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8.557664 - MOZART: Violin Sonatas, Vol. 5
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Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): Violinsonaten • 5

Wolfgang Amadeus Mozart kam 1756 in Salzburg zur Welt. Sein Vater, selbst Hofmusiker, veröffentlichte im Jahr der Geburt seines jüngsten Kindes eine einflussreiche Violinschule. Leopold Mozart brachte es bis zum Vize-Kapellmeister des Erzbischofs von Salzburg, stellte seine eigene Karriere jedoch zugunsten der seines Sohnes hintan, nachdem er deutliche Anzeichen der genialen musikalischen Frühreife seines Sohnes wahrgenommen hatte. Unter Duldung seines Dienstherrn unternahm er ausgedehnte Konzertreisen durch Europa, bei denen sein Sohn und seine älteste Tochter Nannerl das Publikum staunen machten. Dabei spielte der junge Mozart sowohl Tasteninstrumente als auch die Violine und verstand sich nicht allein aufs Improvisieren, sondern konnte auch bald schon seine eigenen Kompositionen zu Papier bringen.

Hatte Mozart in seiner Kindheit ungewöhnliche Erfolge feiern können, so verlief seine Jugend, die er größtenteils in Salzburg in Diensten eines neuen, weniger kooperativen Erzbischofs zubrachte, nicht recht befriedigend. Wie zuvor schon sein Vater fühlte sich auch Mozart von den künstlerischen Möglichkeiten her in Salzburg eingeschränkt, zumal ihm nur bedingt Reisen gestattet wurden. So gab er 1777, als man ihm Urlaub untersagte, seine Stellung in Salzburg auf, um sein Glück anderweitig zu suchen, doch konnte man ihm weder in Paris noch in Mannheim – beides musikalische Zentren von einigem Gewicht – eine entsprechende Position anbieten. Immerhin brachten ihm seine Mannheimer Verbindungen 1781 den Auftrag der Komposition einer Oper für München. Nach deren erfolgreicher Aufführung aber wurde Mozart vom Erzbischof nach Wien beordert. Dort mündete Mozarts Unzufriedenheit mit seiner Stellung schließlich in einen Streit mit dem Erzbischof, der ihn in der Folge von seinen Pflichten entband.

Seine letzten zehn Lebensjahre verbrachte Mozart in Wien, in prekärer Unabhängigkeit von seinem Dienstherrn wie auch ohne unmittelbaren elterlichen Beistand – eine Situation, die durch Mozarts unüberlegte Heirat noch erschwert wurde. Dem anfänglichen Erfolg als Opernkomponist und Interpret schlossen sich im weiteren Verlauf dieser Dekade zunehmende finanzielle Schwierigkeiten an. Zum Zeitpunkt seines Todes allerdings, im Dezember 1791, schien sich das Blatt mit dem Erfolg seiner deutschen Oper Die Zauberflöte und eines verstärkten Patronats gerade wenden zu wollen.

Mozarts Sonaten für Violine und Klavier sind über einen Zeitraum von gut 25 Jahren entstanden, wobei seine frühesten Versuche bereits während seiner ersten größeren Konzertreise durch Europa entstanden. Vier dieser frühen Sonaten wurden 1764 in Paris veröffentlicht: zwei als Opus 1 und zwei als Opus 2. Eine weitere Sammlung von sechs Sonaten Opus 3 erschien dann im darauffolgenden Jahr in London. Noch einmal sechs Sonaten Opus 4 entstanden 1766 in Den Haag und wurden dort, wie auch in Amsterdam, noch im selben Jahr veröffentlicht. Erst zwölf Jahre später sollte Mozart sich erneut der Violinsonate zuwenden. Während seines Aufenthalts in Mannheim von 1777 bis 1778 schrieb er vier Sonaten, denen sich im Sommer 1778 in Paris zwei weitere hinzugesellten – eine Sammlung, die er dann in Paris wiederum als Opus 1 veröffentlichte. Eine andere Gruppe von sechs Sonaten erschien 1781 in Wien. In ihr fand sich ein in Mannheim entstandenes und ein möglicherweise in Salzburg komponiertes Werk. Die übrigen vier Sonaten dieser als Opus 2 veröffentlichten Sammlung hatte Mozart 1784 und 1788 in Wien geschrieben. Während die Nummern des Köchelverzeichnisses eine leichte Bestimmung dieser Sonaten ermöglichen, hat man zur Nummerierung der Sonaten als Serien verschiedene Systeme verwendet. Es gibt mehr als 40 dieser Sonaten, und die Nummerierung der vorliegenden Aufnahmeserie beginnt mit den 1778 in Mannheim entstandenen reifen Sonaten und schließt ausschließlich vollendete Sonaten ein, die nach diesem Datum entstanden sind.

Die Sonate in F-Dur KV 547, die man auch als „kleine Klaviersonate für einen Anfänger mit Violine“ bezeichnet hat, taucht in Mozarts eigener Werkliste unter dem Datum des 10. Juli 1788 auf, kurz nach der Kleinen Klavier Sonate für Anfänger KV 545. Die Hauptquelle dieser Sonate ist eine 1805 bei Mollo & Co. in Wien veröffentlichte Ausgabe. Allerdings ist verschiedentlich geäußert worden, dass die letzten beiden Sätze ursprünglich für Klavier entstanden, da beide nach Mozarts Tod in dieser Form aufgetaucht sind, was Anlass zu unterschiedlichsten Spekulationen gegeben hat. Der erste Satz, Andantino cantabile, wird von einer einfachen Melodie eröffnet, wobei die Violine im Allgemeinen eine Terz unter der Klavierlinie bleibt, im Mittelteil allerdings an melodischer Eigenständigkeit gewinnt. Es schließt sich ein Abschnitt in B-Dur an, der in eine elementar angelegte Klavierkadenz mündet, wonach das melodische Ausgangsmaterial den Satz seinem Ende zuführt. Im nachfolgenden Allegro wird das Hauptthema auf beide Instrumente verteilt, wohingegen im Seitensatz anfänglich das Klavier dominiert. Nach einer kurzen Durchführungsphase wird das Material der Exposition in einer variierten Reprise wieder aufgegriffen. Das Thema für die Variationen des Finales wird vom Klavier vorgestellt, das im Prinzip auch die ersten drei Variationen bestimmt, ehe die Violine sich mit der vierten ein wenig profilieren kann. Nach der fünften Variation in f-Moll, für Klavier solo gesetzt, präsentiert die sechste das Material in kleinen Notewerten, die durch die größeren Notenwerte der Violine gewissermaßen geerdet werden. Die Violine steuert dann erst gegen Satzende noch eigene melodische Aussagen bei.

Die Zwölf Variationen über das französische Lied „La Bergère Célimène“ KV 359 entstanden im Juni 1781 in Wien. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Mozart dieses Werk für seine Klavierschülerin Gräfin Maria Karolina Thiennes de Rumbeke, geborene Cobenzl, geschrieben hat. Nachdem er im Mai für seine Entlassung aus den Diensten des Erzbischofs von Salzburg gesorgt hatte, trachtete Mozart rasch nach Möglichkeiten, seine neugewonnene Unabhängigkeit für sich nutzen zu können. In einem Brief an seinen Vater vom 20. Juni 1781 weist Mozart gegen Ende darauf hin, dass er damit beschäftigt sei, Variationen für seine Schülerin zu komponieren, womit vermutlich das hier eingespielte Werk gemeint ist, obwohl im selben Monat auch noch zwei weitere Variationszyklen entstehen sollten. Die Gräfin – Tochter des Grafen Johann Karl Philipp Cobenzl, bevollmächtigter Gesandter für die Österreichischen Niederlande, und Ehefrau des Grafen Thiennes et Rumbeke – hatte Mozart sehr bald nach dessen Ankunft in Wien im März als ihren Lehrer engagiert. Im Jahrbuch der Kunst von Wien und Prag des Jahres 1796 findet sich bei der Gräfin, die etwa gleichaltrig wie ihr Lehrer war, der Hinweis auf ihr ausgezeichnetes Klavierspiel, das gekennzeichnet sei von „Präzision, Geschmack und Geschwindigkeit“. Das Lied La Bergère Célimène scheint einer 1770 veröffentlichten Sammlung von Liedern für zwei Stimmen des französischen Kastraten und Lehrers Antoine Albanèse entnommen zu sein. Schon die ersten Worte des Textes deuten das konventionelle Thema an: La Bergère Célimène dans les bois s’en va chantant, heißt es da: Die Hirtin Célimène wandelt singend im Wald. Das Klavier stellt das Allegretto überschriebene Thema vor, wobei der Violine lediglich begleitende Funktion zukommt. Unter den sich anschließenden Variationen steht die dritte für Piano solo, die vierte in Triolen und die fünfte in Sechzehnteln. Die siebte Variation kommt in dramatischem g-Moll daher, wohingegen die achte kurze kontrapunktische Elemente kennt. In der zehnten erfordert der Klavierpart gelegentlich das Überkreuzen der Hände, und in der elften, Adagio überschrieben, begleitet die Violine mit gezupften, synkopierten Akkorden. Erst in der letzten Variation übernimmt die Violine die melodische Führung.

Die Sonate in A-Dur KV 526 datiert vom 24. August 1787. Mozarts am 28. Mai desselben Jahres in Salzburg verstorbener Vater hatte in seinem letzten Brief an Mozarts Schwester sein Missfallen über die Art und Weise geäußert, in der sein Sohn sein Leben in Wien führt. Der Januar hatte Mozart den Auftrag für eine Oper in Prag mit Aufführungen im Oktober beschert – Don Giovanni. Auch wenn man eigentlich nichts Genaueres über die Umstände der Komposition der A-Dur-Violinsonate weiß, so hat man doch verschiedentlich gemutmaßt, dass der Tod Carl Friedrich Abels in London einigen Einfluss auf ihre Entstehung hatte. Mozart hatte Abel, einen Kollegen Johann Christian Bachs, als Kind in London kennen gelernt, und der Mozart-Forscher Georges de Saint- Foix hat darauf hingewiesen, dass Mozart im finalen Rondo seiner Sonate auf ein Thema Abels zurückgreift. Die Sonate wurde im September 1787 von Hoffmeister verlegt, und er scheint sie im Verlauf seines Mainz-Aufenthalts 1790 auch privat mit dem Violinisten Heinrich Anton Hoffmann gespielt zu haben. Im Vergleich zu den anderen beiden hier eingespielten Werken ist das musikalische Geschehen in dieser Sonate gleichmäßiger auf die beiden Instrumente verteilt. Das Hauptthema des Kopfsatzes, Molto Allegro, wird von beiden Instrumenten vorgestellt, ehe eine kurze Überleitung des Klaviers in den Seitensatz führt, dem sich dann zuerst die Violine widmet, ehe die Rollen getauscht werden. Das thematische Material wird sodann in der zentralen Durchführung verarbeitet, ehe es in variierter Form in der Reprise wiederkehrt. Der langsame Satz in D-Dur ist anfänglich vom gleichmäßigen Rhythmus der begleitenden Klavierfigur bestimmt, der dann – wenn das Klavier das Cantabile- Thema übernimmt – auf die Violine übergeht. Noch vor der zweiten Satzhälfte führt Mozart weiteres thematisches Material ein, wobei er erneut auf den Satzanfang zurückgreift, ehe er dann zur Ausgangstonart zurückkehrt, wobei die Begleitfigur in Achteln nun synkopiert erscheint. Das diese bemerkenswert reife Sonate beschließende Rondo ist von seinem Hauptthema bestimmt, das äußerst einfallsreiche Episoden einrahmt, und das mit seinen Achtelfiguren oftmals – zumindest einen Moment lang – den Eindruck eines Perpetuum Mobile erweckt.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Matthias Lehmann


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