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8.555920 - TENOR ARIAS (Janez Lotric)
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Tenor-Opernarien

Tenor-Opernarien

Verdi • Glinka • R. Strauss • Rossini • Adam • Giordano • Puccini

 

Die Anregung zu La forza del destino (Die Macht des Schicksals) kam aus St. Petersburg von dem Tenor Enrico Tamberlick (dem ersten Alvaro), der dem Direktor der Kaiserlich-Russischen Oper vorgeschlagen hatte, bei Verdi eine italienische Oper in Auftrag zu geben. Die Uraufführung fand im November 1862 statt; heute wird gewöhnlich die revidierte Fassung gespielt, die 1869 an der Mailänder Scala über die Bühne ging. Die verworrene Handlung hat ihren Ursprung in einem Schauspiel des spanischen Autors Angelo Perez de Saavedra. Alvaro liebt Leonora und will mit ihr fliehen, tötet aber durch einen verhängnisvollen Zufall ihren Vater und wird in einem jahrelangen Rachefeldzug von ihrem Bruder Don Carlo verfolgt. Leonora glaubt ihren Liebhaber tot und geht ins Kloster; sie findet Zuflucht in den Bergen, wo sie verkleidet als Mönch unerkannt in einer einsamen Klause ihr Leben fristet. Auch Alvaro sucht nach Jahren der Flucht in derselben Gegend als Mönch seinen Seelenfrieden. Dort entdeckt ihn Don Carlo und fordert ihn in den Bergen zum Duell. Alvaro verwundet ihn tödlich. In dem herbeigerufenen Geistlichen erkennt der sterbende Don Carlo seine Schwester und tötet sie. Qual sangue sparsi, Alvaros Rezitativ und Arie aus dem dritten Akt der ersten Fassung, erklingt, nachdem Alvaro sich nach einer Zeit der Soldatenfreundschaft mit Don Carlo, in der sie ihre Identität voreinander verborgen halten, auf ein Duell mit seinem Todfeind einlässt, dessen Ausgang er bitter bereuen wird.

            Das Libretto von Verdis Il Trovatore (Der Troubadour) geht ebenfalls auf ein spanisches Schauspiel zurück, dessen Autor Antonio García Gutiérrez war. Die Uraufführung der Oper fand im Januar 1853 in Rom statt. Auch hier stehen Liebe und Rache im Zentrum der Handlung. Der Troubadour Manrico, der vermeintliche Sohn der Zigeunerin Azucena, liebt Leonora, die jedoch auch von dem jungen Grafen Luna verehrt wird. Die Rivalität der beiden Männer endet mit der Gefangennahme Manricos durch Luna. Leonora bietet sich dem Grafen, um Manrico zu retten, nimmt aber heimlich Gift, um Lunas Absichten auf sie durch ihren Tod zu vereiteln. Der Graf lässt Manrico zum Scheiterhaufen führen und Azucena Zeugin seines Todes werden. Als Manrico von den Flammen erfasst wird, schreit die Zigeunerin Luna ins Gesicht, dass Manrico sein Bruder war. Im dritten Akt hat der Troubadour die Festung Castellor eingenommen, wo er Leonora heiraten will, obwohl der Ort von Lunas Soldaten beschattet wird. Ein Gefühl der Angst spricht aus Leonoras Di qual tetra luce. Manrico verspricht ihr, nur mit ihrem Namen auf seinen Lippen sterben zu wollen.

            Nahezu zehn Jahre waren nach seiner ägyptischen Oper Aida vergangen, bevor sich Verdi mit Otello (nach Shakespeares gleichnamiger Tragödie) erneut einem Opernstoff zuwandte. Die Vorarbeiten begannen 1881, und 1887 fand schließlich die Uraufführung an der Mailänder Scala statt. Im dritten Akt der Oper hat Jago sein Ziel fast erreicht, Othello von der Untreue Desdemonas zu überzeugen. In Datemi anco l’eburna mano ergreift Othello ihre Hand; er will wissen, ob Jagos Geschichte von ihrem angeblich bei Cassio gefundenen Taschentuch, einem Geschenk Othellos, wahr ist. Immer stärker verfällt der Mohr seiner Eifersucht, bis er im vierten Akt Desdemona in ihrem Schlafgemach erwürgt – nur um zu erfahren, dass sein Verdacht unbegründet war. Es bleibt ihm nur, seine Liebe zu ihr mit einem letzten Kuss zu besiegeln und sich selbst den Tod zu geben.

            Die Handlung von Verdis ursprünglich in Schweden angesiedelter Oper vom Attentat auf König Gustav III., Un ballo in maschera (Ein Maskenball), wurde auf Einspruch der Zensur ins ferne Nordamerika verlegt. Dort verliebt sich Riccardo, der Gouverneur von Boston, in Amelia, die Gattin seines Sekretärs Renato. Trotz der Freundschaft der beiden verbündet sich Renato mit einer Verschwörergruppe und ermordet Riccardo auf einem Maskenball. Das zweite Bild des dritten Akts spielt in Riccardos Arbeitszimmer. Der Gouverneur hat den schweren Entschluss gefasst, seinen Sekretär nach England zu versetzen; unverzüglich soll er mit Amelia abreisen. Das entsprechende Dokument, das Amelias Unschuld beweist, wird er später sterbend seinem Mörder übergeben.

            Michail Glinkas 1836 in St. Petersburg uraufgeführte heroische Tragödie Ein Leben für den Zaren war die erste nationalrussische Oper. Die Geschichte spielt in Russland und Polen im Jahr 1613 und handelt von den heldenhaften Taten des Bauern Iwan Sussanin nach dem Sieg des von Polen unterstützten sog. Falschen Dimitri über Boris Godunow. Sussanin gelingt es, die nach dem neugewählten Zaren Michail Romanow fahndenden polnischen Soldaten in ein unwegsames Waldgebiet zu führen und dort aufzuhalten, bis dem Zaren die Flucht gelingt. Im vierten Akt führt Sobinin, der Verlobte von Sussanins Tochter, eine Gruppe von Bauern nachts in den Wald und macht ihnen mit seiner Arie Bratsï! V metel’ (Brüder, in den Schneesturm!) Mut. Sussanin gelingt zwar die Rettung des Zaren, er selbst aber wird von den Polen getötet. Der Zar und das ganze Volk gedenken seiner ruhmreichen Tat.

            Richard Strauss’ 1911 in Dresden uraufgeführte Komödie für Musik Der Rosenkavalier, auf einen Text von Hugo von Hofmannsthal, spielt in den ersten Jahren der Regierungszeit von Kaiserin Maria Theresia. Im Mittelpunkt der Handlung steht der wehmütige Verzicht einer alternden Feldmarschallin auf den jungen Octavian (den späteren Rosenkavalier), dessen Liebe zu Sophie, der Tochter eines reichen Parvenus, sie entsagungsvoll protegiert. Mit der schwelgerischen Arie Di rigori armato il seno macht ein italienischer Sänger der Marschallin beim Lever im ersten Akt seine Aufwartung.

            Gioachino Rossinis letzte Oper war Guillaume Tell (Wilhelm Tell), geschrieben für Paris, wo der Komponist seinen Wohnsitz genommen hatte, aber ebenso bekannt in ihrer italienischen Fassung. Die Uraufführung fand im August 1829 an der Pariser Opéra statt. Die Handlung spielt im dreizehnten Jahrhundert in der Schweiz. Der junge Patriot Arnold, der die österreichische Adlige Matilde liebt, sinnt auf Rache für den Tod seines Vaters durch einen Aufstand gegen die österreichische Herrschaft über sein Land. Im vierten Akt trauert Arnold vor dem Haus seines Vaters über dessen Schicksal. Ihm wird klar, dass er, nach der Gefangennahme Tells durch die Feinde, die Verschwörer anführen muss.

            Adolphe Adams Oper Le postillon de Lonjumeau erlebte ihre Uraufführung im Oktober 1836 an der Pariser Opéra-Comique. Die unglaubliche Geschichte handelt vom Aufstieg des Kutschers Chapelou zum Ersten Tenor der Pariser Opéra, nachdem der Marquis de Corcy, der Operndirektor, zufällig sein erstaunliches (von hohen D’s gekröntes) Lied vom Postillon von Lonjumeau, Mes amis, écoutez l’histoire, gehört hat. Chapelou verlässt seine Frau Madeleine ausgerechnet in der Hochzeitsnacht, um seine neue Karriere zu beginnen. Zehn Jahre später, nachdem sie durch eine Erbschaft zu Geld gekommen ist, kehrt Madeleine als „Madame de Latour“ nach Paris zurück, um sich auf ganz persönliche Weise an ihm zu rächen.

            Umberto Giordanos im Paris der Revolutionszeit spielende Oper Andrea Chénier kam im März 1896 an der Mailänder Scala zur Uraufführung. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Dichter André Chénier, seine Verbindung vor der Revolution zu der Adelsfamilie von Madeleine de Coigny und ihre Liebe in Zeiten des Terrors. Chénier wird vor dem Revolutionstribunal von Charles Gérard, dem früheren Diener der Coignys, der ebenfalls Madeleine liebt, denunziert und zum Tode verurteilt. In Erwartung seiner Hinrichtung singt er im Gefängnis sein neues Gedicht Come un bel dì di maggio.

            Giacomo Puccinis letzte Oper, Turandot, die er bei seinem Tod unvollendet hinterließ, wurde 1926 an der Mailänder Scala uraufgeführt. Die chinesische Prinzessin Turandot rächt sich für den gewaltsamen Tod ihrer Ahnfrau durch einen Mann an allen Freiern, die um ihre Hand anhalten. Wer die drei Rätsel, die sie ihnen stellt, nicht löst, stirbt unter dem Beil des Henkers. Noch hat keiner die Probe bestanden. Kalaf, der unerkannt in China weilende Sohn des Tatarenkönigs Timur, löst zum Entsetzen Turandots die Rätsel. Er jedoch begehrt ihre freiwillig geschenkte Liebe und will sterben, wenn es ihr gelingt, bis zum nächsten Morgen seinen Namen ausfindig zu machen. Turandot befiehlt, niemand dürfe in Peking schlafen, bis der Name des Prinzen bekannt sei. In seiner Arie Nessun dorma sehnt sich Kalaf den Morgen herbei, an dem er den Widerstand der eisigen Prinzessin brechen wird.

Keith Anderson

 

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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