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8.557578 - ABIDE WITH ME AND OTHER FAVOURITE HYMNS
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Abide with me und andere beliebte Kirchenlieder

Hymnen (griech. hymnos = Gesang, Lobgesang) in der Sprache des jeweiligen Volkes gehören zu den Charakteristika der protestantischen Reformation. Sie haben sich im Laufe der Jahrhunderte ebenso verändert wie das die christlichen Anschauungen und Riten taten. Die deutschen Lieder von Martin Luther – Choräle mit zum Teil aus den lateinischen Gesängen der katholischen Kirche hergeleiteten Texten und Melodien – wurden zum spezifischen und wesentlichen Element des lutherischen Gottesdienstes, während extremere Reformatoren nach dem Vorbilde des Genfer Johannes Calvin die Übersetzung der Psalmen bevorzugten. Dieses Schema übernahmen Sternhold und Hopkins in den metrischen Psalter von 1562, der 65 Melodien des Genfer Psalters enthält. Spätere Generationen erweiterten mit unterschiedlichem Erfolg das Repertoire an volkstümlichen Gesängen. George Wither erreichte im Jahre 1623, dass jede Publikation der metrischen Psalmen in einem Band mit seinen Hymnes and Songs of the Church (Lobgesänge und Lieder der Kirche) herausgegeben werden sollte, an denen auch Orlando Gibbons mitgearbeitet hatte. Die Buchhändlergilde hatte aber ihr eigenes Monopol zu schützen und vereitelte Withers Bemühungen um seine eigenen, mäßigen Verse. Im späteren 17. Jahrhundert veröffentlichte Playford Hymnen-Sammlungen, und im Jahre 1700 erschien das Supplement to the New Version of the Psalms (Nachtrag zur neuen Fassung der Psalmen) von Tate und & Brady, eine Kompilation, die auch einige Hymnen enthielt. Der Hofpoet Nahum Tate, von dem das Libretto zu Purcells Dido and Aeneas stammt, lebt als Hymnendichter in seinem While shepherds watched weiter. Auch kennt man seinen Namen in den zusammen mit Nicholas Brady geschaffenen Hymnen As pants the hart, Through all the changing scenes of life und Have mercy, Lord, on me.

Das 18. Jahrhundert brachte die wichtigen Hymns and Spiritual Songs von Isaac Watts hervor, dessen beliebteste Hymnen noch heute in Gebrauch sind. Seinen Einfluss spürt man deutlich in den Hymnen von Charles Wesley sowie in den volkstümlichen, stark vom Liedgesang geprägten Andachten, für die sich die Wesleys stark machten, als sich der Methodismus entwickelte, der die etablierte Kirche herausforderte. Einige dieser Hymnen gelangten in den anglikanischen Gottesdienst, obwohl die Traditionalisten Einwände gegen jede Veränderung der Liturgie erhoben, die durch das Gesetz befestigt und im Book of Common Prayer festgeschrieben ist. Infolgedessen erlebte das 19. Jahrhundert eine Blüte des anglikanischen Hymnus, der jetzt auch auf protestantische und katholische Quellen zurückgriff. Einen geeigneten anglikanischen Kompromiss zwischen diesen Vorbildern erreichten 1861 die Hymns Ancient and Modern (Alte und moderne Hymnen), eine Sammlung, die größte Verbreitung fand und einer Vielzahl theologischer Anschauungen zupass kam, obwohl sie ursprünglich vom traktarianischen Gedankengut inspiriert war. Das 1906 von Percy Dearmer herausgegebene und von Ralph Vaughan Williams musikalisch redigierte English Hymnal hat die Hymns Ancient and Modern wohl nur deshalb nicht verdrängt, weil sie trotz ihrer Adresse („allen aufgeschlossenen Menschen“) als zu „katholisch“ galt. Die 1925 veröffentlichten Songs of Praise (Lobgesänge) wurden weniger wohlwollend aufgenommen, da sie zugunsten neuer Melodien auf Teile des volkstümlichen viktorianischen Repertoires verzichteten.

Die vorliegende Anthologie englischer Hymnen beginnt mit All people that on earth do dwell (Alle Menschen, die auf Erden leben) von William Kethe aus Daye’s Psalter von 1500/01 mit der Genfer Psalmenmelodie Old Hundredth, die John Dowland 1621 für Ravenscroft’s Psalter harmonisierte.

Es folgt Dear Lord and Father of mankind (Lieber Gott und Vater aller Menschen) auf Worte des amerikanischen Quäkers und Poeten John Greenleaf Whittier, der auch die Ballade Barbara Frietchie schrieb. Die Musik ist aus Hubert Parrys Judith. George Herberts King of glory, King of peace (König der Ehre, König des Friedens) ist auf die walisische Hymnenmelodie Gwalchmai des viktorianischen J.D. Jones gesetzt, indessen Athelstan Rileys Ye watchers and ye holy ones die Melodie des Laßt uns erfreuen aus dem Kölner Geistlichen Liederbuch von 1623 verwendet. Let all mortal flesh keep silent (Alles sterbliche Fleisch soll schweigen) schuf der viktorianische Hymnenautor Gerard Moultrie nach der griechischen Liturgie des Hl. Jakob. Die eindrucksvolle Melodie des Picardy entstammt einem traditionellen Weihnachtslied aus Frankreich.

Die walisische Hymnenmelodie St Denio gehört üblicherweise zu Immortal, invisible, God only wise (Unsterblich, unsichtbar, Gott allein der Weise) des schottischen Geistlichen Walter Chalmers Smith, einem Präsidenten der Free Church of Scotland. Für All my hope on God is founded (All meine Hoffnung ruht auf Gott) übersetzte Robert Bridges einen Lobgesang von Joachim Neander. Die Melodie Michael von Herbert Howells erinnert daran, dass der Komponist seinen neunjährigen Sohn 1935 auf tragische Weise durch Kinderlähmung verlor. Darauf folgt The Lord’s my shepherd (Der Herr ist mein Hirte), die Übersetzung des Psalms 23 aus dem Scottish Psalter von 1650, wird auf eine Melodie gesungen, die Jessie Irvine, die Tochter eines schottischen Geistlichen aus dem 19. Jahrhundert, erfunden hat. Tell out, my soul (Sag an, meine Seele) ist eine Dichtung von Timothy Dudley-Smith, dem Bischof von Thetford von 1981 bis 1991. Die Melodie Woodlands stammt von Walter Greatorex, der von 1911 bis zu seinem Tode 1949 an der Gresham’s School, Holt, unterrichtete, wo er offenbar wenig für die musikalischen Ambitionen eines gewissen Benjamin Britten tat, der diese Schule besuchte. Für Christ is made the sure foundation (Christus ward der sichere Grund) hat John Mason Neale den lateinischen Offiziumsgesang Angularis fundamentum übersetzt. Gesungen werden die Worte auf eine Bearbeitung der Melodie Westminster Abbey von Henry Purcell.

Grundlage des Come down, O Love divine (Steig’ hernieder, göttliche Liebe) ist Bianco da Sienas Discendi, Amor santo aus dem 15. Jahrhundert, das der viktorianische Kleriker und Theologe Richard Frederick Littledale übersetzt hat. Die Melodie Down Ampney stammt von Vaughan Williams. Darauf folgt Praise to the Lord, the Almighty, the King of creation – eine Übertragung des lutherischen Lobe den Herren, die Catherine Winkworth und andere hergestellt haben. Das Original stammt von dem pietistischen Theologen, Dichter und Komponisten Joachim Neander, dessen Lobgesänge weitgehend den metrischen Vorlagen des Genfer Psalters folgen und sich entweder auf die Weisen des genannten Buches oder Neanders eigene Kompositionen singen ließen. Hier wird eine Melodie aus dem 1665 erschienenen Stralsunder Gesangbuch verwendet. William Blake hatte sein Jerusalem ursprünglich für einen ganz anderen Zweck geschrieben; heute wird es aber üblicherweise zu der begeisternden Musik gesungen, die Hubert Parry 1916 komponierte.

Die Worte des Abide with me (Bleibe bei mir) schrieb der schottische Geistliche Henry Francis Lyte, der 1833 seine Poems chiefly Religious (Hauptsächlich geistliche Gedichte) veröffentlichte. Die bekannte Melodie Eventide (Abendzeit) verfasste der traktarianische Organist und Chorleiter William Henry Monk, der für die musikalische Redaktion der Hymns Ancient and Modern verantwortlich war.

Die Worte zu Alleluya, sing to Jesus schrieb der aus Bristol stammende William Chatterton Dix, dessen zweiter Name vom literarischen Interesse seines Vaters spricht. Die Weise Hyfrydol (Gute Laune) ist ein Werk des walisischen Hymnenkomponisten Rowland Huw Prichard, der 1811 in Bala geboren wurde und später in Holywell angestellt war, wo er 1887 starb. Ye holy angels bright (Ihr leuchtenden heiligen Engel) schrieb der Gottesmann Richard Baxter im 17. Jahrhundert. Diesen Text erweiterte John Hampden Gurney im 19. Jahrhundert. Die Weise Darwall’s 148th stammt von John Darwall, einem Vikar an St. Matthew’s zu Walsall aus dem 18. Jahrhundert, der auch am Psalter von Tate und Brady mitgearbeitet hat. Darauf folgt My song is love unknown (Mein Lied ist ungekannte Liebe) von Samuel Crossman, der mit den Puritanern sympathisierte, dann aber nach der Restauration (1660) bereute und Dekan der Kathedrale von Bristol wurde. Der Hymnus wurde 1664 in seinen The Young Man’s Meditation veröffentlicht. Die Melodie stammt von dem englischen Komponisten John Ireland (1879-1962).

Das Holy, holy, holy! Lord God Almighty! (Heilig, heilig, heilig! Allmächtiger Herr und Gott) stammt von Bischof Reginald Heber, der seit 1823 kurze Zeit Bischof von Kalkutta war. Die Weise Nicaea ist von John Bacchus Dykes, dem Kantor der Durham Cathedral und einem der dramatischsten Hymnenkomponisten des viktorianischen Zeitalters, der in der Erstausgabe der Hymns Ancient and Modern mit sechzig Hymnen vertreten ist. Glorious things of thee are spoken enthält einen Text von John Newton, der in jungen Jahren ein abenteuerliches Leben führte, sich dann aber in Olney als Hilfsgeistlicher niederließ und mit dem Dichter William Cowper die Olney Hymns herausbrachte. Das Lied wurde früher üblicherweise auf Haydns Kaiser- Hymne (mithin die Melodie der deutschen Nationalhymne) gesungen; nachdem diese aber für ungeeignet gehalten wurde, koppelte man die Worte mit der Weise Abbot’s Leigh von Cyril Taylor, dem Kantor der Kathedralen von Bristol und Salisbury. O for a thousand tongues to sing (O tausend Zungen sollen singen) von Charles Wesley ist hier auf die Melodie von Arden zu hören. Darauf folgt Praise, my soul, the King of Heaven, ein weiteres Beispiel der viktorianischen Hymnodie: Die Worte stammen von Henry Francis Lyte, die Musik von Sir John Goss, der bei dem Mozart- Schüler Attwood ausgebildet wurde, diesem als Organist der St. Paul’s Cathedral nachfolgte und zudem Komponist der Chapel Royal war.

O praise ye the Lord schrieb Sir Henry Williams Baker; dazu wird das Laudate Dominum des Organisten Henry John Gauntlett gesungen, der von Samuel Wesley ausgebildet wurde und mehrere hundert Hymnenmelodien verfasste.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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