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8.570027 - MOZART, W.A.: Magic Flute (The) / La Clemenza di Tito (arr. for wind ensemble) (Saxonian Woodwind Academy)
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Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Die Zauberflöte – Bläserarrangement von Joseph Heidenreich
La Clemenza di Tito – Bläserarrangement von Joseph Triebensee

 

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war die sogenannte „Harmoniemusik“ für Bläserensembles in Mitteleuropa weithin verbreitet. Dabei bildeten sowohl neue Kompositionen als auch die Einrichtungen populärer Opernmelodien ein Unterhaltungsrepertoire – beispielsweise als Tafelmusik, wie man sie in Mozarts Don Giovanni hören kann: Hier spielen die Musiker verschiedene Ausschnitte aus Opern von Martín und Sarti, um am Ende Non più andrai aus Le nozze di Figaro zu zitieren. Im Wien Kaiser Josephs II. wurde diese Art der Bläsermusik immer raffinierter. Während sich frühere „Harmoniemusiken“ häufig aus Dienern zusammensetzten, die auf Oboen, Fagotten und Hörnern bliesen, rief Seine Majestät ein weitaus kunstfertigeres Ensemble ins Leben, dessen Mitglieder auch im Hoforchester die Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte spielten. Für Gruppen dieser Qualität schrieb Mozart seine Bläserserenaden, und solche müssen ihm auch bei seinen späteren Orchesterbesetzungen, namentlich in Così fan tutte, vorgeschwebt haben.

In jedem Fall war die Bläsereinrichtung aktueller Bühnenerfolge eine lukrative Angelegenheit, wie man zum Beispiel aus einem Brief erfährt, den Mozart seinem Vater am 24. Juli 1782 nach Salzburg schreibt: „Nun habe ich keine geringe arbeit. – bis Sonntag acht tag muß meine Opera [NB: Die Entführung aus dem Serail] auf die harmonie gesezt seyn—sonst kommt mir einer bevor—und hat anstatt meiner den Profit davon.“ Gewöhnlicher freilich war es, dass man diese Arbeit des Arrangements andern überließ, ob autorisiert oder nicht.

Die hier eingespielten Bläserarrangements entstanden nach Mozarts zwei letzten Opern: Die Zauberflöte und La Clemenza di Tito, die beide im Jahre 1791 geschrieben und uraufgeführt wurden. Die Zauberflöten-Einrichtung für die übliche Besetzung von je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten und Hörnern stammt von Joseph Heidenreich, der schon ehedem mehrere Mozart-Opern arrangiert hatte. Seine Bearbeitung der Zauberflöte wurde in der Wiener Zeitung vom 14. Januar 1792 als sechs- und achtstimmige Alternative annonciert; im August desselben Jahres legte Heidenreich dann auch eine Klavierfassung des Werkes vor.

Das Arrangement verrät nicht nur technisches Können, sondern auch einen Sinn fürs Geschäft. Nachdem das Singspiel am 30. September 1791 im Theater an der Wieden zu Wien uraufgeführt worden war, dauerte es nur wenige Monate, bis die interessierte Kundschaft die Bearbeitung erwerben konnte. Diese beginnt, wie nicht anders zu erwarten, mit der Adaption der Ouvertüre [1]. Auf der Bühne sieht man dann den Helden des Werkes, den jungen Prinzen Tamino, auf der Flucht vor einer Schlange. Er ruft um Hilfe und fällt in Ohnmacht. Drei Damen im Dienste der Nächtlichen Königin treten auf und erlegen das Ungeheuer. Danach entbrennt ein Streit darüber, wer den schönen Jüngling bewachen und wer die Königin der Nacht von den Ereignissen benachrichtigen solle. Endlich kommt man überein, gemeinsam zu gehen: Ich sollte fort! [2] singen sie (hier ist dieser Titel in die Tonart der Ouvertüre transponiert). Die Damen verschwinden. Statt dessen betritt ein wunderlicher Mensch im Federkleid den Plan – Papageno, der sich sogleich vorstellt: Der Vogelfänger bin ich ja [3]. Als Tamino wieder zur Besinnung kommt, behauptet der Gefiederte, er habe die Schlange getötet. Gleich wird ihm die Strafe für seine Lüge: Die drei Damen kommen zurück und sperren ihm den Mund mit einem Vorhängeschloss zu. Der Arme kann nur noch Hm! Hm! Hm! [4] schnaufen (das Fagott tut das hier an seiner Stelle), indessen ihn Tamino (die Klarinette) gebührend bedauert. In der Opernhandlung reichen die drei Damen nunmehr dem Prinzen das entzückende Portrait eines liebreizenden Mädchens: Es zeigt Pamina, die Tochter der Nächtlichen Königin, die angeblich von dem bösen Zauberer Sarastro entführt wurde (Heidenreich verschiebt Taminos hier fällige Arie Dies Bildnis ist bezaubernd schön an eine andere Stelle). Nunmehr hat die Königin selbst ihren furchterregenden Auftritt. Sie befiehlt Tamino, die Tochter zu retten. Die Damen befreien Papageno von seinem Schloss, bevor sie ihn mit einem magischen Glockenspiel und Tamino mit der Zauberflöte versehen, die die beiden auf ihrer Reise beschützen sollen.

Die Szene wechselt zum Palast des Sonnenpriesters Sarastro. Pamina hat versucht zu fliehen, wurde aber von dem Mohren Monostatos wieder eingefangen, der sich nun diebisch über seine Gefangene freut: Du feines Täubchen nur herein [5]. Der Vogelmensch Papageno erscheint und steht vor Monostatos. Die beiden erschrecken voreinander, jeder glaubt, der andere sei der Teufel. Papageno befreit Pamina, und diese singt im Duett mit ihrem Befreier den „Schlager“ Bei Männern welche Liebe fühlen [6]. Direkt danach bringt Heidenreich als zweiten Höhepunkt die „Bildnisarie“ Taminos [7]. Dieser ist, der dramatischen Handlung folgend, inzwischen von drei Knaben zu einem Hain mit drei Tempeln geführt worden. Die Knaben weisen ihm den Weg: Zum Ziele führt dich diese Bahn [8]. An zwei Tempeltüren wird der Prinz schroff zurückgewiesen. Also spielt er auf seiner Flöte: Wie stark ist nicht dein Zauberton [9], worauf sich tanzende Tiere zeigen. Papageno ist derweil von Monostatos ergriffen worden, doch als er seine Glöckchen ertönen lässt, muss der Schwarze mitsamt seinen Sklaven tanzen: Das klinget so herrlich [10]. Papageno und Pamina entkommen. Am Ende des ersten Aktes tritt Sarastro nebst seinen Priestern auf. Er befiehlt, Monostatos zu bestrafen – was eigentlich ein Vorspiel zu Taminos purgatorischen Prüfungen darstellt. Der Schlusschor Wenn Tugend und Gerechtigkeit [11] beendet den Aufzug.

Der zweite Akt zeigt nun die Prüfungen, die Tamino und in geringerem Maße auch Papageno zu bestehen haben. Sarastro betont, wie wichtig der Augenblick sei: In seiner Arie O Isis und Osiris [12] bittet er die Götter, Tamino und Pamina Weisheit zu schenken. Zur ersten Prüfung werden nun Tamino und Papageno in den Vorhof eines Tempels geführt, wo ihnen die Priester Stillschweigen befehlen und ihnen raten, sich vor „Weibertücken“ zu bewahren. Die drei Damen kommen herbei: In Wie? Wie? Wie? Ihr an diesem Schreckensort [13] wollen sie die beiden Männer verführen, den „falschsinnigen“ Priestern zu entfliehen. Papageno fängt an zu plappern, wird von dem standhaften Tamino aber zurechtgewiesen. – Die Szene wechselt, und man sieht einen Garten. Pamina schläft im Mondenschein. Monostatos schleicht herbei, um sich einen Kuss zu rauben. In Alles fühlt der Liebe Freuden [14] rechtfertigt er seine Sehnsucht, die ja nichts mit der Hautfarbe zu tun habe. Unter Donner erscheint die Königin der Nacht und vereitelt sein Ansinnen, worauf sie zu verstehen gibt, dass „der Hölle Rache“ in ihrem Herzen kocht (diese Arie hat Heidenreich klugerweise nicht in sein Arrangement aufgenommen). Sie übergibt Pamina einen Dolch und verschwindet in der Versenkung. Monostatos kommt zurück, wird aber von Sarastro verjagt und fasst den Entschluss, der Königin der Nacht bei ihren finstern Machenschaften zu helfen. Nachdem Sarastro festgestellt hat, dass man „in diesen heiligen Hallen“ keine Rache kennt, kommen die drei Knaben mit einer Art Flugmaschine herbei und singen selbdritt: Seid uns zum zweiten Mal [15]. Sie händigen Tamino und Papageno ihre Zauberinstrumente wieder aus und lassen überdies eine Tafel mit Essen erscheinen. Sie machen dem Prinzen Mut („Nah ist das Ziel“) und fordern Papageno auf, den Schnabel zu halten. Pamina kommt in freudiger Überraschung, begegnet aber einer Mauer des Schweigens. Tamino muss die von Sarastro vorgeschriebene Probe bestehen, Pamina beklagt den vermeintlichen Verlust ihres Glückes und erfährt dann in dem Terzett Soll ich dich Teurer nicht mehr sehn? [16] von Sarastro, dass auf Tamino noch eine weitere Prüfung wartet. Papageno hat inzwischen herausgefunden, wie er sich mit den Genüssen des irdischen Lebens versehen kann, doch irgendetwas fehlt ihm noch: Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich [17]—ein Wunsch, der sich in Gestalt der Alten zu erfüllen scheint, die den Vogelfänger schon vorher zum Besten gehalten hatte. Nunmehr verwandelt sie sich in eine junge, ganz wie Papageno gekleidete Papagena. Doch sogleich packt sie der Sprecher (einer der Priester) bei der Hand und zieht sie weg: Papageno sei ihrer noch nicht würdig. Der ist verzweifelt und will sich aufhängen, als die drei Knaben zu seiner Rettung nahen. Er schlägt seine Zauberglöckchen. Papagena erscheint. Mittlerweile haben Monostatos, die Königin und all ihre Damen noch einen letzten Anschlag auf Sarastro geplant. Die Mächte des Lichts schlagen sie vernichtend. Tamino hingegen hat seine Prüfungen bestanden und ist, wie Pamina, erleuchtet. Heidenreich beendet seinen Querschnitt jedoch mit dem fröhlichen Gesang des Papageno: Papagena! Bist Du mir nun ganz gegeben [18], jubelt er, der nunmehr sein Weibchen gefunden hat.

Über Joseph Triebensee ist weit mehr bekannt als über seinen Kollegen Heidenreich. Er war der Sohn eines vorzüglichen Oboisten und selbst in diesem Fache tätig—unter anderem spielte er die Oboe bei der Uraufführung der Zauberflöte. Von 1796 bis 1809 leitete er die fürstlich-liechtensteinische Harmoniemusik im mährischen Feldsberg, wo er viele seiner Bläserarrangements herstellte. Seit 1816 war er dann Carl Maria von Webers Nachfolger als Operndirektor in Prag.

La Clemenza di Tito komponierte Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Libretto, das von Pietro Metastasio herrührte, für die Feierlichkeiten, bei denen Kaiser Leopold II. im September 1791 auch zum König von Böhmen gekrönt wurde. Die aus Italien stammende Gemahlin des Monarchen soll die Auftragsoper als eine porcheria tedesca („Deutsche Sauerei“) bezeichnet haben, worunter ihr posthumer Ruf ein wenig gelitten hat.

Die Handlung ist weniger kompliziert und verwirrend als die Aktionen der Zauberflöte und daher rasch erzählt. Vitellia, die Tochter des früheren Kaisers Vitellius, ist eifersüchtig auf den neuen Kaiser Titus Vespasianus. Sie gewinnt dessen Freund Sextus, der sie liebt, zu einer Verschwörung gegen den Imperator. Annius hinwieder bittet seinen Freund Sextus, ihm seine Schwester Servilia zur Frau zu geben. Dieser willigt ein. Doch Kaiser Titus hat selbst vor, Sextus zu ehren und Servilia zu heiraten, nimmt dann aber von seinem Vorhaben Abstand, als ihm das Mädchen ihre Liebe zu Annius gesteht. Derweil will Vitellia noch immer, dass Sextus Titus tötet. Als sie erfährt, dass letzterer nunmehr sie zur Frau nehmen will, bemüht sie sich, das bereits im Gange befindliche Komplott zu verhindern. Titus überlebt. Sextus wird für schuldig befunden, schweigt aber über die eigentliche Initiatorin. Vitellia gesteht ihre eigene Schuld. Der großherzige Kaiser gewährt Verzeihung.

Triebensee beginnt seine Einrichtung mit einer leicht gekürzten, von C nach B transponierten Variante der Ouvertüre [19]. Darauf folgt das (hier weggelassene) Duett von Vitellia und Sextus, Come te piace imponi („Was du befiehlst, befolg’ ich“). Deh se piacer mi vuoi („Willst du mich freundlich finden“) [20] ist Vitellias erste Arie; hier übernimmt die erste Oboe große Teile der Gesangslinie. Deh prendi un dolce amplesso („Lass dich von mir umarmen“) [21] ist ein Duettino für Sextus und Annius, in dem dieser jenen um die Hand seiner Schwester Servilia bittet. Diesem sanft wiegenden Stück folgt die Marcia [22], die – im Original mit Pauken und Trompeten—den Auftritt des Kaiser s und seines Gefolges auf dem Forum Romanum markiert. Del più sublime soglio („Nur Wohltun ziert die Fürsten“) [23] ist die erste Arie des Titelhelden, die in der Bearbeitung vom ersten Fagott „gesungen“ wird. Es folgt das Duett von Servilia und Annius, Ah perdona al primo affetto („O verzeihe meine Kühnheit“) [24]. Mit seiner zweiten Arie Ah, se fosse intorno al trono („Wäre vor dem Kaiserthrone“) [25] reagiert Titus auf Servilias Erklärung, sie könne seine Frau nicht werden, da sie Annius liebt. Mit dem hier fehlenden Parto, parto, ma tu ben mio („Folgen will ich gehorsam“) beantwortet Sextus Vitellias Mordauftrag. Ausgelassen wurde auch die Nummer Vengo! Aspettate! („Wartet ... ich will kommen!“), ein Terzett für Vitellia, Annius und den Prätorianer-Präfekten Publius: Darin singt Vitellia von ihrer Angst vor der von ihr angezettelten Verschwörung, während die beiden Männer wollen, dass sie sich zum Empfang des Kaisers rüstet, der sie heiraten will. Die Bearbeitung endet mit Deh conservate, oh Dei („O schützet ihn, ihr Götter“) [26], einem Quintett und Chor mit Vitellia, Servilia, Sextus, Annius und Publius, das den ersten Akt der Oper beschließt. Sextus, hier vom ersten Fagott repräsentiert, betet für die Rettung des Kaisers. Annius begreift nicht, wessen sich sein Freund schämt: Er drängt Servilia (erste Oboe) zur Flucht, Publius sieht seinen Kaiser in Gefahr. Vitellia (erste Klarinette) tritt auf, um nach Sextus zu sehen. Mit kurzen rezitativischen Passagen und einem abschließenden Andante bringen die Sänger ihren Schmerz über das Geschehene zum Ausdruck. Nach der voraufgegangenen Dramatik endet der Akt mit einem ungewöhnlich verhaltenen Ensemble.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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