum vierten Akt der Oper erklingt, während Carmens verführerische Habanera einen Teil des Moderato-Satzes bildet. Die Variationen führen zu einem Lento assai und einer weiteren Reihe von Variationen. Das Allegro moderato bereitet den Weg für ein virtuoses Finale.

 

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Peter Noelke


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