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8.555331 - Russian Romance
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Der Zauber Rußlands

Die Vorfahren von Alexander Warlamow stammten aus Moldawien, der Komponist selbst wurde im Jahre 1801 in Moskau geboren. Auf musikalischem Gebiet war er zunächst Autodidakt, bevor er unter Dmitri Bortnjansky Mitglied der Hofsängerkapelle in St. Petersburg wurde. In seinem späteren Berufsleben stand er unter anderem in Diensten von Anna Pawlowna, der russischen Ehefrau Wilhelm von Oraniens, und kam als Leiter des Chores des russischen Botschafters nach Den Haag. Er kehrte 1823 nach Rußland zurück und widmete sich dem Theater. Im Jahre 1832 wurde er Kapellmeister der Theater des Zaren in Moskau und behielt diese Stelle bis in die vierziger Jahre hinein. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre in St. Petersburg. Als Komponist schrieb er eine große Anzahl an Instrumentalwerken und Liedern. Schneegestöber ist in seiner folkloristischen Art charakteristisch für Warlamows unterhaltungsmusikalische Seite; der mehr „akademisch" wirkende mittlere Abschnitt bildet den Kontrast dazu.

Boguslawskys Dunkel ist die Nacht ist anders geartet, es ist von der Stilistik her noch volkstümlicher. Das folgende Lied, das hier in einer Bearbeitung für Violine und Orchester vorgestellt wird, ist in Deutschland unter verschiedenen Titeln bekannt, so als Moskauer Nächte, Mitternacht in Moskau oder Abend an der Moskwa. Nimmt man den Originaltitel wörtlich, fängt es die romantische Atmosphäre der „Abende in der Umgebung von Moskau" ein. Das Lied stammt aus der Feder von Wassili Solowjow-Sedoj, der über lange Zeit ein Balalaika-Ensemble leitete und sich erst in späteren Jahren entschloß, am Leningrader Konservatorium zu studieren. Seine Kompositionen sind vom Geist der russischen Volksmusik erfüllt, für die er sich immer besonders interessiert hat.

Die anderen Stücke auf der vorliegenden CD sind entweder originale Volkslieder oder Lieder im Volkston von russischen Komponisten. Kalinka ist ein absolut typisches russisches Lied, es besteht aus einem getragen-lieblichen ersten und einem schwungvollen, alles mitreißenden zweiten Teil. Kalinka besingt übrigens wörtlich einen „kleinen Schneeballstrauch". Die Wolga hinunter beschreibt eine weniger bekannte Seite des Flusses. Schwarze Augen gehört zu den bekanntesten russischen Liedern. Der rote Sarafran ist ein Lied des bereits erwähnten Alexander Warlamo; es ist zum Volkslied geworden. Der Sarafran ist der Trachtenrock der russischen Bäuerinnen. Stenka Rasin besingt den gleichnamigen Kosakenführer aus dem 17. Jahrhundert, der es geschafft hatte, zweihunderttausend Mann aus der Wolgaregion für einen Aufstand gegen den Adel zu mobilisieren, bevor er durch die Moskowiter gefangengenommen und hingerichtet wurde. Laut Text soll Stenka Rasin ein Vordenker der sozialistischen Oktoberrevolution von 1917 gewesen sein. Weideland, nach Worten von Viktor Gussew, ist Bestandteil der Vierten Sinfonie von Lew Knipper, eines Komponisten der Roten Armee. Das allseits bekannte Lied der Wolgatreidler wird hier in einem Arrangement wiedergegeben, das auf die Musik von Peter Tschaikowsky anspielt. Die vorliegende Sammlung wird von den Volksliedern Das Flämmchen und Auf der Straße nach Peterskaja beschlossen; letztere hat übrigens auch Strawinsky beschritten.

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Tilo Kittel


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