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8.570113-14 - HANDEL: Tobit
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Georg Friedrich Händel (1685–1759): Tobit
Zusammengestellt aus Werken Händels von Johann Christoph Schmidt (1712–1795)

 

Georg Friedrich Händel wurde 1685 in Halle an der Saale als Sohn eines erfolgreichen Baders und dessen zweiter Frau geboren. Später war er in der englischen Namensform bekannt, die er in London annahm: George Frederic Handel. Der Vater stellte sich gegen die musikalischen Ambitionen seines Sohnes, und so ging Händel nach dessen Tod 1702 als Jurastudent an die Hallesche Universität – der Vater hatte darauf bestanden. Schon einen Monat später gelang es ihm, die Organistenstelle am reformierten Dom zu bekommen. Er behielt sie ein Jahr bis zu seiner Abreise nach Hamburg. Dort wirkte Händel an der Oper, zunächst als Violinist, dann aber auch als Cembalist und Komponist. Als solcher erweiterte er das Repertoire des Hauses an italienischer Oper. Auf Einladung des Sohnes des Großherzogs von Toskana aus dem Hause Medici reiste er 1706 nach Italien, wo er in den folgenden vier Jahren beachtlichen Erfolg verbuchen konnte. Dank Verbindungen, die er in Venedig geknüpft hatte, wurde er 1710 zum Kapellmeister des Kurfürsten von Hannover berufen. Dort gewährte man ihm schnell Urlaub zur Erfüllung eines Auftrags in London.

Händels erste Oper für London war Rinaldo, mit der er allgemeine Anerkennung fand; nach wenig mehr als einem Jahr in Hannover kehrte er nach London zurück. Hier nun etablierte er sich als Komponist der italienischen Oper und anderer Formen von Vokal- und Instrumentalmusik, wofür es ein begieriges Publikum gab. Allmählich dominierte er sogar das musikalische Leben der englischen Hauptstadt. Seine Verbindung zur italienischen Oper als Komponist und Organisator setzt sich fort, schließlich unter dem königlichen Patronat Georgs I., Kurfürst von Hannover, der nach dem Tod von Königin Anne 1715 den englischen Thron bestiegen hatte. Doch 1733, mit der Gründung eines konkurrierenden Opernensembles unter dem Patronat des Prinzen von Wales, begannen wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Obwohl sich Händel auch weiterhin der italienischen Oper widmete – seine letzte kam 1741 auf die Bühne –, richtete er seine Aufmerksamkeit zunehmend auf eine neue englische Form: das Oratorium. Dieses hatte unübersehbare praktische Vorteile: in sprachlicher Hinsicht, im geringeren Bedarf an teurem Spektakel und in der zunehmenden Anstellung einheimischer Sänger. Der Inhalt von Oratorien entsprach in seiner Synthese von Religion und Unterhaltung den Erwartungen der englischen Protestanten; auch erregte er keinen Anstoß bei jenen, die Opernkonventionen in einer Stadt mit starken dramatischen Traditionen lächerlich fanden. Händels erstes englisches Oratorium war 1732 Esther mit einem Libretto nach Racine, 1733 gefolgt vom biblischen Deborah im März und Athalia im Juli, letzteres mit einem Libretto seines früheren Mitarbeiters Samuel Humphreys nach Racine und biblischen Quellen. Das nächste englische Oratorium auf biblischer Grundlage war Saul, erstmals aufgeführt am 16. Januar 1739 im King’s Theatre in London und danach zu verschiedenen Anlässen wiederbelebt.

In den folgenden Jahren entwickelte Händel das Genre des Oratoriums weiter – vorwiegend mit biblischen Themen, gelegentlich aber auch mit Abstechern ins Mythologische. Diese Werke mit ihren italienisierenden Melodien, starken Chören und ihrem ausgeprägten Sinn für Dramatik festigten die fortgesetzte Popularität und Dominanz des Kompo-nisten, gerade auch mit der breiteren Entwicklung des Chorgesangs im 19. Jahrhundert. Händels berühmtestes Oratorium Der Messias wurde 1742 erstmals aufgeführt, sein letztes, Jephta, zehn Jahre später. Während Der Messias wegen seines anspruchsvollen Sujets sicher eine Ausnahme darstellt, behandeln die meisten Oratorien Erzählungen aus dem Alten Testament – bestens charakterisiert durch des Komponisten eigene Bezeichnung als sakrale Dramen.

Händel starb im April 1759 in London und wurde wunschgemäß in Westminster Abbey bestattet. Drei Jahre später wurde ihm dort ein phantasievolles und etwas unwahrscheinliches Grabmal gesetzt, dessen Schöpfer Louis François Roubiliac dreißig Jahre zuvor eine Statue des Komponisten – in Nachtmütze und Pantoffeln – als Apollo für den Lustgarten von Vauxhall gefertigt hatte, Ausdruck von Händels Popularität. Sein Begräbnis zog mehr als dreitausend Trauergäste an; posthume Händel-Feierlichkeiten zogen ähnliche Massen in die Abbey – mit einer entsprechenden Zahl an Künstlern.

 

Tobit und John Christopher Smith

Die Aufführungsdaten des Oratoriums Tobit sind unbekannt, doch das Werk ist mutmaßlich auf 1764 zu datieren, als Smith’ anderes Händel-Pasticchio Nabal erstmals aufgeführt wurde. Bleistift-Anstreichungen in der erhaltenen Partitur deuten auf zumindest eine Aufführung. Das Werk tauchte 1856 in einem Katalog des Buchhändlers Thomas Kerslake in Bristol wieder auf. Neben anderen Gegenständen, die John Christopher Smith d. J. gehört hatten, wurde die Partitur von Victor Schoelcher gekauft. Zu der Sammlung gehörten Händels so genannte „Dirigierpartituren“, die Schoelcher zusammen mit einigen Werken von Smith an die Stadt Hamburg verkaufte; andere Kompositionen von Smith behielt er in seinem Besitz. Letztere waren dann Teil einer Schenkung Schoelchers an das Pariser Conservatoire, und so kamen sie 1964 in den Besitz der Bibliothèque Nationale. Darunter befanden sich die Handschriften von vier Oratorien von Smith – Redemption, Tobit, Gideon und Nabal – die in der Folge wiederentdeckt und von dem Wissenschaftler Richard G. King einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden (nach Music and Letters, Vol. 79 Nr. 2, 1998).

Johann Christoph Schmidt d. Ä. wurde 1683 in Kitzingen als Sohn eines angesehenen Kaufmanns und Stadtrats geboren. Möglicherweise lernte er Händel während dessen kurzer Studentenzeit an der Universität in Halle kennen. Jedenfalls zog er ein Jahr nach dem Tod seines Vaters 1704 nach Nürnberg und kurz darauf nach Ansbach, wo er heiratete. Nach dem Tod seiner Frau, die 1708 im Kindbett starb, heiratete er erneut und hatte mit dieser Frau vier Kinder. 1716 nahm er die Einladung Händels, der Ansbach besuchte, an, mit ihm in London zu arbeiten. Später holte er seine Frau und die drei überlebenden Kinder nach. Sein ältester Sohn bekam den gleichen Namen und änderte ihn wie sein Vater in John Christopher Smith, was unter späteren Autoren einige Verwirrung stiftete.

John Christopher Smith d. Ä. diente Händel bis zu dessen Tod 1759 als erster Kopist und Assistent und erhielt deshalb aus dem Nachlass Händels Manuskripte. Nach seinem eigenen Tod 1763 ging die Sammlung an den Sohn über. Diese Händel-Autographe wurden 1795 an König George III. übergeben und befinden sich heute zusammen mit dem Rest der Royal Music Library in der British Library. Die Dirigierpartituren blieben jedoch im Besitz der Stieftochter von Smith d. J. und wurden 1851 schließlich versteigert.

Der jüngere John Christopher Smith wurde 1712 in Ansbach geboren und erhielt seine Ausbildung in London. Im Alter von dreizehn Jahren hatte er Klavierunterricht bei Händel und studierte Komposition bei Thomas Roseingrave (1688–1766) und John Christopher (Johann Christoph) Pepusch (1667–1752). Erste Anerkennung gewann er als Musiklehrer und in geringerem Maße auch als Komponist. In den 1750er Jahren half er Händel bei der Aufführung von Oratorien, vor allem nach dessen Erblindung. Er diente darüber hinaus als unbezahlter Organist und Chormeister am Foundling Hospital, wo er die jährlichen Aufführungen des Messias noch einige Jahre nach Händels Tod dirigierte. Auch arbeitete er bei drei Opern mit David Garrick zusammen. Seit 1762 war er Master of Music der Princess of Wales und behielt diese Stellung bis zu deren Tod 1772. Zwei Jahre später zog er sich nach Bath zurück, wo er 1795 starb.

Smith genoss im Musikleben Londons einen ausgezeichneten Ruf, zog jedoch die Gesellschaft führender Persönlichkeiten anderer Berufe vor. Seine erste Frau war die Schwester des späteren Lord Longford; nach ihrem Tod und dem der gemeinsamen Kinder heiratete er die Witwe des königlichen Leibarztes Dr. Foxe und übernahm die Verantwortung für deren Kinder. Seine Verbindung mit Händel hatte große Bedeutung, und der Besitz der Dirigierpartituren und Autographe Händels gab ihm eine konkurrenzlose Position, als es darum ging, die alljährliche Serie von Oratorien fortzusetzen, die zu Händels Lebzeiten begonnen worden war. Von 1760 bis zu seinem Rückzug nach Bath arbeitete er mit dem blinden Komponisten und Organisten John Stanley (1713–1786) zusammen an den Oratorien, die in London an den Freitagen der Fastenzeit aufgeführt wurden. Sein erster Versuch in diesem Genre war 1740 David’s Lamentations over Saul and Jonathan; zwanzig Jahre später folgte Paradise Lost nach Milton. Gleichwohl blieb Händel der mit Abstand berühmteste Komponist dieser Gattung.

Das Pasticcio, eine Form der musikalischen Collage, die Auszüge anderer Werke, oft auch von verschiedenen Komponisten, zusammenführt, hatte im frühen 18. Jahrhundert einen kommerziellen Beigeschmack. Vor allem in der Oper angewendet, war es ein gleichermaßen nützliches Medium für neue Oratorien. Smith verfügte über einen Materialvorrat von Händel, auf den er zurückgreifen konnte. Das erste Oratorium, das er aus Händels Musik zusammenstellte, Rebecca, brachte er am 16. März 1764 heraus; bei der gleichen Gelegenheit wurde auch das Händel-Pasticcio Nabal aufgeführt. Das Libretto stammte von Thomas Morell, der auch die Libretti für Händels Judas Maccabäus, Alexander Balus, Theodora, Jephta und vermutlich auch für Joshusa geliefert hatte. Zudem hatte er für Händels englische Version eines früheren Werkes unter dem neuen Titel The Triumph of Time and Truth einen Text verfasst, der zu der bereits existierenden Musik passte. Das Gleiche unternahm er für Nabal wie auch für Smith’ Händel-Pasticchios Tobit und Gideon. Das erhaltene Manuskript des Textbuches von Teil III von Tobit zeigt, welche Sorgfalt Morell darauf verwendete, den Text der Musik anzupassen.

Thomas Morell – Winton Dean beschrieb ihn als „von geselligem und unbedachtem Naturell“ – war Eton-Absolvent und Fellow am King’s College, Cambridge, wovon er seinen Lebensunterhalt in Turnham Green bestritt. Die Zusammenarbeit mit Händel hatte 1746 auf Empfehlung des Prince of Wales begonnen, obwohl Morells akademische, literarische und musikalische Interessen nicht gerade mit einem ausgesprochenen Schreibtalent gepaart waren.

Die Handlung von Tobit (Tobias) ist dem apokryphen Buch gleichen Namens aus der griechischen Septuaginta entnommen. Es wird von katholischen und orthodoxen Christen als Teil der Bibel anerkannt, nicht aber von den Protestanten. Auch wurde es nicht in den jüdischen Kanon aufgenommen. Das Buch erzählt von dem frommen und geduldigen Tobias, dessen Standhaftigkeit die Gunst von König Salmanasar von Ninive findet, wohin die Juden ins Exil verschleppt worden waren. Tobias half seinen Landsleuten vielfältig und vermochte einem Juden in Media zehn Talente Silber zu leihen. Nach dem Tod des Königs wird er von dessen Nachfolger Sennacherib verfolgt, nicht zuletzt wegen seiner frommen Gewohnheit, Tote zu begraben. Von seiner Frau Anna geschmäht und umgeben von der Treulosigkeit anderer Juden, leidet Tobias sehr und wird in seinem Elend und seiner Armut schließlich von Blindheit heimgesucht. Er schickt seinen einzigen Sohn gleichen Namens nach Media, um dort das geliehene Geld einzutreiben. Tobias findet einen Reisegefährten, Azarias – in Wirklichkeit der verkleidete Engel Raphael. Im Verlauf der Reise wird Tobias von einem großen Fisch angegriffen, als er im Tigris badet. Azarias rettet ihn und sagt, er solle die Leber und die Galle des Fisches herausnehmen. Sie essen den Rest und salzen etwas ein für die weitere Reise. In Media werden sie von einem Verwandten bewirtet, Raguel, dessen Tochter Sarah des mehrfachen Mordes verdächtigt wurde, denn sieben ihrer Ehemänner waren in der Hochzeitsnacht durch Intervention eines Teufels gestorben. Dennoch heiratet Tobias Sarah und treibt den Teufel aus, indem er auf Anweisung von Azarias die Leber des Fisches verbrennt und in den ersten Tagen der Ehe auf Beischlaf mit seiner Frau verzichtet. Er begibt sich mit seiner Frau und den Herden, die ihm Raguel übergeben hatte, auf den Heimweg und erreicht schließlich sein Vaterhaus, wo er den alten Mann von seiner Blindheit befreit, indem er dessen Augen mit der Fischgalle bestreicht. Alles endet in Wohlgefallen: Der junge Tobias sorgt für seine Eltern, die ein biblisches Alter erreichen, bis zu deren Tod; dann leistet er Raguel und seiner Frau denselben Dienst, während Ninive zerstört wird. Das Oratorium setzt einige Vorkenntnisse der Geschichte voraus, da einige Elemente der Originalerzählung gestrichen wurden.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Thomas Theise

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Synopsis

Teil I

[CD 1 / Track 1] Das Oratorium beginnt mit einer Ouvertüre. [1/2] Ein glückseliger Bewohner der Stadt Ninive preist seinen König und dessen Siege über die stolzen Feinde Assyriens. [1/3] Die Menge seiner Landsleute stimmt in seinen Jubel ein und preist Baal, die Gottheit, der sie ihrer Meinung nach all ihr Glück auf Erden verdankt. [1/4] Tobias berichtet, dass er nach einem fröhlichen Gastmahl von seinen scheidenden Freunden darauf aufmerksam gemacht wurde, dass vor seinem Haus ein alter Freund läge, den man offenbar vor wenigen Augenblicken erst erschlagen hatte. Und er erzählt weiter, dass er – alle Furcht besiegend und auf die Hilfe Jahwes vertrauend – den Leichnam begraben habe. [1/5] Klagend umringen ihn seine Landsleute und erflehen in ihrer Bedrängnis die Hilfe Jahwes, weil er allein sie aus ihren Nöten retten kann. [1/6] Tobias, der Sohn des Tobias, spürt, dass Gott sein flehentliches Bitten um Hilfe erhört und beschlossen hat, seine Feinde samt und sonders in die Flucht zu schlagen. [1/7] Sein Dankgebet steigt zum Himmel. [1/8] Anna, die Mutter des jungen Tobias, ist verängstigt und warnt ihren Mann vor dem Zorn des Königs Senaherib, der den Juden streng untersagt hat, ihren auf offener Straße erschlagenen Glaubensgenossen die letzte Ehre zu erweisen. Sie fürchtet die Rache des Tyrannen. [1/9] Ihre verzweifelten Ängste aber finden in der Seele ihres Mannes keinen Widerhall. Tobias besteht darauf, dass die Toten zu bestatten ein gottesfürchtiges Werk sei, das er auch bei Gefahr für Leib und Leben weiterhin zu tun gewillt ist. [1/10] Tobias, von seinem Vater in Gottesfurcht und Gesetzestreue erzogen und gleich strenger Lebensweise, pflichtet seinem Vater bei [1/11] und sucht seiner Mutter zu beweisen, dass aller irdischen Macht von Gott Grenzen gesetzt sind, die ein jeder Tyrann auf Dauer ungestraft nicht übertreten kann. [1/12] Die Schar der gläubigen Juden pflichtet ihm bei.

[1/13] Die folgende Szene führt uns in das Haus des Raguel nach Medien. [1/14] [1/15] Raguels Tochter Sarah beklagt ihr bitteres Los, einsam und verstoßen zu sein, da sie in den Augen ihrer Umwelt eine ruchlose Mörderin ist. Nur Gott wisse um ihre Unschuld. [1/16] Doch auch ihr Vater ist von ihrer Schuldlosigkeit überzeugt und sucht der unglücklichen jungen Frau seine Gewissheit zu vermitteln, [1/17] dass Jahwe die Kräfte des Bösen zu bändigen weiß. [1/18] In dieser frommen Überzeugung kann er sich des Einverständnisses seiner Glaubensgenossen sicher sein.

Teil II

[1/19] Zwischenspiel. [1/20] Tobias klagt über den herben Schlag des Schicksals, der ihn seines Augenlichtes beraubt hat. [1/21] Doch selbst in diesem Elend verliert er sein Vertrauen auf die Güte Jahwes nicht. [1/22] Tobias tritt zu seinem Vater, um ihm einen neuen Freund vorzustellen. Azarias hat sich bereit gefunden, Tobias auf einer Reise zu begleiten, die ihn auf weiten und gefahrvollen Wegen in das entlegene Medien führen wird. Dort soll Tobias auf Bitten seines Vaters ein „gewisses Geschäft“ erledigen. Azarias ist ein frommer Mann. Sein guter Ruf und die Festigkeit seines Auftretens lassen Tobias, den Vater, darauf vertrauen, dass mit seiner Hilfe der in seiner Jugendlichkeit noch unerfahrene Sohn alle Gefahren der Reise in das ferne Land überstehen wird. [1/23] Nach einem inständigen Gebet des Azarias [1/24] und der gläubigen Juden ziehen die beiden jungen Männer ihres Weges. [1/25] Immer wieder sieht sich Tobias dem Spott der Niniviten ausgesetzt; [1/26] sie verhöhnen ihn und preisen mit Überschwang ihren Gott, den Baal, als Bürge ihres Glückes. [1/27] Zwischenspiel. [1/28]– [1/31] Wieder kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Anna. Sie kann und will auch nicht verstehen, dass Tobias ihren geliebten Sohn in die unbekannte Ferne hat ziehen lassen und trotz seiner eigenen Nöte keinen größeren Kummer hat, als die Hartnäckigkeit, mit der die Niniviten an ihrem Glauben festhalten. Die Mutter wird von ihrem Schmerz überwältigt.

[1/32] Sinfonia. [1/33] Währenddessen erholt sich Tobias von einem großen Schrecken: Als er sich an den Ufern des Tigris erfrischen wollte, hatte ein riesiger Fisch nach ihm geschnappt und hätte ihn zweifellos ohne die entschlossene Hilfe des Azarias in die Tiefe des dunklen Wassers gerissen.

[2/1] Bescheiden wehrt Azarias die überschwänglichen Dankesbekundungen seines Freundes ab, die Rettung sei ausschließlich dem Ratschluss und der Kraft des Himmels zu verdanken, [2/2] und sucht dann die verängstigte Seele des Tobias mit dem Hinweis auf die Güte Jahwes zu beruhigen. Tobias nimmt sich die Worte des Azarias zu Herzen [2/3] und vernimmt in seinem Inneren die Stimmen der Gläubigen, die ihm eine Wendung des Schicksals verheißen. [2/4] Sinfonia. [2/5] Die Wanderung der beiden Freunde hat nun ein vorläufiges Ende gefunden. Gastlich werden sie von Raguel in seinem Hause aufgenommen, und zu allem Überfluss erkennt Raguel in Tobias einen nahen Verwandten, seinen Neffen. Der glückliche Vater preist Sarah die Vorzüge seiner beiden Gäste. Offenbar spürt er, dass Tobias beim Anblick seiner Tochter Sarah sein Herz verloren hat. [2/6] Sarah aber vermag sich nicht aus ihrem Kummer zu lösen. [2/7] Tobias gesteht seinem Gefährten Azarias seine Liebe zu Sarah. Er ist hin- und hergerissen zwischen seiner Verliebtheit, die ihn dazu verführt, im Hause des Raguel in der Nähe der Geliebten bleiben zu wollen, und seinem Pflichtgefühl, das ihn zur Weiterfahrt und Erfüllung seines Auftrags drängt. Azarias aber schlägt vor, zunächst das Festmahl zu genießen, zu dem ihr Gastgeber sie eingeladen hat. [2/8] [2/9] Das Festmahl mündet in die Verlobung der beiden jungen Menschen, die Raguel, offenbar ohne die Zustimmung seiner Tochter abzuwarten, beschlossen hat. [2/10], [2/11] Verwandte und Landsleute des Raguel strömen von allen Seiten zusammen und feiern jubelnd das junge Paar.

Teil III

[2/12] Sinfonia. [2/13] Tief verletzt vom Übermut der Niniviten und in der tiefen Nacht seiner Blindheit verschlossen, wartet Tobias auf die Rückkehr seines Sohnes: [2/14] Trotz all seiner Nöte wird aber die Gewissheit in ihm immer stärker, dass sich über den Häuptern seiner Feinde ein Strafgericht zusammenzuziehen beginnt, [2/15] und das spüren auch seine Landsleute. [2/16] Sinfonia. [2/17] Azarias betritt das Zimmer des trauernden Tobias und verkündet ihm die Rückkehr seines Sohnes, der nicht nur das ersehnte Geld, sondern auch eine Medizin für seine Augen und eine schöne und reiche Schwiegertochter mitbringe. [2/18] [2/19] Von ihrem Glück förmlich überwältigt, zeiht sich Anna der Kleingläubigkeit und verspricht, künftig ihr Vertrauen ausschließlich auf die Güte Jahwes zu setzen. [2/20] Von allen Seiten strömen die Freunde der Familie zusammen, preisen die Geduld des Tobias und die überfließende Liebe des Himmels, von der getragen Jahwe alle die Menschen zu heilen gewillt ist, die bereit sind, sich seiner Hilfe anzuvertrauen. [2/21] Tobias hat sein Augenlicht wiedergewonnen. [2/22] Raguel trifft mit seiner Familie ein. Die beiden Väter fallen sich bewegt in die Arme. [2/23] Indes ist Sarah in Raguels Gefolge immer noch nicht davon überzeugt, dass die unheilvollen Kräfte des bösen Geistes von ihr genommen worden sind. Den eindringlichen Worten von Anna und von Tobias gelingt es aber letztlich doch, die Verwirrungen ihrer geängstigten Seele zu lösen. [2/24]-[2/26] So fasst auch Sarah wieder Mut und beginnt befreit, sich der Gnade des Himmels anzuvertrauen. [2/27] Begeistert fallen alle Juden in ihren Preisgesang ein, und wünschen sich, dass das Lob des jungen Paares von Pol zu Pol um den Erdkreis eilen möge! [2/28] Azarias nimmt Abschied. [2/29] Eindringlich warnt er seine Freunde vor der Katastrophe, die Ninive und seine Bewohner in naher Zukunft in den Abgrund ziehen wird, und fordert sie auf, nach Ekbatana zu ziehen. Nur dort seien sie vor allem Unheil sicher. [2/30] „An Jehovahs Macht zerschellt aller Hochmut der Tyrannen“, das sind seine letzten Worte; dann verlässt er sie, eingehüllt in eine Wolke strahlenden Lichtes. [2/31] Sinfonia. [2/32] Tobias und seine Freunde wissen nun, dass sich hinter der Gestalt des Azarias ein Engel Gottes, der Engel Raphael, verborgen hat. [2/33] Ihr Lobgesang verdeutlicht ihre Gewissheit, dass Gottes Hilfe ihnen auch künftig sicher ist.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Thomas Theise

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Quellen
(Siehe englisch Fassung)

 

Die gesungenen Texte sind online unter www.naxos.com/libretti/570113.htm

 


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