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8.559061 - BURLEIGH: Music for Violin and Piano
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Cecil Burleigh (1885-1980) Musik für Violine und Klavier

Die Geschichte weiß über Cecil Burleigh nicht allzu viel zu berichten. Er war Komponist und Geiger, stammte aus Amerika, studierte aber im Ausland, am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin. Sein Violinlehrer war Anton Witek, sein Kompositionslehrer Hugo Leichtentritt. Bevor er nach Europa ging, hatte er bereits erste Versuche auf den Gebieten Musiktheorie und Violine gemacht, er spielte in Kammerensembles, komponierte Bühnenmusiken und improvisierte auf dem Klavier. In Berlin lernte er die Strenge einer akademischen Musikausbildung kennen; er kehrte schließlich nach Amerika zurück und schrieb sich am Musical College in Chicago ein. Hier setzte er seine Studien in Violine bei Emile Sauret und in Komposition bei Felix Borowski fort. Er wurde ein gefragter Solist, der mit großen Orchestern spielte und gemeinsam mit einem Pianisten auf Konzertreisen ging. Dieses Leben gab er jedoch auf, als er das Angebot erhielt, Violinlehrer am Western Institute of Music and Drama in Denver, Colorado, zu werden. Hier blieb er zwei Jahre lang, bis er eine Professur für Violine und Musiktheorie am Morningside College in Sioux City, Iowa, annahm, und schließlich an die Montana State University wechselte. Der Reiz des Komponierens und der Reiz der großen Stadt lockten ihn jedoch immer mehr, er gab seine Lehrtätigkeit gänzlich auf und ging nach New York, um nochmals zu studieren; Komposition bei Ernest Bloch und Violine bei Leopold Auer. Vom Komponieren allein konnte er aber in dieser Stadt nicht leben, er trat wieder als Geiger auf. Letztlich kehrte er zum Unterrichten zurück, er übernahm eine Professur für Violine, Musiktheorie und Komposition an der University of Wisconsin, die er von 1921 bis 1955 innehatte.

Burleighs kompositorisches Schaffen ist sehr umfangreich, allerdings ist bisher wenig auf CD erschienen. Er hat zahllose musikalische Augenblicksbilder komponiert (kurze Stücke, den Preludes sehr ähnlich), die meisten davon für Violine und Klavier. Außerdem gibt es von ihm zahlreiche Lieder für Singstimme und Klavier (bevorzugt nach Gedichten von Tennyson), drei Violinkonzerte, drei Sinfonien, einige Streichquartette sowie mehrere Tondichtungen für Orchester, die solch asketische Titel, wie Leaders of Men (Führer der Menschen) oder From the Muses (Von den Musen) tragen. Bis 1940 hat Burleigh vorrangig kleinere Stücke komponiert, meist für Violine und Klavier.

Burleighs Kompositionen sind bis heute weitgehend unbekannt geblieben, von einigen Ausnahmen abgesehen. Es ist bezeichnend, dass die bisher einzig existierende Aufnahme mit einigen seiner Stücke den Titel „Sherry Kross spielt vergessene Juwelen" trägt. Vergessene, tatsächlich. Vielleicht kann die vorliegende CD, ein weiteres Glied in der Kette von Naxos’ Bemühungen um die amerikanische Musik, die Sache dieses feinsinnigen Musikers befördern helfen.

Die Stücke auf der vorliegenden Aufnahme sind elegant komponierte Miniaturen, die sich auf ein bestimmtes Bild konzentrieren. Vieles haben sie Edward MacDowell zu verdanken, einem der ersten bedeutenden Komponisten Amerikas. MacDowell hat vor allem kleinere Charakterstücke geschrieben, das bekannteste ist wohl To a Wild Rose (An eine wilde Rose). Die Wurzeln dieser Stücke sind bei Schumann, Chopin, Liszt und Brahms zu finden, die, jeder nach seiner Art, „Moments musicaux" komponiert haben, gewöhnlich für Klavier. Aber nicht nur als Komponist von „Momentaufnahmen" war MacDowell für Burleigh von Bedeutung, noch manch anderes hatten sie gemeinsam: Beide waren von den Ureinwohnern Amerikas fasziniert, beide haben Musik komponiert, die durch und durch „amerikanisch" klingt, beide waren Hochschullehrer und beide haben eine europäische Ausbildung zurück in ihr Land gebracht.

Die Stücke auf dieser Aufnahme sind kleine musikalische Edelsteine, kaum über drei Minuten lang; jedes Stück beschwört eine ganz bestimmte Vorstellung herauf. In Winding Stream (Schlängelnder Bach) hören wir eine dunkle, grüblerische Melodie über fließenden Klavierfiguren, die indianisch empfundenen Stücke From a Wigwam (Aus einem Wigwam) und Indian Snake Dance (Indianischer Schlangentanz), der kraftvoll-urwüchsige Bolero oder farbenfrohe Tints (Töne) sind reizende kleine Stücke für Violine und Klavier, in denen bestimmte Augenblicke quasi „eingefroren" sind. Es ist eine aufrichtig empfundene, mit Sorgfalt gearbeitete und oft einfach wundervolle Musik.

Daniel Felsenfeld

Anmerkung der Interpretin

„Details, Zina", hat Jascha Heifetz einmal zu mir gesagt, „alles liegt in den Details"; seine Liebe zur Miniatur hat er an mich weitergegeben. Seine Tochter Josefa hat uns, als sie meine Tochter Cherina in Klavier unterrichtete, so manche neue CD der Heifetz-Reihe geschenkt; und auf einer CD waren zwei reizende Stücke von Burleigh. Als ich aber das Booklet las, stellte ich fest, dass dieser Burleigh, ein gewisser Cecil Burleigh, nicht der Burleigh war, den ich im Sinn hatte, nämlich Dvor├┐áks Schüler Harry T. Burleigh. Cecil Burleigh war, wie Jascha Heifetz, Schüler von Leopold Auer gewesen. Neugierig geworden, hat sich mein „Privatdetektiv" und Ehemann Dr. Ronald Eisenberg intensiv mit Burleigh beschäftigt und mir reihenweise Musik mitgebracht, die er neu durchgesehen hat, und die ich nun studierte. Wie wir so einen Edelstein nach dem anderen entdeckten, wurde uns allmählich klar: Hier war eine CD im Entstehen.

Dieses Album ist gewissermaßen ein „heiliges" musikalisches Tagebuch, voller lieber Erinnerungen an meine Arbeit mit Jascha Heifetz und, was die jüngere Vergangenheit betrifft, an die elf Jahre, die ich in Shreveport, Louisiana, gelebt habe. Hier war ich, mehr als jemals sonst in meinem Leben, gehalten, auf Details zu achten - meine Töchter wuchsen hier auf, und ich musste mich mit der Lebensart des Südens auseinandersetzen, die mir zu Anfang ziemlich fremd war. Viele Titel von Burleighs Stücken lassen ganz bestimmte Zeiten, Menschen, Orte in meiner Phantasie wiederaufleben, erinnern an zärtliche Freuden und an undurchdringliche Geheimnisse: Es gab da wirklich eine Blockhütte (Log Cabin), Baumwollfelder (Cottonfields) und eine schwarze Kinderfrau (Mammy), eine süße Romanze (Sweet Romance) und sehr frühe Morgen (Early Morning) - Cherina hat kaum eine Nacht durchgeschlafen, bis sie vier Jahre alt war. Es gab tanzende Feen (Fairies Dancing), schweigende Wälder (Hushed Woods), spukende Schatten (Haunted Shadows), Weihnachtszeit (Yuletide) und die Klage einer Rose (Lament of a Rose). Wie ein schlängelnder Bach (Winding Stream) führte mein Weg schließlich nach Kalifornien, wo Cherina, nun sechzehn Jahre alt, mich für die schlaflosen Nächte entlohnte. Mit Liebe und Sorgfalt hat sie dieses Album produziert, und mich dabei immer wieder an die Worte von Jascha Heifetz erinnert; bei den Stücken Impromptu und Cradle Song (Wiegenlied) hat sie auch als Begleiterin mitgewirkt.

 

Zina Schiff

Deutsche Fassung: Tilo Kittel


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