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8.557891 - REGER, M.: Organ Works, Vol. 7 - Symphonic Fantasia and Fugue / 7 Organ Pieces (E. Krapp)
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Max Reger (1873–1916): Orgelwerke • 7
Symphonische Fantasie und Fuge • Sieben Orgelstücke

Einen großen Teil seines musikalischen Interesses verdankte der junge Max Reger seinem Vater, einem Lehrer und begeisterten Amateurmusiker, sowie der frühen Ausbildung bei Adalbert Lindner, dem Organisten von Weiden in der Oberpfalz. Ein Jahr nach der Geburt des Sohnes (1873) war die Familie von Brand nach Weiden gezogen, und hier verbrachte der Knabe seine Kindheit und Jugend. Nach Abschluss seiner schulischen Ausbildung wollte er selbst Lehrer werden; indessen hatte Lindner frühe Kompositionen seines Schülers an seinen einstigen Lehrer Hugo Riemann geschickt, und dieser nahm den jungen Reger zunächst in Sondershausen und dann in Wiesbaden als Schüler bzw. Assistenten an. Der darauf folgende Militärdienst wirkte sich negativ auf Regers körperliche und seelische Befindlichkeit aus. Er kehrte fürs erste ins Elternhaus zurück, wo in der Folgezeit zahlreiche Werke entstanden - darunter eine monumentale Serie von Choralfantasien und anderen Stücken für Orgel. Viele dieser Kompositionen hat Reger anscheinend mit Blick auf die technischen Fertigkeiten seines Freundes Karl Straube geschrieben, einem bekannten Interpreten dieser Werke.

1901 verlagerte Reger seinen Wohnsitz nach München, wo er während der nächsten sechs Jahre lebte. Die dortige Musikwelt tat sich nicht leicht mit ihm, denn sie sahen in dem Zugereisten einen Verfechter der absoluten Musik und zumindest anfangs einen Gegner der Programmusik, für die die Namen Wagner und Liszt standen. Als Pianist war Reger allerdings erfolgreich, und auf diesem Wege fand er auch für seine eigenen Werke allmählich ein Publikum. In München entstanden unter anderem die Sinfonietta sowie etliches an Kammermusik und die beiden großen Variationswerke über Themen von Bach bzw. von Beethoven, denen in späteren Jahren die bekannten Mozart-Variationen folgten.

1907 kam es zu einer Veränderung in Regers Leben. Er übernahm eine Kompositionsprofessur an der Leipziger Universität, und mit seiner Musik erreichte er inzwischen ein immer größeres Publikum, wobei ihm sein Ruf als ausübender Musiker nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in den Niederlanden und sogar in London und St. Petersburg zugute kam. 1911 verpflichtete ihn der Herzog von Sachsen-Meiningen als Dirigent des von Hans von Bülow etablierten Hoforchesters, wo auch schon der junge Richard Strauss dirigiert hatte. Max Reger blieb bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Meiningen. Die kriegsbedingte Auflösung des Orchesters kam Reger entgegen, denn er hatte ohnehin bereits mit dem Gedanken gespielt, den Posten aufzugeben. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Jena, ohne freilich seine kompositorische und konzertierende Laufbahn aufzugeben. Er starb im Mai 1916, als er auf der Rückreise aus den Niederlanden in Leipzig Station machte.

Die Orgelmusik von Max Reger nimmt im Repertoire eine besondere Stellung ein. Weithin gilt er als der größte Orgelkomponist seit Bach. Zwar war er selbst katholisch, doch in der lutherischen Tradition fand er einen musikalischen Quell, aus dem er die Inspiration für seine Choralvorspiele, Choralfantasien und andere Werke schöpfte. Die Wertschätzung, die seine Orgelwerke schon zu seinen Lebzeiten erfuhren, ist nicht zuletzt Karl Straube zu verdanken, der wie Reger bei Hugo Riemann studiert hatte und seit 1902 als Organist an der Leipziger Thomaskirche tätig war.

Seine Symphonische Fantasie und Fuge op. 57 schrieb Reger im Jahre 1901. Das Werk ist Gustav Beckmann gewidmet, der es allerdings erst 1904 spielte, nachdem es zwei Jahre zuvor bereits von Karl Straube in Berlin uraufgeführt worden war. Das orchestral konzipierte Stück ist sowohl für den Ausführenden wie für das Publikum eine große Herausforderung. In einem Brief an Beckmann teilte Reger mit, er sei durch Dantes Inferno dazu angeregt worden, und er bezeichnete die Komposition als das Schwierigste, was er für Orgel geschrieben habe. Im großen und ganzen folgt die Fantasia der Sonatenform. Ihr chromatisches Haupt-thema und die triolischen Nebengedanken werden mit großer Klarheit in dem zentralen quasi Adagio vereint, worauf die Überleitung zur Reprise folgt. Die eindringliche Chromatik war einigen der damaligen Kritiker unerträglich, doch war sie in vieler Hinsicht nur ein Vorgeschmack dessen, was sich in der Musik bald noch alles verändern sollte. In der Fuge hat man verschiedentlich eine symphonische Struktur entdecken wollen. Das Thema wird nach seiner Exposition nacheinander von vier Stimmen beantwortet; es folgt ein leiserer Abschnitt, in dem ein neues Thema vorgestellt wird – das Gegenstück zu einem langsamen Satz, der zu der Wiederaufnahme des anfänglichen Allegro brillante e vivacissimo führt, in dem die beiden ersten Themen fragmentarisch erklingen, bis sie beide im Schlussteil in kontrapunktischer Kombination gespielt werden.

Die Sieben Orgelstücke op. 145 entstanden im Winter 1915/16. Der erste Satz der Kollektion namens Trauerode ist eine Erinnerung an die Soldaten, die 1914/15 während des Krieges fielen. Der Anfang verlangt mehrfach sehr dunkle Register und führt schließlich aus der Nacht zum Licht des Friedens und der Ergebung, die in dem Choral Was Gott tut, das ist wohlgetan zum Ausdruck kommt. Der Dankpsalm ist dem deutschen Volk gewidmet. Er beginnt mit toccatenhafter Brillanz, die durch eine nachdenklichere, dunklere Passagen unterbrochen wird, bevor derselbe Choral – jetzt mit einer zusätzlichen Triolenbegleitung – eingeführt wird.Die Anfangstakte erscheinen ein weiteres Mal, bevor die Musik ruhig zu dem zweiten Choral überleitet: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren.

Weihnachten ist der Titel des dritten Stückes, dessen Thema an die Improvisationen erinnert, die damals zu Regers Konzertrepertoire gehörten. Es beginnt mit einer langsamen, natürlicherweise chromatischen Einleitung, an die sich das Weihnachtslied Es kommt ein Schiff, geladen anschließt. Elemente dessen bilden die Grundlage einer Episode, die mit einer farblichen Eintrübung endet; dann setzt die Choralmelodie Vom Himmel hoch, da komm ich her ein, durch die man Fragmente des Stille Nacht erkennen kann. Die Passion ist von großem Ernst. In ihr wird der Choral Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen mit seiner charakteristischen fallenden Terz atmosphärisch vorbereitet und am Schluss ganz zitiert.

Ostern bildet dazu das unmittelbare Gegenstück und folgt dem Vorherigen, indem es Elemente der Einleitungspassage aus dem Choral ableitet, der später in kräftigem D-dur vorgestellt wird: Auferstanden, auferstanden. Das sechste Stück Pfingsten ist eine allmähliche chromatische Annäherung an den Choral Komm, Heiliger Geist, Herre Gott, der schließlich im dreifachen piano und dolcissimo erklingt, um sich zu einer abschließenden Klimax zu steigern. Die Stücke enden mit der Siegesfeier, die mit Grave markiert ist und wiederum toccatenartiges Figurenwerk enthält. Der Anfang führt in gehörigem Triumph zu Nun danket alle Gott, dessen Strophen durch feierliche Einwürfe voneinander getrennt werden. Schließlich erscheint im Pedal und dann in der Oberstimme das Deutschland- Lied, das emphatisch den Sieg bekräftigt.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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