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8.555808 - CLEMENTI, M.: Early Piano Sonatas, Vol. 1 (Alexander-Max)
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Muzio Clementi (1752-1832)

Muzio Clementi (1752-1832)

Klaviersonaten

Muzio Clementi wurde 1752 als Sohn eines römischen Silberschmieds und einer deutschen Mutter geboren. Bereits im Alter von dreizehn Jahren war er als Musiker so weit fortgeschritten, dass er eine Anstellung als Organist an der Kirche San Lorenzo-in-Damaso fand. Dort wurde der wohlhabende englische Weltmann Peter Beckford auf ihn aufmerksam, der den Halbwüchsigen nach eigener Aussage von seinem Vater für einen Zeitraum für sieben Jahren käuflich erwarb und ihn mit sich nach England auf seinen Landsitz in Dorset nahm, wo er ihm eine allgemeine Ausbildung angedeihen ließ, und wo Clementi durch täglich bis zu achtstündiges Üben seine Klaviertechnik bis zur Perfektion vervollkommnete. 1774 führte ihn sein Weg nach London. Dort nahm er als ausübender Musiker und Komponist am Konzertleben teil, führte seine eigenen Sonaten auf, von denen einige in dieser Zeit auch im Druck erschienen, und leitete vom Cembalo aus Aufführungen der Italienischen Oper am Haymarket.

Seine pianistischen Erfolge in London führten dazu, dass Clementi zu Konzertreisen ins Ausland aufbrach. Im Jahre 1780 trat er vor Königin Marie Antoinette in Frankreich auf und spielte 1782 für deren Bruder, Kaiser Joseph II., in Wien. Im Januar desselben Jahres begegnete er Mozart, und beide wurden eingeladen, sich vor dem Kaiser in einem Wettstreit zu produzieren, der übrigens unentschieden endete. Mozart äußerte sich abschätzig über den musikalischen Geschmack seines Konkurrenten, den er als „bloßen Mechanikus" bezeichnete, dessen technische Fähigkeiten, insbesondere die Geläufigkeit der Terzpassagen, er jedoch nicht ohne einen gewissen Neid anerkennen musste. Seiner Schwester Nannerl riet er davon ab, Scarlattis Sonaten zu spielen, da ihr leichter Anschlag unter den donnernden Oktaven und parallelen Terzenläufen nur leiden würde.

1785 kehrte Clementi nach England zurück, wo er als Instrumentalist und Pädagoge Eindruck machte, sich als Komponist in den 1790er Jahren jedoch durch Haydns Anwesenheit in London in den Hintergrund gedrängt sah. In diesen Jahren begann er sich als Instrumentenbauer und Musikalienhändler in London zu profilieren — zunächst bei Longman & Broderip, ab 1798 dann, nach dem Bankrott der Firma, in Zusammenarbeit mit Longman und anderen Partnern. In den ersten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts führten ihn Geschäftsreisen ins Ausland; dabei wurde er eine Zeitlang auch von John Field begleitet, der Clementis Produkte vorführte und der später, nachdem sich ihre Wege in Russland getrennt hatten, einen durchaus zwiespältigen Bericht über seine Erfahrungen hinterließ.

Ab 1810 war Clementi wieder in England, wo er großes Ansehen genoss, nicht zuletzt aufgrund seiner zu Lehrzwecken entstandenen Kompositionen wie der

Art of Playing the Piano Forte von 1801 (revidiert 1826) und dem berühmten Gradus ad Parnassum, den er 1826 vollendete und veröffentlichte. 1830 zog sich Clementi vom Geschäftsleben zurück und ließ sich zunächst in Lichfield, später in Evesham nieder, wo er 1832 starb. Er wurde in der Westminster-Abtei beigesetzt. Clementi hinterließ ein bedeutendes Vermächtnis, sowohl durch seine Kompositionen als auch durch seine Lehrmethoden, die Einführung in eine neuartige Virtuosität sowie die Erforschung der Möglichkeiten eines neuentwickelten Instruments in einer Gesellschaft, die sich seit seiner eigenen Kindheit in Italien grundlegend gewandelt hatte.

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Bernd Delfs

Clementis frühe Klaviersonaten reichen vom einfachsten galanten Stil bis hin zur komplexen Leidenschaft romantischer Klavierkompositionen. Erste Popularität erreichte er mit seinen Sonaten op. 2, die vermutlich zuerst 1779 erschienen. Ermutigt durch seine Londoner Erfolge, brach er 1780 zu einer Europareise auf, deren Ergebnis ca. 26 Sonaten

(opp. 5-13) waren. Aus dieser Zeit stammen einige seiner bedeutendsten Werke.

Aus Clementis mittlerer Schaffensperiode stammt die Sonate op. 13 Nr. 6 in f-Moll (1785), die sich durch dynamische Extreme, pulsierende Rhythmik und Oktavmelodien auszeichnet, die bereits auf den jungen Beethoven vorausweisen. Clementis Interesse am Kontrapunkt zeigt sich in Kompositionen mit dem für ihn typischen zweistimmigen Laufstil, den er sich während seiner Scarlatti-Studien in Dorset angeeignet haben dürfte. Die Vielfalt in seiner frühen Musik ist durchaus erstaunlich. Die Sonate A-Dur op. 2 Nr. 4 aus dem Jahr 1779 fällt durch ihre üppig verzierte musikalische Schreibweise auf, mit der sie bereits die Klaviermusik des 19. Jahrhunderts antizipiert. Die drei Sonaten op. 8 wurden 1784 von Castaud in Lyon veröffentlicht.

Clementis frühe Sonaten sind vielleicht seine größten kompositorischen Leistungen. Obwohl seine Entwicklung nicht stagnierte, schuf er mit diesen frühen Werken eine zukunftsweisende Musiksprache. Mit der von ihm bevorzugten Cantabile-Vortragsart gab er einen Vorgeschmack auf den romantischen Stil des neunzehnten Jahrhunderts, den er u.a. seinen Schülern Cramer und Field sowie Kalkbrenner und anderen vermittelte.

Obwohl Clementi die meiste Zeit seines Lebens in England verbrachte und allgemein mit der Entwicklung des englischen Klaviers assoziiert wurde, führten ihn mehrere ausgedehnte Reisen auf das europäische Festland. Die erste dieser Reisen fand in den 1780er Jahren statt. Während seiner Aufenthalte in verschiedenen Musikzentren vertiefte er seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Klaviertechnik; so lernte er beispielsweise die neuen Wiener Hammerklaviere kennen, nachdem er selbst mit dem Cembalo aufgewachsen war. Die meisten hier eingespielten Sonaten entstanden denn auch während dieser Reisen. Ich habe mich für diese Aufnahmen für die von Derek Adlam angefertigte Kopie eines ca. 1798 von Michael Rosenberger gebauten Instruments entschieden. Es besitzt die für die frühen Wiener Klaviere typischen Merkmale: den Klangunterschied der verschiedenen Register, den leichten, flötenähnlichen Diskant, das sangliche Tenorregister und den schnarrenden, robusteren Bass. Der feine, biegsame Klang des Instruments passt hervorragend zur emotionalen Eloquenz von Clementis frühen Sonaten wie auch zum Stil seiner Wiener Zeitgenossen Mozart, Haydn und Beethoven.

Susan Alexander-Max

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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