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8.559207 - HOVHANESS: Symphonies Nos. 4, 20 and 53
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Alan Hovhaness (1911-2000)
Symphonien Nr. 4, 20 und 53 • Trompetenkonzert • The Prayer of St. Gregory

Der amerikanische Komponist Alan Hovhaness ist armenisch-schottischer Herkunft und nahm im Laufe seiner bedeutenden, produktiven Karriere eine Fülle von Einflüssen auf. Er studierte bei Frederick Converse am New England Conservatory und wandte sich, nachdem Bernstein und Copland verschiedentlich sein frühes Schaffen kritisiert hatten, armenischen Inspirationsquellen zu. Später kamen dann viele Einflüsse des Fernen Ostens hinzu, bevor er sich wieder westlichen Traditionen zuwandte. Hovhaness war ein Komponist von beträchtlicher Originalität, der oft idiosynkratische Instrumentationen benutzte – nicht zuletzt in etlichen der 67 Symphonien, die einen Teil seines Katalogs von mehr als 400 Kompositionen ausmachen.

Zu seiner Symphonie Nr. 4 für Blasorchester schrieb Hovhaness: „Ich bewundere die gigantische Melodie des Himalaya, die geistliche Musik aus dem Armenien des 7. Jahrhunderts, die klassische Musik Südindiens, die Orchestermusik der chinesischen Tang- Dynastie von etwa 700 n. Chr., die Opern-Oratorien von Händel.”

„Meine Symphonie Nr. 4 geht wohl auf die spirituellen Einflüsse der Komponisten Yegmalian, Gomidas Vartabed und Händel zurück. Sie besteht aus drei Sätzen. Der erste Satz, Andante, ist ein Hymnus mit Fuge. Der Allegro-Satz schließt sich an, während Bläserchöre die Fuge in einem vokalen Kontrapunkt durchführen. Der zweite Satz, Allegro, gehorcht der Form Tanz-Trio-Tanz. Der dritte Satz, Andante espressivo, ist ein Hymnus mit Fuge. Das Allegro maestoso im 7/4-Takt ist ein abschließender Hymnus mit Fuge über Glockenklängen.”

Dieses Werk entstand 1958 für die American Wind Symphony aus Pittsburgh und ist die erste der acht Bläsersymphonien, die Alan Hovhaness komponierte. Die Besetzung besteht aus der vergrößerten Bläsersektion eines Symphonieorchesters. Ausgedehnte Solopassagen sind der Bassklarinette, dem Kontrafagott, Marimba und Xylophon sowie Oboe und Englischhorn übertragen. Im Kopfsatz treten Quartette aus Hörnern und Posaunen hervor. Die Solomelodien sind modal, während der grundlegend tonale Charakter der Harmonik durch ungewöhnliche, wenngleich gelungene Dreiklangsbeziehungen in Dur und Moll entsteht. Im wesentlichen atonal sind die Glockenklänge, die die Kontrapunktik des abschließenden Hymnus mit Fuge durchdringen und die gegen die Dreiklangsharmonik gesetzt werden.

In seiner Symphonie Nr. 20 Drei Reisen zu einem heiligen Berg hat der Komponist drei sehr unterschiedliche Pilger-Märsche komponiert. Er schreibt: „Der erste Satz bewegt sich im Geiste der religiösen Musik Armeniens in drei großen melodischen Bögen, der letzte hat die Stimmung eines Spirituals.” Der einleitende Chor der Klarinetten erinnert an eine karge Landschaft und verwendet ein harmonisches Mittel des Orients, das als Wasserjungfer oder Libelle bekannt ist: Dabei werden periodisch konsonante, offene Klänge berührt, die sich dann zeitweilig in Dissonanzen auflösen. Der erste der drei Bögen beginnt mit einer edlen, hymnenartigen Bemerkung der Trompeten. Erneut sind die Klarinetten zu hören – wieder mit ihrer Wasserjungfer. Im Solo des Englischhorns beginnt ein zweiter Bogen, ein warmer, wogender, ehrfurchtsvoller und voll ausgeführter langsamer Marsch. Wieder erklingt die Wasserjungfer, um die Bögen zu durchsetzen, wobei jetzt auch die Flöten hinzutreten; so wird ein letzter melodischer Bogen erreicht, der im Stil eines großen und noblen Spirituals gehalten ist. Ein letztes Mal hört man Klarinetten und Flöten, die den Satz abschließen.

„Der zweite Satz ist eine lange Melodielinie, die nicht-harmonisch ausgefüllt und unisono über Dudelsackbässen im orientalischen Stil getragen wird.” Wie ein neuer Anfang in dieser Kollektion aus Pilgermärschen spielt ein solistisches Altsaxophon eine tanzartige Figur, in die ab und zu andere Saxophone einfallen und die durch die Rhythmen eines Schlagzeug- Ostinatos getragen wird. Klirrende Glocken kündigen ein großes Unisono der Trompeten an, die ein Gebet oder eine Predigt intonieren, wozu urtümlich geschlagene Becken ertönen. Der letzte Abschnitt ist ein fesselnder Tanz mit Passagen für Solo-Oboe und -Klarinette, die sich über hüpfenden Figuren der Pauken und großen Trommel graziös vorwärtsbewegen.

„Der dritte Satz besteht aus Choral und Fuge: Auf dem Höhepunkt der Fuge kehrt kraftvoll das Choralthema wieder, das von vielstimmigen kanonischen Zwischenspielen durchsetzt ist.” Drei Reisen zu einem heiligen Berg entstand 1969 im Auftrag der High School Band von Ithaca NY und ist in einem volltönenden Stil mit zahlreichen jener Verdopplungen komponiert, die man bei größeren Blaskapellen findet. Tatsächlich sind einige der Instrumente (Klarinetten und Blech) so häufig besetzt, dass sie dem Werk auf ähnliche Weise Fülle verleihen, wie das die Streicher im normalen Orchester tun. Prominente Soli sind dem Englischhorn und dem Altsaxophon sowie der Klarinetten- und der Oboen-Gruppe übertragen.

Zu seiner Symphonie Nr. 53 Sternendämmerung für Kapelle schreibt der Komponist:

„Am Anfang dieser Symphonie stand eine Wendung aus Dante – Sternendämmerung – , die an eine Reise durch den Raum denken ließ. Glocken symbolisieren die Sterne, lange, fließende Melodien erzeugen ein Gefühl der Reise, und große Choräle symbolisieren die Menschheit. Mein lebenslanges Interesse an der Astronomie ließ den Gedanken und die Hoffnung entstehen, wir könnten den Mars bewohnbar machen. Da die Bevölkerung auf der Erde immer größer wird, müssen wir diese Möglichkeit schließlich ins Auge fassen. Der Mars ist zwar kalt, scheint aber ein Klima zu haben, das dieses ermöglicht.”

Die Symphonie besteht aus zwei Sätzen. Der erste bezeichnet die Reise, der zweite die Ankunft. Star Dawn war ein Auftrag von Charles D. Yates für sein San Diego State University Wind Ensemble und wurde 1983 vollendet.

Zu seinem Trompetenkonzert Return and Rebuild the Desolate Places [Kehrt zurück und baut die verlassenen Orte wieder auf] schreibt Hovhaness wie folgt:

„1. In der Form eines netori oder kurzen Vorspiels. Durch geheimnisvolle Cluster klingt die Solotrompete wie ein Prophet des Untergangs. Es ist die Stimme der Cassandra. Plötzlich schlägt der Terror mit Wut und Vernichtung zu; am Ende stehen die düsteren Glissandi klagender Posaunen.”

„2. Angeregt durch ein Portrait des heroischen Priesters Khrimian Hairig, der das armenische Volk bei vielen Glaubensverfolgungen anführte. Es ist ein melismatischer Hymnus derer, die den Tempel erbauten; sie folgen dem Klang der Trompete, die den Kantor oder begeisterten Boten darstellt. Die priesterartige Melodie besteht aus drei Bögen: 1) Der Kelch der Heiligkeit, 2) Die Flügel des Erbarmens, 3) Der Triumph des Glaubens. Die Menschen kommen aus ihren dunklen Höhlen hervor und freuen sich.”

Return and Rebuild the Desolate Places war ein Auftrag des American Wind Symphony Orchestra von Pittsburgh und wurde 1965 erstmals veröffentlicht. Die Solotrompete wird von einer kleinen orchestralen Bläsergruppe unterstützt.

„The Prayer of St. Gregory [Das Gebet des Heiligen Gregor] war ein Intermezzo aus meiner geistlichen Oper Etchmiadzin. Der heilige Gregor, der Erleuchter, brachte um 301 das Christentum nach Armenien. Diese Musik ist wie ein Gebet in der Dunkelheit. St. Gregor wurde in ein Verließ geworfen, wo er wunderbarerweise fünfzehn Jahre lang überlebte. Anschließend heilte er den Wahnsinn des Königs.” In diesem Fall fungiert die Solotrompete als Kantor oder Prediger. Die große Blaskapelle antwortet als Gemeinde. Die Blaskapell-Fassung dieses Werkes wurde 1972 von dem Trompeter Gerard Schwarz mit Keith Brion und der North Jersey Wind Symphony uraufgeführt.

Keith Brion
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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