About this Recording
8.557023 - MOZART: Serenades No. 6 and 13, 'Eine kleine Nachtmusik' / Divertimento No. 10
English  German 

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Eine kleine Nachtmusik • Divertimento in F major • Serenata Notturna

In seiner Kindheit hatte Wolfgang Amadeus Mozart große Erfolge feiern können, als er durch Europa reiste und sich mit seiner Schwester Maria Anna (Nannerl) vor Königen und Königinnen, dem hohen Adel und anderen Zuhörern präsentierte, die sich dieses Schauspiel leisten konnten. Vater Leopold, der Vize-Kapellmeister des Salzburger Fürsterzbischofs, hatte sich um die gründliche Erziehung und musikalische Ausbildung seines einzigen überlebenden Sohnes gekümmert und dessen Karriere auf Kosten seiner eigenen in die Hand genommen.

Im Dezember 1771 der bisherige Dienstherr der Mozarts. Anfang des nächsten Jahres folgte ihm mit dem reformistischen Grafen Hieronymus von Colloredo, einem Sohn des kaiserlichen Vizekanzlers, ein weniger einfühlsamer Kirchenmann nach. Der neue Erzbischof betrachtete die Aktivitäten der Mozarts aus demselben Blickwinkel wie Kaiserin Maria Theresia, die im September 1771 ihrem Sohn Ferdinand gegenüber geäußert hatte, er solle „solchen Leuten weder Titel noch Ämter [verleihen], die sie doch nur schänden, wenn sie dann wie Bettler durch die Welt ziehen.” Jetzt galt es, die Konzertreisen einzuschränken, die doch einigen Profit und Ruhm eingebracht hatten. Mozart war also während der nächsten Jahre mehr oder weniger auf die engen Grenzen der Stadt Salzburg beschränkt und hatte in einer Position zu arbeiten, die nach seiner eigenen Ansicht und der Meinung des Vaters seinem Genie nicht entsprach.

1777 sollte Mozart dann in Begleitung seiner Mutter aufbrechen, um in Mannheim und Paris sein Glück zu suchen. Trotz der Anregungen, die ihm besonders das virtuose Mannheimer Orchester lieferte, war es eine nutzlose Reise, in deren Verlauf tragischerweise auch noch die Mutter starb.

Zuvor hatten sich Mozart in Salzburg mancherlei kompositorische Möglichkeiten eröffnet. Unter anderem schrieb er die Serenata Notturna und die beiden Divertimenti, die man bisweilen als Lodronische Nachtmusiken bezeichnet – zwei Gelegenheitsstücke zum Namenstag der Gräfin Maria Antonia Lodron am 13. Juni der Jahre 1776 und 1777. Frau Gräfin waren eine geborene Arco (diesem Namen werden wir 1781 in den Berichten über Mozarts Entlassung aus den erzbischöflichen Diensten wiederbegegnen), mit dem Erblandmarschall des Hofes verheiratet und eine führende Salzburger Musikmäzenin. Die Mozarts standen mit ihr auf vertrautem, wenngleich untertänigen Fuß: Im Februar 1776 nahmen Leopold und Wolfgang an einem Maskenball der Lodrons teil, bei dem der Vater als Dienstmann und der Sohn als Barbiergehilfe erschienen.

Im Januar 1776 vollendete Mozart die Serenata Notturna KV 239, die eindeutig für einen gesellschaftlichen Anlass in Salzburg entstand. Das Werk verlangt ein Concertino aus Solostreichern (zwei Violinen, Bratsche und Kontrabass) sowie ein volles Streicher-Ensemble nebst Pauken – ein Arrangement, das uns, von den Schlaginstrumenten einmal abgesehen – an die Gestalt des barocken Concerto grosso erinnern muss.

Die Serenata beginnt mit einem majestätischen Marsch, in dem sich die beiden Ensembles kontrastierend abwechseln. Darauf folgt ein Menuett, dessen Trio vom Concertino allein gespielt wird. An die Wiederholung des Menuetts schließt sich ein Rondo an, das in seinen Episoden verschiedene lokale Anspielungen zu enthalten scheint. Zwischen den einzelnen Ritornellen stehen ein festliches Adagio, ein Kontretanz und eine unerwartete, kurze Pizzikato-Passage. Dann geht der Satz auf lebhafte Weise zu Ende.

Das Divertimento F-dur für zwei Hörner und Streicher entstand im Juni 1776 zum Namenstag der Gräfin Antonia Lodron. Es beginnt mit einem lebhaften Satz, der ganz klar in der Gestalt eines klassischen Sonatenhauptsatzes gehalten ist. Darauf folgen ein Andante grazioso in C-dur und ein erstes Menuett (wieder in der Grundtonart F-dur) mit einem kontrastierenden d-moll- Trio.

Der nächste Satz, ein Adagio in B-dur, ist für Streicher allein geschrieben, wobei die erste Geige die Führung übernimmt. Im Anschluss an das zweite Menuett F-dur mit seinem Trio in B-dur für Streicher allein folgt das Finale, das aus einer langsamen Einleitung und einem abwechslungsreichen Rondo besteht und bestens zum Anlass des Werkes passt.

Eine kleine Nachtmusik G-dur KV 525 entstammt einer späteren Phase in Mozarts Leben. 1781 wurde der Komponist, der 1779 nach seiner Rückkehr aus Paris wieder in den Dienst des Erzbischofs getreten war, von seinem Herrn in die Kaiserstadt Wien befohlen. Hier kam es schließlich zum Bruch mit dem Arbeitgeber und der Entlassung aus den erzbischöflichen Diensten. In Wien schienen sich Mozart alle erdenklichen Möglichkeiten zu bieten, die wahrzunehmen ihn sein bisheriger Dienstherr offenbar mit Bedacht gehindert hatte.

Die letzten zehn Jahre seines Lebens verbrachte Mozart in Wien, ohne dass ihn sein Vater weiterhin geleitet hätte und ohne die Sicherheit eines kaiserlichen Patronats, auf das der Komponist gehofft hatte. Durch seine unkluge Verehelichung entstanden weitere Probleme, und doch erlangte Mozart bald auf der Opernbühne und als Pianist großen Ruhm. Diese Popularität ließ gegen Ende der achtziger Jahre nach, wollte sich aber gerade wieder einstellen, als er plötzlich im Dezember 1791 starb.

Eine kleine Nachtmusik entstand im August 1787, einige Monate nachdem Leopold Mozart in Salzburg gestorben war. Mozart war damals gerade mit der Arbeit an seiner neuen Oper Don Giovanni beschäftigt, die in Prag uraufgeführt werden sollte. Aus welchem Anlass die Serenade entstand, ist nicht bekannt, gewiss aber eignete sich das Stück für Aufführungen ihm häuslichen Kreis. Die Serenade beginnt mit einem Satz, der so heiter und strahlend ist wie alles, was Mozart geschaffen hat. An zweiter Stelle stand ursprünglich ein erstes Menuett, das allerdings seit langem verschollen ist. So folgen dem Kopfsatz nun eine charmante, geistreiche Romanze, ein behendes Menuett und ein Schlussrondo, mit dem die bemerkenswerte Serie von Serenaden und Divertimenti zu Ende geht, mit der Mozart zwanzig Jahre zuvor als Zehnjähriger begonnen hatte.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


Close the window