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8.559199 - HELPS: Shall We Dance / Piano Quartet / Postlude / Nocturne
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Robert Helps (1928-2001)

Robert Helps (1928-2001)

Shall We Dance • Klavierquartett • Postlude • Nocturne • The Darkened Valley (John Ireland)

 

Robert Helps war Professor für Musik an der University of South Florida in Tampa sowie am Konservatorium von San Francisco. Er gewann Kompositionspreise des National Endowment for the Arts, der Guggenheim und der Ford Foundation sowie vieler anderer Stiftungen. 1976 wurde er mit einem Preis der Akademie für Kunst und Literatur ausgezeichnet. Sein Adagio for Orchestra, der spätere Mittelsatz seiner ersten Symphonie, erhielt einen Preis der Fromm Foundation und wurde am Metropolitan Museum of Art in New York City von Leopold Stokowski und der Symphony of the Air, dem früheren NBC Symphony Orchestra, uraufgeführt. Sein erstes Klavierkonzert entstand im Auftrag des Thorne Music Fund. Bei der Weltpremiere des Werkes wurde der Komponist vom Orchester des Manhattan Conservatory begleitet. Das zweite Klavierkonzert entstand im Auftrag der Ford Foundation für Richard Goode, der es mit dem Symphonieorchester der kalifornischen Stadt Oakland uraufführte.

 

Robert Helps war Professor für Klavier am New England Conservatory, am San Francisco Conservatory, an den Universitäten von Princeton und Stanford, an der University of California, Berkeley, und der Manhattan School of Music. 1973 war er als Pianist artist-in-residence der University of California-Davis. Als Pianist und Komponist hat er Aufnahmen für Victor, Columbia, Composers Recordings Inc., Deutsche Grammophon, New World, Desto, Son Nova, GM Recordings und andere Firmen gemacht. Viele seiner Kompositionen wurden eingespielt – darunter die mit dem Naumburg Award ausgezeichnete erste Symphonie sowie Gossamer Noons für Singstimme und Orchester. Sowohl als Solist wie auch als Kammermusiker war Helps in den USA äußerst aktiv. Seine wichtigsten Lehrer waren Abby Whiteside (Klavier) und Roger Sessions (Komposition). Er unternahm viele große Tourneen mit internationalen Künstlern wie Bethany Beardslee, Isidore Cohen, Rudolf Kolisch, der Sopranistin Phyllis Curtin und Aaron Copland. Viele Jahre spielte er solistische und kammermusikalische Werke (zum Teil in Uraufführungen) bei international bekannten Kammermusikinstitutionen und Organisationen für Neue Musik – unter anderem in New York City, Chicago, Los Angeles, San Francisco, Boston und Minneapolis. Zu seinen späteren Auftritten gehörten Solorecitals, mit denen er in Harvard und Princeton an den bekannten amerikanischen Komponisten Roger Sessions erinnerte, fernerhin ein Programm mit Klaviermusik von Ravel in Harvard und ein Solo-Recital in Town Hall, NY. Während seines letzten Lebensjahrzehnts komponierte er unter anderem Eventually the Carousel Begins für zwei Klaviere, A Mixture of Time für Gitarre und Klavier, das er im Juni 1990 in San Francisco mit Adam Holzman uraufführte, The Altered Landscape (1992) für Orgel und Shall We Dance (1994) für Klavier; außerdem entstanden ein zweites Klaviertrio sowie ein Klavierquartett für die Koussevitzky Music Foundation. Robert Helps starb 2001.

 

Shall We Dance stammt aus dem Jahre 1994 und beendete eine lange Phase des kompositorischen Schweigens. Das Stück ist für den Pianisten Russel Sherman geschrieben, der es auch am 2. April 1996 im Kathryn Bache Miller Theatre an der Columbia University School of the Arts aus der Taufe hob. Robert Helps bezeichnete es oft als eines seiner kraftvollsten Stücke: „Der Titel Shall We Dance kam mir ganz spontan und zwangsläufig, als ich die erste Hälfte des Stückes geschrieben hatte. Ich sträube mich nie gegen einen Titel, der sich auf diese Weise einstellt. Mag das Stück auch beiläufig klingen, so ist es doch nicht leichtfertig. Sinnlich ist es freilich allemal. Tanz mischt sich überall ein, sowohl bewusst (das heißt als Walzermelodie von Mischa Levitski, die meine Mutter oft in meiner Kindheit spielte) als auch unbewusst (Pop, Ravel usw.). Der Dreivierteltakt löst sich auf, zerstört sich selbst, während es auf den Höhepunkt des Werkes zugeht, und regeneriert sich doch wieder, um langsam dem Ende entgegenzugehen. Shall We Dance ehrt auf besondere Weise das Pedal, diese herrliche Möglichkeit, über die nur Pianisten verfügen: Sein Fehlen macht sich sogar in den schönen Orchestertranskriptionen bemerkbar, die Ravel von seinen eigenen Klavierstücken gemacht hat – selbst sie verblassen gegenüber den Originalen.

 

Das Klavierquartett entstand 1997 für die Sergej Koussevitzky Music Foundation in der Library of Congress und ist der Erinnerung an Sergej und Natalie Koussevitzky gewidmet. Das Dusmuir Klavierquartett hob das Werk am 14. Dezember 1997 in der National Gallery of Art in Washington, D.C., aus der Taufe.

 

Der Komponist schrieb: „In der Musik handeln lange (mehrsätzige) Stücke von ‘Emotionen’ und ‘Rhythmus’ (Tempo), genau wie eine lange Prosa-Erzählung, ein Roman – jedoch unbelastet von Worten, mithin einer ‘Handlung’“. Wie uns Musik auf diese ganz direkte Weise und ohne alle Worte erreichen kann, wie ein Komponist in der Lage ist, aus nicht mehr als zwölf Tönen Stimmungen zu erzeugen, die bei fast allen empfindenden Zuhörern eine ähnliche Emotion auslöst, das bleibt ein Geheimnis. Die fünf Sätze des Quartetts sind ein wenig so, als betrachtete man einen Edelstein oder ein Gemälde aus fünf sehr unterschiedlichen Blickwinkeln: Die Wahrnehmungen sind ganz verschieden, genau genommen handelt es sich aber jedes Mal nur um einen neuen Gesichtspunkt. Die Satztitel geben einen gewissen Hinweis auf den jeweiligen Stimmungsgehalt: Prelude, Intermezzo, Scherzo, Postlude – und dazu eine Coda – The Players Gossip. Dieser recht eigentümliche und seltsame Titel geht auf den Kommentar zurück, den Chopin vor der Veröffentlichung seiner berühmten zweiten Klaviersonate „mit dem Trauermarsch“ formulierte: Das Finale, das im Anschluss an den Trauermarsch gespielt wird, ist uns heute als ‘Sturmwind über den Gräbern’ geläufig; Chopin dürfte diese Beschreibung ebensowenig gekannt haben wie Beethoven den Titel ‘Mondscheinsonate’. In einem Brief an einen Freund beschrieb Chopin die beiden letzten Sätze dieser Sonate als ‘einen Trauermarsch, dem ein wenig Geplapper folgt.’ Da Komponisten (verbal) gern ein wenig frivol mit eigentlich ernsten (nicht verbalen) Dingen umgehen, kam mir die Stimmung dieses brieflichen Kommentars in den Sinn, nachdem ich den fünften Satz beendet hatte, und es erschien mir, als würden die Worte besonders gut zu dem Stimmungsgehalt passen.

 

Eine gedrängte Stimmungsbeschreibung der Sätze könnte etwa so aussehen:

 

1 Ein Klaviersolo ... Strahlenglanz, allerdings von einer eher gedämpften Art.

 

2 Der „menschlichste“ Satz – vielleicht Intimität, wiederum von gedämpfter Art.

 

3 Schließlich ein wenig Tempo in ABA-Form, hier zumeist definiert als LAUT, leise.

 

4 Wiederholung des ersten Satzes, wobei das Klavier jetzt von den andern Instrumenten begleitet wird; dergestalt ändert sich die Wahrnehmung ein wenig.

 

5 Ein gutmütiges Finale; der Satztitel Coda – das Geplapper umschreibt recht treffend eine mögliche Betrachtungsweise.

 

Das Postludium für Horn, Violine und Klavier entstand 1964. Es ist der dritte Teil der Serenade,  einer Folge mehrerer Kompositionen, die im Auftrag der Fromm Music Foundation entstanden.

 

Das Nocturne für Streichquartett wurde im November 1960 vollendet. Es ist der zweite Teil der bewussten Serenade. Die Originalpartitur hat Robert Helps seinen Eltern gewidmet. In einem eigenen Kommentar schrieb er: „Es gehört zu einer esoterischen, selten aufgeführten Gattung – zur Spezies der einsätzigen Streichquartette. Später übernahm ich das Nocturne in ein noch weniger aufführungsfähiges Werk – ein kammermusikalisches happening namens Serenade, ein dreisätziges Stück, dessen Teile man sowohl als Zusammenhang wie auch separat spielen kann.  Das Nocturne ist der Mittelsatz. Es ist vor allem ein Stimmungsstück, und seine Stimmung steht in der Tradition der zahlreichen Nachtmusiken, die man in den symphonischen Werken bzw. Streichquartetten von Mahler oder Bartók findet. Das Nocturne ist ein vornehmlich zarter Satz, eine ‘Nachtmusik’, die man von ferne hört. Gleichwohl gibt es auch hier ein Quantum an filigranem Passagenwerk und gelegentlich eine ‘sordinierte’ Klimax. Die Verbindung von Eleganz und Sehnsucht mit den durchgehend hohen Registern der Instrumente bietet meiner Meinung nach eine interessante Herausforderung für die Spieler.“

 

Bisweilen könnte man in Robert Helps einen Seelenverwandten von John Ireland sehen. Gewiss faszinierte ihn die schöne Musik Irelands, die er oft gespielt hat; überdies hat er einige seiner Lieder für Klavier allein arrangiert. John Ireland wurde zu seiner Zeit durchaus respektiert, doch er erreichte nie einen solchen Bekanntheitsgrad wie etwa seine zeitgenössischen Kollegen Ralph Vaughan Williams, Gustav Holst und Frank Bridge. Der vorliegende Live-Mitschnitt des The Darkened Valley  (Walking along the darkened valley/ With silent melancholy) war die vierte und letzte Zugabe, die Robert Helps am 6. November 2000 im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie spielte.

 

Robert Helps und Frank Dodge

Deutsche Fassung: Cris Posslac


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