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8.557716 - WEISS: Lute Sonatas Nos. 14 and 20 / HOFFMAN: Mandolin Sonata in G Major / Mandolin Sonata in D Minor
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Silvius Leopold Weiss (1687–1750)
Lautensonaten

 

Im Jahr 1687 bei Breslau geboren, erhielt er wie sein jüngerer Bruder Johann Sigismund und seine jüngste Schwester Juliana Margaretha Lautenunterricht bei seinem Vater. Nach mehreren Anstellungen an verschiedenen Höfen wurde er am 23. August 1718 zum Kammermusiker des Kurfürsten von Sachsen August des Starken ernannt, der seit September 1697 auch König von Polen war. Dieser Posten brachte Silvius Leopold Weiss zum Hof in Dresden, wo er der am besten bezahlte Musiker war. Dort traf er unter anderen den Flötisten Johann Joachim Quantz und die Violinisten Francesco Veracini, Franz Benda und Johann Georg Pisendel.

Weiss war ebenfalls mit Johann Sebastian Bach bekannt. Es wird vermutet, dass einige der Lautenkompositionen Bachs für Weiss geschrieben worden sind. Ein Zusammentreffen der beiden großen Musiker ist sogar dokumentiert (J.F. Reichardt, 1805): “Wer die Schwierigkeiten der Laute für harmonische Ausweichungen und gut ausgeführte Sätze kennt, der muß erstaunen und kann es kaum glauben, wenn Augen- und Ohrenzeugen versichern, daß der große Dresdner Lautenist Weisse mit Sebastian Bach, der auch als Clavier- und Orgelspieler groß war, in die Wette phantasiert und Fugensätze ausgeführt hat.”

Weiss gilt heute als einer der bedeutendsten Komponisten für die Laute. Er hinterliess über 650 Werke für sein Instrument, von denen allerdings nur ein Werk zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde: das Presto in B-Dur in “Der getreue Musik-Meister” von Georg Philipp Telemann 1728.

Silvius Leopold Weiss und die Kammermusik

Die Sonaten und Suiten aus Weiss' Feder sind mittlerweile ein fester Bestandteil des Lautenrepertoires. Weniger bekannt, weil zumeist unvollständig über-liefert, ist seine Kammermusik. Bei diesen Werken ist die Besetzung bekannt, es ist aber oft nur ein Lautenpart erhalten. Die hier eingespielten Werke stammen aus dem Londoner Manuskript (British Library) und tragen keine Besetzungsangaben. Die Idee, diese Werke mit Mandoline zu spielen, wurde durch den freien Umgang angeregt, den Weiss mit seinen eigenen Werken pflegte. So ist bekannt, dass er von einer Komposition zwei Fassungen erstellte: für Flöte und Laute, sowie für zwei Lauten. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass Weiss am Dresdener Hof Kontakt zu Musikern hatte, die Mandoline spielten, da zu seiner Zeit viele italienische Musiker am Hof beschäftigt waren.

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Johann Hoffmann (1770–c.1814)
Sonaten für Mandoline

 

Man weiß heute nur wenig über Leben und Werke des in Wien ansässigen Mandolinisten und Komponisten. Seine Kompositionen wurden erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts wieder zugänglich gemacht und sind auch heute noch in verschiedenen Wiener Bibliotheken zu finden. Alle seine Werke beschäftigen sich mit der Mandoline und sind sehr virtuos gestaltet, und in der Instrumentalbehandlung, den Arpeggien und Akkorden zeichnet sich deutlich ein mandolinentypisches Klangidiom ab.

Die Mandoline in Wien

Um 1800 erlebte die 6-chörige Mandoline eine Renaissance im Wiener Kulturkreis, und viele heute zumeist unbekannte Komponisten hinterließen für dieses Instrument ein großes Repertoire. Dazu zählen Sonaten für Mandoline und Baß, Mandolinenkonzerte und vor allem Duos, Trios und Quartette in der Kombination von Mandoline und Streichinstrumenten. Diese Musik entsprach dem Zeitgeschmack und beeindruckt durch ihre schlichte Eleganz und berückende Melodieführung.

Hoffmann darf zu den wichtigsten Vertretern dieser Komponistengeneration gezählt werden. Seine Sonaten sind äußerst virtuos und lassen darauf schließen, dass Hoffmann selbst ein hervorragender Instrumentalist war. Die hier eingespielten Sonaten tragen wie viele Mandolinensonaten dieser Zeit die Bezeichnung “...für Mandoline und Bass”. Die Anlage der Bass-Stimme weist am wahrscheinlichsten auf ein Violoncello als die erste Wahl für die Begleitung hin. Aber es finden sich auch einige Werke, die die Wahl des Bass-Instrumentes spezifizieren. In den Quartetten von Giovanni Francesco Giuliani (ca.1760 - ca.1818) kann auch eine Laute statt des Cellos verwendet werden. Giuliani verlangt sogar in einigen Werken ausdrücklich die Erzlaute. Und tatsächlich entfaltet diese Musik besonders mit der Begleitung einer Erzlaute ihren eigenen Charme.

Birgit Schwab und Daniel Ahlert

 


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