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8.555104 - BERIOT, C.A. de: Violin Concertos Nos. 1, 8 and 9
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Charles-Auguste de Bériot (1802-1870)

Charles-Auguste de Bériot (1802-1870)

Violinkonzert Nr. 1 D-Dur op. 16 • Violinkonzert Nr. 8 D-dur op. 99

Violinkonzert Nr. 9 a-Moll op. 104

Charles-Auguste de Bériot wurde am 20. Februar 1802 in Leuven geboren und wurde einer der herausragendsten Geiger, die die belgische Schule je hervorgebracht hat. Zu seinen Nachfolgern gehörten unter anderem Vieuxtemps, Ysaÿe, Hubert Leonard, Massart, Marsick, Prume und César Thomson.

Als Neunjähriger trat Bériot mit einem Konzert von Viotti an die Öffentlichkeit. Nachdem er 1812 seine Eltern verloren hatte, wurde er in die Obhut seines Lehrers Jean-François Tiby gegeben. Er nahm einige Stunden bei Viottis Schüler André Robberechts und ließ sich 1821 bei Viotti in Paris hören. Der Meister gab ihm damals den Rat, seinen Stil dadurch zu vervollkommnen, dass er begabten Spielern zuhörte, ohne sie aber zu imitieren - und es scheint, dass Bériot diesen Rat weitestgehend beherzigt hat.

Viotti war 1819 Direktor der Pariser Opéra geworden, nachdem er mit seiner Londoner Weinhandlung Schiffbruch erlitten hatte. Im November 1821 sollte er von seinem Amt zurücktreten; in der Zeit jedoch, als Bériot nach Paris kam, war er über die Maßen von seinen offiziellen Pflichten beansprucht. Bériot konnte allerdings einige Stunden bei Safflot nehmen, der seit geraumer Zeit am Konservatorium unterrichtete.

Bériots Virtuosenkarriere begann 1824. Zwei Jahre später konnte er sich bereits als Kammerviolinist König Charles X. titulieren lassen, anschließend wurde er überdies Violinist des niederländischen Königs Willem I. Seine Begegnung mit der überragenden Sopranistin Maria Malibran, der Schwester von Pauline Viardot, führte zunächst zu einer künstlerischen Partnerschaft und dann zur Heirat, nachdem man die erste Ehe annulliert hatte, mit der sich die Malibran von aus der Ausbeutung durch den Vater hatte befreien wollen.

Seit 1832 verbrachte das Künstlerpaar seine Zeit hauptsächlich in England und Italien. 1836 fand schließlich die Hochzeit statt — drei Jahre nachdem in Paris der gemeinsame Sohn Charles-Wilfrid geboren worden war, der sich später einen Namen als Pianist machen sollte.

Das Glück war nicht von langer Dauer. Maria Malibran starb schon kurz nach der Eheschließung. Einige Jahre später stellte Heine fest, dass man die Seele der Malibran noch immer durch den schmelzenden, süßen Geigenton könne singen hören, den ihr verwitweter Gemahl zu erzeugen wusste.

Während ihrer gemeinsamen Konzertreisen waren Bériot und Maria Malibran vor allem in Italien und England aufgetreten. 1838 reiste der Geiger jetzt in Begleitung seiner Schwägerin nach Österreich und Italien; überdies trat er in deutschen Metropolen mit dem Pianisten Thalberg auf. Zwei Jahre später heiratete er Marie Huber, die Tochter eines österreichischen Magistrats, und 1843 wurde er Leiter der Violinabteilung am Brüsseler Konservatorium, wobei er diese Professur einem ganz ähnlichen Posten vorzog, der ihm in Paris die Nachfolge Baillots eingetragen hätte. Sein nachlassendes Sehvermögen führte 1852 zum Abschied vom Konservatorium. Konzerte konnte er noch bis 1866 geben, dann machte eine Lähmung des linken Arms seiner Karriere ein Ende. Charles Bériot starb 1870 in Brüssel.

Zu Bériots Kompositionen gehören unter anderem 15 Variationswerke für Violine und Klavier, zehn Violinkonzerte, rund 50 Duette und Etüden, die noch heute ihren ursprünglichen pädagogischen Zweck erfüllen. Als Lehrer und Musiker erreichte er den Höhepunkt der franko-belgischen Violinschule, die im Laufe der Zeit von immer größerer Bedeutung wurde.

Sein Erstes Violinkonzert in D-Dur („Militärkonzert") brachte Charles de Bériot am Weihnachtstag des Jahres 1839 zur Uraufführung. Das einsätzige Werk ist Leopold I., dem ersten belgischen König, gewidmet und zeigt beispielhaft, was der junge Komponist in spieltechnischer Hinsicht dem großen Niccolò Paganini zu verdanken hatte — namentlich beim virtuosen Gebrauch des Linke-Hand-Pizzikatos. Gleich einer Opernszene ist das Stück von verführerischen Melodien geprägt, und man kann verstehen, dass Bériot seinerzeit mit Bellini verglichen wurde. Ursprünglich sollte die Geige einen halben Ton höher als üblich gestimmt werden; mittels dieser Skordatur konnte der Solist das einfachere D-Dur greifen, während ihn das Orchester in Es-Dur begleitete. Das Werk stellt erhebliche technische Ansprüche, wobei vor allem auf wirkungsvolle Weise von Doppelgriffen Gebrauch gemacht wird, ohne dass in dem energiegeladenen Prozess auf lyrische Augenblicke verzichtet würde.

Das Konzert Nr. 8 D-Dur op. 99 entstand 1855. Es erschien ein Jahr später im Druck und ist dem russischen Fürsten Nikolai Jusupow gewidmet, einem Amateur-Geiger und -Komponisten, den Bériot in Paris kennengelernt hatte. Der Fürst hatte sich von Vieuxtemps unterrichten lassen, unterhielt in St. Petersburg ein eigenes Orchester und veröffentlichte 1856 in Frankfurt eine Geschichte des Geigenbaus und Geigenspiels, die nicht in jeder Hinsicht als präzis zu bezeichnen ist. Auch in seinem achten Konzert zeigt Bériot, wie gut er die technischen Mittel beherrschte und sich darauf verstand, seine melodisch geschmackvollen und zierreichen Einfälle in den damaligen Stilen zu entfalten. Die Orchesterexposition des Allegro maestoso führt ganz vorschriftsmäßig zum ersten Einsatz des Solisten, der seine ausgezierte Version des ersten Themas präsentiert. Es folgen eine virtuose Überleitung sowie gesanglichere Elemente. Die Durchführung stellt dem Solisten neue technische Aufgaben; der Satz endet mit der üblichen Kadenz und dem Schlussteil. Das nachfolgende Andantino ist von zarter Lyrik geprägt und führt ohne Pause zu dem geistreichen, energetischen Schlusssatz.

De Bériots Violinkonzert Nr. 9 a-Moll op. 104 entstand 1858 und ist der Fürstin Tatjana Jusupowa gewidmet. Die Widmung war ein Zeichen der Freundschaft und der Dankbarkeit, denn man hatte Bériot eingeladen, im September 1859 nach St. Petersburg zu kommen und dort die nächsten Monate zu verbringen. Wie die Konzerte Nr. 6 und Nr. 7 besteht auch dieses Werk aus drei attacca ineinander übergehenden Sätzen. Es zeigt den flüssigen Violinstil des Komponisten und jene opernhafte Eleganz, die auch sein Geigenspiel charakterisierte.

Marc Tollet und Keith Anderson

Deutsche Fassung: Cris Posslac


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