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8.557124 - BEST OF BAROQUE MUSIC (COLOGNE CHAMBER ORCHESTRA)
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Höhepunkte der Barockmusik

Höhepunkte der Barockmusik

 

Die erste Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts erlebte den Höhepunkt einer musikalischen Synthese aus Elementen, die in den drei bedeutendsten Musikländern Europas vorherrschten: Aus Italien kam in erster Linie der Gesang, aus Frankreich der Tanz und aus Deutschland die akademischen Techniken, die diese Elemente zu einer Einheit verschmolzen.

 

Die Instrumentalmusik hatte sich vor allem im siebzehnten Jahrhundert entwickelt und Formen hervorgebracht, die lange Zeit Bestand haben sollten. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts erlangte der fränkische Organist Johann Pachelbel (1653-1706) Bekanntheit, ein vielseitig talentierter Komponist, der aus seiner Erfahrung mit italienischer Musik schöpfte. Pachelbel wirkte als Organist in Erfurt, wo er Kontakte zur Bach-Familie unterhielt. Er unterrichtete Johann Christoph Bach, Johann Sebastians älteren Bruder, bei dem dieser nach dem frühen Tod der Eltern wohnte. Die letzten Jahre seiner Laufbahn verbrachte Pachelbel als Organist an der Sebalduskirche in seiner Geburtsstadt Nürnberg. Während seine anderen Werke heute vor allem Organisten bekannt sind, hat er mit seinem populärsten Werk, Kanon und Gigue – einer genialen, ursprünglich für drei Violinen und Continuo geschriebenen, aber auch in vielen Bearbeitungen gespielten Komposition – Weltgeltung erlangt [10].

 

Der italienische Komponist Arcangelo Corelli (1653-1713) wirkte etwa ab 1675 in Rom, wo er sich als Violinist und Komponist im Dienst der nach ihrer Abdankung in Rom lebenden, zum Katholizismus übergetretenen schwedischen Königin Christine sowie der Kardinäle Pamphili und Ottoboni einen Namen machte. Zeitgenossen und spätere Komponisten wurden stark von ihm beeinflusst, namentlich von seinen Concerti grossi. Bei dieser Werkgattung handelt es sich um Kompositionen, in denen eine kleine Gruppe von Solisten (bei Corelli zwei Violinen und Continuo) mit dem vollen Streichorchester konzertieren. Sein so genanntes Weihnachtskonzert, geschrieben zur Aufführung am Heiligabend, enthält den bekannten, vielfach imitierten Pastoralsatz, die musikalische Darstellung der Hirten in Bethlehem [5].

 

Georg Friedrich Händel (1685-1759) hatte Corelli während seines Italien-Aufenthalts Anfang des achtzehnten Jahrhunderts kennen gelernt. Er stammte aus Halle und ging zunächst an die Oper in Hamburg, bevor er nach Italien reiste. Von dort führte ihn sein Weg über den Posten des Musikdirektors am Hannoverschen Hof nach London, wo er zunächst italienische Werke für den dortigen Opernbetrieb komponierte. Händels melodischer Einfallsreichtum und die Form, die seine Musiksprache annehmen sollte, weisen auf eine unterschiedliche Gewichtung in der Entwicklung der o.e. barocken Synthese. So bemerkte etwa Corelli, dass er Händels ‚französischen’ Stil nicht begreife. Während sich Händel mit Unterbrechungen immer wieder der Oper widmete, hatte er 1740 mit dem englischen Oratorium einen neuen musikalischen Kompromiss gefunden. Das Programm dieser Einspielung beginnt mit dem Einzug der Königin von Saba, einem Instrumentalsatz aus seinem Oratorium Salomo, das 1749 im Covent-Garden-Theater uraufgeführt wurde [1]. Ebenso bekannt ist das Largo aus seiner 1738 entstandenen Oper Xerxes, ursprünglich eine Arie, in der der König die schattenspendende Platane in seinem Garten besingt [7].

 

Zu seinen Lebzeiten ebenso berühmt wie Bach, wirkte Georg Philipp Telemann (1681-1767) von 1721 bis zu seinem Tod in Hamburg als Musikdirektor der fünf dortigen Hauptkirchen. Sein unglaublich umfangreiches Schaffen umfasst neben Kirchenmusik auch Instrumentalwerke, u.a. eine Reihe von Orchestersuiten oder Ouvertüren, die eine Folge von Tanzsätzen verschiedener Provenienz enthalten, Beispiele des damals modischen ‚vermischten Geschmacks’. Seine Darmstädter Ouvertüren, geschrieben für den dortigen Hof, stammen aus Telemanns früher Karriere, als er noch in Frankfurt am Main angestellt war. Die Titel der Sätze beschreiben, wie in der hier aufgenommenen Harlequinade, den Charakter der Musik [12]. Ein weiteres Beispiel für Telemanns mühelos fließenden Stil ist seine Blockflötensuite mit ihren charakteristischen französischen Sätzen, von denen zwei in dieser Aufnahme vorgestellt werden [14] & [15].

 

Telemann hatte an der Leipziger Universität studiert und dort das Collegium musicum gegründet. Später übernahm Johann Sebastian Bach (1685-1750), der 1723 als Thomaskantor nach Leipzig gekommen war, die Leitung dieses Instrumentalensembles. Bach hatte zuvor, hauptsächlich in Weimar, als Organist gedient, bevor er 1717 Musikdirektor am Hof des Fürsten Leopold von Anhalt-Cöthen wurde. Ab 1723 blieb er bis zu seinem Tod in Leipzig. Ein Großteil seiner Instrumentalmusik entstand während seiner Köthener Jahre, einschließlich der ersten und vierten seiner insgesamt vier Orchestersuiten. Unsere Aufnahme enthält die französischen Bourrées aus der Orchestersuite Nr. 4 [8]. Die zweite und dritte Suite stammen aus Bachs Leipziger Jahren. Der bekannteste Satz der Orchestersuite Nr. 2 für Soloflöte und Streicher aus den späten 1730er Jahren ist die spielerisch-virtuose Badinerie [3]. Aus der Orchestersuite Nr. 3, die Bach vermutlich zwischen 1729 und 1731 komponierte, stammt das berühmte Air. Der in angelsächsischen Ländern gebräuchliche Titel ‚Air on the G string’ (Air auf der G-Saite) geht auf die Bearbeitung des deutschen Geigers August Wilhelmj zurück [2].

 

Die sechs Brandenburgische Konzerte von 1721 erhielten ihren Namen aufgrund der Widmung, mit der Bach sie 1721 dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg dedizierte. Bach schrieb diese Konzerte mehrheitlich in Köthen, obwohl das dritte und sechste vermutlich bereits früher, nämlich in Weimar, entstanden sein könnten. Das Brandenburgische Konzert Nr. 2 ist mit Blockflöte, Oboe, Trompete und Violine als Soloinstrumenten sowie mit Streichern und Cembalo besetzt. Im dritten Satz setzen die Solisten nacheinander ein, angeführt von der Trompete [6]. Das Brandenburgische Konzert Nr. 4 schrieb Bach für Violine und zwei Blockflöten als Soloinstrumente sowie für Streicher und Cembalo. Im eröffnenden Allegro beginnen die Blockflöten in Echomanier und setzen so den lebhaften Satz in Bewegung [17].

Am Köthener Hof bot sich Bach vielfältige Gelegenheit zur Komposition von Instrumentalmusik. Zu seinen dort entstandenen Werken gehören auch drei Violinkonzerte, einschließlich des Doppelkonzerts. Von besonderer Schönheit in diesem Konzert für zwei Violinen ist der langsame Satz, in dem die Soloinstrumente über einer wiegenden Bassbegleitung in Nachahmungen und verschlungenen Figurationen duettieren [4]. In Leipzig bearbeitete Bach einige seiner früheren Konzerte als Konzerte für ein bzw. mehrere Cembali. Die Ecksätze seines Cembalokonzerts f-Moll stammen aus einem heute verschollenen Oboenkonzert, der (hier eingespielte) langsame Satz aus einer Kirchenkantate. Begleitet von Pizzicato-Streichern spielt das Soloinstrument eine expressive, sanft ausgearbeitete Melodie [13].

 

Als Vorbild seiner Konzerte dienten Bach Vivaldi und andere venezianische Komponisten, die das Solokonzert entwickelt hatten. So bearbeitete er u.a. das Oboenkonzert von Alessandro Marcello (1684-1750), einem adligen Amateurmusiker, für Solocembalo. Diese Einspielung enthält den langsamen Satz des Oboenkonzerts [16]. Tomaso Albinoni (1671-1751) machte sich ebenfalls in Venedig einen Namen; zu seinen Kompositionen gehören u.a. mehrere hervorragende Oboenkonzerte, von denen eines hier mit seinem langsamen Satz vertreten ist [9]. Vor allem bekannt wurde Albinoni jedoch durch das ihm vom eigentlichen Komponisten Remo Giazotto zugeschriebene Adagio. Als Grundlage dieses Stücks bediente sich Giazotto eines Themenfragments von Albinoni [18].

 

Der bedeutendste unter den venezianischen Komponisten der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts war der zum Priester geweihte Violinvirtuose und Operndirektor Antonio Vivaldi (1678-1741), der den größten Teil seiner Karriere an einem der berühmten venezianischen Waisenhäuser für mittellose Mädchen verbrachte, Institutionen, in denen die Musikausübung im Vordergrund stand und die einen besonders hohen künstlerischen Standard erreichten. Für eine dieser wohltätigen Einrichtungen, das Ospedale della Pietà, schrieb Vivaldi den Großteil seiner zahlreichen Konzerte – die meisten für Violine, eine Reihe aber auch für andere Instrumentalbesetzungen. Obwohl seine Konzerte für Flautino gelegentlich auf anderen Instrumenten gespielt wurden, waren sie ursprünglich für die winzige Sopranino-Blockflöte bestimmt. Die langsamen Sätze, wie hier zu hören ist, sind meist in der Form einer Arie für das Soloinstrument komponiert [11].

 

 

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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