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8.557817 - RACHMANINOV: Aleko / The Miserly Knight / Francesca da Rimini (excerpts)
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Sergej Rachmaninov (1873-1943): Opera Highlights
Aleko • The Miserly Knight • Francesca da Rimini

 

Der russische Komponist, Dirigent und Pianist Sergej Rachmaninov wurde 1873 als Sohn aristokratischer Eltern geboren. Die mangelnde Voraussicht seines Vaters jedoch wendete das Schicksal der Familie, und die stetig wachsenden Schulden zwangen zum Verkauf eines Anwesens nach dem anderen, bis dass sich die Familie schließlich gezwungen sah, eine Wohnung in St. Petersburg zu beziehen. Dort besuchte Rachmaninov dann mit Hilfe eines Stipendiums ab seinem neunten Lebensjahr das Konservatorium. Die später nachfolgende Trennung seiner Eltern und sein eigenes Versagen in den Hauptfachprüfungen brachten ihn nach Moskau, wo ihn Nikolai Zverev, ein Schüler des Field- Schülers Dubucque und Adolf von Henselt, als Schüler akzeptierte. Rachmaninov lebte dort im Hause Zverevs, wodurch die nötige Disziplin sichergestellt war, die dann zur Basis seiner späteren, phänomenale Technik wurde. 1888 kam er dann ans Konservatorium, wo er bei seinem Cousin, Alexander Ziloti – einem Schüler Zverevs und Liszts – studierte. Daneben erhielt Rachmaninow auch Unterricht in Kontrapunkt bei Sergej Tanejev, der wiederum bei Nikolai Rubinstein und Tschaikovskij studiert hatte, sowie in Fuge, Harmonielehre und freier Improvisation bei Anton Arensky, einem Schüler Rimskij-Korsakovs. Nachdem er 1891 seine pianistische Ausbildung und im Jahr darauf auch die Kompositionsklasse abgeschlossen hatte, stellten sich bald schon erste Erfolge als Komponist und Interpret ein.

Die Revolution von 1917 veränderte vieles. Während einige Musiker in Russland blieben, wählten andere vorübergehend oder dauerhaft das Exil. Rachmaninov schlug den zuletzt genannten Weg ein und war so zunächst auf seine bemerkenswerten pianistischen Fähigkeiten angewiesen, um sich und seine Familie durchzubringen, wobei er zugleich auch weiterhin als Dirigent wirkte. Da das Komponieren zwangsläufig zurückstehen musste, wurde er so namentlich als Pianist – und zwar als einer der größten seiner Zeit – einem breiteren Publikum bekannt. Nachdem seine Konzertreisen in Amerika recht lukrativ verliefen, baute er einen Musikverlag in Paris auf, wo er auch einige Zeit lebte, ehe er sich und seiner Familie eine Villa am Vierwaldstätter See in Hertenstein bei Luzern errichten ließ. 1939 verließ er dann Europa, um fortan in den Vereinigten Staaten, in Beverly Hills zu leben, wo er 1943 auch starb.

Aleko, mit einem Libretto nach Puschkin, entstand 1892 als Prüfungsaufgabe Arenskys am Moskauer Konservatorium. Rachmaninows schloss die Komposition mit Auszeichnung ab und der Einakter wurde nicht nur veröffentlicht, sondern 1893 am Bolschoi- Theater auch erstmals aufgeführt. Aleko ist – des Lebens in der Stadt überdrüssig – zu den Zigeunern geflohen, wo er mit der jungen Zemfira, der Mutter seines Kindes, zusammenlebt. [Track 2] Ihr alter Vater erzählt die tragische Geschichte vom Verlust seiner eigenen Frau, die ihn aus Liebe zu einem A nderen verließ. Als Aleko meint, er hätte sich rächen sollen, behauptet Zemfira, dass Liebe sich nicht zügeln lasse. Sie gesteht ihrem Vater, dass sie Aleko satt hat und nun einen jungen Zigeuner liebe. Dieser prahlt damit, dass er sich nicht vor Aleko fürchte. [3] & [4] Die Zigeuner tanzen, um ihre Geister wiederherzustellen. Als alle anderen schlafen, trifft Zemfira den jungen Zigeuner, den sie liebt. Sie eröffnet Aleko ihre Gefühle, der allerdings Rache plant. [5] Wieder allein, erinnerst sich Aleko an den Beginn seiner Liebe zu Zemfira. Der Tag dämmert herauf [6], und man hört den jungen Zigeuner von seiner Liebe singen. [7] Nun, da sein Glück vollkommen scheint, drängt Zemfira zum gemeinsamen Aufbruch. Er aber zieht es vor, zu bleiben und Aleko entgegen zu treten. [8] Aleko erscheint und vereitelt ihre Flucht. [9] Aus Eifersucht ersticht Aleko zuerst den Jungen, dann auch noch Zemfira. [10] Vom Lärm alarmiert, kommen die übrigen Zigeuner hinzu. [11] Eine alte Frau bittet die Männer, Gräber auszuheben, [12] und ein alter Mann verkündet, dass Aleko fortan nicht mehr mit ihnen leben kann. [13] Aleko wird von der Gemeinschaft verstoßen.

Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts beschäftigte Rachmaninov sich zunehmend mit der Oper – sowohl als Dirigent, als auch als Komponist. Im Verlauf seiner ersten Jahre als Dirigent am Bolschoi- Theater wandte er sich so einem weiteren Text Puschkins zu, nämlich dessen ‚kleiner Tragödie’ Der geizige Ritter, sowie der auf Dantes Inferno basierenden Francesca da Rimini. Beide Werke vollendete er 1905 und brachte sie unter eigener Leitung im Jahr darauf zur Premiere. Im ersten dieser beiden Einakter geht es um Albert, den Sohn eines reichen Barons. Von seinem geizigen Vater kurz gehalten, beklagt sich der lasterhafte Jüngling über seine unwürdigen Lebensumstände. Erfolglos versucht er, Geld von einem Juden zu leihen, der ihm als möglichen Ausweg vorschlägt, den alten Baron mit Gift umzubringen, was Albert freilich ablehnt. Stattdessen beschließt er, beim Herzog vorzusprechen. Die dritte und zugleich letzte Szene spielt im Palast des Herzogs. [14] Albert klagt dem Herzog also sein Leid, worauf dieser verspricht, sich der Sache anzunehmen. [15] Als Albert geht, erscheint der Baron, den der Herzog willkommen heißt. [16] Der Herzog fragt ihn, warum man des Barons Sohn denn nie bei Hofe sehe würde, worauf der Baron erwidert, dass sein Sohn wild und undiszipliniert sei. [17] Er fährt fort dem Herzog davon zu berichten, dass sein Sohn geplant habe, ihn umzubringen, seinen Tod nur herbeisehne und ihn zu guter Letzt auch noch berauben würde. [18] Albert platzt herein und bezichtigt seinen Vater der Lüge. Dieser wirft des Fehdehandschuh, den sein Sohn aufnimmt und die Duellforderung somit annimmt. Der Herzog interveniert, verbannt Albert und wendet sich ärgerlich dem alten Baron zu. [19] Für diesen ist die Aufregung zu viel und er sinkt sterbend zu Boden, wobei er noch nach den Schlüsseln zu seiner Schatztruhe verlangt.

Mit der Arbeit am Schwester-Werk, Francesca da Rimini, einem Einakter mit Prolog und Epilog, hatte Rachmaninov bereits im Jahr 1900 begonnen. Das Libretto, das aus der Feder von Tschaikovskijs Bruder Modest stammt, fußt auf einer Episode vom Ende des fünften Gesangs aus Dantes Inferno, die bereits Tschaikovskijs gleichnamige Orchesterfantasie inspiriert hatte. Die zweite Szene der Oper spielt im Palast von Francescas Ehemann Lanceotto Malatesta, dem Regenten von Rimini, dem Bruder von Paolo. [20] Nach der Introduktion, in der mit den Liebenden in Zusammenhang stehende Themen anklingen, öffnet sich der Vorhang zur neuen Szene. [21] Paolo liest mit Francesca die Geschichte von Lancelot und Ginevra und ihrer verbotenen Liebe: „Die liebliche Ginevra saß allein, als ein Ritter erschien und um Audienz für Lancelot bat.“ Francesca meint, Ginevra solle Lancelot auf alle Fälle diese Audienz gewähren. [22] Paolo fährt fort, zu lesen: „Königin Ginevra errötete, als sie den Namen Lancelots vernahm, bat diesen aber doch herein.“ [23] Paolo unterbricht sein Lesen, um auf das Glück des Paares in dieser Geschichte hinzuweisen. Sodann liest er weiter: „Sie fragt, was Lancelot begehre… doch was er nicht aussprechen kann, das liest sie in seinen Augen.“ Francesca bittet Paolo, sie nicht so anzusehen. Er aber fragt, wie er denn unbewegt vom Glücke dieser Liebenden lesen solle. Er sinkt vor Francesca auf die Knie. [24] Francesca tröstet ihn und verweist darauf, dass sie einst im Himmel vereint sein würden. [25] Paolo aber fragt, was ihm – der nun ganz von Leidenschaft übermannt wird – denn künftige Seeligkeit im Himmel jetzt nutzen würde. Den Himmel würde er sofort gegen einen Kuss eintauschen mögen. Er versucht Francesca zu umarmen, die ihn aber abweist, ist sie doch die Frau eines anderen. Während Paolo schwört, dass sie sein sei, sucht Francesca ihn zum Gehen zu bewegen. Schließlich gibt sie doch nach, und beide sinken sich in die Arme. [26] Die Liebenden sind nun in ihrem Glück vereint und verlieren sich darin. [27] Sie küssen sich. [28] Unterdessen ziehen dunkle Wolken herauf. Mitten im Sturm tritt Lanceotto herein und überrascht die Liebenden. Er bedroht sie mit einem Dolch, um sie sodann mit einem Schrei von Seelenpein und Wut zu töten, während man die Klage der in der Hölle Verdammten vernehmen kann. [30] Der Epilog zeigt als Gegenstück zum Prolog wiederum die Schatten von Dante und Vergil, während der textlose Chor mit steigender Intensität die Klagen der Verdammten intoniert. [31] Die Seelen von Paolo und Francesca erscheinen, von höllischen Winden getrieben, und sprechen mit den Worten Dantes, dass sie an diesem Tage nicht mehr lesen werden. [32] Der Chor wiederholt die Worte des Prologs: Dass kein größeres Leid sei, als sich des Glücks in Zeiten der Pein zu entsinnen – Nessun maggior dolore / Che ricordarsi del tempo felice / Nella miseria.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Matthias Lehmann

Die gesungenen Texte sind als PDF-Dateien online unter http://www.naxos.com/libretti/rachoperas.htm erhältlich.

 


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