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8.570222 - TARTINI: Violin Concertos
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Giuseppe Tartini (1692-1770)
Violinkonzerte

 

Der italienische Komponist und Geiger Giuseppe Tartini war einer der führenden Musiker und Pädagogen seiner Zeit. Er wurde 1692 in Pirano d'Istria (heute Slowenien) geboren und starb 1770 in Padua. Einzigartig ist die Leichtigkeit seiner Musik mit ihrem breiten Spektrum an Klangfarben und einer von der Oberstimme dominierten Instrumentierung. Er schrieb ca. 135 Violinkonzerte, die eine unendliche Ansammlung musikalischer Ideen bieten, angereichert mit Dramatik, expressiven Nuancen und harmonischen Feinheiten. Die Virtuosität seiner Werke ist weniger offensichtlich als die seines heutzutage berühmteren Zeitgenossen Vivaldi, aber sie ist ebenso anspruchsvoll, und man spürt die Hand des Meistergeigers. Seine Kompositionen für Violine verlangen ein hohes Maß an technischer Geläufigkeit, Flexibilität des Klangs und eine außerordentlich differenzierte Artikulation. Wesentlich für den Ausführenden ist das Verständnis von Verzierungen und von der Fähigkeit der Violine, wie eine menschliche Stimme zu singen. Minos Dounias fand heraus, dass Tartini vielen seiner langsamen Sätze Texte zugeordnet hat – oftmals solche des Librettisten Metastasio –, die auch in den Manuskripten zu finden sind. Diese Texte wurden allerdings chiffriert wiedergegeben, um ihren weltlichen Gehalt zu verbergen.

Tartini war in seiner Jugend keineswegs ein musikalisches Wunderkind. Während seiner geistlichen Erziehung in Pirano und Capodistria bekam er zwar Violinunterricht, doch seine Eltern hatten für ihn die geistliche Laufbahn vorgesehen. Er war zudem bekannt als famoser Fechter. Neben seiner Vorbereitung auf das Priesteramt schrieb sich Tartini auch als Student des Rechtswesens ein (1709), und er empörte sowohl seine Eltern als auch die Kirche, als er im Jahr 1710 eine Ehe einging. Diese ungewöhnlichen Umstände führten zu seiner Flucht nach Assisi, wo er sich ganz seiner musikalischen Entwicklung widmete. Erst im Jahr 1715 wurde er mit seiner Frau, Elisabetta Premazore, vereint, mit der ihn eine lange, aber kinderlose Ehe verband.

Bereits 1720 hatte sich Tartini einen hervorragenden Ruf als Violinist erarbeitet. 1721 trat er seine Stelle als Konzertmeister der Basilica di San Antonio in Padua an – eine renommierte, wenn auch bescheiden vergütete Position, die er über 44 Jahre innehatte. Seine Violinkonzerte wurden sowohl für den Gebrauch in der Basilica di San Antonio als auch für Tartinis eigene ausgedehnte Konzertreisen geschaffen. Er reiste bis 1727 viel und weit, nicht zuletzt um sein Einkommen zu ergänzen und seine Verwandten zu unterstützen. Doch das Reisen ermüdete ihn; er blieb danach für immer in Italien, konzertierte jedoch noch viel, bis er 1740 eine schwerwiegende Armverletzung erlitt. Inzwischen war auch sein Ruf als Pädagoge gewachsen. Um 1727 gründete er seine Violin-Schule in Padua, aus der viele große Geiger hervorgingen und die ihm den Spitznamen „Meister aller Nationen“ einbrachte. Zudem veröffentlichte Tartini zahlreiche Abhandlungen zur Kunst des Violinspiels und zur Musiktheorie. Tartinis Vielzahl an Talenten lässt auf bemerkenswerte intellektuelle Fähigkeiten und eine starke Persönlichkeit schließen. Seine Briefe enthüllen, wie Paul Brainard beschreibt, „eine Persönlichkeit von großer Wärme, Zärtlichkeit, extremer Sensibilität und einer fast übertriebenen Sorgfalt und persönlichen Bescheidenheit.“

Die Violinkonzerte auf dieser CD unterliegen alle dem dreisätzigen Schema Schnell-Langsam-Schnell. Die chronologische Reihenfolge ist nicht bekannt, da die Entstehungsdaten der Kompositionen Tartinis äußerst selten vermerkt sind, wie im 18. Jahrhundert üblich. Die Stücke variieren sehr deutlich in ihrer Instrumentierung, ihrer Textur und ihrem Affekt. Insbesondere die ersten Sätze, alle in einem Vierer-Metrum, bieten eine Bandbreite verschiedenster Charaktere. Die Finalsätze sind durchweg leicht und in einem tänzerischen Dreier-Metrum gesetzt. Die Perlen dieser Konzerte sind gewiss in den langsamen Sätzen zu finden, die in ihrer Schönheit an Opernarien erinnern.

Das Konzert E-Dur D.50 ist entspannt und freudig im Charakter. Ausgeprägt sind hier die synkopierten Rhythmen, die fallenden chromatischen Linien und die melodi- schen Triolen. Der langsame Satz in e-Moll ist eine reichverzierte Arie der Solo-Violine mit einer ostinaten Begleitung des ganzen Orchesters. Der dritte Satz ist leicht und graziös, mit einer recht einfachen Melodik, die jedoch interessante harmonische Modulationen aufweist.

Das Konzert A-Dur D. 96 weist dank der polyphonen Textur und dramatischen Modulationen besonders in den ersten beiden Sätzen stärker symphonische Eigenschaften auf. Es ist von festlichem und jubelndem Klang. Hier tritt das Cello der Begleitung der Solopartien bei. Wenn Tartinis langsame Sätze mit Arien vergleichbar sind, so erscheint dieser zweite Satz, als klagte eine Heldin den Göttern ihr Schicksal. Die Tutti-Passagen stehen getrennt den Solopartien gegenüber, als ob das Tutti hier die Rolle eines antiken griechischen Chors übernähme. Der Finalsatz ist äußerst freudig und humorvoll, mit einem unüblichen 12-taktigen Thema.

Der erste Satz des Konzerts G-Dur D. 80 ist vielseitig und von sehnsüchtigem Charakter. Hier sind die Solopassagen wesentlich leichter, einzig begleitet von den Tuttigeigen. Bezeichnend für den Solopart sind die aufblühenden Läufe und die durchdringenden Akkorde. Der langsame Satz steht diesmal in der Mollparallele e-Moll, mit einem eröffnenden Tutti, gefolgt von einem eindringlich schönen Solo, das nur von den Violinen begleitet wird. Auch im 3. Satz sind die Soloabschnitte einzig von den Geigen begleitet, wodurch die zweiten Geigen durchgehend die Aufgaben einer Basslinie übernehmen. Diese Art der Instrumentierung war offensichtlich eine Vorliebe Tartinis und schafft eine unverwechselbare durchsichtige Klangfarbe. Gegen Ende des dritten Satzes schrieb Tartini ein Capriccio, in dem die Sologeige allein aufbricht und scheinbar über das musikalische Material improvisiert wie eine ausgeschriebene Kadenz. Ihm folgt noch eine traditionelle freie Kadenz, die zu Tartinis Zeit noch relativ schlicht gestaltet wurde. Dieses G-Dur Konzert ist das einzige der vorliegenden Einspielung, zu dem originale Kadenzvorschläge Tartinis erhalten sind.

Tartini schrieb nur sechzehn Violinkonzerte in Moll-Tonarten; das Konzert h-Moll D. 125 ist ein besonderes Meisterwerk mit einem dramatischen und schwelgerischen Timbre. Die tiefen Streicher sind zwar verantwortlich für Farbe und Dramatik, werden jedoch nur spärlich eingesetzt. Der Solopart indessen ist sehr virtuos und originell. Der mittlere Satz des Konzertes, hier in D-Dur, ist der intimste von allen, ohne Tutti, wie ein einfaches dreistimmiges Lied gestaltet: Lascia ch'io dica addio (Lass mich Adieu sagen). Der dritte Satz ist anmutig, aber auch wieder dramatisch und virtuos, und die Instrumentierung entspricht der des ersten Satzes.

Das Hinzufügen weiterer Instrumente zu einer bereits fertigen Komposition war eine gängige Praxis im 18. Jahrhundert; ein Beispiel dafür ist das Konzert D-Dur D.28 mit den zwei Hörnern. Sie steigern den triumphalen Charakter des jagdähnlichen Einleitungsmotivs und die symphonische Faktur dieser Musik. In einer späteren, aus dem 19. Jahrhundert stammenden Partitur dieses Stückes werden sogar Trompeten- und Paukenstimmen verzeichnet. Dieses Konzert bietet die größte Abwechslung von Tutti und Solostimme im Programm. Der langsame Satz steht in d-Moll. Hier präsentieren die Tuttigeigen eigenständig die Melodie, die vom Solopart nicht wiederholt, sondern gleich weiterentwickelt wird. Bemerkenswert ist hier die ausdrucksvolle Chromatik. Auch im dritten Satz haben die Tuttigeigen einen bedeutenden Anteil am thematischen Material, und hier erklingen wieder die Hörner, die zum festlichen Schluss des Konzertes beitragen.

Ariadne Daskalakis

 


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