About this Recording
8.559018 - STRONG: Symphony No. 2, 'Sintram' / Chorale
English  French  German 

George Templeton Strong (1856-1948)
Symphonie Nr. 2 "Sintram"
Chorale über ein Tema von Leo Hassler

Wenngleich seine Laufuahn sich in Europa abspielte, so begriff sich George Templeton Strong stets als einen amerikanischen Komponisten. Er wurde am 26 Mai 1856 in New York geboren, als Sohn eines Advokaten und des Präsidenten der „Philharmonischen Gesellschaft“. Der Vater spielte Orgel; die Mutter war Sängerin und eine gute Pianistin. Als Kind wurde Strong in Klavier und Geige unterwiesen, später erlerme er die Oboe, Englisch Horn und Viola und versuchte sich al, Autodidakt in der Komposition. Seine eigentliche Lehrzeit begann 1879 am Leipziger Konservatorium, wo er von Richard Hoffman in Instrumentation und Salomon Jadassohn Komposition unterrichtet wurde.

Strongs Mutter war das Patenkind der ukrainischen Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein, der jahrclangen Lebensgefahrtin von Liszt. Durch sie hörte Liszt von Strong. 1881 kam es zwischen Liszt und dem fünfundzwanzigjährigen Stroug zu einer ersten Begegnung in Weimar. Der junge Komponist bat den Meister, ihm seine klassische romantische Symphonische Dichtung Undine op. 14 widmen zu dürfen; worauf Liszt in die Partitur schrieb: „Franz Liszt nimmt mit Dank die Widmung dieses ausgezeichneten Werkes an.“ Strong hat Liszt oft besucht und er schloß sich dem Kreis um Liszt und Wagner an, ohne indes zum Gegner der Schumann - und Brahmsanhänger zu werden.

1886 siedelte Strong nach Wiesbaden über, wo er Freundschaft mit dem Kollegen und Landsgenossen Edward MacDowell schloß. Diesem widmete er einige Werke, unter anderen seine Symphonie Nr.2 in 9 Moll op 50.

Mit einer kurzen Unterbrechung (1891/92), während seiner Lehrtätigkeit in Boston, lebte Strong in Europa, vor allem in der Gegend von Vevey, Clarens und Tour de Peilz am Genfer See, wohin er aus Gesundheitsgründen gezogen war. Hier verzichtete er zeitweilig auf die Komposition und widmete sich der Malerei Er wurde der Gründer der „Société Vaudoise des Aquarellistes“. Am Genfersee begegnete er auch dem Waadtländer Ernest Ansermet, befreundete sich mit ihm und ließ sich mit ihm 1913 in Genf nieder. Beide nahmen sie am Genfer Musikleben eifrig teil; Strong gab den jungen Musikern kostenlosen Unterricht, weil er behauptete, daß er von seinen Schülern mehr lerne, als diese vou ihm Er starb am 27 Juni 1948 in Genf, im hohen Alter von 92 Jahren.

In seinen Werken blieb Strong der romantischen Tradition treu und lehnte jegliches neuzeitliches Experimentieren ab. Eines der bekanntesten Werke Strongs wird hier zu Gehör gebracht; die Symphonie Nr.2 in g-Moll op. 50, die auch dcn Titel Sintram oder Der Kampf eines Manne, gegen die Mächte de, Bösen träge. Strong komponierte sie auf eine Romanze von de la Motte Fouqué und stellte der Partitur einige Verse aus Goethes Faust voran.

Sintram wurde erstmals am 4. März 1893 von der Philharmonischen Gesellschaft in New York unter Anton Seidl gegeben; ein Jahr später wurde das Werk in Leipzig verötfentlicht. Inspirationsquelle war Fouqué seinerzeit ein Holzschnitt von Albrecht Dürer, der einen Ritter in Begleitung des Todes zeige. Beide reiten sie durch ein Tal mit giftigeu Pflanzen und häßlichen Kreaturen. Ein Gespenst verfolgt sie, streckt seine Arme nach ihnen aus und sucht vergeblich den Ritter zu packen, der gelassen seinem Ziel, einem entfernten Schloß, entgegenreitet.

Fouques Sintram besteht aus einer Reihe von grausigen Geschichten um Björn, einen norwegischen Ritter von ungezügeltem Temperament und unbarmherziger Grausamkeit, und seinen Sohn Sintram, dessen Leben von einem Fluch vernichtet wird „das Ergebnis von seines Vaters Missetaten“. Im Mittelpunkt aber steht die tröstende und errettende Kraft des Christentums, durch die alle Beteiligten schließlich Frieden finden. Im ersten Satz der Symphonie werden diese beiden Gegensätze - das Nachsichtigkeit predigende Christentum und die wilden feudalherrlichen Sitten - mit einem choral-ähnlichen und einem wild rasanten Thema musikalisch gezeichnet. Der zweite Satz, der keine Überschrift trägt, suggeriert das harmonische menschliche Zusammenleben. Die beiden letzten Sätze tragen wiederum Überschriften. Der dritte Satz heißt The Three Terrible Companions (Die drei entsetzlichen Gefährten) und meint damit den Tod, den Teufel und den Wahnsinn. Wie ein Maler zeichnet Strong die Stimmungsbilder aus Fouqués Romanze aufs Sorgfältigste nach. Der Schlußsatz nennt sich The Victorious Struggle (Kampf und Sieg) und kündigt von Hoffnung und Zuversicht im Kampf gegen das Böse.

Im Oktober 1929 nahm sich Strong Hasslers Choral Wenn ich einmal soll scheiden, der 1601 in Druck erschien, vor und instrumentierte ihn. Die Fassung wurde am 13 Mai 1933 vom Pariser Orchester von St Pierre-Fusterie unter Louis Durey uraufgeführt. In Genf gab es ebenfalls eine Aufführung unter Ernest Ansermet.

Das Werk ist in fünf Abschnitten eingeteilt, die vom Adagio bis Lento molto e tranquillo reichen und wie eine Totenprozession anmuten ein musikalisches Stimmungsbild zu dem damaligen Börsencrash und der wirtschaftlichen Depression? Dieses fand jedenfalls der Schriftsteller William Loring.

Teresa Pieschacon Raphael


Close the window