About this Recording
8.557932-33 - FUCHS, L.: Complete Music for Unaccompanied Viola
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Lillian Fuchs (1902-1995)
Gesamtwerk für Soloviola

 

Lillian Fuchs wurde am 18. November 1902 geboren und begann ihren musikalischen Lebensweg als Pianistin. Ihre Eltern Kate und Philip Fuchs waren Musikliebhaber, und offenbar hat ihr Vater, ein autodidaktischer Amateurgeiger, den Kindern aus der Gegend Violinunterricht erteilt. Deren Beispiel folgend, befasste sich Lillians älterer Bruder Harry mit dem Violoncello – er war lange Jahre Mitglied des Cleveland Orchestra –, während ihr zweite Bruder Joseph sich der Violine zuwandte, um ein bekannter Geiger und Lehrer an der Juilliard School zu werden. Lillian war Josephs Begleiterin, wollte aber auch selbst Geige lernen. Sie studierte also bei Louis Svecenski und Franz Kneisel am New Yorker Institute of Music, der nachmaligen Juilliard School, nahm Kompositionsunterricht bei Percy Goetschius und absolvierte ihre Prüfungen in Komposition und Violine mit Auszeichnung.

Ihr Debüt als Geigerin gab Lillian Fuchs 1926. Bald darauf begann sie jedoch Bratsche zu spielen. 1925 wurde sie Mitglied des Perolé String Quartet, in dem sie bis Mitte der vierziger Jahre wirkte. Als Solistin bereiste sie Europa und die USA, spielte aber auch Kammermusik – oft mit ihren Brüdern. In den vierziger Jahren gründete Joseph Fuchs die Musicians Guild von New York City, zu deren Mitgliedern er selbst, seine Schwester, Leo Schmitt, Leonard Rose, Frank Sheridan und das Kito Quartet gehörten. Man gab zahlreiche Konzerte in der New Yorker Town Hall und nahm während vieler Spielzeiten einen wichtigen Platz im musikalischen Leben der Stadt ein.

1953 trat Lillian Fuchs als Solistin beim Casals Festival in Prades auf. Im Laufe der Zeit wirkte sie als Solistin und Lehrerin bei den Sommerfestivals von Aspen (Colorado), in der Kneisel Hall in Blue Hill und im kanadischen Banff. Der Unterricht war für sie immer von Bedeutung, und so lehrte sie an einigen der führenden amerikanischen Konservatorien wie der Manhattan School of Music, der Juilliard School und dem Mannes College of Music.

Weniger bekannt sind Lillian Fuchs’ Kompositionen. Wichtige Elemente für die technische Ausbildung auf der Bratsche sind die drei Kollektionen von Solostücken – die Zwölf Capricen (1950), die Sechzehn Fantasie-Etüden (1959) und die Fünfzehn charakteristischen Studien (1965). Die Sonata Pastorale für Viola solo entstand 1956. Ferner veröffentlichte sie unter anderem Jota undCaprice Fantastique für Violine und Klavier, und ihrem Bruder Joseph schrieb sie außerdem Klavierbegleitungen zu den Paganini-Capricen.

Lillian Fuchs komponierte nicht nur, sondern sie inspirierte auch andere Komponisten. Als Bohuslav MartinÛ Lillian und Joseph Fuchs mit den Duos für Violine und Viola von Mozart hörte, war er so beeindruckt, dass er den beiden Musikern seine identisch besetzten Madrigale schrieb. 1955 verfasste er zudem eine Sonate für Bratsche und Klavier. In demselben Jahr komponierte auch Jacques de Menasce eine Sonate für Lillian Fuchs. 1957 schuf Quincy Porter ein Duo für Viola und Harfe, dem 1962 ein Duo für Violine und Viola folgte; und 1973 entstand schließlich das Tripelkonzert für Violine, Viola, Klavier und Orchester von Vittorio Rieti. Alle genannten Werke wurden für Lillian Fuchs oder ihren Bruder geschrieben. Zu den Aufnahmen der Geschwister gehören die Duos und die Sinfonia Concertante von Mozart, Lillian Fuchs allein hat eine Bratschenfassung der Suiten für Violoncello solo von Bach aufgenommen. In dieser und anderen Aufnahmen könnte ihre Gasparo da Salò-Viola zu hören sein. Dieses Instrument hatte einst ihrem Lehrer Louis Svecenski gehört, dem Violaspieler des Kneisel-Quartetts; in der vorliegenden Aufnahme spielt es ihre Enkelin Jeanne Mallow.

Lillian Fuchs’ Zwölf Capricen für Viola wurden 1950 veröffentlicht. Die Komponistin schuf diese Stücke zur Bewältigung technischer Schwierigkeiten, die ihr selbst als Musikerin begegnet waren, und erläuterte später, dass es ihr unter anderem darum gegangen sei, zum Nutzen des Spielers die Aufmerksamkeit auf verschiedene technische Aspekte zu lenken. Die Capricen fanden bei Kritikern und Lehrern große Anerkennung und verbinden technische Übung mit musikalischem Gehalt. Lillian Fuchs ließ dieser ersten Studienkollektion zwei weitere Etüdensammlungen folgen – Sechzehn Fantasie-Etüden, die sich mit moderaten Schwierigkeiten auseinandersetzen, sowie als letzten und einfachsten der drei Zyklen Fünfzehn charakteristische Studien. Überall ging es ihr um Musik, die den ganz spezifischen Problemen der Bratsche Rechnung trägt, anstatt sich wie üblich auf die Übertragung von Violinetüden zu beschränken.

Die Sonata Pastorale wurde 1953 uraufgeführt. Dabei handelt es sich um das einzige Werk, das sie eigens zum Konzertgebrauch komponierte – ein interessantes Gegenstück zu den drei Etüdensammlungen. Die Bezeichnung der Sonate als Pastorale bezieht sich vor allem auf den mittleren der drei Sätze, deren erster als Fantasia betitelt und deren letzter Energico überschrieben ist: Damit ist die gesamte Bandbreite des Werkes umrissen, das einen interessanten Bestandteil im Repertoire für Solobratsche bildet.

Jeanne Mallow
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 

Der Text basiert auf biographischen Informationen der Bratscherin Sandra Robbins, einer ehemaligen Schülerin von Lillian Fuchs. Die Verfasserin ist überdies Amédée Daryl Williams’ Publikation Lillian Fuchs, first lady of the viola (Edwin Mellen Press, 1994) ver-pflichtet: Hier findet der Leser Leben und Wirken der Künstlerin weit ausführlicher dargestellt.


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