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8.557347 - BRUCH: 8 Pieces, Op. 83 / INDY: Clarinet Trio, Op. 29
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Max Bruch (1838-1920): Acht Stücke op. 83
Vincent d’Indy (1851-1931): Trio B-Dur op. 29

Max Bruch entwickelte sich vom musikalischen Wunderkind zu einem hochtalentierten Komponisten von vielseitigen schöpferischen Fähigkeiten.. Während seiner langen Karriere schuf er eine Vielzahl technisch anspruchsvoller und melodisch eingängiger Kompositionen. Dass er sich neben den großen Orchesterwerken, von den besonders das g-Moll- Violinkonzert Unsterblichkeit erlangte, nahezu allen Gattungen widmete, ist heute weitgehend vergessen. Bereits als junger Komponist stand Bruch den Neuerungen der ‚Zukünftler’ Wagner und Liszt kritisch gegenüber und fühlte sich eher mit Mendelssohn und Brahms verbunden. Sein starres Festhalten an konservativen Werten, traditionellen Formen und Harmonien hatte freilich zur Folge, dass sich die gegen Ende seines Lebens entstandenen Werke kaum von ihren sechzig Jahre zuvor komponierten Vorgängern unterscheiden. Bei aller Instrumentierungskunst und melodischer Erfindungsgabe stand am Ende seines Lebens das Fazit eines zwar gesellschaftlich hochdekorierten, aber künstlerisch isoliert hinter seiner Zeit zurückgebliebenen Komponisten. Viele seiner Werke sind jedoch zu Unrecht in Vergessenheit geraten.

Die Acht Stücke für Klarinette, Violoncello (oder Viola) und Klavier op. 83 schrieb Bruch 1910 in Berlin. Obwohl zu einer Zeit entstanden, in der viele Komponisten bereits mit modernen Ausdrucksmitteln experimentierten, sind diese Miniaturen noch einem vollends romantischen Musikempfinden verpflichtet: Der klangintensiven Instrumentierung entsprechen lyrisch-gesangliche Melodien, dramatische Elemente und eine üppige Harmonik. Obwohl nur zwei Stücktitel – Rumänische Melodie und Nachtgesang – deskriptiver Art sind, eignet allen acht Miniaturen in der Ausformung charakteristischer Stimmungen oder Ideen ein durchaus programmatischer Gedanke. Der besondere Reiz dieser Stücke besteht darin, dass Bruch mit feinem Gespür die individuellen Klangfarben der einzelnen Instrumente nachzeichnet.

Vincent d’Indy entstammte einer südfranzösischen Adelfamilie, die über Jahrhunderte hinweg im Militärdienst tätig war. Obwohl er bereits früh durch sein musikalisches Talent auffiel und sich im Klavierspiel hervortat, begann er erst als Achtzehnjährigem während einer Italienreise ernsthaft an eine musikalische Karriere zu denken. Auf Empfehlung seines Freundes Henri Duparc begann er – nach aktiver Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg – 1872 ein Studium am Pariser Conservatoire, wo César Franck den entscheidenden Einfluss auf seinen kompositorischen Stil ausübte; weitere Vorbilder waren Beethoven und Wagner. Später wurde d’Indy selbst zu einem der bedeutendsten international Musikpädagogen, dessen Kompositionslehre bis heute in Frankreich von großem Einfluss ist. Seine eigenen Werke sind von kirchlicher wie volkstümlicher Musik gleichermaßen inspiriert.

Das Trio B-Dur für Klarinette, Violoncello und Klavier op. 29 von 1888 ist das erste bedeutende Werk in d’Indys reifem Stil. Obwohl keinem spezifischen Modell verpflichtet, ist César Francks Postulat der strukturellen Einheit in diesem Kammermusikwerk deutlich erkennbar. Von den einzelnen Gedanken, die an verschiedenen Stellen wiederkehren, kommt vor allem dem ersten Thema eine strukturübergreifende Funktion zu. Es wird in allen vier Sätzen entweder als Melodie oder als Begleitung in Kombination mit anderem thematischen Material verwendet. Als Pianist, der gelegentlich auch Cello und Klarinette spielte, konnte d’Indy den Klangcharakter der einzelnen Instrumente aus eigener Praxis idiomatisch nachempfinden. Das Trio blieb Zeit seines Lebens eines seiner Lieblingswerke. Es diente ihm als Beispiel in seinen Kompositionsklassen, und er spielte den Klavierpart in ungezählten öffentlichen Aufführungen.

Amici Ensemble
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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