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8.570138 - PETITGIRARD: 12 Guardians of the Temple (The) / Poeme / Euphonia
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Laurent Petitgirard (geb. 1950)
Les Douze Gardiens du Temple • Poème • Euphonia

 

Als vielseitiger Musiker ist Laurent Petitgirard gleichermaßen als Komponist von Konzert- und Filmmusik und als Dirigent tätig. Er tritt international mit Orchestern wie dem Orchestre de l’Opéra National de Paris, dem Orchestre Philharmonique de Monte Carlo, dem Orchestre National de France, den Bamberger und den Berliner Symphonikern, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Orchester von La Fenice in Venedig, dem BBC Concert Orchestra, dem Seoul KBS und dem Orchestre de la Suisse Romande auf. Von 1989 bis 1996 war er Musikdirektor des Orchestre Symphonique Français; seit 2004 steht er dem Orchestre Colonne in Paris vor. Petitgirards erste Oper Joseph Merick dit Elephant Man wurde unter der Leitung des Komponisten in Prag uraufgeführt, gefolgt von einer Inszenierung des Regisseurs Daniel Mesguich in Nizza. Das Werk ist auf CD [Naxos 8.557608-09] und DVD [Marco Polo 2.220001] erschienen. Im Mai 2006 gab es eine weitere Produktion der Minneapolis Opera.

Nach Le Fou d’Elsa für Altstimme und Orchester (2000) entstanden Werke wie Le Plus ardent à vivre (2001), ein Septett für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett, Poème für großes Streichorchester (2002) und Dialogue für Viola und Orchester (2002/03). Les Douze Gardiens du Temple, ein Auftragswerk von Radio France, erlebte seine Premiere 2006 auf dem Festival Présences. Seine zweite Oper Guru ist ein staatlicher Auftrag für die Saison 2008/09 der Opéra de Nice.

Laurent Petitgirard wurde 2000 mit dem Grand Prix Lycéen des Compositeur und 2001 dem SACD Prix Musique ausgezeichnet. Commandeur des Arts et Lettres, wurde er im Dezember 2000 zum Mitglied der Académie des Beaux-Arts berufen.

Wenn Les Douze Gardiens du Temple („Die zwölf Hüter des Tempels“, 2004) einen Untertitel haben sollte, so lautete er „Initiationsreise für großes Orchester“. Zwölf Wächter und zwölf Noten, jedoch kein bestimmtes System, denn es gibt nichts in diesem Tempel, was sich als nicht tonal erweist. Es gibt keinen Plan, nur einfach eine Reise. Das Werk verwendet fünf alte tibetanische Zymbals, Instrumente, die Claude Debussy so lieb waren, als habe dieser Tempel geträumt, einen Faun zu beschirmen.

Poème für großes Streichorchester entstand 2002 und wurde vom Orchestre National de France unter Leitung des Komponisten erstmals aufgeführt. Dieses einsätzige Stück muss als eine Ellipse angesehen werden, die das Gefühl vermittelt, dass die Zeit vergeht. Das entspricht meinem Wunsch nach etwas Fließendem, der nach dem Dunkel der Oper Joseph Merick dit Elephant Man sehr stark in mir war.

Euphonia beruht auf einer Geschichte von Hector Berlioz über eine futuristische Musikstadt, in der ein eifersüchtiger Komponist eine musikalische Falle stellt, um eine Frau zu zerstören, die ihn und ihre Liebhaber verächtlich zurückgewiesen hat. Das vollständige Ballett Euphonia erlebte seine Premiere 1989 in Metz. Xilef, ein junger Komponist im Jahr 2315 ist wie verrückt verliebt in die faszinierende Mina, eine Tänzerin. Mina und ihre Mutter senden Xilef einen niederschmetternden Brief der Zurückweisung, der den schlechten Charakter der Frau offenbart, die er liebt. Der verzweifelte Xilef durchläuft obsessiv die verschiedenen Stadien seiner Liebe und beschließt schließlich, nach Euphonia zu fliehen, einer futuristischen Stadt, die dem Kult der Musik geweiht ist. Sie wird ausschließlich von Musikern bewohnt und steht unter der diktatorischen Herrschaft des großen Komponisten Shetland, eines Freundes von Xilef.

Als Xilef in Euphonia eintrifft, besucht er ein Gala anlässlich der Verlobung Shetlands mit Nadira. Die maskierte Nadira führt einen äußerst provokativen Tanz der Verführung vor – als sie ihre Maske abnimmt, erkennt er Mina, die so tut, als ob sie ihn nicht wahrnimmt.

Außer sich vor Wut, jedoch unfähig, Shetland von Mina-Nadiras Perfidie zu überzeugen, beauftragt Xilef einen verrückten alten Wissenschaftler mit dem Bau einer musikalischen Falle, eines Tanzpavillons, dessen Wände in Resonanz auf die für Shetlands Kompositionen charakteristische Art von Akkorden zusammenfallen.

Beim großen Festfinale dirigiert Shetland sein Werk, wobei Mina-Nadira ihn hinter seinem Rücken in einem wilden Tanz mit ihren Liebhabern verspottet. Inzwischen betätigt Xilef den Hebel, der die Höllenmaschine in Gang setzt. Shetland setzt seine Aufführung unbeirrt fort, während die Wände des Pavillons zusammenrücken und Mina, ihre Mutter und die anderen Tänzer zerdrücken. Als die Musik zuende ist und Shetland von seinem Podium herabkommt, erblickt er voller Schrecken, wie Xilef inmitten der Leichenreste einen tödlichen Schluck Gift zu sich nimmt. Wild vor Schmerz und Gram, wird er wahnsinnig.

Laurent Petitgirard
Deutsche Fassung: Thomas Theise

 


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