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8.570191 - Guitar Recital: Michalis Kontaxakis
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Michalis Kontaxakis: Gitarren-Recital

 

Der mexikanische Komponist Manuel Ponce (1882 Fresnillo - 1948 Mexico City) wurde 1893 Chorist in Aguascalientes und ein Jahr später Organist. Seit 1901 studierte er in Mexico City Klavier und Komposition. 1904 ging er für einige Zeit zunächst nach Bologna und dann nach Berlin. Ponce kehrte 1907 nach Mexiko zurück, um am Conservatorio Nacional Klavier zu unterrichten. Als Komponist machte er sich vor allem durch die Uraufführung seines Klavierkonzertes im Jahre 1912 einen Namen. Außerdem setzte er sich nachdrücklich für eine unverwechselbare mexikanische Musik ein. Ponce wirkte als Dirigent des Staatlichen Symphonieorchesters und ging 1925 erneut nach Europa, um bei Paul Dukas zu studieren. 1933 kam er als Direktor des Conservatorio Nacional wieder in die Heimat. Ein Jahr darauf gründete er einen Lehrstuhl für Volksmusik an der Musikschule der Universidad Nacional Autónoma.

1923 hatte Manuel Ponce den großen Gitarristen Andrés Segovia (1893-1987) kennengelernt. Der Freundschaft der beiden Musiker entsprang eine Reihe von Werken für Gitarre, darunter das Concierto del sur sowie Kammermusiken und Solostücke – letztere zum Teil Stilimitationen nach dem Beispiel des Geigers Fritz Kreisler. Die Sonata III entstand 1927 und folgt der traditionellen Anlage. Der Kopfsatz in d-moll gehorcht der Form des Sonatenallegros: Der Exposition, deren zweites Thema più tranquillo ed espressivo zu spielen ist, folgen eine lebhaftere Durchführung und die Reprise. Das sanft wiegende Thema des nachfolgenden Chanson kehrt nach einem kurzen kontrastierenden Mittelteil wieder. Der letzte Satz ist ein Rondo, dessen Refrain Episoden von gegensätzlicher Stimmung und Tonart umrahmt.

Der Gitarrist und Komponist Joaquín Clerch wurde 1965 in Havanna geboren. Er studierte zunächst in seiner Heimatstadt, bevor er seine Ausbildung am Salzburger Mozarteum fortsetzte, wo ihn der Gitarrist Eliot Fisk unterrichtete und wo er auf dem Gebiet der Alten Musik bei Anthony Spiri und Nikolaus Harnoncourt arbeitete. 1991 legte er sein Examen mit Auszeichnung ab. Clerch hat sich als Gitarrist einen internationalen Namen gemacht und seit 1999 eine Professur für Gitarre an der Düsseldorfer Robert Schumann-Universität.

Seine Preludios de Primavera schrieb Clerch als Hommage an Francisco Tárrega. Dabei folgte er in den sieben kurzen Stücken einer Form, die auch Tárrega benutzte. Im April 2005 wurde der Komponist zu diesem Werk angeregt, das er im Juli desselben Jahres beendete. Jeden Satz hat der Komponist einem Freund oder Familienmitglied gewidmet. Dem langsam und ausdrucksvoll beginnenden ersten Stück Primavera hat Clerch eine Zeile aus der Gedichtsammlung Mariposas (Schmetterlinge) des kubanischen Songwriters und Poeten Silvio Rodríguez vorangestellt: Todo lo que tocas se hace primavera (Alles, was du berührst, verwandelt sich in Frühling) – ein Hinweis auf das lateinamerikanische Element dieses Stückes. Las olas de Moncofa (Die Wellen von Moncofa) ist mit einem Zitat von Raúl Roa überschrieben; es entstand im April 2005 in Moncofa am Golf von Valencia. In der Homenaje a Tchaikovsky spiegelt sich die Melodik des russischen Komponisten, während die Stimmung von El Adios (Das Lebewohl) durch die traurigen Abschiedsworte aus einem Liebesgedicht von Pablo Neruda vorweggenommen wird. Das in Deutschland komponierte Y sì pienso en la Habana (Und wenn ich an Havanna denke) führt zu dem durch und durch spanischen Souvenir de Granada. Der Zyklus geht mit einer zarten Widmung des Komponisten an seine Tochter Minerva zuende: Cuando tu no estás (Wenn du nicht hier bist).

Frank Martin (1890-1974) stammte aus einer Hugenottenfamilie und wurde in Genf als Sohn eines calvinistischen Pfarrers geboren. Nachdem er sich dreimal in Italien bzw. Paris aufgehalten hatte, kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Er beschäftigte sich mit den Rhythmus- und Bewegungstheorien von Jaques-Dalcroze und übersiedelte schließlich mit seiner dritten Frau in die Niederlande, wo er starb. Sowohl als Lehrer wie auch als Komponist genoss er Anerkennung, wenngleich er schöpferisch nicht gerade einer einfachen Kategorie zugehörte – schließlich entwickelte er eine eigene musikalische Sprache, die sich auf individuelle Weise der Reihentech- nik Schönbergs bediente. Seine Quatre Pièces Brèves(Vier kurze Stücke) für Gitarre entstanden 1933 für Segovia, dem die Musik aber offenbar nicht gefiel, da sie seinem eigenen Stil fremd war. Die Stücke existierten in veschiedenen Handschriften, und nach Arrangements für Klavier und für Orchester revidierte der Komponist die Gitarrenfassung im Jahre 1955. Die hier vorliegende Fassung folgt einer Abschrift, die Martin 1938 dem Züricher Gitarristen Hermann Leeb überließ; das Manuskript enthält die bescheidene Frage des Komponisten, ob Leeb irgendwelche Änderungen für nötig hält. Dieser zeigt sich jedoch in seiner Antwort zufrieden mit dem Werk und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass Martin weitere Stücke für Gitarre schreibt, wenn er mit dem Instrument vertrauter ist. Das Prélude beginnt mit einer langsamen Einleitung und führt dann zu einer rascheren Passage, wobei eine kurze rhythmische und melodische Figur die Struktur beherrscht, in der Elemente der Reihentechnik verwendet sind. Das nachfolgende, lent et bien rhythmé auszuführende Air ist von neoklassizistischer Stimmung und führt zu dem dritten Stück, Plainte, dessen spanisch getönte Oberstimmenmelodie von für Martin typischen Akkorden begleitet wird. Das Werk endet mit Comme une Gigue und führt so zu der Tonalität des ersten Stückes und seiner Kantigkeit zurück, indessen der Mittelteil kontrastierende Elemente liefert.

Ernst Krenek (1900 Wien - 1981 Palm Springs, Kalifornien) wurde Schüler Franz Schrekers an der Wiener Musikakademie. 1920 folgte er seinem Lehrer an die Berliner Musikhochschule, wo sich sein musikalischer Stil in eine andere Richtung zu entwickeln begann. Mit seinen Kompositionen der zwanziger Jahre erwarb er sich den Ruf eines Enfant terrible, wobei er mit seiner Jazzoper Jonny spielt auf einen internationalen Erfolg errang. In den dreißiger Jahren wandte er sich der Reihenkomposition zu, besonders in der Oper Karl V., die 1934 aufgrund politischer Intrigen vor der in Wien geplanten Inszenierung zurückgezogen wurde. Als Zeichen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus und den Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 emigrierte Krenek nach Amerika, wo er eine große Karriere als Lehrer machte, fleißig komponierte und die Möglichkeiten des Serialismus und anderer zeitgenössischer Kompositionstechniken erforschte.

Seine Suite für Gitarre schrieb Ernst Krenek 1957. Sie ist dem Gitarristen, Lehrer und Komponisten Theodore Norman gewidmet. Die fünf kurzen Sätze beruhen hörbar auf einer einzigen Zwölftonreihe mit den entsprechenden Oktavversetzungen. Die Sätze II und IV sind langsamer und bilden einen Kontrast zu ihrer rascheren Umgebung.

Kennern der Gitarre muss man Francisco Tárrega (1854-1909) nicht vorstellen. Er spielte eine wichtige Rolle, als die Gitarre in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neues Interesse fand. Tárrega machte sich als „Sarasate der Gitarre“ einen internationalen Namen und war als Komponist und Arrangeur ebenso einflussreich wie als Lehrer. Verdis Oper La traviata nach dem Schauspiel La dame aux camélias von Alexandre Dumas erlebte ihre Uraufführung 1853 in Venedig. Die Fantasie über Themen aus dieser Oper wird gelegentlich Tárregas Lehrer Julian Arcas oder einem noch älteren Verfasser zugeschrieben. Sie folgt der Konvention, indem die bekannten Melodien hier nicht in einer dramatischen Sequenz, sondern unter rein musikalischen Gesichtspunkten präsentiert werden – am Ende stehen Arien und Duette aus dem ersten Akt, in dem sich Violetta, die „vom Wege abgekommene“ Kurtisane (La traviata), und der junge Alfredo ineinander verlieben. Die Mazurka ¡Marieta! und die dem Mandolinisten Baldomero Cateura gewidmete Gavotte Maria sind typisch für Tárregas idiomatischen Gitarrensatz.

Das Prélude a-moll des vielseitigen und produktiven sowjetarmenischen Komponisten Aram Chatschaturjan (1903 Tiflis - 1978 Moskau) ist ein kurzes Stück von trügerischer Einfachheit und großem Charme, das sich vorzüglich als Abschluss eines virtuosen Recitals eignet.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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