About this Recording
8.555700 - SCHUBERT: Piano Trio No. 2 in E-Flat Major / Sonatensatz
English  German 

Franz Schubert (1797-1828)
Klaviertrio Es-dur op. 100 D. 929 • Sonatensatz B-dur D. 28

 

Franz Schubert wurde 1797 als Sohn eines Wiener Schulmeisters geboren und als Chorist der Kaiserlichen Kapelle am Stadtkonvikt ausgebildet. Hier wie auch zu Hause war er sowohl als Instrumentalist wie auch als Komponist aktiv. Obwohl man ihm beim Stimmbruch die nötigen Mittel zur Fortsetzung seiner akademischen Erziehung anbot, beschloss er Lehrer zu werden, um mehr Zeit für die Musik zu haben. Als Achtzehnjähriger ging er seinem Vater im Schulzimmer zur Hand, während er weiterhin komponierte und bei dem alten Hofkapellmeister Antonio Salieri lernte. 1816 verließ er das Elternhaus, um fortan bei seinem neuen Freund Franz von Schober zu wohnen. So war er für den Augenblick der lästigen Unterrichtstätigkeit enthoben. Während der nächsten Jahre findet man ihn gemeinhin in der Gesellschaft von Freunden, zwischendurch der Not gehorchend auch wieder am Katheder des väterlichen Schulraums – wobei er für diese Aufgabe weder eine große Begabung noch sonderliches Interesse mitbrachte.

Schuberts kurze Karriere fand auch weiterhin in Wien statt, wo er zwar gelegentlich einige Aufträge erhielt und einige Werke veröffentlichen konnte, nie aber in den Genuss jenes vorzüglichen Mäzenatentums kam, wie es Beethoven erlebt hatte und immer noch erlebte. Gleichermaßen gelang es ihm nicht, eine Anstellung im offiziellen Musikleben der Stadt zu finden. Erst im März 1828 riskierte Schubert ein Konzert mit eigenen Werken – und das war ebenso erfolgreich wie profitabel. Doch im Herbst desselben Jahres hatte sich seine Gesundheit infolge der venerischen Erkrankung, die er sich sechs Jahre zuvor zugezogen hatte, so sehr verschlechtert, dass er am 19. November im Alter von 31 Jahren starb.

Wie das erste Klaviertrio B-dur D. 898 und das posthum veröffentlichte Notturno D. 897 entstand auch das zweite Klaviertrio Es-dur D. 929 vermutlich Ende 1827. Man hat angenommen, dass das selbständige Notturno ursprünglich als Adagio für das B-dur-Trio gedacht war; und die Datierung des benutzten Papiers unterstützt diese Ansicht. Das zweite der beiden vollendeten Trios – Schumann zog dieses Werk dem andern als geistreicher, männlicher und dramatischer vor – wurde im Januar 1828 im privaten Kreise aufgeführt, als Schuberts Schulfreund Josef von Spaun seine Verlobung feierte. Außerdem stand es bei dem oben erwähnten öffentlichen Konzert im März auf dem Programm. Bei der Privataufführung spielten der Pianist Karl Maria von Bocklet, der Geiger Ignaz Schuppanzigh und der Cellist Josef Linke; bei dem öffentlichen Konzert wurde der indisponierte Schuppanzigh durch Josef Böhm an der Geige ersetzt.

Im Oktober 1828 veröffentlichte Probst in Leipzig das Werk. Es war die erste Komposition von Schubert, die das Interesse eines ausländischen Verlegers fand. Zur Drucklegung strich Schubert 99 Takte des Finales – sie sind in der vorliegenden Aufnahme beibehalten.

Der Kopfsatz weckt sofort unsere Aufmerksamkeit, und das erste, dramatisch konturierte Thema führt zu einem lyrischen Nebengedanken, der vom Violoncello vorgestellt und unmittelbar darauf von der Violine aufgegriffen wird. Das thematische Material der Exposition wird in der zentralen Durchführung mit ihren Tonartenwechseln gehörig ausgelotet, worauf die Reprise folgt. Bei der Melodie des langsamen Satzes in c-moll soll es sich Schuberts Freund Leopold von Sonnleithner zufolge um ein schwedisches Volkslied handeln. Dieses wurde inzwischen tatsächlich als Se solen sjunker (Sieh die Sonne untergehen) identifiziert. Die Verwendung eines Kanons im Scherzo – Violine und Violoncello imitieren hier das Klavier – hat Vorbilder nicht zuletzt bei Haydn. Umrahmt wird davon ein dynamisch-kontrastreiches Trio in As-dur.

Eine trällernde Melodie des Klaviers leitet das abschließende Allegro moderato mit seiner wiederholten Exposition und einer ausgedehnten Durchführung ein. Der Satz enthält ein kontrastierendes Nebenthema, das zuerst in c-moll erscheint; außerdem gibt es Erinnerungen an das Volkslied aus dem zweiten Satz, bevor das Finale auf brillante Weise zu Ende geht.

Der sogenannte Sonatensatz B-dur D. 28 für Klaviertrio entstand zwischen 27. Juli und 28. August 1812. Schubert begann also mit der Arbeit einen Tag nach seinem letzten Auftritt als Chorknabe der Kaiserlichen Kapelle, wo er zum Abschluss seiner Tätigkeit noch einmal die Altpartie in einer Messe von Peter von Winter gesungen hatte. Im Juni hatte er mit dem Unterricht bei dem alten Hofkapellmeister Antonio Salieri begonnen. Diese Stunden setzte er bis 1816 fort, und sie sollten einen merklichen Einfluss auf die Form seiner vielen Lieder haben. 1812 kam es zu einem schöpferischen Ausbruch. Der inzwischen fünfzehnjährige Schubert hatte die Routine als Chorist hinter sich. Jetzt schrieb er Streichquartette, Kirchenmusik und Lieder, außerdem befasste er sich im Zusammenhang mit seinem Unterricht bei Salieri mit Studien in Kontrapunkt und italienischer Textvertonung. Der Triosatz verrät eine bemerkenswerte Sicherheit und ist – wie der Titel impliziert – in der Form eines Sonaten-Allegros gehalten. Er war wohl weniger für die eher begrenzten musikalischen Möglichkeiten daheim als vielmehr zur gemeinsamen schulischen Aufführung mit jungen Musikerkollegen gedacht.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


Close the window