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8.557163 - BOMTEMPO: Symphonies Nos. 1 and 2
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João Domingos Bomtempo (1771-1842): Symphonien Nr. 1 & 2

João Domingos Bomtempo wurde 1771 in Lissabon geboren, wo sein Vater – ein italienischer Oboist – Mitglied der Königlichen Kapelle war. Er studierte daselbst Musik am Seminário Patriarcal und wurde 1795, nach dem Tod seines Vaters, Solo-Oboist der Königlichen Kapelle. Im Gegensatz zu vielen anderen portugiesischen Komponisten des 18. Jahrhunderts führte Bomtempo seine musikalischen Studien nicht in Italien fort, sondern ging 1801 nach Paris. In der Tat war er sowohl von seiner Erziehung, als auch von seinem ganzen Wesen her eher kosmopolitisch ausgerichtet, was sich auch daran zeigt, dass Bomtempo den Freimaurern angehörte.

In Paris, wie später dann auch in London, entwickelte sich seine pianistische und kompositorische Karriere glänzend. Als Freund des italienischen Komponisten, Pädagogen und Musik-Verlegers Muzio Clementis, war gerade dessen neuer Klavierstil prägend für das eigene Werk Bomtempos. Der Erfolg seiner Konzerte führte schließlich dazu, dass seine Werke bei Leduc verlegt wurden. Nach der Uraufführung seiner ersten Symphonie 1809 in Paris, ließ er sich dann in London nieder, wo Clementi sein Verleger wurde und die erste Symphonie in einer vierhändigen Klavierfassung als Opus 11 veröffentlicht wurde.

Nachdem Bomtempo 1820 nach Lissabon zurückgekehrt war, gründete er dort 1822 die Sociedade Filármonica, mit der er wesentlich zur Entwicklung des portugiesischen Musiklebens beitrug. Später wurde er dann auch Direktor des auf seine Initiative hin 1833 gegründeten Conservatório Real. Unter den von ihm veröffentlichten pädagogischen Werken findet sich unter anderem auch eine Musik- und Klavierlehre (Elementos de música de methodo de tocar piano forte).

Zu den bedeutendsten Werken Bomtempos, der für die unterschiedlichsten Besetzungen komponierte, zählen neben seinen vielen Klavierwerken namentlich seine fünf Klavierkonzerte, sein Requiem (dem Andenken des portugiesischen Dichters Camões gewidmet) sowie die beiden hier eingespielten Symphonien, wobei die Musikwissenschaft früher davon ausging, dass Bomtempo insgesamt sechs Symphonien komponiert habe.

Die erste Symphonie steht noch unter dem Einfluss von Haydn und Mozart. Und so orientiert sie sich auch formal an den klassischen Vorbildern, sieht man einmal davon ab, dass es sich beim zweiten Satz nicht um das gemeinhin übliche Andante, sondern um ein Menuett handelt. Der sich der langsamen Einleitung des ersten Satzes anschließende Allegro-Teil folgt der Sonatenform. Arbeitet das Menuett dann mit dem üblichen kontrastierenden Trio, so entwickelt sich der dritte Satz (Andante sostenuto) entlang einer Reihe von freien Variationen, wobei die Dominanz der Holzbläser auffällt. Das Werk ist für Streicher, zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, zwei Hörner und Pauken gesetzt, verzichtet also erstaunlicherweise auf Trompeten. Die älteste vollständige Ausgabe der Orchesterpartitur ist eine handschriftliche Kopistenarbeit. Da die Paukenstimme unabhängig von der Hornstimme verläuft und die für das Werk in Frage kommenden direkten Vorbilder allesamt Pauken nie ohne Trompeten einsetzen, habe ich der Paukenstimme zwei Trompeten hinzugefügt. Die Partitur und die Stimmen dieser Symphonie wurden 1963 von der Fundação Calouste Gulbenkian in Lissabon herausgegeben.

Die zweite Symphonie ist schon von ihrer Anlage und ihren Dimensionen her bedeutend gewichtiger. Auch ist sie stilistisch – im Gegensatz zur ersten Symphonie – deutlich romantischer und formal weniger streng gehalten und insgesamt flüssiger. Auffällig ist gleich im ersten Satz der ausgesprochen lyrische Charakter des sich der langsamen Einleitung anschließenden Allegro moderato, das schon von der bloßen Ausdehnung her durchaus an Beethovens Eroica gemahnt. Kaum weniger originell gibt sich der zweite Satz, dessen rhythmischer Charakter von einem Thema unterbrochen wird, das eher an eine Opernarie, denn an den Mittelteil eines langsamen Symphoniesatzes denken lässt. Bemerkenswert auch die Leichtigkeit, mit der das Trio Teil des Menuetts wird und die formale Freiheit, mit der sich das Finale entwickelt. Zwar orientiert sich Bomtempo dabei durchgängig an der Sonatenform; dies jedoch ohne offenkundige Zugeständnisse an bereits etablierte musikalische Formen. Die Orchestrierung der zweiten Symphonie ist identisch mit der der ersten, wobei Bomtempo nun allerdings auch zwei Posaunen verwendet, was den Schluss nahelegen könnte, er sei bei der Komposition bereits mit Beethovens Pastorale vertraut gewesen.

Álvaro Cassuto
Deutsche Fassung: Matthias Lehmann


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