About this Recording
8.555907 - SALAZAR: Complete Vespers of Our Lady
English  German  Spanish 

Juan García de Salazar (1639-1710)
Sämtliche Marienvespern

Juan García de Salazar wurde 1639 in Tuesta, einem Dorf in der baskischen Provinz Álava, geboren. Bekannt ist, dass er mit 19 Jahren an der Kathedrale von Burgos tätig war, und es wäre denkbar, dass er seine Ausbildung an der Kollegienkirche von Valpuesta erhielt. Er war maestro decapilla in Toro und El Burgo de Osma, bevor er in derselben Eigenschaft an die Kathedrale von Zamora kam, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1710 wirkte. García de Salazar gehört zu den markantesten geistlichen Komponisten des spanischen Barock; einige seiner Werke konnte man bis ins 19. Jahrhundert hinein in spanischen Kirchen hören. Die meisten seiner Kompositionen liegen in den Archiven der Kathedrale von Zamora; Abschriften einiger Werke finden sich allerdings auch in El Burgo de Osma und Burgos, da der Komponist stets den Kontakt zu seinen früheren Wirkungsstätten hielt.

Unter dem Titel Sämtliche Vespern unserer Lieben Frau listet das Archiv von Zamora alle mehrstimmigen Werke auf, in denen Salazar die drei zur Vesper gehörigen Psalmen 109 Dixit Dominus, 121 Laetatus sum und 147 Lauda Jerusalem sowie das Magnificat vertont hat. Die drei genannten Psalmen wurden damals üblicherweise im polyphonen Satz komponiert, während die beiden verbleibenden Psalmen 112 Laudate pueri und 126 Nisi Dominus sowie die verschiedenen Antiphonen, Invitatorien, Responsorien und Gebete im einstimmigen Choral zu singen waren.

Der musikalische Teil der Vesper beschränkte sich allerdings nicht auf diese vokalen Sätze, sondern enthielt oft auch den Hymnus Ave maris stella und die jeweils passenden Festtagsmotetten. Dazwischen steuerten der Organist und die andern an der Feier beteiligten Musiker gelegentlich instrumentale Werke bei. Durchaus üblich war es ferner, dass sich Sänger und Orgel bei der Intonation der Psalmen abwechselten, dass also einige Teile choraliter gesungen wurden, indessen die Orgel andere Abschnitte in improvisierter Form oder auch – wie erhaltene Beispiele zeigen – in auskomponierten Sätzen beisteuerte.

Diese Richtlinien haben wir benutzt, um eine in sich schlüssige musikalische Vesper zusammenzustellen, ohne dass wir dabei eine exakte liturgische Rekonstruktion versucht hätten. Uns ging es vielmehr um die Verwendung des angemessenen Materials, was im Falle Salazars vor allem bedeutete, Werke über marianische Texte auszuwählen, die Teile eines Vespergottesdienstes sind. Des weiteren suchten wir Stücke für mehr als vier Singstimmen, und wir fanden unter anderem die für acht Stimmen geschriebenen Psalmen und das Magnificat.

Obwohl eine beachtliche Zahl von García de Salazars Werken erhalten ist, bietet der Katalog nicht genug Musik für einen kompletten Gottesdienst. Es gibt beispielsweise keine Instrumentalwerke, und außer den beiden Salves (einer Form der Antiphon) sowie einem tono humano (einem weltlichen Lied) existiert auch nichts in kastilischer Sprache. Daher beschlossen wir, von einigen seiner Motetten Instrumentalarrangements herzustellen. Fernerhin suchten wir nach Werken von Zeitgenossen, die damals etwa in derselben Gegend Spaniens tätig waren: Die Orgelverse stammen von dem möglicherweise aus Navarra stammenden Martín García de Olagüe (17./18. Jahrhundert), während es sich bei der Batalla um ein Orgelstück des aragonesischen José Ximénez (1601–1672) handelt, der als Organist zur selben Zeit an der Kathedrale seiner Heimatstadt Saragossa wirkte, als García de Salazar in Zamora tätig war.

Abschließend sei gesagt, dass die in diesen Vespern enthaltenen Choralgesänge aus einem Chorbuch des Jahres 1693 stammen, das ursprünglich in dem Franziskanerkloster Vitoria-Gasteiz (Álava) Verwendung fand. Das Kloster wurde vor einiger Zeit zerstört, und heute wird das Buch in der Pfarrkirche der Stadt San Vicente aufbewahrt.

Manuel Sagastume Arregi
Deutsche Fassung: Cris Posslac


Close the window