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8.557610 - VIRTUOSO TIMPANI CONCERTOS
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VIRTUOSE PAUKENKONZERTE

André Philidor (c.1647–1730) und Jacques Philidor (1657-1708): Marche de Timballes

Johann Carl Christian Fischer (1752–1807): Symphonie mit acht obligaten Pauken

Johann Melchior Molter (1696–1765): Sinfonia Nr. 99 in F major

Johann Christoph Graupner (1683–1760): Sinfonia a 2 corni, timpani, 2 violini, viola, e cembalo

Georg Druschetzky (1745–1819): Concerto per sei timpani • Partita in C

Die Werke dieser CD verdeutlichen den interessanten Unterschied zu der im 18. Jahrhundert gebräulichen Besetzung mit 2 Pauken und 2 Trompeten, wobei die Pauken jeweils in den Grundtönen von Tonika und Dominante gestimmt waren. Die avantgardistischen Versuche, mehrere Pauken in verschiedenen Tonhöhen zu verwenden, um die harmonische und melodische Struktur der Musik zu verstärken, wiederholten sich noch einmal in Werken des frühen 19. und 20.Jahrhunderts, als die Pedalmechanik erfunden wurde. Mit dem Ausdruck “multiple timpani” könnte man diese Musik am ehesten umschreiben.

Das Duo der Gebrüder Philidor ist typisch für den älteren, halbimprovisierten Stil der Militärpauker. Die Werke von Graupner und Molter sind beispielhaft für die elegante, symphonische Musik bei Hofe, bei der die Pauke die Bass-Stimme verstärkt. Fischer übernimmt diese Tradition, bezieht aber noch mehr solistische Passagen ein und Druschetzky zeigt die virtuosen Möglichkeiten auf.

Im 17.Jahrhundert beziehen sich immer wieder schriftliche Quellen auf den Einsatz von Pauken in der Militärmusik. Manuskripte aus der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts, die in Deutschland und Frankreich erhalten geblieben sind, belegen zuverlässig eine weitreichendere Nutzung dieser Instrumente. Zu den bekanntesten Dokumenten gehören mehrere Abschriften von André und Jacques Philidor, die Musiker und Bibliothekare am Hofe Ludwig XIV. in Versailles waren.

Die Philidor Brüder schrieben ihren Marsche á quattre timbales 4 für das Caroussel des Jahres 1685,am Hofe Ludwig XIV. Das Werk ist ein Duo für zwei Paukenpaare, die in den Tönen G und c beziehungsweise e und g gestimmt sind. Ein Anfangsmotiv verbindet 17 Couplets. Homorhythmische Abschnitte stehen synkopischen und nachahmenden Passagen gegenüber. Der Schlussteil ist ein virtuoser Kraftakt. Alexander Peter erhöht diese Virtuosität noch um einiges, indem er beide Stimmen gleichzeitig spielt.

Die Symphonie für 8 obligate Pauken und Orchester 5-7 wurde fast zweihundert Jahre lang Johann Wilhelm Hertel (1727-1789) zuge-schrieben, da sie mit seinen anderen Sinfonien gebunden vorliegt. Reinhard Diekow ordnet jedoch 1977 in seiner Dissertation “ Studien über das Musikschaffen Johann Christian und Johann Wilhelm Hertels” an der Wilhelm- Pieck Universität in Rostock dieses Werk letztendlich aus stilistischen Gründen endgültig Johann Carl Christian Fischer (1752-1807) zu. Fischer war Musikkopist, Musiker und Theaterdirektor auf Schloss Ludwigslust in der Nähe von Schwerin, in Anstellung bei Herzog Friedrich Franz I. Fischer schrieb seine Sinfonie, die 4 Paukenpaare, 2 Trompeten, 2 Oboen und Streicher erfordert, wahrscheinlich in den 80-er Jahren des 18.Jahrhunderts oder 1792,vor seinem Ruhestand. Der Anlass war eine festliche Unterhaltung im herrlich ausgeschmückten Haupttanzsaal, dem Goldenen Saal des Schlosses.Die Sinfonie in C-Dur ist das erste bekannte Konzert für Pauken und zeichnet sich besonders durch eine ausgeschriebene Kadenz am Ende des ersten Satzes aus. Die acht Pauken sind in den Tönen G, A, H, c, d, e, f und g gestimmt.

Der erste Satz ist in lockerer Konzertform gehalten und setzt ausschmückende Solopassagen mit häufigen Alberti-Bass Figuren gegen Tutti-Abschnitte, in welchen die Trompeten und Pauken in der Tonika und Dominante erklingen. Fischer setzt die Pauke auch als Melodieinstrument ein, solistisch oder als Verdoppelung zu den Oboen. Ein kurzes Adagio bildet die Überleitung zum dritten Satz, ein Allegretto in Rondoform mit gegensätzlichen Abschnitten, die stilistische Elemente sowohl der Zigeuner- als auch der Militärmusik aufweisen.

Johann Melchior Molter (1696-1765) hatte eine lange berufliche Laufbahn, in der er hauptsächlich dem Hofe von Karlsruhe verpflichtet war, wo er im Jahr 1765 starb. 1742 wurde er mit der Leitung des Hoforchesters beauftragt, für das er viele Werke schrieb. Beeinflusst von der Mannheimer Schule, waren die Auftritte des Orchesters von großer musikalischer Vielfalt geprägt.Molter schrieb viele Werke, die die besten Musiker des Ensembles in den Vordergrund rückten. Seine sinfonische Musik zeichnet sich durch seine Vorliebe für Klangfülle und sein Interesse an akustischen und technischen Möglichkeiten aus. Die Sinfonia in F-Dur 8-12 in der Besetzung 5 Pauken (in F,G,A,H und c), 2 Flöten (ursprünglich in D, als sogenannte Terz- oder Dritte Flöte), Oboe, 2 Clarin- Trompeten, Streicher und Cembalo ist um das Jahr 1750 entstanden.

Molters Musik bietet eine reiche Palette von Klangfarben. So stellt er z.B. dem Tutti am Beginn des Stückes, einen zarten Abschnitt, der nur von den Flöten und Pauken gespielt wird, gegenüber. Die Clarin- Trompeten fügen einen vornehmen und majestätischen Glanz hinzu. Die Pauken verstärken hauptsächlich die Basslinie, treten jedoch häufig mit solistischen Verzierungen hervor. Die Sinfonia beginnt mit einem Allegro, gefolgt von vier ähnlich strukturierten Sätzen : ein Andante, besetzt mit Soloflöte, Pauken und Streichern; ein Presto, im Stile einer Bourée; ein Allegro,das einer Gigue ähnlich ist und ein abschliessendes Menuett. Jeder dieser Sätze bietet eine Fülle von einzigartigen und abwechslungsreichen Passagen. In Molters Musik wird Klangfarbe zum strukturierenden Element.

Ein weiteres Werk aus der Mitte des 18.Jahrhunderts, das ebenfalls in F-Dur steht und viele Pauken erfordert, ist die Sinfonia für 6 Pauken, 2 Hörner, Streicher und Cembalo 13-18 des Darmstädter Hofkomponisten Johann Christoph Graupner (1683- 1760). Sie wurde vermutlich im Jahre 1746 oder 1747 geschrieben. Das Werk erfordert den Einsatz von 6 Pauken und gleicht eher einer Suite als einer Sinfonie. Graupners Sinfonia beginnt, wie übrigens auch eine der Sinfonien von Molter, mit einem Vivace im französischen Stil. Darauf folgen fünf kurze Sätze: Aria, Menuett, Bourée, Aria und Gigue. Graupner verwendet in allen 6 Sätzen die Tonart F-Dur. Dadurch erreicht er eine innere Verbundenheit des Werkes und unterstreicht die pastorale Stimmung, die durch diese Sinfonie hervorgerufen wird.

Die Paukenstimme umspielt meistens die Basslinie, wobei die Pauken in F,G,A,H, c und d gestimmt sind. Besonders auffallend ist, wie wirkungsvoll sich der Klang der Pauken mit dem Klang der hohen Hörner und Streicher vermischt. Es entsteht eine völlig andere Art der Klangfarbe, als man normalerweise von Pauken und Trompeten gewöhnt ist.

Georg Druschetzky (1745-1819) ist einer der wichtigsten, bekannten Paukenvirtuosen des späten 18.Jahrhunderts, da er zugleich Komponist verschiedener Werke ist, die er vielleicht für sich selbst -als Solist- geschrieben hat.

Während seiner Anstellung bei Kardinal Batthyány, auf dessen Landsitz in Rechnitz, schrieb Druschetzky in den späten 90-er Jahren des 18.Jahrhunderts mehrere Kompositionen, die sechs bis acht Pauken erfordern. Charakteristisch für Druschetzkys Bestreben, Musik für viele Pauken zu schreiben, ist der konsequente Einsatz der Pauke als Melodieinstrument, häufig als Verdoppelung der Holzbläser oder hohen Streicher. Sein Concerto per sei timpani 1-3 verdeutlicht diesen Stil und besteht aus den üblichen 3 Sätzen. Der erste Satz beinhaltet eine Kadenz, die von Alexander Peter unter der Verwendung von Original-material eingerichtet wurde.

Im zweiten Satz, einem Andante, spielt die Pauke die Melodie unisono, abwechselnd mit den Streichern oder Holzbläsern.

Der dritte Satz besteht aus einer Reihe von Variationen, in welchen die Pauke die mit vielen Verzierungen versehene Melodiestimme übernimmt. Wird diese Melodie in einem Allegro-Tempo gespielt, offenbart sich der virtuose Charakter des Satzes. Die rondoähnliche Form verbindet das Hauptthema und die Variationen; bemerkenswert ist, dass der Pauker den ganzen Satz durchgängig zu spielen hat.

Druschetzkys reizvolle Partita in C-Dur für 6 Pauken und Orchester Track 19-22, in der Besetzung für Flöte, 2 Oboen, 2 Hörner, 2 Trompeten und Streicher, beginnt mit einer kurzen Orchestereinleitung, die auf dem melodischen Grundmaterial des Satzes, einer Triolenfigur, basiert. Obwohl sich Druschetzky auf nur sechs Töne beschränkt (G, A, H, c, d und e), fesselt er die Zuhörer in seinem Allgro con moto durch klangliche und dynamische Kontraste und solistische Verzierungen. Besonders interessant ist der Klang der Pauke an den Stellen, wo sie die Hauptstimme zwei Oktaven unter der Flöte und den Streichern spielt. Um den Abwechslungsreichtum des Satzes noch zu steigern, verwendet Druschetzky Alberti-Bass Figuren, wechselt kurz nach a-moll und beschliesst den Satz mit einigen wenigen Takten, die sich durch einfache, aber zwingende harmonische Betonungen auszeichnen und schwungvoll, virtuos enden. Es folgt ein elegantes Menuett mit Trio. Die Verwendung von immer wieder kehrenden, übereinstimmenden Phrasen, ein für Druschetzky typisches Stilmerkmal, ermöglicht interessante Kontraste zwischen Abschnitten, die von gesamten Orchester gespielt werden und den Stellen, wo nur Pauke und Solo-Flöte zu hören sind.

Im Trio spielen die Flöte und die Pauke die Melodie gemeinsam, mit 3 Oktaven Abstand zueinander. Das Adagio weist eine, von der französischen Ouverture beeinflusste, abgerundete, zweiteilige Form auf und ist geprägt von Staccato-Spiel und ausschmückenden, doppelt punktierten Figuren. Der abschliessende Satz, ein heiteres Rondo “Allegro con molto” beinhaltet alle bereits genannten Stilmerkmale. Die Besonderheit diese Satzes ist eine ausgedehnte Passage in a-moll, die Merkmale von Zigeunermusik aufweist und in der sich die Pauke, die Flöte und die ersten Violinen die Bälle einander zuwerfen. Druschetzky gibt dem Pauker Gelegenheit, zwei kurze Kadenzen einzufügen.

Harrison Powley
Deutsche Übersetzung: Christine Peter


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