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8.557064 - ALBENIZ: Iberia (arr. for 3 guitars)
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Isaac Manuel Francisco Albéniz (1860-1909)

Isaac Manuel Francisco Albéniz (1860-1909)

Iberia (Bearbeitet für drei Gitarren von Christophe Dejour)

 

Isaac Manuel Francisco Albéniz wurde am 29. Mai 1890 in der nordkatalonischen Stadt Camprodón geboren. Als pianistisches Wunderkind trat er bereits als Vierjähriger öffentlich auf. Im Alter von sechs Jahren erhielt er Privatstunden bei Antoine François Marmontel, einer der führenden Lehrkräfte des Pariser Conservatoires, in das Albéniz aufgenommen werden wollte, was jedoch an seiner Minderjährigkeit scheiterte; stattdessen besuchte er das Real Conservatorio in Madrid, von wo aus er, wann immer sich die Gelegenheit ergab, in verschiedenen Städten auftrat. 1876 begann er ein Studium am Leipziger Konservatorium, das er jedoch bald darauf abbrach, um mit einem Stipendium des spanischen Königs Alfonso XII. ans Brüsseler Konservatorium zu wechseln, wo er 1870 mit dem ersten Preis für Klavierspiel ausgezeichnet wurde.

 

Das Jahr 1883 signalisierte einen Wendepunkt in Albéniz’ Leben, als er dem spanischen Komponisten und Pädagogen Felipe Pedrell (1841-1922) begegnete. Pedrell vertrat die Auffassung, dass die Werke spanischer Komponisten dem Volkslied- und Tanzmusikidiom ihrer Heimat verpflichtet sein sollten, und seine Ideen hinterließen bei Albéniz einen derart starken Eindruck, dass er zu einem der Hauptexponenten von Pedrells Kompositionstheorien werden sollte.

 

Als gefeierter Pianist bereiste Albéniz Europa und lebte in Madrid, London und Paris. In der französischen Musikmetropole begegnete er so bedeutenden Musikern wie d’Indy, Chausson, Fauré und Dukas. Seine bis dahin durch und durch spanische Musik bereicherte er durch ein französisches Kolorit und gelangte so zu einer einzigartigen Stilsynthese, die sich in keinem Stück deutlicher artikulieren sollte als in der Suite Iberia, die er in Paris in den Jahren vor seinem Tod komponierte. Er starb am 29. Mai 1860 in Cambô-les-Bains.

 

Die aus vier Heften mit je drei Stücken bestehende Suite Iberia gilt als absoluter Höhepunkt der spanischen Musik des zwanzigsten Jahrhunderts. Albéniz’ Musik auf der Gitarre zu spielen ist keineswegs eine neue Idee, denn ein Großteil seiner Musik wurde bereits für dieses Instrument arrangiert. Viele dieser Gitarrentranskriptionen gelten heute als Standardwerke des Repertoires für klassische Gitarre. Albéniz bezeichnete das Instrument oft als Inspiration für viele seiner Kompositionen, und so entsteht mitunter der Eindruck, als seien diese Werke original für Gitarre komponiert. Es sollte jedoch fast einhundert Jahre dauern, bis die Suite Iberia erstmals 1995 von Christoph Dejour in ihrer Gesamtheit für drei Gitarren transkribiert wurde. Das Trio Campanella spielte die Uraufführung 1998 in Kopenhagen.

 

Iberia, entstanden zwischen 1905 und 1908, ist ohne Zweifel Albéniz’ Meisterwerk. Die Suite ist eine gewagte und außerordentlich gelungene Komposition von gewaltiger architektonischer Struktur und eindrucksvollen Dimensionen. Alle Stücke basieren auf traditionellen spanischen Tanzrhythmen, die auf freie künstlerische, idealisierte Weise arrangiert sind. An zentraler Stelle dieser gewöhnlich dreiteiligen Stücke steht eine „Copla“, eine vokal empfundene Weise, die die jeweilige Region, in der die Stücke angesiedelt sind, charakterisiert. Fast alle Stücke der Iberia-Suite enthalten eine Copla.

 

Das erste Stück, Evocación, ist eine idyllische Komposition mit einem sanften Rhythmus und einer lyrischen, verträumten Melodie; hier zeigt sich Albéniz von seiner poetischsten Seite. Das abschließende Flüstern des Stücks leitet direkt zur hellen, fröhlichen Seguidilla El puerto über, in der das lebendige Treiben einer südlichen Hafenstadt geschildert wird. El Corpus Cristi ist die Fronleichnamsprozession durch die engen Straßen Sevillas, beginnend mit einem marschartigen, in der Ferne erklingenden Thema. Das Hauptthema, Trompeten und Trommeln andeutend, kulminiert in einem gewaltigen Höhepunkt, während sich die ursprüngliche Melodie beharrlich im Hintergrund behauptet.

 

Die beiden ersten Stücke des zweiten Hefts beschreiben zwei andalusische Städte. Nach Rondeña, einem nach der Bergstadt Ronda benannten Stück, entführt uns der Komponist ans Mittelmeer nach Almería mit seiner ruhigen, ausdrucksvollen Schönheit. Nach einer Vorstadt von Sevilla ist Triana benannt. Diese mitreißende Stück ist das vielleicht am häufigsten aufgeführte der gesamten Suite.

 

Das dritte Heft beginnt mit El Albaicín, dem alten arabischen Viertel Granadas gegenüber der Alhambra-Feste auf dem Bergrücken oberhalb der Stadt. Es folgt El polo, ein melancholisches andalusisches Lied. Der „Polo“ ist einer der Gesänge, die stets das Gefühl von Melancholie und Traurigkeit vermitteln. Lavapiés ist der Name eines belebten Viertels in Madrid; es ist das in technischer und rhythmischer Hinsicht komplexeste Stück der ganzen Suite. Trotz der Schwierigkeit soll es „fröhlich und mit freiem Ausdruck“ gespielt werden.

 

Das vierte Heft der Iberia führt uns in zwei andere Städte Andalusiens. Die erste ist Málaga, die alte Stadt im Süden des Landes. Die Musik mit ihrer schönen aber einfachen Melodie geht auf die Malagueña zurück. Die zweite Stadt ist Jerez, das Zentrum der spanischen Sherry-Produktion. Die Suite endet in Eritaña, einer Taverne am Stadtrand von Sevilla. Claude Debussy schrieb voll Begeisterung über dieses Stück: „Eritaña ist die Freude des Morgens, die glückliche Entdeckung einer Taverne, wo der Wein kühl ist. Immer neue Leute kommen vorbei, ihr Lachen begleitet vom Schellen der Tambourine. Nie hat die Musik solch verschiedenartige, farbige Eindrücke hervorgebracht. Man schließt das Auge, wie geblendet vom Anblick eines derartigen Reichtums an Bildern.“

 

Jonathan Irons

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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