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8.559136 - DREAMER: A PORTRAIT OF LANGSTON HUGHES
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Langston Hughes und die Musik

Langston Hughes und die Musik

 

Der Komponist Elie Siegmeister sagte einmal über Langston Hughes (1902-1967), er sei der „musikalischste Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts”. Ob das so stimmt, sei dahingestellt; auf jeden Fall unterstreicht dieses Urteil die unbestreitbare Tatsache, dass sich Hughes’ Gedichte für eine Vertonung geradezu anbieten, und dass die Musik für Hughes wohl die wichtigste Inspirationsquelle war, neben der Geschichte und Kultur der Afroamerikaner im allgemeinen.

 

Anfang der 1920er Jahre, vor der Blütezeit der Harlem Renaissance, wandte sich der junge Hughes von der traditionellen Lyrik ab und verband kühn seine literarische Kunst mit Blues und Jazz. Sein erster Gedichtband hieß bezeichnenderweise The Weary Blues (1926). Ergebnis dieser Verschmelzung war eine neue Art Dichtung, die das Fundament bildete für Hughes’ spätere literarische Karriere, und die dem Schaffen der afroamerikanischen Autoren neue Impulse verleihen sollte. Hughes schuf aber auch mit Hingabe liedhafte Gedichte (ebenfalls beginnend in den zwanziger Jahren), die bei Musikern, schwarzen wie weißen, großen Anklang fanden und zur Komposition von Kunstliedern, Kantaten und sogar Opern anregten. Diese Bandbreite seiner Interessen und seiner Ausstrahlungskraft war typisch für Langston Hughes.

 

Hughes, geboren im Jahre 1902 in Joplin, Missouri, wuchs in Lawrence, Kansas, auf. Er verbrachte ein Jahr in Lincoln, Illinois, und besuchte anschließend, in den Jahren 1916 bis 1920, die Highschool in Cleveland, Ohio. Während dieser Zeit veröffentlichte er erste Gedichte und Kurzgeschichten. In den 1920er Jahren lebte er in (oder reiste er nach) Mexiko, New York City (wo er kurzzeitig die Columbia University besuchte), Afrika, Frankreich und Italien. Mit seinen zwei Gedichtbänden, seinem Roman Not Without Laughter (1930) und seinem Aufsatz The Negro Artist and the Racial Mountain (1926), der zu einem Manifest der jüngeren schwarzen Autoren wurde, gehörte Hughes zu den Köpfen der Harlem Renaissance in New York.

 

In den 1930er Jahren schwenkte Hughes zur extremen politischen Linken um, er verbrachte ein Jahr in der Sowjetunion, und seine Dichtung bewegte sich weg von der Lyrik hin zu propagandistischen Formen, in denen er Klassenbewusstsein und Revolution forderte. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, unterstützte er jedoch, ganz Patriot, die Kriegsanstrengungen seines Landes; in seinem dichterischen Schaffen kehrte er zu früheren Themen und Formen zurück. Um diese Zeit begann er sich besonders für das Schreiben von Liedtexten zu interessieren. Keines seiner Lieder war besonders erfolgreich, dennoch bekam er im Jahre 1946 von Kurt Weill und Elmer Rice das Angebot, an einer Musicalversion von Rice’s preisgekröntem Schauspiel Street Scene mitzuarbeiten, was Hughes gern annahm.

 

Nach dem Erfolg von Street Scene am Broadway 1947 (der Hughes zum ersten Mal in seiner Karriere auch finanzielle Anerkennung einbrachte) begannen immer mehr Musiker, Hughes’ Schaffen für sich zu entdecken, so die Afroamerikaner Margaret Bonds und William Grant Still. Margaret Bonds zum Beispiel vertonte mehrere Gedichte Hughes’, darunter sein „Erkennungsstück” The Negro Speaks of Rivers aus dem Jahr 1921. William Grant Stills Oper Troubled Island entstand in Zusammenarbeit mit Hughes, sie basiert auf einem Theaterstück des letzteren über die Revolution, die zur Gründung der schwarzen Republik Haiti führte. Die Oper wurde 1949 in New York City uraufgeführt; die Musikkritik war geteilter Meinung über das Werk.

 

Auch weiße Musiker waren fasziniert von Hughes’ Texten. Die wohl engste Beziehung als Librettist hatte Hughes zu dem Komponisten Jan Meyerowitz, der aus Deutschland in die USA eingewandert war. Gemeinsam arbeiteten sie an The Barrier nach Hughes’ Theaterstück Mulatto, einer Tragödie um das Thema Rassenmischung im Süden. Zunächst bekam The Barrier hervorragende Kritiken, am Broadway aber, im Jahre 1950, scheiterte das Werk kläglich. Hughes und Meyerowitz arbeiteten weiter zusammen, unter anderem an der biblischen Oper Esther, die im Jahre 1958 in Boston uraufgeführt wurde. Einige Jahre später schrieb Hughes den Text für David Amrams Kantate Let Us Remember, ein Auftragswerk für eine Konferenz der Reformierten Judaisten. Die Kantate wurde im Jahre 1965 von einem 150 Mann starken Chor und dem Oakland Symphony Orchestra uraufgeführt.

 

Hughes war stolz darauf, mit diesen Musikern arbeiten zu können, wenn auch sein Hauptinteresse in musikalischen Dingen weiterhin dem Blues und dem Jazz, in seinen letzten Lebensjahren auch dem Gospel, galt. Hughes hat das Gospel-Musical quasi „erfunden”, eine Form, in der anrührende und mitreißende Gospelsongs, dargeboten von exzellenten Sängern, durch eine begrenzte, überschaubare Handlung miteinander verknüpft werden. The Prodigal Son oder Black Nativity beispielsweise waren sowohl kommerziell als auch bei der Musikkritik erfolgreich. Das Musical Black Nativity, in dem Christus als Schwarzer geboren wird, war möglicherweise von Hughes bewusst als Gegenstück zu Gian Carlo Menottis Weihnachts-Klassiker Amahl and the Night Visitors konzipiert worden.

 

Ob Unterhaltungsmusik oder anspruchsvollere Formen des Jazz und der klassischen Musik - Langston Hughes wurde von Musikern und ihrer Arbeit inspiriert, ihm lag viel daran, von ihnen zu lernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, wann immer er konnte. Er selbst wusste wenig über die theoretische Seite der Musik Bescheid, er konnte keine Noten lesen, spielte kein Instrument und konnte auch nicht besonders gut singen. Aber er liebte die Musik über alles, und er war sehr stolz auf die Faszination, die seine Gedichte und Theaterstücke auf Musiker und Interpreten ausübten.

 

Arnold Rampersad

Deutsche Fassung: Tilo Kittel


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