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8.559131 - SOUSA, J.P.: Music for Wind Band, Vol. 5 (Royal Artillery Band, Brion)
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John Philip Sousa (1854-1932)

John Philip Sousa (1854-1932)

Werke für Blaskapelle, Folge 5

 

John Philip Sousa verkörperte das Amerika der vorletzten Jahrhundertwende, mithin eine noch recht unschuldige, von kecker Energie geprägte neue Nation. Dank ihrer schier ununterbrochenen Reisen trug Sousas Band ihre Musik nicht nur in hunderte amerikanischer Städte, sondern auch in die ganze Welt hinaus, wo die Kapelle zum Repräsentanten der USA wurde.

 

Der am 6. November 1854 geborene John Philip Sousa erreichte seine hohe Stellung mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit. Schon 1880 wurde er als 26jähriger der Dirigent der U.S. Marine Band, die er im Laufe von zwölf Jahren auf ein Niveau erhob, das ihr einen großen Bekanntheitsgrad einbrachte. Zudem erwarb sich Sousa mit seinen Kompositionen die Krone eines „March King“. Noch schneller ging’s mit der eigenen Band, die Sousa 1892 formierte und zu Weltruhm führte: Allein in den ersten sieben Jahren nach der Gründung gab Sousa mit seinen Musikern 3.500 Konzerte. Obwohl man damals noch vornehmlich mit der Bahn und dem Schiff reiste, brachte es die Kapelle nach annähernd vier Jahrzehnten auf eine Wegstrecke von bald zwei Millionen Kilometern. In den Jahren 1900, 1901, 1903 und 1905 unternahm man gemeinsame Europatourneen, bevor man 1910 – im Zenith der Blaskapellenzeit – zu einer beinahe zweijährigen Weltreise aufbrach.

 

Dieses völlig neue Maß an Popularität erlangte Sousas Band zu einer Zeit, als es in den USA noch nicht allzu viele Orchester gab. Vom Bürgerkrieg bis etwa 1920 spielten Blaskapellen im amerikanischen Musikleben eine bedeutende Rolle, doch eine bessere Band als diejenige von John Philip Sousa hatte es noch nicht gegeben. Sousa veränderte den Sound, indem er Blech und Schlagzeug reduzierte, dafür die Holzbläser stärker berücksichtigte und eine Harfe hinzufügte. Aufgrund seines dirigentischen Genies konnte er die besten Spieler gewinnen und ein Ensemble aufbauen, mit dem sich kaum weniger bunte Programme realisieren ließen als mit einem symphonischen Orchester. Sousas Band wurde zum Maßstab für alle vergleichbaren amerikanischen Ensembles und sorgte in ihrer Heimat für eine ganz erhebliche Steigerung des musikalischen Niveaus.

 

Doch nicht nur die Band, sondern auch seine eigenen Werke verhalfen Sousa zu immer größerem Ruhm. Märsche wie The Stars and Stripes Forever, El Capitan, Washington Post und Semper Fidelis gelten gemeinhin als die besten Exemplare dieser Gattung. Nach Sousas Worten sollte ein Marsch so sein, „dass ein Mann mit einem Holzbein rüstiger ausschreitet,“ und mit seinen eigenen Stücken hat er das ganz zweifellos erreicht. Zwar ist Sousa die standardisierte Marschform zu verdanken, wie wir sie heute kennen, doch keineswegs war er ein bloßer Marsch-Melodiker: Zu seinen mehr als 200 Werken gehören auch symphonische Dichtungen, Suiten, Opern und Operetten. Seine instrumentatorischen und farblichen Prinzipien haben viele „klassische“ Komponisten beeinflusst, und mit seinen kernig-patriotischen Operetten trug er in den 1890er Jahren zur Entstehung einer echt amerikanischen Musiktheater-Ästhetik bei.

 

Die Bibliothek der Sousa Band bestand aus mehr als 10.000 Titeln. Darunter befanden sich natürlich die 136 Märsche und andere Werke für Blasorchester von John Philip Sousa. Die vorliegende Reihe Sousa: Werke für Blaskapelle will neue Aufnahmen dieser Werke wieder in aller Welt zu Gehör bringen. Das fünfte Album mit Sousas Musik für Blaskapelle wird zum 150. Geburtstag des Komponisten (1854-2004) veröffentlicht.

 

[1] The Minnesota March (1927)

 

Minnesota schrieb Sousa für den Football-Trainer und die Alumnen der University of Minnesota. Das Stück wird heute noch gespielt und ist eine beliebte Dreingabe bei Universitäts-Sportveranstaltungen.

 

[2] The Thunderer (1889)

 

The Thunderer (Der Donnerer) war der Spitzname einer Person, deren wirkliche Identität man wohl nie wird ermitteln können. Es dürfte sich bei diesem Herrn um einen Logenbruder von Sousa aus Washington, DC, gehandelt haben. Der Marsch ist eine von Sousas beliebtesten und unverwüstlichsten Kompositionen.

 

[3] The Charlatan Waltzes (1898)

 

In der Beliebtheitsskala seiner Operetten belegt The Charlatan nach El Capitan den zweiten Platz. Das Werk kam in Montreal heraus und wurde anschließend auch in New York und (unter dem Titel The Mystical Miss) in London mit Erfolg aufgeführt. Erzählt wird eine jener klassischen Operettengeschichten, in denen es um vertauschte oder falsche Personen des Hochadels geht. Der Titel selbst bezeichnet die Figur des Magiers, der auf geheimnisvolle Weise seinen Weg durch die komplexe Handlung nimmt. Sousa richtete die beliebtesten Liebeslieder seiner Shows gern – wie im vorliegenden Fall – als Walzermedleys nach Strauß’schem Muster ein.

 

[4] The Pride of the Wolverines (1926)

 

Pride of the Wolverines ist der City of Detroit gewidmet und wurde später zum offiziellen Marsch der Stadt erklärt. Dabei handelt es sich um einen der kernigsten und einfallsreichsten Märsche, die Sousa geschrieben hat.

 

[5] University of Nebraska (1928)

 

Dieser Marsch ist dem Lehrkörper und den Studenten der Universität von Nebraska gewidmet. Seine Lebendigkeit, sein Schwung und seine Verve verleihen ihm einen ganz besonderen Platz unter Sousas zahlreichen „College-Märschen“.

 

[6] The Gallant Seventh (1922)

 

Das Siebte Regiment der New Yorker Nationalgarde verfügte jahrelang über eine der berühmtesten Kapellen von New York City. Ihr Leiter Francis Sutherland war bei Sousa Cornettist gewesen. Die Uraufführung des Marsches fand auf der Bühne des großen New Yorker Hippodrom-Theaters statt (dem Vorgänger der heutigen Radio City Music Hall). Sousas Band wurde dabei von Sutherlands Kapelle flankiert.

 

[7] Powhattan’s Daughter (1907)

 

Die Hommage an die legendäre Pocahontas, die Tochter des Häuptlings Powhattan, komponierte Sousa 1907 für die Jamestown Virginia Exposition, eine Ausstellung, die an den 300. Jahrestag der ersten englischen Niederlassung in Amerika erinnerte.

 

[8]-[10] Cubaland (1925)

 

Während eines Urlaubs in Havanna wurde Sousa 1924 zu der farbenfrohen Suite Cubaland inspiriert. Jeder Satz beschreibt eine andere Nation, die auf Kuba regierte: 1875 herrschte Spanien, 1898 Amerika und 1925 kam die Selbständigkeit. Jedes Stück enthält charakteristische Melodien der jeweiligen Herrscher. Unter der spanischen Flagge gibt es Anspielungen auf Melodien wie The Spanish Constitution und Andalusian Dances, die Herrschaft der USA enthält in Form einer „Patrouille“ Hot Time in the Old Town Tonight und Swanee River – und am Ende kommt Kuba mit dem heimischen Traditional La Bayamesa zu Wort.

 

[11] George Washington Bicentennial (1930)

 

Der Marsch zur Feier des 200. Geburtstags von George Washington wurde bei einer eindrucksvollen Zeremonie auf der Capital Plaza in Washington, DC, im Februar 1932 uraufgeführt – einen Monat vor dem Tod des Komponisten, der bei der Feier noch die vereinigten Kapellen der United States Army, Navy und Marines dirigierte.

 

[12] The Diplomat (1904)

 

Als einer der persönlichen Favoriten von Sousa ist Diplomat dem Außenminister John Milton Hay gewidmet. In der Musik spiegelt sich Sousas Bewunderung für das elegante und temperamentvolle diplomatische Geschick des Politikers.

 

[13] The Directorate (1894)

 

Mit Directorate sind hier keine Kapellmeister, sondern die Direktoren der St. Louis Exposition von 1893 gemeint. Sousas Band hatte sich im Sommer dieses Jahres bei dieser Ausstellung mit großem Erfolg hören lassen. Als die Musiker noch etwa zwei Wochen zu absolvieren hatten, wurde Sousa mit einer speziellen Zeremonie geehrt, zu der er den hier vorliegenden Marsch komponierte.

 

[14] Our Flirtation (1880)

 

Dieser Marsch gehörte zu der musikalischen Komödie Our Flirtations, die 1880 in Philadelphia inszeniert wurde. Der Marsch wurde später in einem Arrangement für Band veröffentlicht.

 

[15] Sabre and Spurs (1918)

 

Während des Ersten Weltkrieges schrieb der fleißige Sousa eine Fülle großartiger Märsche zur Begeisterung des Militärs. Eines der schönsten Stücke aus dieser Zeit ist Säbel und Sporen, das dem 311. Kavallerie-Regiment gewidmet ist. Das Trio beschreibt die Hufschläge und die Bewegungen der Reiter.

 

[16] The Atlantic City Pageant (1927)

 

Während seiner letzten Jahre seit 1926 spielte Sousa mit seiner Band oft bei sommerlichen Engagements am Steel Pier von Atlantic City. Der Atlantic City Pageant March entstand auf Bitten des Bürgermeisters und schmückte den berühmten Schönheitswettbewerb der Stadt.

 

Keith Brion

Deutsche Fassung: Cris Posslac


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