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8.557093 - HAYDN: Symphonies, Vol. 28 (Nos. 37, 38, 39, 40)
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Franz Joseph Haydn (1732–1809)
Sinfonien Nr. 37–40

Franz Joseph Haydn wurde 1732 im niederösterreichischen Rohrau als Sohn eines Stellmachermeisters geboren. Nach seiner musikalischen Ausbildung in der Kantorei des Wiener Stephansdoms schlug er sich eine Zeit lang mühselig als Musikant durch, bis er dem berühmten Gesangspädagogen und Komponisten Nicola Porpora begegnete, dessen Akkompagnist und Kammerdiener er wurde. Seine erste offizielle Anstellung erhielt Haydn 1759 als Kapellmeister des böhmischen Grafen Morzin. 1761 erfolgte seine Berufung zum Vizekapellmeister bei einem der wohlhabendsten Männer des Reichs, Fürst Paul Anton von Eszterházy, dem 1762 sein Bruder Nikolaus nachfolgte. Als 1766 der Kapellmeister Gregor Werner starb, Haydns musikalischer Vorgesetzter, der so manches an der Pflichtausübung seines jüngeren Kollegen bemängelt hatte, erhielt Haydn diesen Posten, den er fast dreißig Jahre ausüben sollte und den er – zumindest dem Titel nach – bis zu seinem Tode bekleidete.

Mit der Vollendung des großartigen Palais zu Eszterháza unter Fürst Nikolaus begann für Haydn die Zeit großer Aufgaben und Wirkungsmöglichkeiten. Ihm oblagen sämtliche musikalische Aktivitäten des Hofes, einschließlich der Komposition und Aufführung von Instrumentalwerken, Opern und Schauspielmusiken sowie geistlicher Musik. Für seinen Dienstherrn schrieb er eine Fülle von Kammermusik für verschiedenste Besetzungen, vor allem für das Lieblingsinstrument des Fürsten, das Baryton (ein Streichinstrument der Violenfamilie in Tenor-Basslage mit 6-7 Griffsaiten und bis zu 44 mitschwingenden, sog. Aliquotsaiten). Als Fürst Nikolaus 1790 starb, war Haydn ein freier Künstler und konnte der ehrenvollen Einladung zu einer Reise nach London folgen; dort komponierte er Werke für den vom Violinisten und Impresario Johann Peter Salomon veranstalteten Konzertbetrieb. Einem zweiten erfolgreichen London-Aufenthalt während der Saison 1794-95 folgte die Rückkehr zu seinen höfischen Verpflichtungen bei der Familie Eszterházy, deren neues Oberhaupt sich in Eisenstadt niedergelassen hatte, wo die Laufbahn des jungen Musikers begonnen hatte. Die meiste Zeit des Jahres verbrachte man jedoch in Wien. Dort starb Haydn 1809 unter dem Geschützlärm der heranstürmenden napoleonischen Armee.

Haydn lebte während einer Periode des 18. Jahrhunderts, in der sich die Entwicklung der Instrumentalmusik aus der Zeit Bachs und Händels zur klassischen drei- bzw. viersätzigen Sonatenform vollzog, die als Grundlage der meisten Instrumental-musik der kommenden Zeit dienen sollte. Dass die Sinfonie zur bedeutendsten Gattung der Orchestermusik avancierte, war nicht zuletzt Haydns Verdienst. Seine sinfonischen Erstlingswerke komponierte er bereits vor 1759; der abschließende Zyklus der großen Werke für London entstand im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts.

Die Sinfonie Nr. 37 C-Dur ist vermutlich eine Arbeit aus dem Jahr 1758 – eine Entstehungszeit, die das früheste überlieferte Manuskript einer Haydn- Sinfonie nahelegt. Möglicherweise markiert das Werk den Beginn von Haydns Tätigkeit am Hof des Grafen Morzin. Die ursprüngliche Besetzung lautete für je zwei Oboen und Hörner sowie Streicher und Continuo (letzteres gewöhnlich für Cembalo, Violoncello, Kontrabass und Fagott). Ein anderes Manuskript, Haydns eigene Bearbeitung für einen späteren Aufführungsanlass, enthält Trompetenparts anstelle der Hörner sowie eine Paukenstimme; diese Fassung ist hier eingespielt. Auffallend am Presto-Kopfsatz, einem Sonaten-Allegro, ist der zentrale Durchführungsabschnitt, der einen Fehlstart zur Reprise enthält, wodurch das Hauptthema folglich weniger Aufmerksamkeit erhält. An zweiter Position der Satzfolge steht ein Minuet, das ein den Streichern vorbehaltenes, kontrastierendes Trio einrahmt. Erst an dritter Stelle folgt das Andante (c-Moll), wiederum für Streicher. Mit ausgeprägten dynamischen Kontrasten wartet zum Ausklang das Presto-Finale auf.

Ebenfalls in der „großen“, festlichen C-Dur-Tonart steht die auf 1766-68 datierte Sinfonie Nr. 38. Neben je zwei Oboen und hohen Hörnern in C alto, Streichern und Continuo ist sie mit Trompeten und Pauken besetzt. Das Sonaten-Allegro des ersten Satzes (Allegro di molto) beginnt in feierlichem Gestus und besitzt ein kontrastierendes zweites Thema. Die aufsteigende Figur des Hauptthemas kehrt in der bemerkenswert hochdramatischen Durchführung zurück, die durch verschiedene Molltonarten geführt wird, bevor das Hauptthema in der Reprise wiederkehrt. Der zweite Satz, ein Andante molto für Streicher in F-Dur, bezaubert durch subtile Echo-Effekte zwischen ersten und (sordinierten) zweiten Violinen. Es folgt ein Minuet, in dem Blasinstrumente (hier die Oboen) meist die ersten Violinen verdoppeln, wie es häufig bei frühen Haydn- Sinfonien der Fall ist. Die erste Oboe genießt jedoch, begleitet von Streichern, im Trio größere Unabhängigkeit. Aus der solistischen Behandlung der Oboe im Finalsatz (Allegro di molto) schließt der bedeutende Haydn-Forscher H.C. Robbins Landon, dass diese Sinfonie für den Virtuosen Vittorino Colombazzi geschrieben wurde, der von September bis Dezember 1768 in Eszterháza engagiert war.

Die Sinfonie Nr. 39 g-Moll ist neben den üblichen Oboen, Streichern und Continuo mit vier Hörnern (je zwei in B alto und in G) besetzt. Das erste Thema des Kopfsatzes wird durch den Überraschungseffekt der plötzlichen Generalpausen charakterisiert, die dem Ganzen eine erhöhte Spannung verleihen. Der langsame Satz, ein Es-Dur-Andante für Streicher und Continuo, sorgt für den ruhigen Kontrast zur Dramatik des Vorangegangenen. Es folgt ein Minuet nebst einem B-Dur- Trio, in dem Oboen und hohe Hörner in den Vordergrund treten. Die Sinfonie endet mit der Rückkehr zur Tonart und Dramatik des ersten Satzes. Die zentrale Durchführung beginnt mit einer Violin-passage, der markante dynamische Kontraste folgen.

Die Sinfonie Nr. 40 F-Dur schrieb Haydn 1763 für eine Aufführung in Eisenstadt, der damaligen Eszterházyschen Hauptresidenz. Das mit Oboen, Hörnern, Streichern und Continuo besetzte Werke hebt mit einem fröhlichen Allegro an, dessen Tempo vor dem abschließenden C-Dur-Abschnitt der Exposition zurückgenommen wird. Die großen Intervallsprünge in den Violinen sind typisch für den zeitgenössischen Instrumentalstil, der sich auch in der sanft schreitenden Streicherbewegung des durchgehend zweistimmigen langsamen Satzes (Andante più tosto allegretto) äußert. Im Minuet und im Trio (das in einer Quelle nur mit Oboen, Hörnern und Fagott besetzt ist) kehren die Bläser zurück. Subjekt und Kontrasubjekt einer Fuge leiten das Finale ein. Den Höhepunkt erreicht der Satz über einem langen Orgelpunkt, nach dem das Thema im Unisono des Orchesters erklingt und die Sinfonie beschließt.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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