About this Recording
8.557599 - BAX: Symphonic Poems
English  German 

Arnold Bax (1883–1953)
Sinfonische Dichtungen

 

Arnold Bax wurde als Sohn kultivierter und wohlhabender englischer Eltern in Streatham geboren. Seine Kindheit verbrachte er überwiegend in Hampstead, wohin die Familie später übersiedelte; dort erhielt er Privatunterricht und wurde stark von dem kultivierten und behaglichen Milieu geprägt, das ihn umgab. Bax’ frühes Interesse an Musik brachte seinen Vater, einen Anwalt, dazu, ihm den Eintritt in die Royal Academy of Music in London im Alter von siebzehn Jahren zu erlauben. Dort wurde er Klavierschüler von Tobias Matthay und erhielt Kompositionsunterricht von dem Wagnerianer Frederick Corder.

Im Jahr 1902 lernte Bax das Gedicht „The Wanderings of Usheen“ (Osins Wanderungen) des irischen Dichters William Butler Yeats (1865–1939) kennen und entdeckte in sich eine starke keltische Identität, obwohl er von einer lange in East Anglia ansässigen Familie abstammte. Zusammen mit seinem Bruder, dem Schriftsteller Clifford Bax, unternahm er eine erste Irland-Reise, die beide begeisterte. Dort ließen sie sich eine Zeit lang nieder und traten in Verbindung mit den führenden Köpfen des irischen Kulturlebens. Bax selbst gewann Ansehen als Dichter und Schriftsteller; für seine literarischen Bestrebungen nahm er den Namen Dermot O’Byrne an und studierte die irische Legende und die altirische Sprache.

Eine Reise nach Russland mit einem ukrainischen Mädchen, das er in London kennen gelernt hatte, und ihrem italienischen Freund vermittelte einen weiteren Einfluss auf seine kulturelle Prägung. Während seine Bemühungen um die junge Frau nichts brachten, konnte er einiges vom Geist der – weltlichen und geistlichen – russischen Musik aufnehmen. Er war geradezu geblendet vom Glanz des kaiserlichen Balletts, wie er es später in London von Serge Diaghilews Balletts Russes sein würde. Nach der Rückkehr heiratete er die Tochter des seinerzeit hervorragenden spanischen Pianisten Carlos Sobrino und erhielt von seinem Vater ein Haus geschenkt. Bald darauf mietete das Paar ein Haus in Irland, kehrte dann aber nach England zurück, um an verschiedenen Orten zu leben. Schließlich trennten sie sich, was Bax die Möglichkeit eröffnete, seinen musikalischen und amourösen Bestrebungen frei nachzugehen. Sein produktives Schaffen erreichte seinen kreativen Höhepunkt in den Jahren bis 1930, als auch die hier präsentierten Tondichtungen entstanden. Später wurde er zum Master of the King’s Music berufen, in eine Position, die seinen Talenten und seinem Temperament nicht gerade entsprach, es ihm aber erlaubte, 1952 den Coronation March zu komponieren. Arnold Bax starb im Jahr darauf während eines Aufenthalts in Irland.

Tintagel verdankt sich in hohem Maße der Beziehung zu der jungen Pianistin Harriet Cohen. Im Spätsommer 1917 hatten beide einige Ferienwochen in Tintagel in Cornwall verbracht. Das daraus entstandene Tongedicht ist ihr gewidmet und sollte die populärste von Bax’ Kompositionen werden. Für eine Aufführung in Leeds 1922 steuerte der Komponist eine Programmanmerkung bei, in der er erklärte, seine Intention sei, „einfach eine Tonimpression von der burgbekrönten Klippe von ... Tintagel zu geben, und mehr noch von der großen Ausdehnung des Atlantiks, wie von den Klippen von Cornwall an einem sonnigen, aber nicht windstillen Sommertag zu sehen.“ Er hatte aber auch die Verbindungen der Burgruine zur Legende im Sinn, die Geschichten von König Arthur und König Mark, von Tristan und Isolde. Das erste Thema in den Bläsern scheint die Burg zu repräsentieren, während die folgende Streichermelodie die Weite des Meeres darstellt. In einem turbulenteren Abschnitt werden die mit Tintagel verbundenen historischen Ereignisse reflektiert. Es folgt ein Höhepunkt mit dem Toben des Meeres, das nachlässt. Die Burg bleibt „immer noch stolz gegenüber der Sonne und dem Atem der Jahrhunderte“ zurück.

The Garden of Fand, ein früheres Werk, wurde 1916 vollendet. Bax bezeichnete es als das letzte seiner irischen Werke. In seiner Einführung zur publizierten Partitur erklärt er, dass der Garten der Fand das Meer sei. Zunächst zeigt sich eine ruhige See, auf der ein kleines Schiff in den Sonnenuntergang segelt, um dann von einer Welle an das Ufer von Fands geheimnisvoller Insel geworfen zu werden. Dort werden die Reisenden in die endlosen ausgelassenen Lustbarkeiten verfangen. Fand singt ihr Lied der Liebe, womit sie die Herzen ihrer Zuhörer für immer fesselt: Es wird getanzt und gefeiert. Dann schwillt die See an und überflutet die Insel; sie lässt die Unsterblichen auf den Wellen reiten und lacht die Sterblichen, die in der Tiefe des Ozeans versinken, aus. Es dämmert und die See wird wieder ruhig – von Fands Garten ist nichts mehr zu sehen. Die Geschichte von Fand ist Teil der Saga von Cuchulain, dem großen Helden der irischen Legende.

Die Tondichtung The Happy Forest wurde als kurze Partitur im Mai 1914 vollendet. 1921 orchestrierte Bax das Werk, das dem Dirigenten und Komponisten Eugène Goossens (1893–1962) gewidmet ist, der auch die Uraufführung im Juli 1923 in London leitete. Im Titel als Nature Poem (Naturgedicht) bezeichnet, hat das Werk eine literarische Quelle: ein Prosagedicht von Herbert Farjeon, erschienen in der Vierteljahresschrift Orpheus, die Clifford Bax herausgab. Die Farjeons waren Nachbarn und Freunde in Hampstead, und Herbert Farjeon gewann beträchtliches Ansehen als Theaterkritiker und Autor von Revuesketchen. Hier liefert er aber eine pastorale Szene, die an die Welt von Mallarmé und Debussy denken lässt. Der Autor liegt im Waldland, umgeben von wilden Blumen, und beobachtet eine Lichtung, auf der um die Mittagsstunde zwei Schäfer mit Gedichten zum Preis ihrer Geliebten wetteifern. Die Szene wiederholt gleichsam die klassischen Eklogen und die Bukolik von Virgil oder Theokrit. Ein dritter Schäfer tritt hinzu, verleiht einem der beiden den Siegerkranz und spielt seine Flöte. Ein Satyr, vielleicht Pan selbst, kommt, singt und führt die Schäfer an, einen nach dem anderen, bis die Prozession tanzend in der Ferne verschwindet. Herbert Farjeons Prosagedicht ist in der maßgeblichen Bax-Studie von Lewis Foreman vollständig wiedergegeben.

The Tale the Pine Trees Knew vollendete Bax Ende 1931. Das Werk reflektiert Bax’ Beziehung zu Schottland. In seinen Programmanmerkungen über das Werk schreibt er, dass er „an zwei von Kiefern dominierte Landschaften gedacht hat – an Norwegen und den Westen Schottlands –, aber auch an die altnordischen Sagas und die wilden traditionellen Legenden der Hochlandkelten“. Er verneint dann aber ein eigentliches Programm oder Narratives. Das Hauptthema ist den Bläsern übertragen, nachdem die huschenden Streicher so etwas wie den Wind, der durch die Bäume streicht, angedeutet haben. Es folgt ein langsamerer Mittelabschnitt, bevor die Rückkehr zum Hauptthema anhebt, das zur abschließenden Ruhe eines Violinsolos führt, als würden sich die keltischen Nebel wieder verdichten.

Das bewegende November Woods wurde 1917 vollendet. Bax legte Wert darauf, dass das Werk nicht als bloße Beschreibung eines spätherbstlichen Waldes in den Chilterns wahrgenommen wird, nasskalt und stürmisch, vielmehr als Spiegelung seiner eigenen problematischen Erfahrungen in jener Zeit. So vermittelt das zweite Thema ein Gefühl von vergangenen besseren Tagen. Das Hauptthema formt das Material des ersten Teils der Tondichtung, dessen variierte Texturen zu einem zweiten Thema überleiten nach dem seltsamen Geklapper trockenen Reisigs von den Celli, das kurz die Passage mit einer Oboenmelodie markiert, die diesem Andante con moto unmittelbar vorausgeht. Eine Melodie für Englischhorn, Fagott und Viola, gefärbt vom Klang der Celesta, erreicht hier einen Höhepunkt an Empfindung. Eine Solovioline erklingt – gefolgt von vier, dann acht Violinen – in einer farbigen Textur, die fortfährt, das wechselnde Wetter einer Winterszene vorzustellen, in welcher der Wind die Reglosigkeit eisiger Kälte herbeiführt. In der Struktur des Werkes finden sich viele Elemente der dreiteiligen Sonatenform. Früheres Material kehrt in veränderter Instrumentierung wieder und führt zu einem freundlichen Abschluss, bei dem die Bassklarinette im Nichts verklingt.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Thomas Theise


Close the window