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8.557660 - HAYDN: Keyboard Concertinos / String Trios
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Joseph Haydn (1732-1809)
Concertini für Clavier

Joseph Haydn wurde 1732 in dem burgenländischen Dorf Rohrau an der heutigen Grenze zwischen Österreich und der Slowakei als Sohn eines Stellmachers geboren. Er erhielt seine musikalische Ausbildung in der Chorschule des Wiener Stephansdoms und verdiente sich anschließend seinen Lebensunterhalt mit Violin und Klavierstunden sowie als Geiger oder Klavierspieler. Während dieser frühen Jahre konnte er von dem betagten Komponisten Nicola Porpora (1686-1766) lernen, der ihn zu seinem Assistenten machte. 1759 trat Haydn dann seinen ersten regulären Posten als Kapellmeister des böhmischen Grafen Morzin an. 1761 folgte die Anstellung als Vizekapellmeister bei einem der reichsten Männer des Kaiserreiches, Fürst Paul Anton Esterházy, dem nach seinem Tod im Jahre 1762 sein Bruder Fürst Nikolaus folgte. Wiederum vier Jahre später starb der alte, penetrante Kapellmeister Gregor Joseph Werner, dessen Amt Joseph Haydn übernahm und zumindest nominell bis zum Ende seines Lebens im Jahre 1809 bekleidete.

Einen großen Teil seines Dienst absolvierte Haydn auf dem neuen Schloss Eszterháza, einem Gebäudekomplex, der mit der Prächtigkeit von Versailles konkurrieren konnte. Hier war er auch für die musikalischen Aktivitäten des Schlosses verantwortlich, und dazu gehörten die Bereitstellung und Leitung der Instrumentalmusik, die Oberaufsicht über die Oper und die Schauspielmusik sowie die geistliche Komposition. Seinem Dienstherrn schrieb er überdies eine Fülle verschiedenster Kammermusiken, in denen vor allem das Lieblingsinstrument des Fürsten, das Baryton, eine wichtige Rolle spielte.

Nach dem Tode des Fürsten Nikolaus im Jahre 1790 konnte Haydn eine Einladung des Geigers und Impresarios Johann Peter Salomon (1745-1815) nach London annehmen, wo er bereits bedeutendes Ansehen genoss. Nach einem zweiten erfolgreichen Aufenthalt in London 1794/95 wandte er sich wieder seinen Pflichten bei den Esterházy zu, nun zumeist auf dem Anwesen in Eisenstadt, wo seine Laufbahn begonnen hatte. Einen großen Teil des Jahres residierte man allerdings in Wien, wo Haydn auch seine letzten Jahre verbrachte und schließlich starb, als die Truppen des französischen Kaisers Napoleon die Stadt erneut einnahmen.

Was immer Haydn an Klaviermusik geschrieben hat, war zunächst für Cembalo und später – wie aus den dynamischen Angaben erhellt – für das neue Fortepiano gedacht. Zu Haydns Zeit wurden die bisherigen Tasteninstrumente durch neue abgelöst: Die Hammermechanik des Fortepiano und des späteren Pianoforte traten nach und nach an die Stelle des Cembalos und des Clavichords. Zur selben Zeit veränderten sich auch die Formen der Instrumentalmusik, wobei unter anderem die als Sonatenform bekannte Struktur entstand.

Im Gegensatz zu Mozart, der selbst als virtuoser Solist seiner eigenen Klavierkonzerte auftrat, verfügte Haydn lediglich über das, was man seinerzeit können musste, wenn man ein Orchester von der Violine oder eher noch vom Cembalo aus leiten wollte. Seine Konzerte für Clavier sind also sehr viel leichter als diejenigen, die Mozart komponierte. Ihre Besetzung besteht aus Cembalo, Fortepiano oder Pianoforte sowie aus zwei Violinen und Bass (Violoncello), womit sie sich auch für den Hausgebrauch eigneten; Mozart hat diese Möglichkeit in seinen Konzerten KV 413-415 erprobt. Ihrer besonderen Eigenart verdanken die Werke ihre Bezeichnung Concertino, die heute allgemein üblich ist.

Wie andere Werke dieser Art entstand das Concertino C-dur Hob. XIV:12 anscheinend in den sechziger Jahren. Es dürfte also aus der Anfangszeit seines Dienstes bei den Esterházy in Eisenstadt oder den unmittelbar voraufgegangenen Jahren stammen. Dauerhaft hat sich Haydn wohl nicht für diese Form interessiert, die nicht demselben Zwecke diente wie die Instrumentalkonzerte, die er zumindest während seiner ersten Dienstjahre für die Musiker der Esterházyschen Kapelle und später für bekannte Wiener Virtuosen komponierten. Die handschriftlichen Stimmen des Werkes werden auf Schloss Kremsier aufbewahrt, einer Residenz der Bischöfe von Olmütz. Das Material trägt den Titel Partitta á Clavi Cembalo con due Violini e Basso. Der erste Satz gehorcht der Form des Sonatenallegros und hat in der Mitte eine kurze Durchführung, die mit dem Hauptthema beginnt, wobei das Klavier immer dominiert. Die Exposition wird ebenso wiederholt wie der zweite, aus Durchführung und Reprise bestehende Teil des Satzes. Das Adagio in F-dur, dessen beide Hälften wiederholt werden, gewährt der rechten Hand des Klaviers das melodische Vorrecht. Der Mittelteil erkundet Molltonarten, wobei eine rhythmische Figur stets hervorsticht, und der letzte Abschnitt des Satzes enthält eine Solokadenz. Das abschließende Allegro im 3/8-Takt folgt einer ähnlichen Anlage.

Das Trio D-dur Hob. XI:11 ist eines der zahlreichen Werke, die Haydn für das Baryton, das Lieblingsinstrument seines Dienstherrn Fürst Nikolaus, komponierte. Seine Ecksätze, ein Adagio und ein kontrapunktisches Presto, dürften in der 1770 vom Amsterdamer Verleger J. J. Hummel veröffentlichten Fassung für Flöte, Violine und Cello bekannter sein. Das Baryton war ein kurzlebiges Streichinstrument, das der Bassviola ähnelte. Es hat sechs oder sieben Saiten, ein Griffbrett mit Bünden sowie eine große Zahl „sympathischer“, d.h. mitschwingender Metallsaiten unter dem Hals, die den gestrichenen Tönen zusätzliche Resonanz verleihen, zum Teil aber auch gezupft werden. Nach den Worten des englischen Musikschriftsteller Charles Burney war das Baryton deshalb das ideale Instrument für die einsame Insel, da der Musiker sich zu seinem persönlichen Vergnügen die Begleitung zupfen konnte.

Auf Schloss Kremsier lagen auch die handschriftlichen Stimmen des Concertino F-dur Hob. XVIII:F2, das hier als Concerto. Per Il Clavicembalo. Violino Primo. Violino Secondo. Con Basso geführt wurde. Das Werk, dessen Authentizität nicht länger in Frage steht, beginnt mit einem fröhlichen Hauptthema, das durch Triolenrhythmen gekennzeichnet ist und auf seinem Weg zur Dominante C-dur eine Abstecher nach Moll macht. Ein kurzer Mittelteil führt zur abschließenden Reprise. Der langsame Satz in C-dur und das brillante Allegro assai- Finale folgen in Modulation und Struktur ähnlichen Schemata.

Die Stimmen des Concerto á Cembalo conc: Violino 1mo Violino 2do e Basso, mithin des Concertino G-dur Hob. XIV:13 liegen in der Hofbibliothek des Fürsten Fürstenberg. Das Werk bewegt sich in derselben Form wie die andern hier aufgenommenen Beispiele. Es hat einen charakteristischen Kopfsatz, der in der zentralen Durchführung Moll berührt, bevor die Reprise erreicht wird. Der langsame Satz steht in e-moll und überträgt der Oberstimme des Klaviers eine recht kunstvolle melodische Stimme. Das Werk endet mit einem raschen Finale im 3/8-Takt.

Das Streichtrio C-dur Hob.V:16 für zwei Violinen und Cello ist eines der Werke, die – vermutlich ohne Haydns Einverständnis – 1765 in Paris von Chevardière veröffentlicht wurden. Die Komposition dürfte zwei Jahre früher entstanden sein. Sie folgt einem Schema, das Haydn in einigen dieser Werke favorisierte, bei dem zwei raschere Sätze einen Mittelsatz in Form eines Menuetts umrahmen.

Haydns Concertino C-dur Hob. XIV:11entstand 1760 und ist in verschiedenen Quellen überliefert, von denen eine auf dem verschollenen Autograph basiert. Das einleitende Moderato moduliert vorschriftsmäßig in die Dominante, bevor die Exposition wiederholt wird. Es folgen die zentrale Durchführung und die Reprise; das prominente Solo-Instrument lässt dabei an eine Sonate mit recht bescheidener Begleitung denken. Das Adagio a-moll ist eine feierliche Arie für das Cembalo und erinnert eher an einen langsamen Konzertsatz von Vivaldi. Gekrönt wird das Werk von einem lebhaften Allegro im 3/8-Takt.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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