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8.557890 - GRIEG: Music for String Orchestra
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Edvard Grieg (1843-1907)
Musik für Streichorchester

 

Edvard Grieg, der größte norwegische Komponist, war mütterlicherseits der Nachfahre eines norwegischen Provinzgouverneurs, der sich nach seinem Adoptiv- Vater, dem Bischof von Trondheim, Hagerup genannt hatte. Griegs väterliche Vorfahren stammten aus Schottland. Sein Urgroßvater Alexander Greig hatte die alte Heimat nach der Schlacht von Culloden verlassen, in der der Anspruch der Stuarts auf den Thron Schottlands und Englands durch die von einem königlich hannoverschen General geführte englische Armee endgültig zunichte gemacht wurde. In Norwegen wurden aus den Greigs die Griegs, die sich während des 19. Jahrhunderts in ihrem neuen Land gut etablierten: Großvater und Vater Edvard Griegs waren als britische Konsuln in Bergen tätig.

Der Haushalt der Familie konnte dem Kind ein musikalisches Umfeld bieten. Viele Musiker kamen zu Besuch, und zu diesen gehörte unter anderem der berühmte Geiger Ole Bull, der die Griegs überredete, ihren Sohn Edvard nach Leipzig zu schicken, auf dass er am dortigen Konservatorium von der traditionellen deutschen Musikausbildung profitierte.

Mit fünfzehn Jahren kam Edvard Grieg nach Leipzig, wo jedoch nicht alles nach seinem Geschmack war. Ihm widerstrebte die trockene Standardklavierausbildung, die auf den Werken von Czerny und Clementi beruhte, worauf er zu einem Lehrer wechselte, der ihn für Schumann zu begeistern vermochte. Der junge Mann hörte Konzerte des berühmten Gewandhaus-Orchesters, das einst Felix Mendelssohn dirigiert hatte, und er konnte miterleben, dass Schumanns Witwe Clara dort das Klavierkonzert ihres Mannes spielte. Außerdem besuchte er mehrere Aufführungen von Wagners Tannhäuser, und er lernte eine Reihe anderer Musiker, darunter Arthur Sullivan, kennen.

Nachdem er anschließend eine kurze Zeit in Norwegen verbracht hatte, wo ihm eine staatliche Unterstützung versagt blieb, ging er nach Dänemark. Die Hauptstadt Kopenhagen war für beide Länder ein kulturelles Zentrum, und hier erfuhr er eine beträchtliche Förderung durch Niels Gade. Was sein Leben jedoch vor allem verändern sollte, war die Begegnung mit Rikard Nordraak, einem jungen Norweger, der ihn vor seinem tragisch frühen Tode im Alter von nur 24 Jahren inspirierte, sich in der norwegischen Volksmusik nach kompositorischen Anregungen umzutun. Grieg arbeitete weiterhin auf eine Position in seiner norwegischen Heimat hin. Er unternahm eine lange Reise, die ihn nach Rom führte, wo er mit dem großen norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen zusammentraf. Die ersehnte Anstellung in Norwegen erhielt er dann vermöge eines Konzerts, das er in Christiania (Oslo) arrangierte: Dabei wirkten er selbst, seine Cousine und spätere Ehefrau Nina Hagerup sowie die Geigerin Wilhelmine Norman- Neruda mit, und es gelang ihm durch diese Veranstaltung überdies, Unterstützung für die geplante Norwegische Musikakademie zu finden, die im folgenden Jahr (1867) gegründet wurde.

In der nächsten Zeit kämpfte Grieg mit der Rückendeckung Franz Liszts und der Hilfe seines Freundes, des Dramatikers Bjørnson, um die Begründung einer musikalischen Nationalbewegung in Norwegen. Neben seiner kompositorischen Tätigkeit wirkte Grieg als reisender Dirigent und Pianist, und zwischendurch gab es Phasen, die er zu seinem Vergnügen auf dem norwegischen Lande verbrachte.

Seine Bemühungen um eine norwegische Musik hat Grieg weitgehend verwirklichen können. Zu Hause war er schließlich hochgeehrt, und dank seiner Zusammenarbeit mit Bjørnson und Ibsen identifizierte man ihn noch stärker mit der Kultur seiner Heimat. Er starb 1907, als er eben eine neue Konzertreise vorbereitete. Jahrelang hatte er unter Lungenproblemen gelitten, die auf eine Erkrankung während seiner Studentenzeit zurückgingen und ihm jetzt, mit 64 Jahren, den Tod brachten.

Ludwig Holberg, ein Beinahe-Altersgenosse von Johann Sebastian Bach, wurde als der erste Schriftsteller seiner Generation nach Voltaire und als Molière des Nordens gefeiert. Er stammte aus Norwegen, verbrachte aber die meiste Zeit seines Lebens in Dänemark. Seine von Frankreich beeinflussten Komödien und Satiren zeigen ihn als einen führenden Repräsentanten der skandinavischen Aufklärung. Aus Holbergs Zeit: Suite im Alten Stil schrieb Edvard Grieg für die Feierlichkeiten zu Holbergs 200. Geburtstag. Das fünfsätzige Werk ist ursprünglich für Klavier gedacht, wurde vom Komponisten jedoch für Streichorchester arrangiert und ist heute in dieser Gestalt besonders bekannt. Grieg übernimmt hier die Form der barocken Suite mit ihren traditionellen französischen Tanzsätzen, gibt dieser aber durch das neoklassizistische Prisma seiner eigenen Zeit eine neue Interpretation.

In den Zwei elegischen Melodien op. 34 hat Grieg zwei Lieder seiner zwölfteiligen Sammlung nach Gedichten von Aasmund Olavson Vinje arrangiert. Våren (Letzter Frühling) und Hjertessår (Herzwunden) erschienen 1881 in ihrer Orchesterfassung und haben als solche große Beliebtheit erlangt. Grieg hat die Lieder später auch für Klavier zu zwei und zu vier Händen eingerichtet.

Die Zwei Melodien op. 53 Norsk (Norwegisch) und Det første møde (Die erste Begegnung) für Streichorchester wurden 1891 veröffentlicht. Auch sie sind Arrangements früherer Lieder. Das erste der beiden – Fyremål (Mein Ziel) – ist das zwölfte der Vinje- Vertonungen, das zweite ein Arrangement des 1870 nach Bjørnsons Gedicht Det første møde (Die erste Begegnung) entstandenen, gleichnamigen Liedes.

Im Laufe seines Lebens schrieb Grieg eine sehr große Zahl kurzer Klavierstücke, die er unter dem Titel Lyrische Stücke in neun aufeinanderfolgenden Kollektionen herausbrachte. Das Streicherarrangement der Zwei lyrischen Stücke op. 68 besteht aus dem vierten und fünften von insgesamt sechs Stücken, die 1899 erschienen. Das zweite ist ein Schlaflied, Bådnlåt.

Die Zwei nordischen Melodien op. 63 sind auch in Fassungen für Klavier bekannt. Das erste Stück, I Folketonestil (Im Volksstil), verwendet eine Melodie des norwegisch-schwedischen Gesandten in Frankreich, Fredrik Duc, der diesen Einfall an Grieg geschickt hatte. Das zweite vereint Kulokk (Kuhreigen) und Stabbelåten (Bauerntanz), die einer 1870 erstmals veröffentlichten Kollektion von 25 Volkstänzen und -liedern entnommen sind.

Åses død (Åses Tod) ist Teil der Musik zu Ibsens Schauspiel Peer Gynt, das die Aktivitäten seines abenteuerlustigen Helden in verschiedenen Episoden darstellt. Peers Mutter Åse stirbt am Ende des dritten Aktes, wozu der bekannte Satz erklingt, der auch in der ersten der beiden Peer Gynt-Suiten enthalten ist. Derweil bereitet sich Peer Gynt auf eine neue Reise vor.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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