About this Recording
8.570210 - BACH, J.S.: Viola da Gamba Sonatas, BWV 1027-1029 / Trios (Perkola, Hakkinen)
English  German 

Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Sonaten für Viola da Gamba und Cembalo

 

Johann Sebastian Bach gehörte einer Familie an, in der man sich seit Generationen beruflich mit der Musik befasste. Vier seiner Söhne setzten diese Tradition fort und schufen die Grundlagen eines neuen Stils, der die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts dominieren sollte. Johann Sebastian Bach selbst verkörperte das Ende einer Epoche, den Höhepunkt des Barock, der sich darstellt als eine großartige Synthese aus der melodischen Erfindung Italiens, den rhythmischen Tanzformen Frankreichs und der kontrapunktischen Meisterschaft Deutschlands.

Der 1685 in Eisenach geborene Bach wurde nach dem frühen Tod der Eltern vor allem von seinem ältesten Bruder ausgebildet. Mit 18 Jahren begann seine berufliche Laufbahn: Er war zunächst Hofmusiker in Weimar, erhielt dann den Organistenposten in Arnstadt, den er nach vier Jahren mit demselben Amte in Mühlhausen vertauschte. Wieder ein Jahr später wurde er Organist und Kammermusikus des Herzogs Wilhelm Ernst von Weimar. Nachdem es ihm unter Schwierigkeiten gelungen war, seinen dortigen Dienst zu quittieren, wurde er 1717 Kapellmeister des Fürsten Leopold von Anhalt-Cöthen. 1723 ging er schließlich nach Leipzig, wo er als Kantor der Thomasschule und Musikdirektor der fünf Hauptkirchen bis zu seinem Tode 1750 wirkte.

Johann Sebastian Bach verstand sein Handwerk und war dementsprechend in der Lage, genau jene Art von Musik zu liefern, die man gemäß seinen jeweiligen Amtsverpflichtungen von ihm erwartete. So war es nur natürlich, dass er am Anfang seiner Laufbahn als Organist und Experte für den Orgelbau vornehmlich Werke für dieses Instrument verfasste. Der pietistisch ausgerichtete Hof zu Köthen konnte der Kirchenmusik entraten; demzufolge entstand hier eine erhebliche Quantität instrumentaler Kompositionen für das Hoforchester und dessen Mitglieder. In Leipzig begann er mit einer Reihe von Kantaten für das Kirchenjahr, bevor er sich der Instrumentalmusik für das Collegium musicum der Universität zuwandte und sich anschickte, seine bisherigen Werke zu sammeln und zu ordnen.

Die drei Sonaten für Viola da Gamba und Cembalo BWV 1027-1029 sind als Einzelstücke überliefert, waren von Bach aber vermutlich als Kollektion gedacht. Sie entsprechen der üblichen Textur der Bachschen Instrumentalsonaten, bestehen also – wie auch die Triosonaten für Orgel BWV 525-530 – aus zwei Oberstimmen und einem Bassfundament. Die Datierungsversuche für die Gambensonaten gehen auseinander: Zum Teil hat man angenommen, dass sie um 1720 entstanden seien, als Bach noch in Köthen wirkte und der Gambist Christian Ferdinand Abel Mitglied der Hofkapelle war; dann wieder ging man davon aus, dass Bach sie erst in Leipzig geschrieben und mit dem Collegium musicum aufgeführt habe.

Das erste der drei Werke, die Sonate G-dur BWV 1027, geht anscheinend auf ein vermutlich älteres Werk, die Sonate für zwei Flöten und Continuo BWV 1039, zurück. (Möglicherweise sind auch die beiden anderen Sonaten aus früheren Kompositionen entstanden.) Das Adagio der G-dur-Sonate stellt das Thema in der Gambe vor, begleitet von gebrochenen Bassakkorden, die anschließend in der Dominante wiederholt werden, wenn die Oberstimme des Cembalos den melodischen Gedanken übernimmt. Das imitative Wechselspiel der beiden Melodiestimmen setzt sich im weiteren Verlauf fort. Im nachfolgenden Allegro ma non tanto liegt das Thema zunächst in der rechten Hand des Cembalos, bevor es die Gambe in der Dominante aufgreift. Auch das Andante und das abschließende Allegro moderato behalten das imitative Spiel der Themeneinsätze bei.

Das Adagio der wiederum viersätzigen Sonate Ddur BWV 1028 bringt in der Gambe ein Themenfragment, das das Cembalo direkt imitiert. Im darauf folgenden Allegro setzen die beiden Melodiestimmen gemeinsam ein, wobei es in der zweiten Satzhälfte zu offenkundigen Imitationen kommt. Hier kann das Cembalo verschiedentlich die Textur akkordisch ausfüllen. Das Andante h-moll bewegt sich im Rhythmus eines siciliano, worauf das abschließende Sechsachtel-Allegro mit seinen texturellen und figurativen Variationen die Ausgangstonart wiederherstellt.

Die dreisätzige Sonate g-moll BWV 1029 beginnt mit einem Vivace, in dem die thematische, durch lebhafte Figuren angetriebene Substanz zunächst von der Gambe vorgetragen wird. Im nachfolgenden Adagio in B-dur durchdringen die Oberstimmen einander; das Werk wird durch ein Allegro g-moll im Sechsachteltakt gekrönt, dessen Thema von auffallenden Tonwiederholungen charakterisiert ist und zunächst in der Oberstimme des Cembalos, dann in der Gambe und dann im Bass des Tasteninstruments erklingt.

Das einsätzige Trio in d-moll BWV 583, ein Adagio, ist in einer Quelle aus der Zeit nach 1750 überliefert. Daher ist eine Datierung des Werkes nicht möglich: Vermutungen reichen von Bachs frühen Köthener Jahren bis etwa 1725. Zwar ist das Stück mit zwei Manualen und Pedal eindeutig für Orgel geschrieben; es lässt sich aber ebenso wie die bereits erwähnten Triosonaten, denen das Adagio auch ähnelt, mit Gambe und Cembalo spielen.

Das Trio g-moll BWV 584 gilt in der vorliegenden Form gemeinhin als nicht authentisches Werk. Das Stück wurde als Orgelsatz aus der 1724 in Leipzig entstandenen Kantate Wo gehest du hin BWV 166 übernommen, und zwar nach der dreistimmigen, für Oboe, Violine und Continuo gesetzten Instrumentalbegleitung, die dort die Tenorarie „Ich will an den Himmel denken“ begleitet.

Die Sonate a-moll BWV 967 stammt aus dem ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts. Einige Zeit wurde angenommen, dass es sich dabei um das Sonaten- oder Konzertsatz-Arrangement eines anderen Komponisten handelt. Diese Annahme stützt sich teils auf die volle Textur der ersten sechs Takte sowie auf die unvollständige Bassfiguration, die sich anschließt. Das als Allegro bezeichnete Stück endet mit einer kurzen Steigerung, der eine Adagio-Schlusskadenz folgt.

Die Sonate D-dur BWV 963 soll in den frühen Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Zum Vergleich wurden neben den Sonaten von Kuhnau auch die Toccaten von Bach und dessen programmatisches Capriccio sopra la lontananza del suo fratello dilettissimo BWV 992 herangezogen, das vermutlich geschrieben wurde, als Johann Jacob Bach, der Bruder des jungen Komponisten, in die Armee des schwedischen Königs Karl XII. eintrat. Der erste der fünf Sonatensätze bedient sich hauptsächlich der ersten Figur, wonach ein rezitativisches Zwischenspiel zu dem an dritter Stelle stehenden Fugato führt. Anschließend folgen ein kurzes, expressives Adagio sowie als letztes das Thema all’imitatio Gallina Cuccu („Thema mit Imitation von Henne und Kuckuck“) – eine Fuge, zu der das Huhn das erste Thema legt, bevor sich zum dritten Einsatz dieses Themas der charakteristische Ruf des Kuckucks gesellt.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 


Close the window