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8.557052 - PENDERECKI: Sextet / Clarinet Quartet / Cello Divertimento
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Krzysztof Penderecki (geb

Krzysztof Penderecki (geb.1933)

Kammerwerke

 

Im Laufe seiner kompositorischen Karriere hat sich Krzysztof Penderecki, wenngleich nur am Rande, auch der Kammermusik gewidmet. Er spielte ausgezeichnet Geige (eine Sonate für Violine und Klavier aus seiner Studienzeit wurde schließlich vier Jahrzehnte später veröffentlicht) und schrieb vor seinem Ersten Streichquartett (1960) eine Reihe von Stücken für kleine Instrumentalbesetzungen. Danach, mit Ausnahme seines Zweiten Streichquartetts aus dem Jahr 1969, begann er sich fast ausschließlich mit der Oper sowie Chor und Orchesterwerken zu beschäftigen und beschränkte seine Beiträge zur Kammermusik auf kurze, Hommage-ähnliche Stücke für Freunde und Musikerkollegen. Erst 1990 wandte er sich wieder ernsthaft dieser Gattung zu. Abgesehen von dem virtuosen Streichtrio enthält diese Einspielung seine beiden bedeutendsten Kammermusikwerke aus jenem Jahrzehnt sowie einige kürzere Stücke vom Beginn seiner Karriere und aus jüngerer Zeit.

Geschrieben für Klarinette, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Klavier, stellt das Sextett (2000) Pendereckis bislang substanziellstes Kammermusikwerk dar. Der erste Satz beginnt über schreitender Klavierbegleitung mit einer Reihe von charakteristischen, in ihrer leichten Ironie an Schostakowitsch erinnernden Motiven in den anderen Instrumenten. Danach gewinnt die Musik rhythmische Energie – zweimal von Violoncello und Horn mit expressiveren Ideen unterbrochen, wobei beim zweiten Mal die schreitende Bewegung des Beginns zurückkehrt. Die Instrumente werden sodann in einen gewaltigen, wirbelnden Sog hineingezogen, der das bisher intensivste Zusammenspiel ankündigt und den Satz zu einem kraftvollen, entschiedenen Schluss führt.

 

Der zweite Satz beginnt mit klangvoller, elegischer Musik für die Streicher über einer Klavierphrase. Die Klarinette tritt mit einer sich entfaltenden Melodielinie hinzu, wonach die Musik in nachdenkliche Melancholie versinkt, deren Melodik hauptsächlich von Klarinette und Horn vorgetragen wird. Die dramatische Intensität äußert sich in chromatischen, für den Komponisten typischen stufenähnlichen Anstiegen, während einige kurze, zerklüftete Höhepunkte die nachdenkliche Stimmung untergraben. Nach und nach wird der Ausdruck belebter, was den leidenschaftlichen Klagegesang des Violoncellos, der erst von der Viola, dann von der Klarinette übernommen wird, umso inniger erscheinen lässt. Danach breitet sich die Musik in düsterer, geradezu trauerkonduktartiger Intensität aus, um in den letzten Takten einen stets mehr nach innen gerichteten Charakter anzunehmen.

 

Das Klarinettenquartett, im August 1993 in Lübeck uraufgeführt, ist sowohl konziser als auch ausdrucksmäßig prägnanter. Im vorspielartigen Notturno: Adagio stellt die Klarinette in den Eröffnungstakten das melodische Hauptmaterial vor, wobei Violoncello, Viola und Violine den atmosphärischen Hintergrund liefern. Nach einer Pause hebt das Scherzo: Vivacissimo mit aggressiven wiederholten Mustern in den Streichern an, eine grelle Antwort der Klarinette provozierend. Dieser Prozess wiederholt sich, bevor er direkt in die kurze Serenade: Tempo di valse mit ihrem leicht ironischen Rhythmus überleitet. Nachdem die Bewegung zum Stillstand gekommen ist, beginnt das Finale, überschrieben Abschied: Larghetto – der längste Satz des Werks und ein weiteres Beispiel für die ausgedehnten, das spätere Schaffen Pendereckis kennzeichnenden Elegien. Die Streicher öffnen einen weiten harmonischen Raum, in dem die Klarinette ihre Melodielinie entfaltet. Nur ein einziges Cello-Pizzicato stört die Ruhe des verklingenden Satzes.

 

Die Drei Miniaturen für Klarinette und Klavier, entstanden während Pendereckis Studienjahren an der Krakauer Universität, lassen kaum ahnen, welch radikalen Weg der Komponist in seiner späteren Musik beschreiten sollte. Das Allegro beginnt mit lebhaftem Klavierspiel, mit dem sich die Klarinette auf einen engagierten Dialog einlässt. Es folgt ein ernsthaftes Andante cantabile, das sich auf eine Pause zubewegt, die wie eine Frage im Raum steht. Ein kraftvolles, resolutes Allegro ma non troppo bildet den Schluss der Dreierfolge.

Geschrieben für Mstislaw Rostropowitsch, dem das Stück auch gewidmet ist, stellt das Divertimento für Solovioloncello (1994) Pendereckis Anerkennung für zwei Jahrzehnte künstlerischer Zusammenarbeit – u.a. der bemerkenswerten Uraufführung des Zweiten Violoncellokonzerts (1982) – mit dem berühmten Cellisten dar. Nach einer würdevollen Sarabande gibt sich die Serenade mit häufigem Pizzicato- und Col legno-Spiel eher kapriziös. Es folgt ein energisches Scherzo, in dem Pendereckis unverwechselbare Chromatik mit lebhafter Virtuosität einhergeht. Ein introspektives, intensives Notturno beschließt dieses facettenreiche Porträt eines großen Künstlers.

 

Das Prélude für Klarinette solo, 1987 zum 40. Geburtstag des britischen Komponisten Paul Patterson entstanden, ist ein charakteristisches Beispiel für Pendereckis melodische Expressivität. Das Stück führt die B-Klarinette auf eine nachdenkliche, der Tempobezeichnung ‚Lento sostenuto’ treu bleibende musikalische Reise.

 

Richard Whitehouse

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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