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8.557459 - SEIXAS, C. de: Harpsichord Works (Complete), Vol. 1 (D. Halasz)
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Carlos de Seixas (1704-42)
Cembalosonaten Folge 1

José Antonio Carlos de Seixas wurde am 11. Juni 1704 in Coimbra geboren und übernahm mit kaum vierzehn Jahren das Amt seines Vaters Francisco Vaz als Domorganist seiner Heimatstadt. Als Sechzehnjähriger ging er nach Lissabon, wo er Organist der Hof- und Domkapelle wurde. Seine frühen Fertigkeiten auf den Tasteninstrumenten und als Komponist machten ihn bald zu einem der wichtigsten Musiker Portugals, und schließlich wurde er 1738 aufgrund seiner Leistungen durch König Johann V. in den Ritterstand erhoben. Wie sein Kollege Domenico Scarlatti war er ein fleißiger Komponist, der sich vor allem auf dem Gebiet der Claviermusik hervortat und insgesamt rund siebenhundert Werke schuf. Man vermutet, dass viele seiner Stücke dreizehn Jahre nach seinem Tode bei dem verheerenden Erdbeben von Lissabon (1755) vernichtet wurden: Nur wenige Chorwerke aus seiner Feder sind erhalten, obwohl man annehmen darf, dass er von Amts wegen auch in diesem Bereich recht aktiv war. Seine Cembalosonaten sind nur in Abschriften von fremder Hand überliefert. Eine Edition von achtzig Sonaten hat der inzwischen verstorbene Wissenschaftler Macario Santiago Kastner herausgegeben, der wesentliches bei der Erforschung der älteren portugiesischen Musik geleistet hat.

Um 1723 kam Domenico Scarlatti als mestre da capela nach Lissabon, wo er bis 1729 blieb. Als dann seine Schülerin, die Infantin Maria Barbara, den spanischen Thronerben heiratete, begleitete er sie nach Spanien. Der portugiesische Infant Don Antonio war anscheinend der Ansicht, dass Seixas der Unterweisung durch den neunzehn Jahre älteren Kollegen bedürfe. Dieser erkannte die Fähigkeiten des jungen Mannes von Anfang an und soll gegenüber dem Infanten erklärt haben, dass Seixas einer der besten Musiker sei, die er je gehört habe. Da sich die Werke von Seixas ebenso schwer datieren lassen wie diejenigen Scarlattis, wurde die Frage nach der gegenseitigen Beeinflussung aufgeworfen. Gewiss teilten die beiden Musiker dieselbe Clavier-Tradition, die wohl von italienischen Komponisten herkam, doch weiteres lässt sich nicht bestimmen. Scarlatti hat die Gattung der Sonate im Laufe seiner längeren Karriere in den Esercizi erheblich weiterentwickelt, während Seixas dazu die Zeit fehlte: Er starb am 25. August 1742 mit 38 Jahren in Lissabon. Die Sonaten der beiden Komponisten, die bis 1729 zusammenarbeiteten, weisen Gemeinsamkeiten in Form, Textur und verwendetem Tonumfang auf, doch diese Charakteristika finden sich auch in anderen Clavier-Stücken der Zeit.

In der Einleitung zu seiner Edition wies Kastner darauf hin, dass Seixas sehr wohlhabend war und sowohl beim König wie auch beim Adel höchstes Ansehen genoss. Anders als Scarlatti, der nur bei Hofe wirkte, wo er seine königliche Schülerin unterwies und zur Unterhaltung des höfischen Publikums komponierte, hatte Seixas Clavier-Stücke für eine vielgestaltigere Klientel zu liefern. Einige seiner Sonaten verdankten sich seiner Eigenschaft als Organist, mithin dem Bedarf an Orgelsoli und liturgisch einsetzbaren Stücken, andere hingegen schrieb er zum eigenen Konzertvortrag sowie für Schüler von unterschiedlichen Fertigkeiten. Er verinnerlichte den italienischen Einfluss, der seinen Weg auf die iberische Halbinsel gefunden hatte, ohne die musikalischen Traditionen Spaniens und Portugals aus dem Auge zu verlieren. Andere Aspekte seines Stils schreibt Kastner dem Umfang und der Art der Tasteninstrumente zu, für die Seixas komponierte.

Die Sonate Nr. 36 e-moll (die Numerierung erfolgt nach Kastner) beginnt mit einem ausgedehnten, zweiteiligen Satz, dessen Hälften jeweils wiederholt werden. Charakteristisch ist hier neben typischem Figurenwerk und vielen Sequenzen auch die Verwendung von Oktaven in der linken Hand, mit denen wohl der Bass der Instrumente verstärkt werden sollte, für die Seixas komponierte. Die Sonate endet mit einem eleganten Menuett.

Die einsätzige Sonate Nr. 19 D-dur erlangt einiges an Virtuosität, nicht zuletzt durch das rasche Überschlagen der Hände. Weite Sprünge und mancherlei Oktavierungen in der linken Hand findet man in diesem Stück, dessen Figurenwerk an eine Toccata erinnert.

Die Sonate Nr. 18 c-moll enthält einige Elemente der Suite – zumindest in den variierten Sätzen. Den Auftakt bildet eine Arie (Largo), worauf ein energisches, zweiteiliges Allegro mit den üblichen Abschnittswiederholungen folgt. Ein kurzes, modulierendes Adagio wird von einer Giga gekrönt – einem Tanz, mit dem man Suiten oder Kammersonaten zu beschließen pflegte.

Die Sonate Nr. 34 E-dur beginnt mit einem lebhaften Presto, das in Textur, Form und Figuration an das von Scarlatti bekannte Idiom erinnert. Das anschließende Menuett bietet im Kontrast dazu einen transparenten, zweistimmigen Tanzsatz.

Die Arpeggien am Anfang der einsätzigen Sonate Nr. 44 f-moll und das Überschlagen der Hände verlangen vom Spieler eine gewisse Virtuosität. Wieder wird die Basslinie durch zahlreiche Oktaven der linken Hand verstärkt.

Die Oberstimme der Sonate Nr. 43 f-moll ist lyrischer Natur; außerdem bemerkt man in einer aufsteigenden Skalenfigur ein chromatisches Element. Das nachfolgende Menuett in F-dur hat etwas Martialisches an sich.

Die Sonate Nr. 24 d-moll mit ihren ornamentierten Wiederholungen des Grundtons ist ein stürmisches Stück. Die beiden Formabschnitte enden jeweils mit Tonrepetitionen und einer finsteren Appoggiatur.

Die Sonate Nr. 27 d-moll besteht aus drei Sätzen. Das Allegro beginnt mit einem Schlag. Der absteigenden Skala folgt dann ein aufsteigendes Arpeggio, worauf rasche Tonwiederholungen und weite Sprünge in der begleitenden Unterstimme erscheinen. Das Menuett liefert einen eleganten Kontrast, und am Ende steht ein Stück im lebhaften Dreiertakt.

Die Sonate Nr. 42 f-moll beginnt mit einer Imitationsfigur, die von der rechten Hand vorgestellt und von der linken beantwortet wird. Man bemerkt häufige Oktavierungen in der linken Hand und den fortgesetzten Gebrauch der Einleitungsfigur. Das anschließende Menuett bietet mit seinen Triolen abwechslungsreiche Rhythmen.

Die Sonate Nr. 37 e-moll beginnt mit einem charakteristischen ersten Satz. Die nachfolgende Arie (Adagio) endet auf einem Dominantakkord, worauf ein Menuett den Schlusspunkt setzt.

Mit grandiosen Akkorden beginnt die Sonate Nr. 57 A-dur, deren erster Satz durch weite Sprünge der linken Hand, antiphonale Figuren, chromatische Elemente und die Verwendung von Terzen gekennzeichnet ist. Kastner hebt diesen Satz aufgrund seiner reichen Textur und Harmonik besonders hervor. Das Adagio steht in der ungewöhnlichen Tonart fis-moll; die Melodie der rechten Hand wird weitgehend von Oktaven der linken Hand begleitet. Es folgt ein fröhliches A-dur-Finale.

Die Sonate Nr. 10 C-dur hat einen ausgedehnten ersten Satz, dessen Material beträchtliche Entwicklungen erfährt. Terzgänge, typisch Scarlattische Figuration, Arpeggien, Sequenzen und chromatische Elemente bestimmen die Diktion. Durch die übliche Wiederholung der beiden Formteile entsteht der längste der hier eingespielten Sätze. Ein delikates Gegenstück bietet das Menuett mit seinen klareren Texturen.

Sonate Nr. 50 in g-moll ist ein technisch anspruchsvoller Satz mit Tonwiederholungen, Oktaven und chromatischen Fortschreitungen, die die vorliegende Sammlung zu einem virtuosen Abschluss bringen.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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