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8.557825 - MANCINI: Music of Henry Mancini (The) (arranged by Richard Hayman)
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Henry Mancini (1924-1994)

Bei U-Musikfans und Filmenthusiasten genießen einige der vom Komponisten, Songwriter, Arrangeur, Pianisten und Dirigenten Henry Mancini hinterlassenen Melodien geradezu nostalgischen Kultstatus. Der mit zwanzig Grammys, vier Oscars, vier Oscar-Nominierungen und einer Reihe anderer Auszeichnungen dekorierte Musiker wurde am 16. April 1924 in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio als Enrico (‚Henry’) Nicola Mancini geboren und wuchs in West Aquilippa bei Philadelphia auf. Neben dem Klavierspiel, das er bereits in frühester Jugend ausgezeichnet beherrschte, nahm er auf Wunsch seines Vaters, eines italienischstämmigen Stahlarbeiters, der sich in der ‚Sons of Italy Band’ in Philadelphia als Amateur-Piccolospieler betätigte, Flötenunterricht und studierte später zunächst an der Musikschule des Carnegie Institute in Pittsburgh. Dort stand neben dem Grundstudium vor allem die Jazzmusik im Mittelpunkt seines Interesses; er spielte in der College-Bigband und begann mit ersten eigenen Arrangements. 1942 wechselte er an die Juilliard School nach New York, wurde jedoch 1943 zur US Air Force eingezogen, wo er seinen Dienst bis 1946 hauptsächlich als Musiker in der Militärband versah.

Nach seiner Entlassung schloss sich Mancini zunächst dem von Tex Beneke verjüngten Glenn Miller Orchestra als Pianist und Arrangeur an und arbeitete ab 1947, inzwischen mit Wohnsitz in Los Angeles, freiberuflich in Nachtclubs und mit fester Anstellung als Arrangeur für Rundfunkstationen. In seiner Freizeit setzte er bei Mario Castelnuovo-Tedesco und Ernst Krenek sein Kompositionsstudium fort und ging 1951 zu Universal Pictures, wo ihn Musikdirektor Joseph Gershenson mit Kompositions- und Arrangieraufgaben betraute. Sein außergewöhnliches Talent konnte Mancini bald in den verschiedensten Kinogenres unter Beweis stellen – von Musicals wie den großen Hollywood- Filmbiographien The Glenn Miller Story, die ihm 1954 die erste Oscar-Nominierung einbrachte, und The Benny Goodman Story (1955) über B-Western (Four Guns to the Border, 1954) Slapstick (Abbott and Costello Meet the Keystone Cops, 1955), Gangster- Komödien (Mister Cory, mit Tony Curtis, 1957) bis zu Monster-Filmen. In letzterer Kategorie bereicherte seine Kunst, Spannung und Überraschungseffekte zu erzeugen, Streifen wie The Creature from the Black Lagoon (1954), Tarantula und Francis in the Haunted House (beide 1956) sowie Man Afraid (1957). Mit seinen Arbeiten für den von Citizen Kane inspirierten Film The Great Man (mit José Ferrer, 1956) und den Orson-Welles-Klassiker Touch of Evil (Mancinis erste eigenverantwortliche Filmpartitur, 1958) hatte er sich – in den Worten Nicolas Slonimskys – dann vollends zu „einem der geschicktesten Komponisten melodramatischer Musik“ entwickelt.

Gewissermaßen als Komponist aus eigener Kraft wurde Mancini erstmals einem breiteren Publikum bekannt, als er 1959, soeben von seinem Vertrag mit Universal Pictures entbunden (die Zusammenarbeit wurde auf freiberuflicher Basis fortgesetzt), eine „Cool Jazz“-Partitur à la Hollywood für den amerikanischen TV-Serienhit Peter Gunn schrieb. Ähnlich erfolgreich war ein Jahr später die Serie Mr. Lucky, mit deren Drehbuchautor, dem Regisseur und Produzenten Blake Edwards, Mancini danach in mehr als zwanzig Fernsehproduktionen und Leinwandstreifen – u.a. NBC Mystery (1971), Remington Steele (1982), The Thorn Birds (1983), Fear (1990) und Never Forget (1991) – zusammenarbeiten sollte.

Zu weiteren Filmen, an denen Mancini entweder als Co-Komponist oder als Arrangeur beteiligt war, zählen Titel wie Lost in Alaska (sein Universal-Debüt, 1952), It Came from Outer Space (1953), The Far Country (1954) und Flood Tide (1958). Als alleiniger Komponist zeichnete er für folgende Filme verantwortlich: High Time (20th Century Fox, 1960; für Mancini ein großer Erfolg, aber die Oscar-Nominierung ging an Van Heusen und Sammy Cahn für den Song „The Second Time Around“ gesungen von Bing Crosby), Breakfast at Tiffany’s (Paramount, 1961; zwei Oscars – für die beste Partitur und den besten Song „Moon River“, Text von Johnny Mercer; Mancinis eigenes Album stand zwölf Wochen an Nr. 1 der Charts), The Great Imposter (United Artists, 1961), Days of Wine and Roses (Warner, 1962; Oscar für den Titelsong auf Lyrics von Mercer), Hatari (Paramount, 1962; u.a mit dem berühmten „Baby Elephant Walk“), The Pink Panther (United Artists, 1963; Oscar-Nominierung für das Thema, das als separat produzierte Single des Saxophonisten Plas Johnson in die Top-40 kletterte und später als beliebte Cartoon-Begleitung diente), Charade (Universal, 1963), A Shot in the Dark (United Artists, 1964), The Great Race (Warner, 1965 – u.a. mit dem Song „The Sweetheart Tree“), Two for the Road (20th Century Fox, 1967), The White Dawn (Paramount, 1973), The Return of the Pink Panther (United Artists, 1975), „10“ (Warner, 1979); Oscar-Nominierung für den Song „It’s Easy to Say“), Victor/Victoria (MGM, 1982; Oscar für die beste Filmmusik, Lyrics von Leslie Bricusse; später als Broadway-Show erfolgreich), The Man Who Loved Women (Columbia, 1983), Life Force (Cannon/GB, 1985), That’s Life (Columbia, 1986; Oscar-Nominierung für den Song „Life in a Looking- Glass“), The Glass Menagerie (Cineplex, 1987), Blind Date (Tri-Star, 1987), Switch (Columbia, 1991), Tom and Jerry: The Movie (First Independent, 1992) und Son of the Pink Panther (United Artists, 1993).

Neben seinen Arbeiten für Film und Fernsehen waren es seine Schallplattenaufnahmen, vor allem für RCA Victor, die Mancini bis Mitte der 1960er Jahre zu einer Art Popstar machten. Nach 1965 begann er sich dann mehr und mehr auf die Komposition dramatischer Background-Musiken für den Film zu konzentrieren, wobei einige Streifen gewaltige Kassenschlager waren, andere aber auch absolute Flops. Uneingeschränkt erfolgreich war er als Dirigent und als Gastpianist mit durchschnittlich fünfzig Auftritten pro Jahr. Zwischen 1959 und 1977 war er mit 38 LP-Alben, von denen achtzehn als Bestseller die Top-40 erreichten, in den nationalen Charts vertreten. Zu seinen größten Plattenerfolgen zählten die Hit-Single mit seiner eigenen Bearbeitung des Liebesthemas aus Nino Rotas Filmmusik zu Zeffirellis Romeo and Juliet (1969 zwei Wochen an Nr. 1 geführt) und sein Album mit der Filmmusik zu Alec Norths The Long Hot Summer (MCA, 1958). In der ca. 1970 vollendeten Konzertsuite für Orchester mit dem Titel Beaver Valley ’37 griff er dann noch einmal auf eigene frühere Themen zurück.

Henry Mancini starb am 14. Juni 1994 in Beverly Hills.

Peter Dempsey
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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