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8.555723 - GRANADOS, E.: Piano Music, Vol. 6 (Riva) - Enchanted Palace in the Sea / Elisenda's Garden
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Enrique Granados (1867-1916)

Enrique Granados (1867-1916)

Enrique Granados wurde 1867 im katalanischen Lérida geboren. Er studierte Klavier an der Academia Pujol, wo er mit sechzehn Jahren den Ersten Preis im Klavierwettbewerb gewann. Daraufhin begann er seinen Kompositionsunterricht bei Felipe Pedrell. Dieser lehnte die in Spanien vorherrschende italienische Schule ab und propagierte die Entwicklung einer auf der Volksmusik Spaniens beruhenden Tonkunst. Granados finanzierte sein Studium durch privates Stundengeben und Musizieren in Kaffeehäusern. Er erkannte, dass er seine künstlerischen Ziele in seinem Heimatland nicht erreichen würde und setzte sein Studium 1887 in Paris fort. Bei seinem dortigen Klavierlehrer Charles-Wilfrid de Bériot perfektionierte Granados seine Klangbildung, Pedaltechnik sowie die Kunst des Improvisierens.

Zurück in Barcelona veröffentlichte Granados seine Danzas Españolas, welche ihm die internationale Konzertbühne eroberten. Er gastierte im Laufe seiner Karriere in Spanien, Frankreich und New York und arbeitete mit solch erstrangigen Künstlern wie Isaac Albéniz, Pablo Casals, Jacques Thibaud und Camille Saint-Saëns zusammen. Als Komponist hinterließ er neben seinem umfassenden Klavierwerk auch Kammermusik, Vokalwerke, Opern und Sinfonische Dichtungen. Granados war aber auch ein hervorragender Pädagoge und gründete die Academia Granados, die berühmte Musiker hervorbrachte.

Im Jahre 1912 lernte Granados den Pianisten Ernest Schelling kennen, der seine Musik im Ausland aufführte und ihn ermutigte, seine Klaviersuite Goyescas in eine Oper umzuarbeiten. Obwohl Granados eine scheinbar unüberwindbare Angst vor dem Meer hatte, reiste er vier Jahre später per Schiff zur Uraufführung dieser Oper nach New York. Auf der Rückreise wurde sein Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert, wobei Granados und seine Frau ums Leben kamen.

Granados schrieb einmal, dass es immer sein Motto gewesen sei, auf kurzlebige Lorbeeren zugunsten wahrer und dauerhafter Errungenschaften zu verzichten. Heute zählt Granados zu den größten Komponisten Spaniens. Seine Musik hat viele Facetten, kann aber als romantische Musik mit nationalen Zügen beschrieben werden. Von seinen Zeitgenossen liebevoll Unser Schubert genannt, wird er von der Nachwelt als der spanische Chopin und gelegentlich auch als der letzte Romantiker bezeichnet. Er schuf eine individuelle Tonsprache, die sich mit keiner anderen vergleichen lässt.

Granados wurde in erster Linie durch die europäische Romantik des 19. Jahrhunderts beeinflusst, insbesondere durch Chopin und Schumann. Die üppigen und gleichzeitig feinsinnigen Harmonien, seine große Palette an pianistischen Klangfarben, die formale Freizügigkeit und seine lebhafte Phantasie, der eine Spur Nostalgie anhaftet, reihen den Komponisten eindeutig in die romantische Schule ein. Oft wurde bemerkt, dass Granados sich in den großen Formen der Sonate oder Sinfonie nicht heimisch fühlte. In der Tat gedieh seine Kunst in den kürzeren und rhapsodischen, insbesondere den auf die Variation aufbauenden Formen besser.

Douglas Riva

Deutsche Fassung: E.G.

Klavierwerke, Folge 6

Die Piezas sobre cantos populares españolas (Stücke über spanische Volkslieder) entstanden um 1895. Granados hat sie Cecilia Gómez de Conde, der Schwiegertochter seines Gönners Eduardo Conde, gewidmet. Die eindeutig national inspirierte Sammlung ist so umfänglich konzipiert und mit einer derartigen romantischen Brillanz und technischen Komplexität ausgeführt, dass sich der Vergleich mit dem Quintett op. 49 und dem Trio op. 50 aufdrängt, die beide im selben Jahr uraufgeführt wurden. Die Original-handschrift ist anscheinend verloren. 1916 hat Granados das Preludio der Piezas jedoch in New York auf einer Rolle für Pianola festgehalten; diese Rolle wurde unter dem Titel Prelude, María del Carmen veröffentlicht.

Die Urfassung der Suite Elisenda, die am 7. Juli 1912 uraufgeführt wurde, war ein Werk für Kammerorchester, Klavier, Harfe und Sopran. Den ersten Satz hat Granados später unter dem Titel El jardí d’Elisenda für Klavier arrangiert. Das Stück ist dem Cellisten Pablo Casals und seiner Schwester Guillermina gewidmet. Der Text, den Granados im vierten Satz der Suite vertonte, stammt von dem katalanischen Dichter Apeles Mestres, einem der führenden Vertreter des Modernismo (der spanischen Spielart der Art Nouveau). Apeles Mestres verfasste auch die Libretti zu vier Granados-Opern und zu seiner sinfonischen Dichtung Liliana. In der Erstausgabe der Klavierfassung von El jardí d’Elisenda ist ein Teil des Gedichtes von Apeles Mestres abgedruckt:

Die aufgehende Sonne weckt Elisendas Garten,

indes die Schatten des Palastes noch schlafen;

Rosen blühen, Wassertropfen singen, wie sie vom

Brunnen springen.

Elisenda will ihre Trauer lindern und ihr

Erinnern versüßen und geht in den stillen Garten

hinab;

ihr Herz weilt weit, sehr weit von hier,

auf den Schlachtfeldern, wo man kämpft und fällt ...

Der Duft der Blumen würzt die Luft mit seiner Süße,

süß singen die Wasser des Brunnens,

und der Tag wird heller ...

Alles, was Elisenda umgibt, duftet, klingt wohl

und strahlt ...

und plötzlich, welch ein Zauber, erblüht

voller Hoffnung ihr Herz.

Die Handschrift von Parranda-Murcia ist undatiert. Da Granados und sein Librettist José Feliu y Codina jedoch einige Wochen der Jahre 1895/97 in der Provinz Murcia mit der Materialsammlung für die Oper María del Carmen zubrachten, könnte man vermuten, dass Parranda-Murcia aus der damaligen Zeit stammt. Dieses Stück liegt hier ebenso als Ersteinspielung vor wie die atmosphärische Pastorale, die um 1910 in dem spanischen Magazin Mundial Musical erstveröffentlicht wurde.

Die Danza característica ist in zwei undatierten und unbetitelten Handschriften überliefert. Erst seit seiner Erstausgabe aus dem Jahre 1973 wird das Stück als „charakteristischer Tanz" bezeichnet. Es ist denkbar, dass Granados diesen Satz in seinen Danzas españolas herausbringen wollte, ihn dann aber vor der letzten Fassung der Sammlung ausgeschieden hat.

Sardana wurde 1914 veröffentlicht und ist als einziges Klavierwerk von Granados ganz unmittelbar von der katalanischen Volkskunst inspiriert. Das Stück ist dem amerikanischen Pianisten, Dirigenten und Komponisten Ernest Schelling gewidmet. Die Sardana ist ein zweiteiliger, für Granados’ Heimat typischer Reigentanz mit einer komplizierten Schrittfolge — curt (kurz) und llarch (lang) —, die der Musik ihre besondere Gestalt verleiht. Das Klavierstück von Granados gehört zur Gattung der Konzert-Sardanas, die nicht als Tanzbegleitung gedacht sind.

Serenata schrieb Granados als Geschenk für seine Frau. Die Originalfassung notierte er auf einem Pergament, das das Datum „20. Mai 1893" trägt und folgende Zuschrift enthält: „Für das Album meiner Lebensgefährtin Ampara, die so gut ist und die ich so sehr liebe — dein Ehemann". Es ist kaum anzunehmen, dass Granados diese Serenata veröffentlicht oder außerhalb der familiären vier Wände gespielt wissen wollte.

Jácara mit dem Untertitel Danza para cantar y bailar (Tanz zum Singen und Tanzen) könnte eine Studie für die Goyescas (Naxos 8.554403) gewesen sein, denn einiges an melodischem Material hat er später im sechsten und letzten Stück namens Epílogo: Serenata del espectro (Epilog: Serenade des Gespenstes) wieder verwendet.

Países soñados (Klingende Landschaften) war offenbar als eine Sammlung geplant. Granados schrieb aber nur El palacio encantado en el mar (Der verzauberte Palast im Meer). Das Werk aus der Zeit um 1912/3 ist im Untertitel als Leyenda (Legende) bezeichnet.

Sowohl das erste Impromptu als auch das Impromptu de la codorniz (Impromptu der Wachtel) erschienen 1912 im Druck. Das Entstehungsdatum beider Stücke ist allerdings ebenso wenig bekannt wie dasjenige des dritten Impromptus, das 1914 als Opus 39 herauskam. Eigentümlicherweise wurde um 1890 schon das Capricho español (Naxos 8.554628) unter derselben Opuszahl 39 veröffentlicht. Die drei Geschwister könnten gegensätzlicher nicht sein. Das Impromptu Nr. 1 dürfte etwa so klingen wie eine der Improvisationen, für die Granados berühmt war; das Impromptu de la codorniz ist eine bukolische Pastorale; und das dritte ist von leidenschaftlicher romantischer Glut erfüllt.

Douglas Riva

Deutsche Fassung: Cris Posslac

Die vorliegende Einspielung erfolgte nach der Kritischen Ausgabe Sämtlicher Klavierwerke von Enrique Granados, herausgegeben von Editorial Boileau, S.A., Barcelona, Spanien; Direktorin: Alicia de Larrocha, Stellvertretender Direktor: Douglas Riva.


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