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8.557290 - FERGUSON / GERHARD / ROWLEY / DARNTON: Piano Concertos
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Alec Rowley (1892-1958): Klavierkonzert Nr. 1 in D-Dur, Op. 49
Christian Darnton (1905-1981): Konzertino für Klavier in C-Dur
Roberto Gerhard (1896-1970): Konzert für Klavier und Streicher
Howard Ferguson (1908-1999): Konzert für Klavier und Streicher, Op. 12

Diese Sammlung von Klavierkonzerten vier sehr unterschiedlicher Komponisten enthält Werke, die alle um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts entstanden sind.

Alec Rowley ist ein heutzutage vernachlässigter Komponist, obwohl seine Musik zu Lebzeiten ein großes Publikum erreichte. In seiner Karriere beschäftigte er sich mit Komponieren, Auftritten als Organist und Pianist, Lehren und Schreiben. Er studierte an der Royal Academy of Music, wo Frederick Corder sein Kompositionslehrer war. 1919 wurde er Professor für Komposition am Trinity College, und in den 1930er Jahren verband ihn eine Klavierduo- Partnerschaft mit Edgar Moy, mit dem er häufig in BBC-Radiosendungen zu hören war. Viel von seiner Musik war Bildungszwecken oder Amateuren zugedacht, darunter eine Reihe von – wie er selbst sie nannte – „Miniatur“-Konzerten für Klavier, Violine, Cello und Orgel, ferner Werke für Streicher (English Dance Suite) und für Orchester (In an Apple Orchard). Weitere Orchesterwerke sind die zwei Klavierkonzerte und die Three Idylls für Klavier und Orchester, die bei den Proms 1942 aufgeführt wurden. Weiteres zu Leben und Werk des Komponisten findet man in Beryl Kingtons faszinierendem Buch „Rowley Rediscovered“.

Rowleys Erstes Klavierkonzert erlebte seine Uraufführung in Rahmen einer BBC-Radiosendung im August 1938. Solist war Franz Weitzmann, es spielte ein Teil des BBC Orchestra unter Warwick Braithwaite. Das Werk ist für Streicher sowie Schlaginstrumente und Kesselpauke ad libidum geschrieben, die in dieser Aufnahme einbezogen sind. Es beginnt mit einer fesselnden Introduktion, geprägt von einem Fanfaren- Motiv und pikanten Harmonien. Die darauf folgende Musik, die eindeutig auf der Fanfare basiert, umweht gleichsam ein frischer Wind, wobei das zweite Thema eine reizende lyrische Melodie ist. Ein einfacher, sehnsuchtsvoller Walzer voll ländlichem Charme und mit Anklängen an Delius bildet die Folie für die energischen Ecksätze. Der Beginn des Finales ist eine exakte Wiederholung der Einleitung des ersten Satzes, bis es mit dem Fanfaren-Motiv, nun in den Bass transformiert, seine eigenen Wege geht. Es herrscht fröhliche Stimmung, erkennbar an dem kontrastierenden Thema mit seinen Synkopierungen. Das Fanfaren-Motiv kehrt zur Krönung des Konzerts zurück, bevor dieses mit einer funkelnden Koda endet.

Christian Darnton ist unter den hier vertretenen Komponisten der unbekannteste. Hauptquelle für Informationen über ihn ist die überaus verdienstvolle Dissertation von Andrew Plant, dessen generöse Unterstützung der Autor dieser Zeilen dankbar hervorhebt. Darnton studierte Komposition bei Charles Wood an der Cambrigde University in London, sodann Fagott und Dirigieren am Royal College of Music in London. Weitere Kompositionsstunden belegte er bei Max Butting in Berlin. Darntons frühe Werke aus den 1930er Jahren sind avanciert und dissonant, darunter das Klavierkonzert und die Five Orchestral Pieces, die 1939 in Warschau ihre erfolgreiche Premiere erlebten. Sein Buch „You and Music“ erschien 1940 und erfuhr ebenfalls positive Resonanz. Im Zweiten Weltkrieg wurde Darnton Kommunist und beschloss folgerichtig, dass seine Musik nun publikumswirksam werden müsse, was zu einer radikalen Vereinfachung führte. Zu den Werken, in denen dies zum Ausdruck kommt, gehört die unaufgeführte Oper Fantasy Fair. In den 1950er Jahren hörte er, entmutigt vom ausbleibenden Erfolg, für zwanzig Jahre auf zu komponieren. Später entsagte er dem Kommunismus, und in seiner letzten Lebensdekade erlebte er eine bemerkenswerte Wiederkehr der Kreativität und komponierte in den 1970er Jahren zwei Hauptwerke, das Concerto for Orchestra und die Vierte Sinfonie.

Das Konzertino für Klavier, entstanden 1948, war ein Auftrag von Darntons treuem Förderer, dem südafrikanischen Pianisten Adolf Hallis, der die Premiere im April 1949 in Durban mit dem Johannesburg Symphony Orchestra gab. Das Werk reflektiert Darntons Abwendung von seinem frühen Stil und ist in einem neoklassizistischen Idiom à la Strawinsky geschrieben. Die Musik ist um das Intervall der Terz aufgebaut mit Ausweitung zum Dreiklang. Träge Eleganz kennzeichnet das anfangs von den Streichern vorgetragene Eröffnungsthema, die Musik gewinnt dann aber zunehmend an Schärfe. Der langsame Satz ist in seinen äußeren Teilen von anmutiger Nonchalance und filigraner Leichtigkeit geprägt, wobei die hohen und tiefen Läufe des Klaviers einander imitierend antreiben. Die Mitte des Satzes ist eine romantische Aufwallung, die sich zunehmend verdunkelt hin zum schwerfälligen Voranschreiten eines langsamen Marsches. Der Satz endet mit einer absteigenden Folge von Terzen im Stile Brittens, womit ein weiterer wichtiger Einfluss auf Darton reflektiert wird. Neoklassische Zurückhaltung ist den Blasinstrumenten im Finale auferlegt, während der Solist gleichsam kopfüber in ein hinreißendes pianistisches Feuerwerk stürzt. Nach einer leichteren Durchführung kehrt das Hauptthema zurück, gefolgt von einer majestätischen Kulmination mit der veränderten Wiederkehr der Eröffnung des ersten Satzes.

Obwohl Spanier, lebte Roberto Gerhard ein Vierteljahrhundert lang in England und wurde britischer Staatsbürger. Er war der wichtigste spanische Komponist der Generation nach Manuel de Falla. Von seinen ersten Lehrern Enrique Granados (Klavier) und Felipe Pedrell (Komposition) wurde er an die Tradition der nationalen Schule herangeführt, doch brachte ihn sein Interesse für die radikale Moderne in Europa schließlich zu Arnold Schönberg. In den 1930er Jahren wurde er eine führende Figur in spanischen und speziell katalanischen Künstlerzirkeln. 1939 jedoch, nach dem Machtantritt Francos infolge des Spanischen Bürgerkriegs, ging er nach England. Nennenswerte Werke der 1940er Jahre sind das Ballett Don Quixote und die Oper The Duenna. Von den 1950er Jahren an entwickelte Gerhard seine eigene Version von Schönbergs serieller Technik, die er mit einem fabelhaften Gespür für instrumentale Klangfarben verband. Die Werke aus den letzten zwanzig Lebensjahren, zu denen vier eindrucksvolle Sinfonien (1952–1967) gehören, verschafften ihm internationale Anerkennung.

Gerhards Klavierkonzert ist sein erstes serielles Werk. Es wurde von Noel Mewton-Wood und dem Festival Orchestra unter Norman Del Mar auf dem Aldeburgh Festival 1951 uraufgeführt. Jeder Satz ist mit einem Titel überschrieben, der auf spanische Cembalomusik der Renaissance Bezug nimmt. Tiento ist die Bezeichnung spanischer Organisten des 16. Jh. für die Toccata. Der Satz gleicht einem Wirbelwind, in dem der Solist kaum einmal Zeit hat durchzuatmen. Diferencias ist das spanische Äquivalent für englisch Variations oder Divisions. Gerhard legte nahe, „Thema und Diferencias hier als sieben unterschiedliche Vorstellungen desselben Gesichts wahrzunehmen“. Basierend auf einem katalanischen religiösen Lied, gehört dieser Satz zu Gerhards bewegendsten Äußerungen als Komponist – ein dunkles Lamento für sein Land unter dem Joch der Diktatur, in das er auch das Dies irae einbezog. Folia war eine fantasieartige Form über einer Basslinie. Sie wurde mit einer populären Melodie des 17. Jh. assoziiert, die vielfach in Cembalo- und Streicher-Musik Eingang fand. Gerhard übernimmt die ersten drei Noten der Folia-Melodie in sein Finale, von dem er sagte, es habe eine „närrischrasende Karnevalsatmosphäre“, die an Goyas „Begräbnis der Sardine“ erinnere.

Howard Ferguson hinterließ relativ wenige Kompositionen, die in die Frühzeit seiner Karriere gehören, von denen allerdings einige in den letzten zwanzig Jahren wiederentdeckt und aufgenommen wurden. Geboren in Belfast, studierte er am Royal College of Music, hatte aber auch Privatunterricht beim Pianisten Harold Samuel. Aufmerksamkeit als Komponist errang er in den 1930er Jahren mit der Ersten Violinsonate und dem Oktett; mit der Partita und der Klaviersonate konnte er seine Reputation festigen. Im Krieg assistierte er Myra Hess bei der Organisation der alltäglichen Mittagskonzerte mit Kammermusik in der National Gallery. Zu den späteren Werken gehören die Five Bagatelles für Klavier, die Zweite Violinsonate und die beiden Chorwerke Amore langueo und The Dream of the Rood aus den 1950er Jahren. Danach beschloss Ferguson für sich, dass er als Komponist alles gesagt habe, und betätigte sich fortan als Musikwissenschaftler, indem er u.a. sämtliche Solowerke Schuberts edierte. Er war auch als Pianist bekannt und lehrte Komposition an der Royal Academy of Music.

Fergusons Konzert für Klavier und Streicher ist ein Auftragswerk des Council for the Encouragement of Music and the Arts (Northern Ireland) für das Festival of Britain 1951. Der Komponist selbst war Solist bei der Uraufführung mit dem City of Belfast Orchestra unter Denis Mulgan im Juni 1951. Das Konzert ist klassisch in Konzeption und Umfang, was etwa an dem ausgedehnten mozartischen Eingangstutti deutlich wird, in dem alle Hauptthemen erklingen. Gegen Ende des Satzes folgt eine längere Kadenz des Solisten, gefolgt von einer kurzen Koda, in der die Musik schwächer wird bis hin zu einem rätselhaften Abschluss. Ein Thema und sechs Variationen sind das Herzstück des Werks. Das traurige Thema wird vom Klavier in den ersten beiden Variationen ausgeschmückt. Die dritte Variation bringt eine kurze Aufhellung, während sich in der vierten brütende Selbstbetrachtung breit macht. Die fünfte Variation beginnt und endet zart, wird in der Mitte aber von einem Animato überwältigt. Der Höhepunkt des Satzes ist mit einer festlichen Ausformung des Themas erreicht. Das Konzert gipfelt in einem sorglos-lebhaften Rondo, dessen Themen in spielfreudiger Abfolge kommen und gehen.

Andrew Burn
Deutsche Fassung: Thomas Theise


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