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8.555324 - HAYDN: Symphonies, Vol. 27 (Nos. 50, 51, 52)
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Joseph Haydn (1732-1809)

Joseph Haydn (1732-1809)

Sinfonie Nr. 50 C-Dur • Sinfonie Nr. 51 B-Dur • Sinfonie Nr. 52 c-Moll

 

Joseph Haydn wurde 1732 in dem burgenländischen Dorf Rohrau als Sohn eines Stellmachers geboren. Er erhielt seine musikalische Ausbildung in der Chorschule des Wiener Stephansdoms und verdiente sich anschließend seinen Lebensunterhalt mit Violin- und Klavierstunden bzw. als Geiger oder Klavierspieler. Der bereits bestehende Kontakt zu dem alten Komponisten Porpora kam ihm insofern zugute, als dieser ihn schließlich zu seinem Assistenten machte, bevor Haydn 1759 dann seine erste Stelle als Kapellmeister des böhmischen Grafen von Morzin antreten konnte, aus dessen Familie bereits ein Gönner von Antonio Vivaldi gekommen war. 1761 folgte die Anstellung als Vizekapellmeister bei einem der reichsten Männer des Kaiserreiches, Fürst Paul Anton Esterházy, dem nach seinem Tod im Jahre 1762 sein Bruder Fürst Nikolaus folgte. Wiederum vier Jahre später starb der alte, penetrante Kapellmeister Gregor Joseph Werner, der an der Berufsauffassung seines jungen, ungeliebten Stellvertreters immer wieder etwas auszusetzen gehabt hatte. Joseph Haydn übernahm das Amt seines Vorgängers und bekleidete dieses zumindest nominell bis zum Ende seines Lebens.

 

Als unter Fürst Nikolaus das grandiose Schloss Eszterháza in der ungarischen Puszta vollendet worden war, übernahm Joseph Haydn die Leitung einer

noch größeren Einrichtung. Jetzt war er auch für die musikalischen Aktivitäten des Schlosses verantwortlich, und dazu gehörten die Bereitstellung und Leitung der Instrumentalmusik, die Oberaufsicht über die Oper und die Schauspielmusik sowie die geistliche Komposition. Seinem Dienstherrn schrieb er überdies eine Fülle verschiedenster Kammermusiken, in denen vor allem das Leibinstrument des Fürsten, das Baryton, eine wichtige Rolle spielte – ein Streichinstrument zwischen Cello und Gambe mit zusätzlichen Resonanzsaiten, die nicht nur einfach mitschwangen, sondern auch einzeln angezupft werden konnten.

 

Nach dem Tode des Fürsten Nikolaus im Jahre 1790 konnte Haydn eine Einladung aus London annehmen und für die von dem Geiger und Impresario Salomon organisierte Konzertsaison etliches an Musik liefern. Nach einem zweiten erfolgreichen Aufenthalt in London (1794/95) wandte er sich wieder seinen Pflichten bei den Esterházys zu, deren neues Familienoberhaupt sich zumeist auf dem Anwesen in Eisenstadt aufhielt, wo Haydns eigentliche Laufbahn begonnen hatte. Einen großen Teil des Jahres verbrachte man allerdings in Wien, wo Haydn im Jahre 1809 schließlich auch starb, indessen die Truppen des französischen Kaisers Napoleon erneut heranmarschierten.

Haydn erlebte jenen Teil des 18. Jahrhunderts, in dem sich die Instrumentalmusik von den älteren Vorbildern eines Bach oder Händel zu der klassischen Sonate hin entwickelte, deren dreiteiliger Hauptsatz nebst zwei oder drei weiteren Sätzen jetzt die Basis vieler Instrumentalwerke bildete. Die Sinfonie wurde dabei ganz ohne Frage die bedeutendste Gattung der Orchestermusik, und sie verdankt einen Teil ihrer Entstehung, wenn nicht gar ihre Vaterschaft, dem Wirken von Joseph Haydn, der sich kurz vor 1759 erstmals auf diesem Gebiet versuchte und seine letzte Londoner Sinfonie in der letzten Dekade des 18. Jahrhunderts komponierte.

 

Am 31. August 1773 kamen Kaiserin Maria Theresia und ihr Hofstaat nach Eszterháza. Am ersten Tag gab es ein Schauspiel im Schlosstheater. Am nächsten folgten zunächst Haydns Oper L’infedeltà delusa und dann in dem mit prächtigen Chinoiserien ausgestatteten Ballsaal ein Maskenball, bei dem Haydn und seine Musiker in Kostümen aufzuspielen hatten, die nach damaliger Ansicht „nach chinesischer Mode“ geschneidert waren. Am dritten Tag kam die Marionettenoper Philemon und Baucis mit Haydns Musik zur Aufführung, ein Stück von eindeutig patriotischer Aussage, das von einem abschließenden Feuerwerk gekrönt wurde. Offenbar wurde damals auch Haydns Sinfonie Nr. 48 gespielt – und man vermutet des weiteren, dass auch die Sinfonie Nr. 50 vor der Kaiserin gespielt worden sein könnte, wobei die beiden ersten Sätze möglicherweise aus dem Prolog zu Philemon und Baucis übernommen und durch zwei weitere Sätze zu einer ausgewachsenen Sinfonie komplettiert worden sein könnten. In jedem Fall spricht das mit Pauken und Trompeten besetzte Werk in der festlichen Tonart C-Dur für einen großen Anlass. Der erste Satz beginnt denn auch mit einer zeremoniösen, von punktierten Rhythmen bestimmten Einleitung, die zu einem charakteristischen Allegro führt, in dem das zweite Thema bei der Wiederholung der Exposition gekürzt wird, dafür aber vor Beginn der Reprise in der Durchführung eine gründlichere Behandlung erfährt. Den langsamen Satz in G-Dur beherrschen die Streicher; erst in der Reprise desselben melden sich die Oboen vernehmlich zu Worte. Das Menuett beginnt, wie schon der Kopfsatz, mit einem aufsteigenden, gebrochenen C-Dur-Dreiklang. Das Trio hält eine Überraschung bereit: Es beginnt zwar mit derselben Figur wie der Hauptteil des Menuetts, wendet sich dann aber zu einer Oboenmelodie in F-Dur und endet schließlich in E-Dur, bevor das eigentliche Menuett wiederholt wird. Der Schlusssatz besteht nur aus einem Thema, das als Nebenthema, dann in der Durchführung und auch in der Reprise mit den gebotenen Tonartenwechseln erscheint.

 

Die Sinfonie Nr. 51 B-dur stammt aus den frühen 1770er Jahren und wird auf eine Zeit zwischen 1771 und 1773 datiert. Das erste Thema des Kopfsatzes ist von den Noten eines Horns durchwirkt. Eine Überleitung führt zunächst zu einem dramatischen g-Moll und dann zu einem delikat instrumentierten zweiten Thema, in das sich vor allem die ersten und zweiten Geigen teilen. Gegen Ende der zentralen Durchführung gibt es eine besonders wahrnehmbare „falsche Reprise“ in Es-Dur, die der eigentlichen Wiederholung der Exposition voraufgeht. Sordinierte Geigen und tiefere Streicher begleiten in dem langsamen Satz (Es-Dur) ein Solohorn, dessen hohem Register der Kollege des zweiten Horns mit den tiefsten Tönen folgt, deren das Instrument überhaupt fähig ist. Dann setzt eine Oboe ein. Im Mittelteil des Satzes folgt das Horn der Oboe, um eine Verstärkung der Streichertriolen zu erreichen, die man schon vorher kurz hatte hören können. In der Reprise darf sich der Hornist mit seiner Arpeggio-Begleitung einige Sporen verdienen. Das Menuett umrahmt das erste Trio (für Streicher allein) sowie ein zweites Trio, das den beiden Oboen und Hörnern größere Anteile überlässt. Wieder steigt das erste Horn sehr weit in die höchsten Lagen hinauf, während das zweite sich zu den tiefsten Tönen seines Umfangs hinab begibt. Die Sinfonie endet mit einem Rondo, dessen mehrfach wiederholtes Hauptthema als Rahmen gegensätzlicher Episoden dient. Die Hörner sind es schließlich, die das Werk mit Nachdruck seinem Ende entgegentreiben.

 

Die Sinfonie Nr. 52 c-Moll entstand in derselben Zeit. Der erste Satz beginnt ganz nach der Art des Sturm-und-Drang mit einer Unisono-Figur. Zweimal erscheint das Nebenthema, indem es deutliche Hinweise auf jene kontrapunktischen Möglichkeiten gibt, die anschließend in der Durchführung entfaltet werden. Im langsamen Satz (C-Dur) müssen die Violinen den Dämpfer aufsetzen, während an die Stelle der bisherigen Hörner in Hoch-C und in Es zwei Instrumente in Tief-C treten. Die heitere Gelassenheit wird von demselben absteigenden Halbton unterbrochen, der schon dem Kopfsatz einen Hauch düsterer Dramatik verliehen hatte. Das Menuett bringt ein Trio in C-Dur, das von überraschenden Gegenrhythmen geprägt ist. Dann folgt das abschließende Presto, dessen Hauptthema von den Synkopen der ersten und zweiten Violinen vorgestellt wird. Das hurtige Dahineilen wird bei der Wiederholung des zweiten Abschnitts von einer plötzlichen Stille unterbrochen. Dann geht es mit fünf kraftvollen Akkorden weiter, und endlich folgen die fast völlig einmütigen, kraftvollen Schlusstakte.

 

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Cris Posslac


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