About this Recording
8.557113 - SOMERVELL: Shropshire Lad (The) / James Lee's Wife / Songs of Innocence (English Song, Vol. 2)
English  French  German 

Arthur Somervell (1863-1937)
Lieder: The Shropshire Lad • James Lee’s Wife • Songs of Innocence

Der englische Komponist Arthur Somervell wurde 1929 in Anerkennung seiner Verdienste als Musikinspektor der nationalen Bildungsbehörde geadelt. Seine intensive Beschäftigung mit dem Bildungs- und Unterrichtswesen hatte ihn bis dahin daran gehindert, sein Kompositionstalent, das sich bereits in seiner Jugend gezeigt hatte, in vollem Umfang zu entfalten. Geboren 1863 in Windermere als jüngster Sohn eines wohlhabenden Schuhfabrikanten, ging er in Uppingham zur Schule und studierte am King’s College in Cambridge, wo er 1883 sein Examen ablegte und 1903 ein Ehrendoktorat erhielt. In Cambridge war Charles Villiers Stanford sein Lehrer, und von 1883 bis 1885 studierte er an Joachims Berliner Musikhochschule bei Friedrich Kiel und Woldemar Bargiel (Clara Schumanns Halbbruder). In London setzte er seine Ausbildung am Royal College of Music fort und war später Schüler von Hubert Parry. 1894 begann er seine Lehrtätigkeit am Royal College. Nachdem er 1928 seinen Posten als Inspektor niedergelegt hatte, widmete er sich intensiv der School of English Church Music; bis heute werden seine Hymnen We give thee but thine own (Windermere), When wilt thou save the people (Kendal) und Every morning the red sun (Langdale) gelegentlich im anglikanischen Gottesdienst gesungen. Die Titel dieser Gesänge bezeugen Somervells Verbundenheit mit seiner nordenglischen Heimat, dem Lake District.

Für seine Lieder bediente sich Somervell einer Vielfalt von Texten, von Shakespeare-Gedichten bis zu Browning und Housman. Seine fünf Liederzyklen enthalten zwei Gedichtgruppen von Browning, das hier aufgenommene James Lee’s Wife und A Broken Arc. Von Tennyson stammen Gedichte für den Zyklus Maud, von Housman Texte für A Shropshire Lad, und für Love in Springtime lieferten Tennyson, Rossetti und Kingsley die Vorlagen. Zu seiner Kammermusik zählt ein Klarinettenquintett, während seine Chormusik Vertonungen von Arnolds The Forsaken Merman und Tennysons The Charge of the Light Brigade enthält. Für Orchester schrieb Somervell u.a. eine Sinfonie sowie Violin- und Klavierkonzerte. Im gängigen englischen Repertoire haben jedoch nur seine Lieder einen Platz behaupten können.

Bei den 1927 erschienenen Liedern O mistress mine und Orpheus with his lute handelt es sich um zwei seiner Three New Old Songs. Das erste ist eine Vertonung von Shakespeares bekannten Zeilen aus Twelfth Night (Was ihr wollt), und das zweite von Versen aus Heinrich VIII., wo es von einer von Königin Katharinas Damen gesungen wird. Sweet Kate ist die Bearbeitung eines Lieds von Robert Jones, 1609 veröffentlicht in A Musicall Dreame, or the Fourth Book of Ayres.

Somervells vier Lieder nach Gedichten aus William Blakes Songs of Innocence entstanden 1889. Gewidmet Dolly und Gwen, sind sie der Form und dem Anspruch nach kindlich-einfache Lieder und als solche durchaus beispielhaft.

Der auf Tennysons Monodrama basierende Liederzyklus Maud stammt aus dem Jahre 1898. Der aus 13 Liedern bestehende Zyklus handelt von den Erinnerungen des Erzählers an den Freitod seines durch unglückliche Spekulationen ruinierten Vaters, wodurch seine Heirat mit Maud, der Tochter des Vaters seines besten Freundes, vereitelt wird. Drei der Lieder dieses Handlungsteils sind hier eingespielt. Schließlich gelingt es dem Protagonisten jedoch, Mauds Herz erneut zu gewinnen. Das fünfte Lied, Birds in the high Hall-garden, schildert die Begegnung der Liebenden, bevor Maud mit den Blumen, die sie gepflückt hat, im Haus verschwindet. Die vom Erscheinen eines anderen Freiers handelnden Verse sind ausgelassen. Das siebte Lied, Go not, happy day, ist Ausdruck der Liebe des Paares. Der erste Teil des Gedichts schließt mit den Worten, die Somervell für das neunte Lied verwendet: Come into the garden, Maud — einem Text, der ins Balfes Vertonung vielleicht bekannter ist. Der Sänger ruft Maud in den Garten, während sie aus der Halle die Klänge eines Festes vernimmt, zu dem sie nicht geladen ist. Der Erzähler ist überwältigt von ihrer Erscheinung, aber das Lied berichtet nicht davon, wie ihr Treffen von Mauds Bruder gestört wird und wie dieser in einem Abgrund den Tod findet. In den verbleibenden Liedern geht Mauds Liebhaber ins Exil, wo sich seine Sinne verwirren, während Maud in seiner Abwesenheit stirbt. Der Zyklus endet mit dem Entschluss des Protagonisten, für sein Land in den Krieg zu ziehen.

Der auf Robert Brownings James Lee’s Wife basierende Liederzyklus wurde 1907 mit einer Widmung an Marie Brown veröffentlicht, einer in Liverpool geborenen Sängerin von deutsch-amerikanischer Abstammung, die als erste in England geborene Sängerin bei den Bayreuther Festspielen auftrat, wo sie 1894 die Ortrud in Lohengrin und die Kundry in Parsifal sang. James Lee’s Wife war zuerst 1864 unter dem Titel James Lee in Brownings Dramatis Personae erschienen; von den ursprünglich neun Gedichten vertonte Somervell fünf. Die erste Fassung ist mit Orchesterbegleitung, später wurden die Lieder für Begleitung mit Klavierquintett und danach nur für Klavierbegleitung bearbeitet. Wie in anderen dramatischen Monologen von Browning enthüllt die Titelfigur ihre eigene Geschichte; sie erzählt zunächst von den Unbilden der Liebe, dramatisch ausgeweitet im zweiten Lied, By the Fireside, während sie mit den Worten „rot and rust, run to dust" die Ehe mit ihrem Gatten mit einem Schiff vergleicht, das nur scheinbar den sicheren Hafen erreicht hat. Dieselbe Idee kehrt im dritten Lied, In the Doorway, zurück, das auf die mittleren beiden Verse des ursprünglichen Gedichts verzichtet. Im fünften der Browning-Gedichte, On the Cliffs, singt sie von der kargen Vegetation des Felsen und wie daraus, ähnlich wie in der Vorstellungskraft des Menschen, Farbe und Leben entstehen kann. Der Zyklus endet mit dem siebten Browning-Gedicht, Among the Rocks, in dem sie ihre Botschaft verkündet: „If you loved only what were worth your love / Love were clear gain".

Die Vertonungen von The Bargain, Sir Philip Sidneys My true love hath my heart, and I have his aus Arcadia, des anonymen Fain would I change that note und von Matthew Arnolds Gedicht Longing, Come to me in my dreams wurden 1935 veröffentlicht. Shepherd’s Cradle Song, mit Worten des deutschen Wiegenlieds Schlaf, Kindlein, schlaf!, erschien 1890. Dainty Little Maiden stammt aus dem 1901 entstandenen Liederzyklus Love in Springtime und ist eine Vertonung von Tennysons Gedicht The City Child. Den Text des 1904 komponierten Lieds When Spring Returns verfasste der Komponist selbst.

Nach den Erfahrungen, die A.E. Housman mit Vaughan Williams’ On Wenlock Edge gemacht hatte, wo nur wenige leichte Änderungen an seinem Text vorgenommen wurden, ließ er sich nur nach einigem Zögern dazu überreden, weitere seiner Gedichte zur Vertonung freizugeben. Somervell wählte für seine Lieder zehn der 63 Gedichte der Housman-Sammlung — die erste Vertonung von Gedichten eines Werks, das später so wirkungsvoll von George Butterworth in Musik gesetzt werden sollte. Somervells Zyklus aus dem Jahre 1904 ist thematisch einheitlich gestaltet; bewundernswert ist vor allem, wie der Sinn der Worte mit geradezu logischer Konsequenz die Entsprechung in der Musik zu finden scheint. Neben anderen Verbindungslinien zwischen den einzelnen Liedern sind die Reminiszenzen an das erste Lied, Into my heart an air that kills, besonders eindrucksvoll. Im Gedächtnis haften bleibt auch das letzte Lied, das sich mit den bei Housman stets wiederkehrenden Themen von Jugend und Tod beschäftigt. Der Zyklus wurde von dem irischen Bassbariton Harry Plunket Greene, dem Schwiegersohn Hubert Parrys, aus der Taufe gehoben. Er war ein Sänger, dessen Talent und künstlerischem Einsatz englische Liedkomponisten viel verdankten.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


Close the window