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8.555869 - WALTON: Belshazzar's Feast / Crown Imperial
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William Walton (1902-1983)

William Walton (1902-1983)

Belshazzar’s Feast • Crown Imperial • Orb and Sceptre

 

William Walton wurde in Oldham in der Grafschaft Lancashire geboren, das zweite von vier Kindern musikalischer Eltern. Sein Vater, Charles Walton, war Gesangslehrer, Organist und Chorleiter an der St. John’s Church in Oldham, wo auch der junge William eine Zeitlang im Chor sang; Louisa Walton, seine Mutter, war eine vorzügliche Laiensängerin. Schon in frühen Jahren kam Walton mit dem Amateur-Chorgesang und der großen britischen Chortradition in Berührung, und zweifellos hörte er Aufführungen der beiden großen Säulen des Repertoires: Händels Messias und Mendelssohns Elias. Daneben kam er regelmäßig mit der Musik der Bläserkapellen in Berührung, einer weiteren blühenden Amateurmusiktradition, vor allem in der Region, in der er lebte. Beide Traditionen sollten seine späteren Kompositionen nachhaltig prägen. Der Vater erkannte das stimmliche Talent des Jungen und schlug ihm vor, sich um einen Platz in der Christ Church Cathedral in Oxford zu bewerben. William sang mit Erfolg vor und ging im Alter von zehn Jahren als Chorist in die ehrwürdige Universitätsstadt. Dort lernte er eine gänzlich andere, exklusivere Chortradition kennen, während gleichzeitig seine allgemeine musikalische Ausbildung rasche Fortschritte machte. So komponierte er bereits im Alter von fünfzehn Jahren eines seiner schönsten Kirchen-Anthems, A litany (Drop, drop slow tears), die von erstaunlicher Reife zeugt. Später kehrte er als sechzehnjähriger Student ans Christ Church College zurück und nahm dort aktiv am studentischen Leben teil. 1920 verließ er Oxford zwar ohne Studienabschluss, aber mit der Gewissheit, dass er dort für sein späteres Leben wichtige Freundschaften geschlossen hatte. Die nächsten zehn Jahre verbrachte er in London bei seinen Oxford-Freunden Osbert und Sacheverell Sitwell, weitete seine sozialen Kontakte aus und nahm intensiv am kulturellen Leben teil. Daneben komponierte er mit zunehmender Selbstsicherheit und Brillanz (Façade, das Konzert für Viola und die Ouvertüre Portsmouth Point).

 

Nachdem Walton 1929 sein Violakonzert beendet hatte, schwebte ihm als nächstes ein großformatiges Werk für Chor und Orchester vor. Osbert Sitwell schlug als Thema die alttestamentarische Szene (Buch Daniel) aus König Belsazers Gastmahl in Babylon vor, in der eine Hand erscheint und eine schicksalhaft-prophetische Botschaft an die Palastwand schreibt. Sitwell stellte selbst das Libretto mit Versen aus dem Buch Daniel, dem 81. und 137. Psalm und der Offenbarung des Johannes zusammen. Schon bald entwickelte sich das Projekt von relativ bescheidenen Proportionen zu einem großdimensionierten Werk. In den späten 1920er und frühen 1930er Jahren trat die BBC als bedeutender Musikförderer in Erscheinung, vergab Kompositionsaufträge und gründete das BBC Symphony Orchestra. Ein BBC-Memorandum vom 12. Januar 1930 erwähnt drei zeitgenössische Komponisten, an die man herangetreten sei: Walton, Constant Lambert und Victor Hely-Hutchinson. Jede Komposition sollte mit „kleinem Chor, kleinem Orchester von höchstens fünfzehn Spielern und Solisten“ besetzt sein. Es scheint, dass Walton dieser Beschränkung zugestimmt hat. Sein Thema sollte „Nebukadnezar oder die Schrift an der Wand“ sein. Laut einer weiteren BBC-Notiz vom 30. Mai hatte Walton „die Komposition des Belshazzar … für zwei Solisten, kleinen Chor und kleines Orchester abgeschlossen“. Anfang September war jedoch beiden Seiten klar, dass das Werk inzwischen derartige Proportionen angenommen hatte, dass man es nicht mit der vorgesehenen Besetzung aufführen konnte. Walton setzte seine Arbeit an Belshazzar’s Feast 1930 und 1931 mit wechselndem Erfolg fort. An einem Punkt (von Mai bis Dezember) kam er bei dem Wort „Gold“ nicht weiter und war nach eigener Aussage „nicht fähig, mich entweder nach rechts oder nach links oder nach oben oder unten fortzubewegen“. Doch in den ersten Monaten des Jahres 1931 war er „überglücklich … schaffe eine Menge Arbeit“. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt wurde bekanntgegeben, dass die Uraufführung beim Leeds Festival stattfinden würde. Obwohl die Festspiele von Sir Thomas Beecham organisiert wurden, sollte Malcolm Sargent die Aufführung leiten. Da beim Festival auch das Berlioz-Requiem auf dem Programm stand, das mit einer großen Blechbläserbatterie besetzt ist, schlug Beecham Walton vor, seine ohnehin bereits schwere Instrumentierung durch einige zusätzliche Blechbläser zu verstärken. „Nun, mein Junge“, sagte er „da du dieses Werk vermutlich nie wieder hören wirst, schlage ich vor, du nutzt die Gunst der Stunde und gibst noch eine oder zwei Bläserkapellen dazu“. „Bläserkapellen mochte ich schon immer, und so habe ich es getan“, war Waltons Kommentar. Die beiden aus jeweils sieben Spielern bestehenden Ensembles werden links und rechts neben dem Orchester postiert. Die Uraufführung am 8. Oktober 1931 war ein phänomenaler Erfolg sowohl bei den Ausführenden als auch bei Publikum und Fachkritik. Bedenkt man, dass Walton seit seiner Jugendzeit keine Chormusik komponiert hatte, so ist seine Leistung umso erstaunlicher. Das Werk galt in England zu Recht als die bedeutendste große Chorkomposition seit Elgars The Dream of Gerontius.

 

An Elgar, insbesondere an dessen Pomp and Circumstance Märschen, orientierte sich Walton, als er von der BBC den Auftrag für die Komposition eines Krönungsmarschs für die im November 1936 geplante Inthronisation Edwards VIII. erhielt. Bekanntlich kam es nie zu diesem Ereignis, und so wurde das neue Werk, Crown Imperial, anlässlich der Krönung von George VI. am 12. Mai 1937 gespielt, als Queen Mary, die Königinmutter, die Westminster-Abtei betrat.

 

Der Erfolg von Crown Imperial war so groß, dass Walton sechzehn Jahre später erneut einen offiziellen Kompositionsauftrag erhielt, und zwar für die Krönung von Elizabeth II. am 2. Juni 1953. Obwohl Orb and Sceptre der Form nach dem früheren Marsch gleicht, hat sich die harmonische Sprache grundlegend geändert. Walton lässt die unkomplizierten Harmonien des Crown Imperial hinter sich und bedient sich einer gewagteren, chromatischen Tonsprache.

 

Elgars Einfluss zeigt sich besonders deutlich in der äußeren Form dieser beiden Märche, die in ihren Eckteilen die für Walton charakteristische Lebensfreude und Überschwänglichkeit zum Ausdruck bringen und in den kontrastierenden Trio-Abschnitten mit der großen, mitreißenden Melodie aufwarten.

 

Jeremy Backhouse

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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