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8.557767 - SARASATE, P. de: Violin and Piano Music, Vol. 1 (Tianwa Yang, Hadulla)
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Pablo de Sarasate (1844-1908)
Spanische Tänze

 

Der große spanische Geiger Pablo de Sarasate wurde 1844 in Pamplona als Sohn eines Militärkapellmeisters geboren. Zunächst erhielt er in Madrid Unterricht bei Manuel Rodríguez Sáez, einem Schüler von Jules Armingaud, dem Ersten Geiger des Quartetts, in dem Edouard Lalo mitspielte. Als Zwölfjähriger konnte er dann vermöge eines Stipendiums der Königin Isabella und der Provinz Navarra ans Pariser Konservatorium gehen, wo er Schüler von Jean-Delphin Alard wurde und überdies sein Kompositionsstudium begann. 1857 erhielt er den Ersten Preis für Violine, ein Jahr darauf denselben im Fach Solfège (umfasst Gehörbildung, Musikdiktat, Vom-Blatt-Singen und -Spielen sowie elementare Musiklehre) und wieder ein Jahr später – als Schüler Henri Rebers – auch den Ersten Preis für Harmonielehre. Mit fünfzehn Jahren begann er dann aus eigenem Antrieb seine Konzertkarriere. Zunächst machte er sich in Spanien und Frankreich einen Namen, dann unternahm er weitere Reisen nach Nord- und Südamerika, um schließlich den Rest Europas zu erobern. Saint-Saëns, Bruch, Lalo, Wieniawski und Dvofiák gehörten zu den Komponisten, die für ihn Werke schrieben, und überall schätzte man die Reinheit und Schönheit seines Tones, seine technische Perfektion und sein musikalisches Verständnis, das ihn freilich nicht verführen konnte, das Violinkonzert von Brahms zu spielen, da er – wie er selbst sagte – keine Lust verspürte, auf dem Podium zu stehen und zuzuhören, wie die Oboe im Adagio die einzige Melodie des ganzen Werkes spielte. In seinem Geigenspiel war er ein Antipode seines älteren Zeitgenossen Joseph Joachim, der eher den für die deutsche Schule charakteristischen Stil repräsentierte.

Zu eigenem Gebrauch schrieb Sarasate eine Reihe von Werken für Violine und Klavier oder Violine und Orchester. Darunter sind natürlich zahlreiche Kompositionen nach spanischen Melodien und Rhythmen sowie – der üblichen Praxis seiner Zeit entsprechend – Konzertfantasien über Themen damals populärer Opern. Von diesen ist bis heute die Carmen-Fantasie die bekannteste Kreation.

Der große Geiger Carl Flesch verglich Sarasates Musik mit einem frischen, rotwangigen Bauernmäd- chen. Es ist eine unendlich charmante und elegante Musik, die zudem von Leidenschaft, Virtuosität und bisweilen großer Imagination erfüllt ist. Sarasate war ein produktiver Komponist, dessen OEuvre sich in fünf Gruppen unterteilen lässt: Kompositionen im folkloristischen Stil, Opernfantasien, Originalkompositionen, exzellente Transkriptionen und schließlich Kadenzen zu Violinkonzerten.

Dieses erste Sarasate-Album enthält elf Werke, die eindeutig im folkloristischen Idiom Spaniens geschrieben sind; dazu kommt ein Stück, das sein spanisches Erbe verrät.

[Track 1] Gehen wir in der Reihenfolge des Programms vor, so steht am Anfang die Habanera op. 21 Nr. 2, von der wir wissen, dass ihr die Arie „De la patria del cacao, del chocolate y del café“ (Aus dem Lande von Kakao, Schokolade und Kaffee) aus Fernando Caballeros beliebter Zarzuela „La Gallina Ciega“ (Die blinde Henne) zugrunde liegt. Sarasates Freund Edouard Lalo benutzte dasselbe Thema in seinem Cellokonzert.

[2] Die Playera op. 23 Nr. 1 ist ein Beispiel für den canto hondo, ein leidenschaftliches Zigeunerlied aus Südspanien mit stark andalusischem Einschlag.

[3] Die Malagueña op. 21 Nr. 1 ist möglicherweise ein Originalwerk. Im Mittelteil lässt Sarasate die linke Hand in gitarrenartigem Pizzikato spielen.

[4] Das Caprice Basque (Capricho vasco) op. 24 verwendet verschiedene Motive des baskischen Zortzico, eines Tanzes im 5/8-Takt. Zwei dieser Motive sind „Desde que nace el dia“ (Vom Tagesanbruch an) und „Tres Señoritas de San Sebastián“ (Drei Mädchen aus San Sebastián).

[5] Die Romanza Andaluza op. 22 Nr. 1 ist ein Originalwerk im andalusischen Stil.

[6] In Jota Navarra op. 22 Nr. 2 zitiert Sarasate eine Zarzuela von Ondrid sowie die Jota „¡Viva Navarra!“ von Joaquín Larregla.

[7] Die Serenata Andaluza op. 28 ist sicherlich Sarasates virtuoseste Komposition. Hier kommt er Paganini sehr nahe. Das Werk verbindet die brillanten, gitarrenartigen Figuren des Flamenco mit der Leidenschaft des canto hondo.

[8] Jota Aragonesa op. 27 wurzelt in einem Freiheitsgesang des Navarreser Komponisten Apolinar Brull.

[9] Die Balada op. 31 ist ein besonders einprägsames Werk – und eines der interessantesten, die Sarasate geschrieben hat. Es gibt darin Hinweise auf ganz verschiedene Typen der spanischen Musik; gleichwohl kann man das Stück nicht als spanischen Tanz bezeichnen. Die vielen „verborgenen Gesichter“ machen es unmöglich, die Musik genau zu beschreiben – neben keltischen Hexereien und Navarreser Virtuosität gibt es die sinnliche Müdigkeit Andalusiens, Sarasates fliegendes Staccato und einen untypisch ruhigen Schluss.

[10] Der Zapateado op. 23 Nr. 2 ist ein originaler spanischer Tanz.

[11] Der Spanische Tanz Nr. 7 ist eher eine Transkription denn ein Originalwerk. Er besteht fast zur Gänze aus dem Lied von Fermin Maria Alvarez, das unter dem Titel „La Partida“ (Der Abschied) bekannt ist. Enrico Carusos Aufnahme des Liedes (Naxos 8.110726 und 8.110752) bietet einen interessanten Vergleich.

[12] Das letzte Stück op. 26 Nr. 2 ist die zweite Habanera des vorliegenden Programms. Sie basiert auf zwei Liedern, deren erstes dem Lied „Yo me voy a Puerto Rico en un cascarón de nuez“ (Ich gehe nach Puerto Rico in einer Walnuss-Schale) ähnelt. Beim zweiten handelt es sich um Fernandez Caballeros „Nena mia“ (Mein Mädchen).

Joseph Gold und Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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