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8.559005 - GOULD, M.: American Ballads / Foster Gallery / American Salute (Ukraine National Symphony, Kuchar)
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Morton Gould (1913-1996)

American Ballads; Foster Gallery; American Salute

Morton Gould war ein phänomenal begabter Komponist, Pianist und Dirigent und schrieb ausgezeichnete Orchesterbearbeitungen. Er war ein Wunderkind aus New York, das zuhause auf dem Küchentisch komponierte und schließlich einer der eintlußreichsten amerikanischen Komponisten wurde. Gould hinterließ ein umfangreiches Œuvre mit einer großen Bandbreite an musikalischen Genres, die sich von Ballettmusik bis zum Broadway und klassischer Orchestermusik bis zum Film und Fernsehen erstreck. Die Tragweite seiner musikalischen Hinterlassenschaft ist bis heute noch nicht vollig erfaßt worden.

Gould wurde im Jahre 1913 auf Long Island, New York, geboren. Seine außergewöhnliche Musikalität kam früh ans Tageslichl. Mit vier Jahren bereits komponierte er und spielte Klavier. Mit sechs wurde seine erste Komposition, ein Walzer, den das Kind Just Six nannte, uraufgeführt und veröffentlichl. Mit acht Jahren spielte er für einen New Yorker Rundtunksender und erhielt im selben Jahr ein Stipendium von Frank Damrosch, der damals Direktor des Institute of Musical Arts, heute die renommierte Juilliard School of Music, war Anschließend nahm er Klavierunterricht bei Anny Whiteside und Kompositionsunterricht bei Vincent Jones, einem Lehrer der New Yorker Universität.

Nach Abschluß seines Studiums verdiente sich Gould seinen Unterhalt als Solopianist sowie mit einem Klavierduopartner im Theater, Vaudeville und in Rundfunkproduktionen. Mit achtzehn Jahren erhielt er eine Anstellung bei der Radio City Music Hall und ein Jahr später bei der National Broadcasting Company. Er arbeitete

sieben Tage die Woche und spielte für die unterschiedlichsten Aufführungen entweder Klavier, elektronisches Klavier oder Celesta.

Mit 21 Jahren nahm er seine langjährige Arbeit als Dirigent eines Rundfunkorchesters auf, eine Tätigkeit, die ihm die Auftuhrung seiner frühen Orchesterbearbeitungen amerikanischer Popsongs sowie seiner Eigcnkompositionen ermöglichte. Aufsehen erregte Gould mit seiner Bearbeitung von Ravels Bolero für Klavier, in welcher er Toucluster verarbeitete. Ais Stokowski 1936 mit dem Philadelphia Orchestra Goulds Chorale and Fugue in Jazz auftührte, war er der erste einer langen Reihe berühmter Dirigenten von Toscanini bis Solti, welche sich ihr Leben lang für Goulds Musik einsetzen sollten.

In den vierziger Jahren war Gould Regisseur der beiden erfolgreicheu CBS-Radioprogramme Cresta Blanca Carnival und The Crysler Hour. In dieser Zeit komponierte er viel, oft Musik, die sich im sinfonischen Konzertrepertoire durchsetzte. Zu den herausragenden Werken dieser Zeit zählt die Foster Gallery. Entstanden von September bis November 1939, ist sie Fritz Reiner gewidmet, von dem die Anregung zu diesem Stück kam. Dieser dirigierte die Uraufführung der Foster Gallery in Pittsburgh am 12. Januar 1940 Das Werk wurde zum ersten Mal durch das Boston Pops Orchestra unter der Leitung Arthur Fiedlers aufgenommen. In der Programmbeilage für dieses Konzert schrieb Gould, daß sein Werk auf die Lieder und Tänze Stephen Fosters aufbaue. Er lobte die Kreativität des Künstlers, der eine wichtige Phase der amerikanischen Kultur repräsentiere. Anschließend erklärte Gould die Form des Stückes, welches in dreizehn Variationen, mit einigen Parallelen zu Mussorgskis Bilden einer Ausstellung angelegt ist. „Das Werk beginnt mit Camptown Races; einem Thema, das in variierter Form im Verlauf des Stückes immer wiederkehrt und die verschiedenen Teile im Sinne der Promenade aus Bilder einer Ausstellung miteinander verbindet. In einigen Sätzen werden die Themen mehr auf der Grundlage einer emotionalen Basis behandelt, bevor sie in Form von Variationen ausgearbeitet werden, in anderen erscheint das thematische Material wörtlich.“ Gould zählte dann die einzelnen Sätze auf: 1. Camptown Races, 2. Come Where My Love Lies, Dreaming, 3. Canebreak Jig, 4. Swanee River, ein Variationensatz für ein von Foster als Gesellschaftsorchester beschriebenes Ensemble aus Flöte, Trompete, Posaune, Sologeige und Banjo. 5. Camptown Variation, 6. Old Black Joe und My Old Kentucky Home, 7. Village Festival Quadrille, and Waltzes, 8. Jeannie with the Light Brown Hair, 9. Camptown Variation, 10. Hymnen: Where is Thy Spirit Mary und The Angels are Singing unto Me, 11. Variation über Comrades, Fill No Glass for Me und Kitty Bell, 12. Camptown Variation, 13. Oh, Susanna (Finale). Einige Sätze gehen nahtlos ineinander über Das Werk ist für zwei Flöten, Piccoloflöte, zwei Oboen, Englisch-Hom, drei Klarinetten, Baßklarinette, drei Fagotte, Kontrafagott, sechs Hörner, vier Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Scblagzeug, Harte, Banjo und Streicber gesetzt.

In den 1940-er Jabren komponierte Gould zablreicbe Orcbesterwerke, darunter drei seiner vier Sinfonien, die Latin-American Symphonette, Spirituals for Orchestra und die Cowboy Rhapsody Ferner scbrieb er in dieser Dekade ein Bratscbenkonzert und Interplay for Piano and Orchestra sowie sein berübmtestes und meistgespieltes Werk, American Salute. Gould scbrieb diese brillante Orcbesterfassung von Patrick Gilmores lied When Johnny Comes Marching Home, seinerzeit ein Hit, als Auftragswerk für eine Konzertübertragung des Radiosenders Mutual Radio Network im Februar 1942. Einige Jabre später scbrieb der Komponist über dieses Werk: „Mir lag an einer scblicbten und direkten Übertragung dieser Melodie in die Spracbe eines Orcbesters. Ich denke, es erübrigt sich, die Bebandlung des Orcbesters oder die Form des Werkes zu besprecben, da dieses wirklich für sich selbst spricbt.“

Die American Ballad, eines der vielen Auftragswerke des Komponisten, scbrieb Gould im Februar 1976 für das Sinfonieorcbester in Queens, welcbes er zur Urauffübrung dieses Werkes im April desselben Jabres dirigierte. Im Programmbeft für dieses Konzert erklarte der Komponist seine Vorliebe für Evergreens, etwa America the Beautifull, The Star-Spangled Banner, die ibn in seiner Kindbeit gerübrt batten, oder das Freibeitslied Year of Jubilo aus dem Unabhängigkeitskrieg. Die einzelnen Sätze der American Ballads können einzeln oder zusammen in jeder beliebigen Reibenfolge aufgefübrt werden.

Goulds Musik war durch und durch amerikaniscb, einzigartig in ihrer phantasievollen Verscbmelzung aus Jazz, Blues und Gospel sowie einer meisterbaften Orcbestrierung. In seiner Musik schuf der Komponist eine Synthese aus der Musik des Konzertsaals und der modernen Popmusik. Gould war ein lebenslanger Verlechter der amerikanischen Kultur, der durcb seine Musik zu seinen Mitmenscben sprach. Geachtet von seinen Zeitgenossen, nahm er aktiv am öffentlichen Musikleben seines Landes teil und gebörte vielen Institutionen an, etwa der amerikanischen Gesellschaft für Komponisten, Autoren und Verleger, um nur eine zu nennen. Darüber binaus wurde er mit den hocbkarätigsten Preisen des 20 Jahrhunderts ausgezeicbnet. Gould starb 1996 im neu eingerichteten Disney Institut in Orlando, Florida, wo er als Künstler wirkte und lehte.

Marina and Victor Ledin

Deutsche Fassung: E.G.


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