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8.570151 - SCHUMANN: String Quartets Nos. 1-3
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Robert Schumann (1810–1856)
Streichquartette op. 41 Nr. 1–3

 

Robert Schumann war in vielerlei Hinsicht typisch für das Zeitalter, in dem er lebte, da er nicht nur in seiner Musik, sondern auch in seinem Leben eine Reihe der wichtigsten Charakteristika der Romantik miteinander verband. Er wurde 1810 in Zwickau als Sohn eines Buchhändlers, Verlegers und Autors geboren, interessierte sich schon früh für Literatur und machte sich später selbst einen Namen als Schriftsteller und Herausgeber der Neuen Zeitschrift für Musik, die seit 1834 veröffentlicht wurde. Sein Vater unterstützte die literarischen und musikalischen Interessen. Zeitweilig dachte er sogar daran, ihn bei Carl Maria von Weber ausbilden zu lassen; dieser Plan wurde allerdings durch den Tod des letzteren hinfällig.

Wenig später starb auch Vater Schumann, worauf die Karriere des Sohnes zunächst einen eher konventionellen Verlauf nahm. 1828 immatrikulierte er sich an der Leipziger Universität, wo er allerdings ebenso sporadische Studien betrieb wie im nächsten Jahr in Heidelberg. Schließlich erlangte er von Mutter und Vormund die Erlaubnis, bei dem bekannten Klavierlehrer Friedrich Wieck zu studieren, der seine pädagogische Energie freilich mit ziemlichem Nachdruck auf die Ausbildung seiner Tochter Clara verwandte, einer wunderbaren Frühbegabung. Schumanns pianistische Ambitionen wurden durch eine Schwäche der Finger vereitelt, und seiner sonstigen musikalischen Ausbildung fehlten die Anwendungsmöglichkeiten. Gleichwohl schrieb er in den dreißiger Jahren viel Klaviermusik, oft in Form kurzer Genrestücke mit literarischen oder autobiographischen Bezügen. Nach der vorübergehenden Affäre mit einer Schülerin Wiecks richtete er seit 1835 seine Aufmerksamkeit auf Clara Wieck, die neun Jahre jüngere Tochter seines Lehrers. Dieser wusste gute Gründe gegen die Liaison vorzubringen: Seine Tochter hatte eine Konzertlaufbahn vor sich, und Schumann verriet eine gewisse charakterliche Instabilität, so begabt er als Komponist auch sein mochte. Die Angelegenheit steigerte sich bis zum Äußersten, als Wieck einen Prozess anstrengte, mit dem er versuchte, die seiner Meinung nach verhängnisvolle Ehe zu verhinderten.

Erst 1840 konnte Schumann schließlich seine Clara heiraten, nachdem der alte Wieck ein für allemal mit seinen rechtlichen Schritten gescheitert war. Im September fand die Hochzeit statt, worauf das Ehepaar zunächst seinen Wohnsitz in Leipzig behielt. Von hier aus unternahm Clara ihre Konzertreisen, bei denen sie üblicherweise von ihrem Mann begleitet wurde, der damals eine weniger distinguierte Position bekleidete. 1844 übersiedelte man nach Dresden, wo Schumann anscheinend von den depressiven Anfällen genas, unter denen er zu Beginn der Ehe gelitten hatte. Die Möglichkeit einer festen Anstellung eröffnete sich allerdings erst 1849, und zwar in Düsseldorf, wo er seit 1850 als Musikdirektor wirkte.

Felix Mendelssohn, sein Vorgänger im Amt, hatte es mit den Düsseldorfer Autoritäten schon nicht leicht gehabt, und der als Administrator und Dirigent weitaus unerfahrenere Schumann wurde mit den entstehenden Problemen noch weniger fertig. Der Druck führte Anfang 1854 zu einem totalen Nervenzusammenbruch, und die letzten Jahre verbrachte er im Irrenhaus von Endenich bei Bonn, wo er 1856 starb.

Nachdem Schumann zunächst vor allem für Klavier komponiert hatte, entstand in dem so genannten “Liederjahr” 1840 eine enorme Zahl an Gesangsstücken. Nach der Hochzeit drängte ihn seine Frau zu größeren Formen, worauf er zunächst den ersten Satz seines Klavierkonzerts und die erste seiner vier Symphonien komponierte. Er hatte bereits früher angedeutet, sich mit der Form des Streichquartetts auseinandersetzen zu wollen und einige Versuche unternommen, die jedoch über das Stadium von Skizzen nicht hinausgekommen waren. 1842, als er das Klavierquartett und das Klavierquintett komponierte, begann er in Leipzig die späten Quartette Beethovens und das Quartettschaffen Haydns zu studieren, während seine Frau die gemeinsam begonnene Konzertreise durch Norddeutschland allein zu Ende brachte. Die Studien wurden dann am Klavier fortgesetzt, als auch Clara im April wieder zu Hause war. Ferner betrieb man Kontrapunktstudien.

Beethoven lieferte das bedeutendste Vorbild für eine Gattung, die zunehmend unzeitgemäß erschien. Am 2. Juni begann Schumann gemäß seiner Tagebucheintragung mit einem ersten Quartett, und in den nächsten acht oder neun Wochen beendete er alle drei Werke. Sie wurden im folgenden Jahr mit einer Widmung an den Freund Felix Mendelssohn veröffentlicht. Die beiden ersten Quartette erlebten ihre öffentliche Premiere am 8. Januar 1843 im Leipziger Gewandhaus, das dritte wurde am 18. Januar uraufgeführt.

Das Quartett a-Moll op. 41 Nr. 1 beginnt mit einer Introduction in a-Moll, die mit dem imitativen Einsetzen der vier Instrumente ein Ergebnis der jüngsten Kontrapunktstudien zeigt. Eine kurze Modulation führt zu der überraschenden Tonart F-Dur des anschließenden Allegro-Teils, dessen Hauptthema von der ersten Violine exponiert wird. Die Bratsche initiiert dann eine Reihe fugierter Einsätze. Dem thematischen Nebengedanken und der Wiederholung der Exposition schließt sich die Durchführung an, die mit einer Erinnerung an das erste Thema anhebt und wiederum ein kontrapunktisches Element enthält, das aus dem Nebengedanken abgeleitet ist. Der Satz endet mit einer Reprise. Das Scherzo in a-Moll bringt offensichtliche Anklänge an Mendelssohn, und der Satz enthält anstelle des üblichen Trios im Dreiertakt ein Intermezzo in C-Dur im alla breve, worauf der Scherzo-Teil wiederholt wird. Das Adagio F-Dur beginnt mit einigen deutlich nach d-Moll tendierenden Einleitungstakten, bevor die erste Violine ihre Melodie anstimmt. Die begleitenden Arpeggien der Bratsche erinnern hier – wie auch sonst oft in diesem Werk – an Schumanns eigenes Instrument, das Klavier. Die Melodie wird vom Violoncello übernommen, und es gibt einen kontrastierenden Mittelteil, bevor das Hauptthema wiederkehrt. Das abschließende Presto steht dann wieder in der Ausgangstonart a-Moll. Der in Sonatenform angelegte Satz macht in seinem Nebenthema reichlichen Gebrauch von gebrochenen Terzen und Skalenfiguren. Eine Wendung führt nach A-Dur, und ein weitgehend akkordisches Moderato wird bald durch das energischere Tempo verdrängt, das den Anfang des Satzes geprägt hatte.

Das Quartett F-Dur op. 41 Nr. 2 hat einen monothematischen Satz, wie man ihn häufig bei Haydn findet. Das Thema wird von der ersten Violine exponiert und ist dann fragmentarisch in den beiden Geigen zu hören, ehe eine Modulation in die Dominante führt. Einige kontrapunktisch- imitative Takte beschließen den Formteil in C-Dur, wobei ein Bruchstück des Hauptthemas in der zweiten Violine erklingt und der kontrapunktische Übergang zu einer Wiederholung der Exposition hinleitet. Mit diesem Element beginnt dann auch die Durchführung. Erst danach erklingt das Hauptthema, das vor der abschließenden Reprise mit diesem und anderen Bestandteilen verflochten wird. Am Anfang des langsamen Satzes steht ein As-Dur-Thema im 12/8-Takt. Den Synkopen der ersten Variation folgt eine Melodie der ersten Violine über einer bewegten Begleitung. Diese führt zu einer antiphonischen Version der beiden Geigen in Sechzehnteln, die kurz auch von den tieferen Streichern übernommen werden, nachdem diese bis dahin weitgehend eine Pizzikato-Begleitung gespielt hatten. Die nächste Variation mit der Bezeichnung Molto più lento lässt die erste Violine in Doppelgriffen Sexten spielen, die erst von einem akkordischen Tonika- Dominant-Bordun des Violoncellos getragen werden. Darauf folgt eine Variante mit der Bezeichnung Un poco più vivace im 4/4-Takt, an die sich wieder das Thema sowie eine Coda anschließen, die die hauptsächlichen Aktivitäten der ersten Geige und der Bratsche überlässt. Das Scherzo in c-Moll enthält ein Trio in C-Dur, in dem es Platz für Synkopierungen gibt, ein Merkmal der Coda, in der Scherzo und Trio kurz zusammen erklingen. Der letzte Satz folgt wiederum der Sonatenform und enthält dementsprechend zwei gegensätzliche Themen, die durchgeführt und vor dem Schlussabschnitt rekapituliert werden.

Das Quartett A-Dur op. 41 Nr. 3 beginnt mit einer siebentaktigen Einleitung, die Andante espressivo zu spielen ist und auf sprechende Weise vom Intervall der absteigenden Quinte Gebrauch macht – von demselben Element, mit dem das erste Thema des nachfolgenden Allegro-Teils beginnt und das dann in dem zweiten, vom Violoncello vorab angedeuteten zweiten Thema zu hören ist. Dasselbe Intervall wird in der zentralen Durchführung aufgegriffen und eröffnet schließlich auch, wie sich’s gehört, die Reprise und ist dann entweder in seiner originalen oder invertierten Form auch in den andern Sätzen zu hören. Der zweite Satz steht in fis-Moll und vertritt das übliche Scherzo. Es ist ein kapriziöses Assai agitato, dem als erste von vier Variationen ein kontrapunktischer Abschnitt folgt. Die zweite Veränderung ist durch die aufsteigende Quinte am Anfang gekennzeichnet, die dritte (Un poco adagio) präsentiert das Thema, und die vierte im Tempo risoluto löst sich schließlich in eine Fis-Dur-Coda auf. Der langsame Satz beginnt mit einem expressiven Thema der ersten Violine und führt zu einem Nebengedanken, den eine punktierte Figur der zweiten Geige begleitet. Dieses Material wird gehörig durchgeführt und rekapituliert. Der punktierte Rhythmus kehrt am Anfang des abschließenden Allegro molto vivace wieder. Hier folgt nun eine kontrapunktisch- imitative Passage, bevor das Hauptthema des augedehnten Rondos wiederkehrt. Zu den kontrastierenden und doch aufeinander bezogenen Episoden des Satzes gehört ein Quasi trio-Abschnitt in F-Dur, der später in E-Dur und dann in A-dur wiederholt wird, bevor er vom Hauptthema verdrängt wird.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 


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