About this Recording
8.555773 - FINNISH ORCHESTRAL FAVOURITES
English  French  German  Spanish 

Beliebte Orchesterwerke finnischer Komponisten

Es gibt keine Zweifel - der berühmteste aller finnischer Komponisten ist Jean Sibelius (1865-1957), der Großmeister der Sinfonik, der wie kein anderer den Geist und die Geschichte seiner Heimat in einer Reihe von Sinfonien, Tondichtungen und anderen Werken eingefangen hat. Insbesondere seine Finlandia wurde zum Symbol des Kampfes der finnischen Nation um ihre Unabhängigkeit von der zaristischen Vorherrschaft; eine Sache, für die sich Sibelius selbst sehr engagiert hat. Sie entstand im Jahre 1899, ursprünglich als musikalischer Abschluß einer Folge von „lebenden Bildern”, die mit Sibelius’ Begleitmusik im Rahmen einer Veranstaltung zugunsten der finnischen Presse aufgeführt wurde. Die Presse hatte sich unerschrocken gegen die Rechtsbeugung durch die zaristische Obrigkeit gewandt, und so wurde diese sogenannte „Pressefeier” zu einer patriotischen Demonstration gegen die russischen Machthaber. Die Valse triste gelangte in vielfältigen Bearbeitungen zu weltweiter Popularität, hatte aber dem Komponisten selbst wenig Geld eingebracht. Sie ist Teil der 1903 entstandenen Bühnenmusik zu Kuolema (Der Tod), einem Schauspiel von Sibelius’ Schwager Arvid Järnefelt.

Leevi Madetoja (1887-1947) war Schüler von Sibelius in Helsinki, später auch von Vincent d’Indy in Paris und von Robert Fuchs in Wien. Madetoja wirkte in seiner Heimat als ein angesehener Dirigent, Lehrer, Musikkritiker und Komponist. Besonders erfolgreich war seine 1923 entstandene Oper Pohjalaisia (Die Österbottnier), die im Jahre 1935 aufgeführt wurde und als der erste bedeutende Beitrag Finnlands zu diesem Genre gilt. Die Elegie für Streicher ist ein Satz aus Madetojas Sinfonischer Suite op.4 aus dem Jahr 1910.

Erkki Melartin (1875-1937) studierte in Helsinki, Wien, Rom und Berlin, bevor er nach Finnland zurückkehrte und viele Jahre lang das Konservatorium in Helsinki leitete. Wie Madetoja gehört er zu der Generation von Nationalkomponisten, die auf Sibelius folgte. Melartin war ein fruchtbarer Komponist sowohl unterhaltender als auch ernsterer Musik, sein Festlicher Marsch ist unsterblich geworden - kaum eine Hochzeit in Finnland ohne diese Musik. Ursprünglich stammt das Stück aus Melartins Bühnenmusik zu Prinsessa Ruusunea (Dornröschen). Ist es nicht Melartins Marsch, der zu diesem Anlaß erklingt, so ist es der Hochzeitsmarsch von Toivo Kuula (1883-1918), der nicht weniger populär geworden ist. Kuula versprach einer der führenden Komponisten der Generation nach Sibelius zu werden, er verstarb aber bereits kurz nach Ende des finnischen Bürgerkrieges.

Armas Järnefelt (1869-1958), der Bruder des bereits genannten Arvid, entstammte einer Familie von außergewöhnlicher künstlerischer Begabung und ausgeprägt finnisch-nationaler Gesinnung. Er studierte in Helsinki bei Martin Wegelius und Ferruccio Busoni, in Berlin bei Albert Becker und in Paris bei Jules Massenet. Järnefelt war über Jahrzehnte Kapellmeister an der Königlichen Oper in Stockholm, als Komponist ist er vor allem für sein Präludium und seine Berceuse in Erinnerung geblieben, deren Popularität seine anderen Werke in den Hintergrund treten ließ.

Oskar Merikanto (1868-1924) spielte eine bedeutende Rolle im Musikleben Finnlands. Seine zahlreichen Klavierstücke erfreuten sich großer Beliebtheit, nicht zu vergessen seine ebenso zahlreichen Lieder. Merikanto leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kirchenmusik in Finnland und gehörte zu den Pionieren der Oper in finnischer Sprache. Seine Klavierstücke Romance und Valse lente wurden für die vorliegende Aufnahme von Jorma Panula orchestriert.

Der Name Heino Kaski (1885-1957) ist in erster Linie mit der Klaviermusik verbunden. Zu seinen bekanntesten Stücken gehört das Präludium in Ges-Dur, das ebenfalls von Jorma Panula für Orchester bearbeitet worden ist. Ein Komponist ganz anderer Art ist Heikki Aaltoila (1905-1992). Er schrieb die Musik zu 150 Theaterstücken und zu über 75 Filmen. Sein mit Abstand bekanntestes Werk ist der Hochzeitswalzer von Akseli und Elina, den Aaltoila für Edvin Laines Film Hier unter dem Nordstern komponiert hatte. Auf dem Gebiet des Liedes zählt das Finnische Gebet von Taneli Kusisto (1905-1988) zu den populärsten in Finnland. Der Text stammt von Uuno Kailas, Kusistos Musik erklingt hier in der Orchesterfassung von Jorma Panula.

Einojuhani Rautavaara (geb. 1928) gehört zu einer jüngeren Komponistengeneration, die offen ist für neue Tendenzen in der zeitgenössischen Musikszene. Die Vielfalt der Einflüsse widerspiegelt sich bereits in der Ausbildung Rautavaaras: Er studierte in Helsinki bei A. Merikanto, in Amerika bei Vincent Persichetti, Aaron Copland und Roger Sessions, in Ascona bei Wladimir Vogel und in Köln bei Rudolf Petzold. In seinem Opus 1 Fiddlers aus dem Jahr 1952 setzt sich Rautavaara mit der Volksmusik auseinander.

Auch Uuno Klami (1900-1961) wandte sich mit seiner Musik vom romantischen Nationalismus ab und schuf eine Synthese von finnischem Material und vielfältigen Einflüssen aus dem Ausland. Er studierte, je nachdem es sein Geldbeutel erlaubte, mit Unterbrechungen in Helsinki und verbrachte ein Jahr in Paris. Sein Aufenthalt in Frankreich hat deutliche Spuren in der Art seiner Instrumentation hinterlassen; das Vorbild Ravel ist nicht zu überhören. In seinen Meeresbildern reflektiert der Komponist seine Erinnerungen an das Meer, er hatte seine Kindheit an der Küste verbracht. Aus diesem Zyklus, der in den frühen 1930er Jahren entstanden war, wird hier der Satz Nocturne (Lied der Wache) vorgestellt.

Aulis Sallinen (geb. 1935) zählt zu den hervorragendsten finnischen Komponisten der Gegenwart, seine Opern sind ebenso bedeutend wie seine Beiträge zu vielen anderen Gattungen der Musik. Die Serenade Sonnenaufgang für zwei Trompeten, Klavier und Streicher entstand im Anschluß an die Oper Kullervo. Das musikalische Bild des Übergangs von der Dunkelheit zum Licht ist gleichzeitig eine Botschaft des Optimismus.

Keith Anderson (nach Ralf Hermans)

Deutsche Fassung: Tilo Kittel


Close the window